1982 beim Fluchtversuch erschossen

1982 beim Fluchtversuch erschossen

Beitragvon Interessierter » 10. Oktober 2018, 09:17

Heinz-Josef Große

Während eines Arbeitseinsatzes in unmittelbarer Grenznähe bei Wahlhausen nutzte Heinz-Josef Große, Baggerfahrer bei der Meliorationsgemeinschaft Uder, die Gelegenheit, den Grenzzaun mit Hilfe der schwenkbaren Schaufel eines Überkopfladers zu überwinden. Nach Abgabe eines Warnschusses eröffneten die zur Überwachung der Arbeiten eingesetzten Grenzposten gezieltes Feuer auf den Flüchtling.

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Bildquelle: Walter Große / Roman Grafe

geboren am 11. Oktober 1947 in Thalwenden
erschossen am 29. März 1982
Ort des Zwischenfalls: bei Wahlhausen (Thüringen)

Heinz-Josef Große arbeitete seit dem 17. März 1982 bei Schachtungsarbeiten in unmittelbarer Grenznähe bei Wahlhausen im Grenzbereich zu Hessen. Er hatte sich bereits bei früheren Bauarbeiten dort bewährt und galt bei dem zuständigen Grenzkommando als zuverlässig und vertrauenswürdig. Am Kolonnenweg sollte die Errichtung eines Beobachtungsturmes vorbereitet werden. Trotz strenger Kontrolle der Arbeiten durch Grenzposten plante Heinz-Josef Große für den letzten Arbeitstag an der Grenzanlage seine Flucht.

In den Nachmittagsstunden des 29. März 1982 wendete er sein Baufahrzeug und fuhr an den Grenzzaun I heran. Er legte die schwenkbare Schaufel des Überkopfladers auf den oberen Rand der Sperranlage. Als er auf die Schaufel kletterte, bemerkten DDR-Grenzer die Fluchtabsicht. Große sprang auf die andere Seite und folgte der Aufforderung stehenzubleiben nicht. Nach Abgabe eines Warnschusses eröffneten die zur Überwachung der Arbeiten eingesetzten Grenzposten gezieltes Feuer. Ein Schusstreffer oberhalb des Gesäßes verletzte die Beckenarterie und weitere Beckenvenen. Heinz-Josef Große erlag seinen Verletzungen noch am Unglücksort. Der Regimentsarzt stellte nach der Bergung gegen 16.05 Uhr seinen Tod fest.

Heinz-Josef Große wuchs mit drei Geschwistern in einer katholischen Arbeiterfamilie auf, in der der regelmäßige Kirchgang selbstverständlich war. Sein Firmpate, der in der Bundesrepublik lebte, besuchte ihn bis 1977 regelmäßig. Nach dem Abschluss der 8. Klasse erlernte er von 1960 bis 1963 den Beruf des Polsterers. Er arbeitete bis zu seiner Einberufung zum Militärdienst in diesem Beruf. Hernach nahm er eine Tätigkeit in der Meliorationsgenossenschaft Uder/Kreis Heiligenstadt auf und qualifizierte sich dort 1973 zum Meliorationsfacharbeiter. Innerhalb seiner Arbeitsstelle wurde er als fleißiger und hilfsbereiter Kollege geschätzt. Politisch verhielt er sich eher zurückhaltend. Für seine guten Arbeitsleistungen sowie seine Sorgfalt bei der Wartung und Pflege der ihm anvertrauten Bagger wurde er im Dezember 1981 mit einer Reise in die Sowjetunion ausgezeichnet.

Heinz-Josef Große war ein leidenschaftlicher Fan der Fußballmannschaft von Thalwenden. Er begleitete sie zu fast allen Spielen. Im Wohnort galt er als hilfsbereit, weil er nachbarschaftliche Baumaßnahmen sogar mit seinem Bagger unterstützte. Dem Garten auf dem Grundstück seiner Mutter widmete Heinz-Josef Große einen großen Teil seiner Freizeit. Gerne bastelte er auch an seinem Auto. Ersatzteile baute er aus einem älteren Fahrzeug aus, das er sich angeschafft hatte. Seine Idee, eine kleine Werkstatt neben der erst vor kurzem gebauten Garage einzurichten, kam nicht mehr zur Ausführung. Das Baumaterial dafür hatte er sich jedoch bereits beschafft. Heinz-Josef Große war von Oktober 1976 bis Oktober 1977 verheiratet. Sein Sohn wurde im Frühjahr 1977 geboren. Nach der Scheidung lebte Heinz-Josef Große bei seiner Mutter in Thalwenden. Das Jugendamt untersagte ihm den Kontakt zu seinem Sohn.

Seine Mutter erinnerte sich später, dass sich ihr Sohn in den letzten 14 Tagen vor seinem Fluchtversuch eigenartig ruhig verhielt. In seinem Pkw, mit dem er zuletzt an die Grenze bei Wahlhausen gefahren war, wurden später ein Koffer mit Kleidungsstücken sowie Rasier- und Waschzeug aufgefunden. Am Tag des Fluchtversuchs hatte er von der Kreissparkasse Heiligenstadt 8 000 Mark abgehoben. Die Flucht war demnach gut vorbereitet worden.

Die Familie erfuhr am Abend des 29. März 1982 gegen 22.30 Uhr von Heinz-Josef Großes Tod bei einem Fluchtversuch. Die Beisetzung bereitete Schwierigkeiten: So hatte die Familie keinen Einfluss auf den Termin. Dieser wurde behördlich festgesetzt. Zudem wurde nur eine geringe Zahl von Trauergästen zugelassen, einigen Leuten wurde die Teilnahme sogar ausdrücklich untersagt. Zum konkreten Tathergang, der zum Tod Heinz-Josef Großes geführt hatte, erfuhr die Familie nichts. Eine Zeitlang überwachte das MfS die gesamte Familie.

Am 12. Juni 1982 wurde an jener Stelle, an der Heinz-Josef Große bei seinem Fluchtversuch erschossen worden war, auf der Westseite ein Holzkreuz errichtet. Die Inschrift: „Einheit, Recht und Freiheit” weist in Richtung DDR.

https://www.fu-berlin.de/sites/fsed/Das ... index.html
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Re: 1982 beim Fluchtversuch erschossen

Beitragvon zonenhasser » 10. Oktober 2018, 09:54

Darüber existiert hier bereits ein Thread.
Ich war im Juni im Grenzmuseum Schifflersgrund:

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Der Original-Bagger

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3 Fotos: privat
Der Abschnitt, an dem die Tragödie stattfand. Dort befindet sich auch das Gedenkkreuz.

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© - Quelle
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Re: 1982 beim Fluchtversuch erschossen

Beitragvon Interessierter » 11. Oktober 2018, 07:32

Dramatische Szenen am Todesstreifen

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Über die bewegte Geschichte der einst beiden Deutschlands – BRD und DDR – sprach Volkmar Raabe (rechts), ehemaliger DDR-Grenzschützer und späterer Polizeihauptkommissar in Erbach, vor Jugendlichen der Beerfelder Oberzentschule. Foto: Thomas Wilken

Das ihn am meisten prägende Erlebnis in seiner Tätigkeit als Grenzschützer der DDR hatte Volkmar Raabe 1982 – am 29. März jenes Jahres. Damals musste er mit anschauen, wie ein DDR-Flüchtling an der innerdeutschen Grenze von zwei Soldaten der Nationalen Volksarmee (NVA) im Todesstreifen angeschossen wurde und 25 Meter vor dem rettenden bundesdeutschen Gebiet verblutete. Raabe, längst Odenwälder, erzählte diese Geschichte, als er anlässlich des Mauerfalls am 9. November 1989 nun vor Jugendlichen der Oberzentschule Beerfelden über die bewegte Geschichte der beiden deutschen Staaten sprach.

„Wir mussten den Notarzt festhalten, damit der nicht auch noch erschossen wird“, schilderte der ehemalige Polizeihauptkommissar der Station in Erbach die schreckliche Situation, die ihn auch rund 30 Jahre später immer noch verfolgt. Ein Kreuz und ein Schild erinnern heute an die fehlgeschlagene Flucht von Hans-Josef Große: „Hier wurde ein Mensch erschossen, der von Deutschland nach Deutschland wollte“, ist darauf zu lesen. Große war einer von 715 Menschen, die von 1961 bis 1989 an der innerdeutschen Grenze zu Tode kamen. Mit Berlin waren es 872.

Dass der sogenannte „antifaschistische Schutzwall“ allein dem Zweck diente, die Bürger der DDR an einer Flucht in den Westen zu hindern, machte der ehemalige Grenzbeamte an der Tatsache fest, dass die Selbstschussanlagen nur nach Osten, ins eigene Land, gerichtet waren. „Von Westen her konnte man die Befestigungen leicht überwinden“, erklärte Raabe.

https://www.echo-online.de/dramatische- ... _17463880#
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Re: 1982 beim Fluchtversuch erschossen

Beitragvon augenzeuge » 11. Oktober 2018, 07:36

„Wir mussten den Notarzt festhalten, damit der nicht auch noch erschossen wird“,


Karnak, wären die Chancen dafür groß gewesen?

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Re: 1982 beim Fluchtversuch erschossen

Beitragvon zonenhasser » 11. Oktober 2018, 09:37

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"Ich hab noch gerufen: Pass auf, sie kommen", sagt Range. "Das hat sich innerhalb von Sekunden ereignet, aber mir kam es vor wie in Zeitlupe."

Als Heinz-Josef Große trotz der Warnschüsse den Hang weiter gen Westen hinauf floh, eröffneten die DDR-Grenzsoldaten das Feuer auf ihn. Die Zollbeamten auf der anderen Seite mussten hilflos mit ansehen, wie der Mann getroffen wurde und verblutete. Heinz-Josef Große starb 25 Meter von der Bundesrepublik entfernt.


© Thüringische Landeszeitung 1. 10. 2010
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Re: 1982 beim Fluchtversuch erschossen

Beitragvon Volker Zottmann » 11. Oktober 2018, 09:53

Was hat denn die Grenzer getrieben, wenn Große nun schon verletzt über den Zaun war, im Schifflersgrund nur noch den steilen Hang hoch musste, weiter auf ihn zu schießen?
Ab da ist es für mich Mord, wenn feige hinterher geschossen wird. Lieber tot als im Westen, war das ausgegebene Motto von Hoffmanns und Mielkes Mörderstab.

Gruß Volker
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Die Weite Deines Horizonts ist Frage Deiner Sicht.
Der Große sieht ihn breiter, der Kleine leider nicht.
(Volker Zottmann)
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