Stasi-Akte: DDR-Grenzer ließen Heinz Sokolowski verbluten

Hier bitte ausschließlich Themen die sich mit der Berliner Mauer beschäftigen.

Stasi-Akte: DDR-Grenzer ließen Heinz Sokolowski verbluten

Beitragvon Interessierter » 8. November 2018, 15:38

Vor 50 Jahren wurde der Berliner Journalist und DDR-Flüchtling Heinz Sokolowski erschossen. Man ließ ihn verbluten. Erst nach 50 Jahren enthüllten Akten die ganze Wahrheit.

Sein Ziel war die Freiheit. Doch auf dem Fluchtweg dahin wurde der Berliner Heinz Sokolowski getötet (1917-1965) – genau vor 50 Jahren. Jetzt enthüllt seine Stasi-Akte, dass man den angeschossenen Journalisten am Tatort zwischen Reichstag und Brandenburger Tor verbluten lies.

Die Chefin des Mauer-Museums Alexandra Hildebrandt (56) recherchierte den Fall und stellte uns die Stasi-Akte zur Verfügung. Danach schoss am 25. November 1965 ein Soldat auf den Flüchtling, der zusammenbrach. Doch erst nach „15 bis 20 Minuten“ – so die Stasiakte – wurde Sokolowski abtransportiert. Er starb dann auf dem Weg zur Klinik. „Der Todeseintritt ist zweifelsfrei durch eine Ausblutung hervorgerufen worden“, heißt es im Obduktionsbericht. Genau wie bei Peter Fechter drei Jahre zuvor.

1966 errichtete Rainer Hildebrandt für das Maueropfer an der Ecke Ebert-/Scheidemannstraße ein drei Meter hohes Holzkreuz. Die politischen DDR-Gefangenen, Rudolf Schröder (†) und Gustav Rust – beide im Zuchthaus Cottbus inhaftiert – errichteten am Tatort ein neues Kreuz in der ursprünglichen Form. Finanziert wurde die Aktion durch Spenden. Die kleine Gedenkstätte der Maueropfer zwischen Brandenburger Tor und Reichstag wird seit vielen Jahren durch Rust gepflegt.

Vor seinem gescheiterten Fluchtversuch wurde Heinz Sokolowski 1953 vom Sowjetischen Militärtribunal wegen angeblicher Spionage zu 20 Jahren Zuchthaus verurteilt, von denen er zehn Jahre absitzen musste.

In einem Mauerschützenprozess wurde der ermittelte Todesschütze am 21. Februar 1997 zu einer Jungendstrafe von 16 Monaten auf Bewährung verurteilt.

https://www.bz-berlin.de/berlin/mitte/s ... -verbluten
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Re: Stasi-Akte: DDR-Grenzer ließen Heinz Sokolowski verbluten

Beitragvon augenzeuge » 8. November 2018, 17:08

Interessierter hat geschrieben:In einem Mauerschützenprozess wurde der ermittelte Todesschütze am 21. Februar 1997 zu einer Jungendstrafe von 16 Monaten auf Bewährung verurteilt.


Ein DDR-Todesschütze erhält Bewährung. Richtig?

Was erhält eigentlich ein 94jähriger, der in einer KZ-Wachmannschaft mit 18 Jahren verpflichtet war und keinen Menschen ermordete? [denken]

Müsste man den alten Mann nicht mit der gleichen Begründung wie den DDR Todesschützen mit Bewährung verurteilen?

AZ
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Re: Stasi-Akte: DDR-Grenzer ließen Heinz Sokolowski verbluten

Beitragvon Nov65 » 9. November 2018, 17:38

Diese Frage stellt sich mir auch. Seltsam ist auch die verhängte Jugendstrafe.
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Re: Stasi-Akte: DDR-Grenzer ließen Heinz Sokolowski verbluten

Beitragvon Spartacus » 9. November 2018, 19:20

Nun es wurde ja nach DDR Recht geurteilt.

Sieh auch hier:

https://de.wikipedia.org/wiki/Mauersch% ... enprozesse

Und hier:

https://de.wikipedia.org/wiki/Radbruch% ... n-Prozesse

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Re: Stasi-Akte: DDR-Grenzer ließen Heinz Sokolowski verbluten

Beitragvon andr.k » 9. November 2018, 23:04

Interessierter hat geschrieben:Doch erst nach „15 bis 20 Minuten“ – so die Stasiakte – wurde Sokolowski abtransportiert. Er starb dann auf dem Weg zur Klinik. „Der Todeseintritt ist zweifelsfrei durch eine Ausblutung hervorgerufen worden“, heißt es im Obduktionsbericht.


Lies man den Mann wirklich verbluten? Ist das Zeitfenster bekannt, bis die "Erste Hilfe" eintraf? Ist der Obduktionsbericht zum Teil einsehbar?
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Re: Stasi-Akte: DDR-Grenzer ließen Heinz Sokolowski verbluten

Beitragvon augenzeuge » 9. November 2018, 23:22

andr.k hat geschrieben:
Interessierter hat geschrieben:Doch erst nach „15 bis 20 Minuten“ – so die Stasiakte – wurde Sokolowski abtransportiert. Er starb dann auf dem Weg zur Klinik. „Der Todeseintritt ist zweifelsfrei durch eine Ausblutung hervorgerufen worden“, heißt es im Obduktionsbericht.


Lies man den Mann wirklich verbluten? Ist das Zeitfenster bekannt, bis die "Erste Hilfe" eintraf? Ist der Obduktionsbericht zum Teil einsehbar?


Zweifelst du den O.-bericht etwa an? Wenn es eine wirksame Erste Hilfe gegeben hätte, dann wäre der Mann nicht verblutet.
Es wird 1965 ebenso abgelaufen sein, wie in nahezu fast allen anderen, auch späteren Fällen. Die Erste Hilfe spielte nur eine untergeordnete Rolle, oft war sie kaum organisiert.

Wer sich mit vielen ähnlichen Fällen beschäftigt hat, das Buch von Grafe, Grenze durch Deutschland ist dabei hilfreich, und später von Ex-AGT erfahren hat, wie man sie in Erster Hilfe unterwiesen hatte, dem erscheint die Aussage im Obduktionsbericht eigentlich nur als die letzte gewollte Konsequenz der Organisation.

Gerade in dieser Zeit waren die Kommandeure der GT auf Feind besonders gedrillt...und manche waren gnadenlos. Ich würde sogar behaupten, dass damals eine schnelle, gute Erste Hilfe, nicht positiv aufgenommen worden wäre. Wie man an folgendem Beispiel(auch 1965) unzweifelhaft erkennen kann.....
https://de.wikipedia.org/wiki/Walter_Kittel_(Maueropfer)
http://www.chronik-der-mauer.de/todesop ... tel-walter
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Re: Stasi-Akte: DDR-Grenzer ließen Heinz Sokolowski verbluten

Beitragvon andr.k » 10. November 2018, 00:18

augenzeuge hat geschrieben:Zweifelst du den O.-bericht etwa an? Wenn es eine wirksame Erste Hilfe gegeben hätte, dann wäre der Mann nicht verblutet.
Es wird 1965 ebenso abgelaufen sein, wie in nahezu fast allen anderen, auch späteren Fällen. Die Erste Hilfe spielte nur eine untergeordnete Rolle, oft war sie kaum organisiert.


Was ist für Dich ein "O.-bericht"? Kennst Du den "O.-bericht"? Gelesen hab ich hier im Thread noch keinen!
_____________________________________________________________________________________________

Einfach hingeworfene Brocken lösen -gerade in Links, was die "Ehemalige" betrifft, dazu noch ohne genaue Hintergrundinformationen- bei mir in der Regel Fragen auf. @AZ, zum eingestellten Fall kannst Du einfach Nichts sagen, Punkt. Meine Fragen konntest Du leider nicht beantworten. Danke.
Und keine Sorge, bevor ich mich mit solchen Fällen beschäftige, studiere ich schon die Quelle der Herkunft. Anschließend, das müsste Dir eigentlich auch klar sein, greife ich mir entsprechende Literatur von seriösen Autoren um mich nicht mit "Unwissen" in diesem Forum zu profilieren.
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Re: Stasi-Akte: DDR-Grenzer ließen Heinz Sokolowski verbluten

Beitragvon augenzeuge » 10. November 2018, 09:52

O.-bericht soll ein Obduktionsbericht sein. Da kommt man nicht drauf? [flash]

Mich wundert nur eins, du hast in deiner seriösen Literatur scheinbar keine Hinweise gefunden. Aber zweifelst das, was in den MfS Akten, als auch im Obduktionsbericht steht, gleichermaßen an?
Oder du gehst davon aus, dass das im O.-bericht gar nicht drin steht, man das einfach erfunden hat? [shocked]

Keiner von uns könnte, auch wenn ihm der Bericht vorläge, folgende, damalige Aussage eines DDR Rechtsmediziners in Frage stellen:
„Der Todeseintritt ist zweifelsfrei durch eine Ausblutung hervorgerufen worden“, heißt es im Obduktionsbericht.

Das sind nun mal Fakten! Und der Umgang mit der Ersten Hilfe für Flüchtlingen diesen Jahren bestätigt leider ein trauriges Bild.

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Re: Stasi-Akte: DDR-Grenzer ließen Heinz Sokolowski verbluten

Beitragvon augenzeuge » 10. November 2018, 10:17

MfS-Bericht über den Fluchtversuch von Heinz Sokolowski

Auf dem Transport ist auf Grund der erlittenen Verletzungen der Tod des Grenzverletzers in Folge von Verblutung eingetreten.


Eine Erste Hilfe gab es nicht! Warum erfolgte der Transport ohne vorherige EH-Maßnahmen?

http://www.chronik-der-mauer.de/system/ ... s_1965.pdf

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Re: Stasi-Akte: DDR-Grenzer ließen Heinz Sokolowski verbluten

Beitragvon Ari@D187 » 10. November 2018, 11:31

augenzeuge hat geschrieben:
andr.k hat geschrieben:
Interessierter hat geschrieben:Doch erst nach „15 bis 20 Minuten“ – so die Stasiakte – wurde Sokolowski abtransportiert. Er starb dann auf dem Weg zur Klinik. „Der Todeseintritt ist zweifelsfrei durch eine Ausblutung hervorgerufen worden“, heißt es im Obduktionsbericht.


Lies man den Mann wirklich verbluten? Ist das Zeitfenster bekannt, bis die "Erste Hilfe" eintraf? Ist der Obduktionsbericht zum Teil einsehbar?


Zweifelst du den O.-bericht etwa an? Wenn es eine wirksame Erste Hilfe gegeben hätte, dann wäre der Mann nicht verblutet.
[...]

Du scheinst den O.-bericht zu kennen und kannst die Verwundung offenbar sehr gut beurteilen...
Wären Erste-Hilfe-Maßnahmen überhaupt möglich/zielführend gewesen?
Zitat: "Durchschußverletzung von rechter Leiste und linkem Oberschenkel mit Durchtrennung großer Oberschenkelblutgefäße."

"Ließen ... verbluten"... oder wurde die Bergung ggf. von westlicher Seite behindert?
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Re: Stasi-Akte: DDR-Grenzer ließen Heinz Sokolowski verbluten

Beitragvon Volker Zottmann » 10. November 2018, 11:49

Über was für ein bekanntes Unwesen hier noch philosophiert wird ist erschreckend.
Bekannt ist doch, dass fast überall entlang der Grenze zuerst die Opfer von Schussverletzungen aus dem Blickfeld des Westens gezerrt wurden. Da gab es auch fast nie zuerst erste Hilfe. /Fechter) Die setzte in aller Regel, wenn man Untersuchungsberichte liest, wenn überhaupt wesentlich zeitverzögert ein.
Was sollen also solche quängelnden Einwände? Soll die DDR da beschönigt werden? Was geht da nur in solchen Köpfen vor?

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Re: Stasi-Akte: DDR-Grenzer ließen Heinz Sokolowski verbluten

Beitragvon Interessierter » 10. November 2018, 12:05

Zitat Ari:
"Ließen ... verbluten"... oder wurde die Bergung ggf. von westlicher Seite behindert?


Das hat man doch schon erfolglos und verlogen bei Peter Fechter versucht zu suggerieren. Gerade bei der Tötung von unbewaffneten Flüchtlingen haben doch diese SED - Schergen sich die widerlichsten Lügen ausgedacht, um ihre Verbrechen zu rechtfertigen oder zu vertuschen.

Grenzer die von eigenen Kameraden versehentlich erschossen wurden, stellte man dreist und verlogen als Opfer des westdeutschen Klassenfeindes dar.

Diese Dinge sind zahlreich dokumentiert. Außerdem sollte man ( wie der User andr.k ) der durch nichts als Fragen glänzt, anstatt Fakten, nicht seine eigene Unwissenheit dokumentieren, die er AZ vorhält... [flash]
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Re: Stasi-Akte: DDR-Grenzer ließen Heinz Sokolowski verbluten

Beitragvon augenzeuge » 10. November 2018, 12:15

Ari@D187 hat geschrieben:Du scheinst den O.-bericht zu kennen und kannst die Verwundung offenbar sehr gut beurteilen...
Wären Erste-Hilfe-Maßnahmen überhaupt möglich/zielführend gewesen?
Zitat: "Durchschußverletzung von rechter Leiste und linkem Oberschenkel mit Durchtrennung großer Oberschenkelblutgefäße."

Ari


1. Ich zweifle das Zitat aus dem Obduktionsbericht nicht an.
2. Wer EH leistet, weiß nie, ob sie zielführend sein wird.
3. Nach 15min war er geborgen, eine einfache Abbindung der Wunde war möglich, sie erfolgte nicht.

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Re: Stasi-Akte: DDR-Grenzer ließen Heinz Sokolowski verbluten

Beitragvon Dr. 213 » 10. November 2018, 13:20

augenzeuge hat geschrieben:
Ari@D187 hat geschrieben:Du scheinst den O.-bericht zu kennen und kannst die Verwundung offenbar sehr gut beurteilen...
Wären Erste-Hilfe-Maßnahmen überhaupt möglich/zielführend gewesen?
Zitat: "Durchschußverletzung von rechter Leiste und linkem Oberschenkel mit Durchtrennung großer Oberschenkelblutgefäße."

Ari


1. Ich zweifle das Zitat aus dem Obduktionsbericht nicht an.
2. Wer EH leistet, weiß nie, ob sie zielführend sein wird.
3. Nach 15min war er geborgen, eine einfache Abbindung der Wunde war möglich, sie erfolgte nicht.

AZ


Aus rein menschlichem Instinkt wird die Bereitschaft zur Hilfeleistung da gewesen sein.

Vorrang hatte aber zunächst immer ein schnelles Verbringen aus dem Sichtbereich.
Dazu gab es Handlungsanweisungen. Es sollte alles was dazu geeignet war verwendet werden.
Mit Planen abdecken, Fahrzeuge davor stellen und so weiter.

Und dann stand da noch das streng geregelte Grenzregime einer schnelle Hilfe im Weg.

Oft hatte man keinen "bestätigten" Arzt zur Hand.
So ein Arzt mußte nämlich im Angesicht der zusammengeschossenen oder von Minen zerfetzten
Menschenkörper jegliche Diskussionen über den Sinn unterlassen und auch später zuverlässig die Klappe halten.
Außerdem mußte sich so ein Arzt mit dem Ideologisch richtigen Ausfüllen der Papiere auskennen.

Das führte dann durch den Zeitverzug in der Summe zu solch scheußlichen Todesopfern.

Herzlichst
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Re: Stasi-Akte: DDR-Grenzer ließen Heinz Sokolowski verbluten

Beitragvon Ari@D187 » 10. November 2018, 16:01

Interessierter hat geschrieben:Zitat Ari:
"Ließen ... verbluten"... oder wurde die Bergung ggf. von westlicher Seite behindert?


Das hat man doch schon erfolglos und verlogen bei Peter Fechter versucht zu suggerieren. Gerade bei der Tötung von unbewaffneten Flüchtlingen haben doch diese SED - Schergen sich die widerlichsten Lügen ausgedacht, um ihre Verbrechen zu rechtfertigen oder zu vertuschen.

Grenzer die von eigenen Kameraden versehentlich erschossen wurden, stellte man dreist und verlogen als Opfer des westdeutschen Klassenfeindes dar.

Diese Dinge sind zahlreich dokumentiert. Außerdem sollte man ( wie der User andr.k ) der durch nichts als Fragen glänzt, anstatt Fakten, nicht seine eigene Unwissenheit dokumentieren, die er AZ vorhält... [flash]

Bei dir läuft das meist nach dem üblichen Schema: Der letzte Satz geht ins Persönliche und zerstört die Sachlichkeit, welche für eine Diskussion notwendig ist.
Insgesamt hinterläßt du damit ein sehr schwaches Bild, welches so gar nicht zu dem vor dir hergetragenen,selbstsuggerierten Status des Bildungsbürgers passt.

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Re: Stasi-Akte: DDR-Grenzer ließen Heinz Sokolowski verbluten

Beitragvon Interessierter » 10. November 2018, 16:08

Eine deiner sich wiederholenden Unterstellungen, wenn User nicht deiner Meinung sind...

[hallo]
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Re: Stasi-Akte: DDR-Grenzer ließen Heinz Sokolowski verbluten

Beitragvon Ari@D187 » 10. November 2018, 16:16

Interessierter hat geschrieben:Zitat Ari:
"Ließen ... verbluten"... oder wurde die Bergung ggf. von westlicher Seite behindert?


Das hat man doch schon erfolglos und verlogen bei Peter Fechter versucht zu suggerieren. [...]

Erfolglos und verlogen und basta...wie einfach man sich die Welt doch machen kann...
Wie angespannt und ernst die Situation damals war, verdeutlicht doch gerade die Mimik der Grenzsoldaten während der Bergung.
-> Link

Ist hier jedoch OT.

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Re: Stasi-Akte: DDR-Grenzer ließen Heinz Sokolowski verbluten

Beitragvon Volker Zottmann » 10. November 2018, 16:36

An den Grenzsoldaten sollte man gar nichts festmachen, Ari@D187.
Denen muss das ja nicht gefallen haben. Sie waren als Grundwehrdienstleistende somit nur Ausführende.
Der Fisch stinkt aber vom Kopf.
Und der Gestank hat gar nichts mit kaltem Krieg zu tun. Das war stets pure Unmenschlichkeit, die in diesem System fest eingebunden war. Menschen die aus was für Gründen auch immer die Seiten wechseln wollten, waren spätestens ab dann nur noch Subjekte und keines humanen Gedankens an sie mehr würdig. Ich erinnere mich da nur an den rüden Ton bei der Truppe.
Du brauchst Dich auch nicht wundern, weil eben Leute wie Mörder Mielke oder ein besoffener Hoffmann die Chefs der Truppe waren. Gerade von Hoffmann gibt es dazu ja noch eine lallende Tonbandaufzeichnung. (Die mit der Kugel...) Solchen armseligen Befehlsgebern war ein ganz oder halb erschossener Grenzverletzer völlig Schnuppe.

Gruß Volker
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Re: Stasi-Akte: DDR-Grenzer ließen Heinz Sokolowski verbluten

Beitragvon augenzeuge » 10. November 2018, 17:15

Ari@D187 hat geschrieben:Wie angespannt und ernst die Situation damals war, verdeutlicht doch gerade die Mimik der Grenzsoldaten während der Bergung.
Ari


Die Mimik sagt mir etwas ganz anderes. Sie zeigt im Vordergrund ein ängstliches, überforderndes, auch schuld eingestehendes Verhalten.
Wobei die Mimik des Verantwortlichen im Hintergrund zufriedenstellend und emotionslos erscheint.

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Re: Stasi-Akte: DDR-Grenzer ließen Heinz Sokolowski verbluten

Beitragvon Nostalgiker » 10. November 2018, 19:42

Interessierter hat geschrieben:Eine deiner sich wiederholenden Unterstellungen, wenn User nicht deiner Meinung sind...

[hallo]


Eine Materie in der du dich hervorragend auskennst, denn Unterstellungen sind dein Metier wenn User nicht deiner Meinung sind.
Ich bin nicht auf der Welt, um so zu sein, wie andere mich gerne hätten.

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Re: Stasi-Akte: DDR-Grenzer ließen Heinz Sokolowski verbluten

Beitragvon andr.k » 10. November 2018, 23:12

Interessierter hat geschrieben:Diese Dinge sind zahlreich dokumentiert. Außerdem sollte man ( wie der User andr.k ) der durch nichts als Fragen glänzt, anstatt Fakten, nicht seine eigene Unwissenheit dokumentieren, die er AZ vorhält...


Interessant in diesem Thread ist, wie sich nicht nur der User @Interessierter mit der Thematik, Biografie und Stasiakte von Heinz Sokolowski beschäftigt hat. Leider ist wie immer erkennbar, dass er sich sein immenses Wissen nur mit Zeitungsartikel im Groschenformat aus dem Internetz zieht und hier dann ganz frech behauptet, dass andere User keine Ahnung haben.

Eine Empfehlung - auch für User, die gerne über besoffene Generäle philosophieren - wäre u.a. das Buch: Die Todesopfer an der Berliner Mauer 1961-1989. Ein biographisches Handbuch. In diesem Buch ab Seite 208 könnte man diese Bildungslücke schließen.
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Re: Stasi-Akte: DDR-Grenzer ließen Heinz Sokolowski verbluten

Beitragvon Volker Zottmann » 10. November 2018, 23:24

Bücher die ich besitze braucht man mir nicht empfehlen.
Ich lese solche Bücher grundsätzlich chronologisch. Ebenso Begleitliteratur, selbst Stasiberichte und Zeitzeugenaussagen nach der Wende und höre auch grandiose Tondokumente, selbst wenn man dann genau hinhören muss, weil der Sprechende seine Sicht im Suff widergibt. Nur so erhält man einen allumfassenden Gesamteindruck.

Übrigens hilft "immenses Wissen eines Users, selbst nur mit Zeitungsartikeln im Groschenformat" mehr, als gehässig provozierende Schreiberlinge, deren einziges Bestreben das Hetzen und Stören in den Threads darstellt.

Gruß Volker
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Re: Stasi-Akte: DDR-Grenzer ließen Heinz Sokolowski verbluten

Beitragvon andr.k » 10. November 2018, 23:42

Volker Zottmann hat geschrieben:Bücher die ich besitze braucht man mir nicht empfehlen.
Ich lese solche Bücher grundsätzlich chronologisch. Ebenso Begleitliteratur, selbst Stasiberichte und Zeitzeugenaussagen nach der Wende und höre auch grandiose Tondokumente, selbst wenn man dann genau hinhören muss, weil der Sprechende seine Sicht im Suff widergibt. Nur so erhält man einen allumfassenden Gesamteindruck.


Na dann aber ran an den neuen Buchvorschlag. Eine alte Weisheit besagt ja, dass Lesen bildet.

Übrigens soll es auch Bücher zu kaufen geben, die Uniformen des MfS genauestens erklären… Quasi mit Bildern/Abbildungen, wo Beschriftungen an den Ärmeln und Mützen erklärt werden.
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Re: Stasi-Akte: DDR-Grenzer ließen Heinz Sokolowski verbluten

Beitragvon SkinnyTrucky » 11. November 2018, 08:17

Naja, also ich würde schon mal gerne wissen wollen, wie intensiv und wie oft bei den Grenztruppen Erste Hilfe Maßnahmen trainiert wurden, immerhin bestand ja die Gefahr das Menschen, Flüchtlinge wie AGT's, zu Schade kommen konnten....

....wie war die Organisation um zu Schaden gekommenen Menschen möglichst schnell Hilfe zu leisten....gab es besonders geschulte Mitarbeiter in der Alarmtruppe, wurden Krankenwagen samt Besatzung in Bereitschaft gehalten....gab es besonders eingewiesene Notärzte pro Grenzabschnitt....

....falls im Vorfeld doch alles Mögliche getan wurde, so könnte man daraus einen Willen ableiten, Menschen wirklich schnellstmöglich Hilfe im Schadensfall zukommen zu lassen, oder....

Was hatte also mehr Priorität....der Schutz der Gesundheit der Menschen oder die Unverletzlichkeit der Grenze.... [ich auch]



groetjes

Mara
Wenn es heute noch Menschen gibt, die die DDR verklären wollen, kann das nur damit zusammenhängen, dass träumen schöner ist als denken.... (Burkhart Veigel) Bild
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Re: Stasi-Akte: DDR-Grenzer ließen Heinz Sokolowski verbluten

Beitragvon Volker Zottmann » 11. November 2018, 11:35

Mara,
auf Deine Frage kann ich nur sagen: 3 mal darfst Du raten! [laugh]

Ich habe in der Bautruppe als Hilfssanitäter ja erlebt, wie wir geschult wurden. Das hätte gewiss schon im Einsatz geholfen. Andererseits erlebte ich aber auch permanente unterlassene Hilfeleistung über Stunden, als mein Bettnachbar sich vor Schmerzen krümmte. Ich weiß gar nicht mehr, wie oft ich seit nachmittags in meiner Funktion, bis in die Nacht hinein Hilfe forderte, die aber verweigert wurde.... Bis eben in der Nacht ein OvD dann endlich einlenkte und den Soldaten mit später diagnostizierter akuter Nierenbeckenentzündung in Krankenhaus Torgau brachte. Die Gesundheit der einzelne Soldaten hat die Obrigkeit kaum interessiert. Es sei denn, es traten massenhaft Erkrankungn auf. Wie bei uns in der Einheit, als irgend etwas mit unserem Trinkwasser nicht stimmte und mehreren Soldaten gleichzeitig die Zähne dermaßen wackelten und das Zahnfleisch sich zurückzog, dass die sofort zum Zahnarzt ins Zuchthaus verbracht wurden. Parallel gab es einige Tage Wasser aus Tankwagen und ansonsten war großes Schweigen auf unserer Baustelle angesagt.
Und so wie das 1970 gehandhabt wurde, ist mir klar, dass man wegen ganz- oder halbtoter Grenzverletzer kein großes Aufhebens veranstaltete, außer danach Spuren zu verwischen.

Gruß Volker
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Re: Stasi-Akte: DDR-Grenzer ließen Heinz Sokolowski verbluten

Beitragvon Nov65 » 11. November 2018, 13:09

In unserer Grenzkompanie gab es nichts Spezielles für die Erste-Hilfe-Leistung: Keinen ausgebildeten Sanitäter, nur eine Sani-Ausbildung in der Grundausbildung der Militärkraftfahrer, ähnlich der zivilen Fahrschule. Ich erinnere mich auch nicht, dass im Einsatzplan "Zusammenwirken der Kräfte"( Planung für die Regimentsführung) die Erste Hilfe eine Rolle spielte.
Gottlob, der Kelch ging an mir vorbei, einen Schussverletzten zu versorgen. Aber wenn man als junger Mensch dabei ist, fehlt einem Vorsicht, Weitsicht, Rücksicht. Deshalb wurden ja auch überwiegend blutjunge Männer zur Grenze eingezogen.
Andreas
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Re: Stasi-Akte: DDR-Grenzer ließen Heinz Sokolowski verbluten

Beitragvon augenzeuge » 11. November 2018, 13:35

Nov65 hat geschrieben:In unserer Grenzkompanie gab es nichts Spezielles für die Erste-Hilfe-Leistung: Keinen ausgebildeten Sanitäter, nur eine Sani-Ausbildung in der Grundausbildung der Militärkraftfahrer, ähnlich der zivilen Fahrschule. Ich erinnere mich auch nicht, dass im Einsatzplan "Zusammenwirken der Kräfte"( Planung für die Regimentsführung) die Erste Hilfe eine Rolle spielte.
Gottlob, der Kelch ging an mir vorbei, einen Schussverletzten zu versorgen. Aber wenn man als junger Mensch dabei ist, fehlt einem Vorsicht, Weitsicht, Rücksicht. Deshalb wurden ja auch überwiegend blutjunge Männer zur Grenze eingezogen.
Andreas


Danke Andreas. Ja, den jungen Menschen wird das gefehlt haben. Ohne Zweifel. Aber die verantwortlichen Kommandeure, die wussten es genau. Und die handelten mit Absicht so.
Stell dir vor, es hätte eine Unterweisung zum Thema EH bei Schusswunden gegeben, derjenige wäre doch gleich rausgeflogen. Die Gesundheit des Grenzverletzers spielte keine Rolle.

AZ
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Re: Stasi-Akte: DDR-Grenzer ließen Heinz Sokolowski verbluten

Beitragvon Nov65 » 12. November 2018, 17:18

Danke Andreas. Ja, den jungen Menschen wird das gefehlt haben. Ohne Zweifel. Aber die verantwortlichen Kommandeure, die wussten es genau. Und die handelten mit Absicht so.
Stell dir vor, es hätte eine Unterweisung zum Thema EH bei Schusswunden gegeben, derjenige wäre doch gleich rausgeflogen. Die Gesundheit des Grenzverletzers spielte keine Rolle.

AZ[/quote]
Es gab in unserer Kompanie keinerlei Unterweisungen, Schulungen, Vorträge von Ärzten zum Thema Erste Hilfe bei Schussverletzungen. In der Ausbildung zum Militärkraftfahrer durften wir die Hoheitszeichen der Alliierten erlernen und auseinanderhalten. Das Verhalten nach Schusswechsel lief nach Vorschrift ab: Stöpsel in der Meldeanlage des Postenturms rein. Meldung des Vorfalls an den Einsatzoffizier in der Leitstelle im Grenzabschnitt. Der schickte Leute los, alarmierte ein Einsatzfahrzeug. Die verletzte Person wurde abgeholt, wohin? Die beiden Würmchen auf dem Postenturm hatten damit nichts mehr zu tun. Bei Schusswechsel mit Todesfolge setzten nächtliche "Beratungen" im Dienstzimmer des Regimentskommandeurs ein. Stadtkommandantur, MfS, Grenzkommando verhörten die Grenzposten, verfassten ein Ergebnisprotokoll. Zur Info für User, die neu sind: Ich war Grenzer vorn an der Linie, war auch in den Leitstellen im Grenzbereich eingesetzt, Kompanieschreiber und im letzten Diensthalbjahr Vorzimmer Kommandeur, wurde bei solchen Vorfällen nachts geholt und hämmerte auch den Endbericht der Herren mit den großen Schulterstücken in die Schreibmaschine.
Ich stimme dir ohne Abstriche zu: Der Grenzverletzer wurde nicht als Mensch behandelt. Eine unglaublich menschenfeindliche Haltung der DDR-Verantwortlichen.
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Re: Stasi-Akte: DDR-Grenzer ließen Heinz Sokolowski verbluten

Beitragvon Spartacus » 12. November 2018, 19:15

Zur Info für User, die neu sind: Ich war Grenzer vorn an der Linie


Und hat auch noch ein schönes kleines Buch darüber geschrieben, dass bei mir im Bücherregal einen Ehrenplatz hat. [grins]

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Re: Stasi-Akte: DDR-Grenzer ließen Heinz Sokolowski verbluten

Beitragvon Volker Zottmann » 12. November 2018, 20:08

Spartacus hat geschrieben:
Zur Info für User, die neu sind: Ich war Grenzer vorn an der Linie


Und hat auch noch ein schönes kleines Buch darüber geschrieben, dass bei mir im Bücherregal einen Ehrenplatz hat. [grins]

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Kalaschnikow und Kaugummi ISBN: 978-3-9813533-3-4 Von Andreas Theodor Schön.
Andreas beschreibt, wie er sich nach der Einberufung an der Berliner Grenze wiederfand... Mehr verrate ich nicht. Ich meine, es ist sehr lesenswert.

Gruß Volker
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