Als der Eiserne Vorhang dicht war

Als der Eiserne Vorhang dicht war

Beitragvon Interessierter » 5. Januar 2019, 09:53

Der Waldmünchner Fotograf Hans Beer stellt dem Bayerwald-Echo Fotos zur Verfügung, als in Höll die Welt noch zu Ende war.

Bild
Haselbach hatte vor der Zerstörung eine ansehnliche Größe, im Hintergrund das Zollhaus (von Bäumen halb verdeckt) und Häuser von Höll.

Die Berliner Mauer war vor 25 Jahren bereits gefallen, der Eiserne Vorhang begann zu bröckeln – bloß „in der Höll“ tat sich vorläufig wenig, bis der Grenzübergang scheibchenweise geöffnet wurde. Gänsehautgefühle waren vor 25 Jahren am 26. Januar 1990 angesagt, als Menschenmassen von beiden Seiten zur symbolischen Grenzöffnung für einen Tag auf das kleine Nadelöhr zuströmten und die Sicherheitsorgane förmlich überrannten. Erst am 1. August wurde der Übergang für Fußgänger und Radler freigegeben und am 1. November 1990 auch für die Autos.

Der Waldmünchner Fotograf Hans Beer war nicht nur bei diesem spektakulären Ereignis mit der Kamera dabei, schon lange zuvor hatte ihn das Thema Grenze fasziniert, und immer wieder haben er und früher sein Vater besondere Momente im Bild festgehalten. Anlässlich des anstehenden Jubiläums hat Hans Beer in seinem unendlichen Bildarchiv dahingehend geforscht und Fotos gesichtet, von denen er dem Bayerwald-Echo jetzt eine kleine Auswahl zur Verfügung stellt, die wir bis zum Jubiläumstag veröffentlichen.

Er beginnt mit einer Ansicht von Haselbach, als das Dorf noch stand. Weiter geht es mit der unseligen Zeit des Kalten Krieges und des Eisernen Vorhangs, als sich dort deutsche und tschechische Grenzer sowie russische und amerikanische Soldaten Auge in Auge gegenüberstanden. Die Wachposten und ein teils elektrisch geladener Zaun verhinderten fast alle Fluchtversuche, nur ein gelungener ist aus dem Jahr 1953 bekannt, als ein tschechischer Bürger mit einem selbst gebastelten Panzer die Sperren durchbrach – natürlich in Höll.

Für die Waldmünchner Bürger dagegen war die Welt am Schlagbaum zu Ende. Dahinter lauerte die Gefahr, wartete das Nichts. Die Häuser von Haselbach verschwanden nach und nach, nur trostlos ödes Land war von unserer Seite aus zu sehen.

Und doch tat sich ab und zu ein kleines Loch im Grenzzaun auf, wie die Bilder beweisen. Früher passierten Holzfuhrwerke der heimischen Sägewerke in Ausnahmefällen die Grenze in Höll, später wurde er gelegentlich von übergroßen Schwertransport genutzt, weil auf dieser Strecke keine Brücken im Wege standen.

Von Höll aus zu sehen waren nur die Sperranlagen mit einem Doppelzaun und die Wachtürme sowie gelegentlich eine Militärpatrouille. Wo und wie diese stationiert und untergebracht waren, zeigte sich erst später. Deckung und Unterschlupf fanden sie auch in selbst gebauten Bunkern in den Ruinen der zerstören Häuser, wie sich erst kürzlich bei den Ausgrabungen in Untergrafenried gezeigt hat. Aber dann kam das Jahr 1989, der Eiserne Vorhang begann zu zerbröseln – auch in Höll.

Weitere Fotos hier:
https://www.mittelbayerische.de/region/ ... 63394.html
Auch aus Steinen die einem in den Weg
gelegt werden,
kann man was schönes bauen
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