Der Weg in die Freiheit führte durch die Kloake

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Der Weg in die Freiheit führte durch die Kloake

Beitragvon Interessierter » 9. November 2018, 10:44

Rund 800 Menschen flüchteten im Herbst 1961 durch die Kanalisation. Der Verein Berliner Unterwelten erinnert jetzt mit einem Gullydeckel und einer Tafel an dieses stinkende und ekelhafte Abenteuer.

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Dieser Kanal zwischen Ost- und West-Berlin brachte im Herbst 1961 als „Glockengasse 4711“ rund 500 Menschen in die Freiheit
Quelle: Hardy Jüngermann


Der Spitzname war zynisch: „Glockengasse 4711“ nannten West-Berliner Fluchthelfer im Herbst 1961 eine ihrer wichtigsten Routen für Menschen, die nach dem Mauerbau Ost-Berlin verlassen wollten, um ihr Leben in Freiheit weiterleben zu können. Die Adresse des Stammhauses der Kölner Duftmarke „4711 – Echt Kölnisch Wasser“ war eine Anspielung auf den Gestank, den jeder verströmte, der sich hier unter dem Todesstreifen hindurchgezwängt hatte.

Es handelte sich um einen anfangs knapp einen Meter, später 1,40 Meter hohen Mischwasserkanal unter der Alten Jacobstraße zwischen den Bezirken Mitte und Kreuzberg. Der Einstieg aus DDR-Seite lag in der Neuen Grünstraße nahe dem U-Bahnhof Spittelmarkt, der Ausstieg in West-Berlin rund 300 Meter von der Mauer entfernt in einer verlassenen Gegend.

Zwar gab es hier wie in den meisten Berliner Kanalisationskanälen schon seit den 50er-Jahren von der DDR angebrachte Sperrgitter – angeblich angebracht, um „Schmuggel“ zu verhindern. Doch da sich das Abwasser ja nicht stauen durfte, war ein Abstand zwischen der Kanalsohle und dem Gitter gelassen worden – rund 30 Zentimeter. Mit Mut, genügend Verzweiflung und angehaltenem Atem konnte man hindurchrutschen.

Man musste allerdings „durch die Scheiße tauchen“, wie sich ein Fluchthelfer erinnerte. Deshalb wurde das Gitter bald aufgesägt. Ekelerregend blieb das rund 550 Meter lange Kriechen durch die Kloake trotzdem.

54 Jahre später erinnert der rührige Verein Berliner Unterwelten am authentischen Ort an diese Fluchtroute, die etwa drei Viertel der insgesamt rund 800 Kanalisationsflüchtlinge in den Westen brachte. Die Eigentümergemeinschaft des Hauses Neue Grünstraße 16 hat erfreulicherweise zugestimmt, dass die verdienstvollen Privatforscher um Vereinsvorstand Dietmar Arnold zwei Tafeln anbringen; der Gullydeckel auf der Straße selbst wird durch einen eigens neu gegossenen Deckel ersetzt, auf dem „Einstieg zur Freiheit“ steht.

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https://www.welt.de/geschichte/article1 ... loake.html
Auch aus Steinen die einem in den Weg
gelegt werden,
kann man was schönes bauen
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