Detlef Armstark - Beim Fluchtversuch ertrunken

Detlef Armstark - Beim Fluchtversuch ertrunken

Beitragvon Interessierter » 23. Dezember 2018, 10:06

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Bildquelle: BStU

geboren am 3. April 1960 in Wismar
ertrunken beim Fluchtversuch am 18. Februar 1987
Ort des Zwischenfalls: die Elbe zwischen Wittenberge und Lenzen (Brandenburg)

Wer in die Bundesrepublik fliehen wollte und um die tödlichen Gefahren wusste, die an der innerdeutschen Grenze drohten, der mochte einen Moment beim Packen seiner Tasche daran gedacht haben, dass es vielleicht die letzte Reise sein könnte, die er antreten wird. Die Tasche, mit der Detlef Armstark am Dienstag, dem 17. Februar 1987, den Zug von Dresden nach Wittenberge bestieg, enthielt Wechselwäsche, eine Armbanduhr, eine Cremedose, eine graue Lederjacke mit Kamm, Kugelschreiber und Schlüsselbund in der Innentasche, eine Geldbörse und ein Buch – Madrapour von Robert Merle. Der große, kräftige Mann mit dem dunkelblonden, lockigen Haar hatte in Rabenau im Kreis Freital eine Gastwirtschaft betrieben, in der auch seine Mutter arbeitete.

Möglicherweise gingen die Geschäfte schlecht, vielleicht fiel es Detlef Armstark auch schwer zu haushalten, jedenfalls war er so hochverschuldet, dass die staatliche Großhandelsgesellschaft sich weigerte, ihn zu beliefern. Weitere Konflikte, die unter anderem dazu beigetragen hatten, dass das MfS den 26-Jährigen in der „Vorverdichtungs-, Such- und Hinweiskartei” führte, mögen den Entschluss der Familie befördert haben, Rabenau zu verlassen. Doch während seine Eltern nach Mecklenburg zurückkehren wollten – Detlef Armstark war in Wismar zur Welt gekommen –, entschied sich der Sohn zu einem radikaleren Schritt.

Von Wittenberge aus floss die Elbe in mehreren Windungen in die Bundesrepublik. In der Nähe der Stadt konnte man zwar ungehindert das Ufer betreten, doch waren es noch ganze 20 Kilometer, bis die Elbe zum Grenzfluss wurde. Zu weit, um zu schwimmen, vor allem an einem unerwartet kalten Februarabend. Als Detlef Armstark in Wittenberge ankam, war die Temperatur auf 4° C unter dem Gefrierpunkt gesunken, hin und wieder fiel Schnee. Sein Plan war es, sich auf Luftmatratzen liegend flussabwärts treiben zu lassen. Am Ufer der Elbe band er zwei Luftmatratzen mit einer Kunststoffschnur zusammen, auch seine Tasche befestigte er an der Verschnürung. Dann legte er sich bäuchlings auf die Matratzen und kroch, damit er nicht abrutschte, unter die Schnur. Was ihm vermutlich Halt bieten sollte, wurde alsbald zur tödlichen Falle. Um 3.25 Uhr wurde in Cumlosen eine Frau von Hilferufen, die vom Fluss her kamen, geweckt. Sie bat einen Fähnrich der Grenztruppen, der im selben Haus wohnte, zu helfen. Doch als er am Ufer ankam, war die Elbe wieder ruhig. Die Hilferufe waren verstummt.

Eine halbe Stunde später sahen Grenzposten am Grenzübergang Cumlosen für einen kurzen Moment die Luftmatratzen im Wasser treiben, nur konnten sie in der Dunkelheit nicht erkennen, worum es sich eigentlich handelte. Rufe wurden nicht mehr vernommen. Inzwischen hatte die Grenzkompanie Gandow Alarm ausgelöst: Posten suchten das Elbufer ab, Hubschrauber kamen zum Einsatz, doch alle Bemühungen blieben ergebnislos. Erst am Nachmittag entdeckte ein Patrouillenboot der Grenztruppen bei Lenzen die schon weit ins Grenzgebiet abgetriebenen Matratzen. In den frühen Morgenstunden muss das manövrierunfähige Gefährt gekentert sein. Als die Soldaten dieses an Bord holen wollten, fanden sie unter den Matratzen eine Leiche, die in der Verschnürung hing.

Durch den mitgeführten Personalausweis konnte der Tote identifiziert werden. Das MfS ließ den Eltern, denen man die Todesumstände verschwieg, nur mitteilen, ihr Sohn sei „an der Elbe tot aufgefunden” worden. Die aufgebrachte Mutter vermutete, dass Detlef Armstark von den Grenzsoldaten, die sie als „Schweine” beschimpfte, erschossen worden sei. In Lützlow, Kreis Prenzlau, fand im März 1987 die Beisetzung statt. Die Tasche mit dem Reisegepäck ihres Sohnes wurde den Eltern per Post zugeschickt.

https://www.fu-berlin.de/sites/fsed/Das ... index.html
Auch aus Steinen die einem in den Weg
gelegt werden,
kann man was schönes bauen
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Re: Detlef Armstark - Beim Fluchtversuch ertrunken

Beitragvon Edelknabe » 23. Dezember 2018, 18:49

Habe gerade mal nach dem lesen der traurigen Geschichte meine Susanne gefragt. Weil, wann zu DDR-Zeiten die Winterferien waren? Soweit ich mich erinnere war das immer Anfang Februar? Eigentlich verrückt, da ins Wasser zu steigen, wenn auch auf Luftmatratze weil wieder, zu der Zeit mit zum Teil ordentlichen Minustemperaturen fuhren wir jedes Jahr zum Skifahren ins Gebirge. Und gut, der Kerl war jung und Jugend schließt unüberlegte Impulsivität eben nicht aus.

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Re: Detlef Armstark - Beim Fluchtversuch ertrunken

Beitragvon Ari@D187 » 23. Dezember 2018, 19:03

In der Ecke ist fast 12 Jahre vorher der damals 21-jährige Ingo Bethke, auch mit Hilfe einer Luftmatratze, geflüchtet. Es war gegen Ende Mai.

Ari
Alles wird gut!
Ari@D187
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