Dresdnerin sucht Zwillingsschwester: "Die DDR hat sie gestohlen"

Es gab zwischen beiden deutschen Staaten große Unterschiede in der Sozialpolitik (welche ja eine der Philosophien des DDR-Sozialismus war). Wo lagen die Unterschiede? Wie effektiv waren beide Sozialsysteme? Was war ungerecht, was war gerecht? Wie ist es im Vergleich zu heute?
Der Bereich für Diskussionen zu den Sozialen Systemen der beiden deutschen Staaten.

Dresdnerin sucht Zwillingsschwester: "Die DDR hat sie gestohlen"

Beitragvon Interessierter » 2. Oktober 2018, 10:48

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privat Kerstin und Birgit kurz nach der Geburt - Anke bekamen die Eltern nicht zu Gesicht

Die Ärzte eines Dresdner Krankenhauses in der DDR behaupteten, dass Kerstin Heinzes eineiige Zwillingsschwester kurz nach der Geburt 1964 gestorben sei. Doch dann fährt im Mai 2015 eine Frau, die genauso aussieht wie Kerstin, an der 52-Jährigen vorbei.

Die Dresdnerin ist sich sicher: "Meine Schwester lebt noch!" Kerstin Heinze kam als Drilling fast drei Monate zu früh in einer privaten Entbindungsklinik zur Welt. Sie und ihre Schwester Birgit konnten nach einiger Zeit entlassen werden. Kerstins eineiige Schwester Anke soll jedoch sieben Tage nach der Geburt gestorben sein.

"Die Ärzte zeigten meinen Eltern immer nur Birgit und mich. Anke, die im Gegensatz zu Birgit mein eineiiger Zwilling ist, haben sie nie gesehen. Dann wurde meinem Vater gesagt, dass sie gestorben sei." Die Leiche des Kindes soll für die Wissenschaft freigegeben worden sein. Die Eltern erhielten nur eine Sterbeurkunde.

Zwillingsschwester in Dresden gesehen

"Vor 12 Jahren ging es dann los: Freunde sahen mich an verschiedenen Orten in Dresden. Aber das war ich nicht", erzählt Kerstin. Dann sah sie ihre Schwester vor einem Jahr selbst auf der Straße, jedoch nicht lang genug, um sie anzusprechen. "Ich bin mir hundertprozentig sicher, dass sie es war. Sie sah genauso aus wie ich."

Heinze forschte nach – doch ohne Erfolg. Die Uniklinik konnte ihr keine Unterlagen zur Verfügung stellen, da der Fall mehr als 30 Jahre zurück liegt und verjährt ist. In einer Obduktionsliste aus dem Geburtsjahr der Mädchen konnte Anke nicht gefunden werden. "Sie wurde offensichtlich nicht obduziert", folgert die 52-Jährige.

Mehr als 1000 vermisste Kinder

Heinze ist Mitglied in dem Verein "Interessengemeinschaft Gestohlene Kinder der DDR". "Über 1000 Personen wurden bei uns als vermisst gemeldet. Sie sollen alle als Säugling gestorben sein", erklärt Vereinsvorsitzender Andreas Laake. "Natürlich gibt es einige Kinder, die wohl gestorben sind, aber viele Mütter haben ihr Baby gesund gesehen und dann wurde ihnen mitgeteilt, es sei tot. Es gibt viele Ungereimtheiten." Der Verein geht davon aus, dass teilweise die Kinder von "Nicht-Regimetreuen", wie die Familie von Heinze, zu "guten" sozialistischen Eltern gegeben wurden.

Jedoch ist es sehr schwer, die Kinder wiederzufinden. "Meine Schwester hat jetzt eine andere Identität. Sie weiß vermutlich gar nicht, dass sie uns gestohlen wurde", sagt Kerstin Heinze. Jetzt hofft sie auf neue Hinweise und das ihre Schwester sich bei ihr meldet.

https://www.focus.de/regional/dresden/a ... 17509.html
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Re: Dresdnerin sucht Zwillingsschwester: "Die DDR hat sie gestohlen"

Beitragvon Volker Zottmann » 2. Oktober 2018, 11:36

Mit dem 2 Fotos müsste sie ja ihre Zwillingsschwester oder (nur) Doppelgängerin finden können.
Dabei könnten ja Presse und Regionalfernsehen helfen.
Ein DNA-Abgleich brächte Gewissheit.

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Re: Dresdnerin sucht Zwillingsschwester: "Die DDR hat sie gestohlen"

Beitragvon Nostalgiker » 2. Oktober 2018, 11:40

Es gab in der DDR 1964 private Krankenhäuser? im Text "private Entbindungsklinik".
Ist ja was völlig Neues.
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Re: Dresdnerin sucht Zwillingsschwester: "Die DDR hat sie gestohlen"

Beitragvon Volker Zottmann » 2. Oktober 2018, 11:50

Nostalgiker hat geschrieben:Es gab in der DDR 1964 private Krankenhäuser? im Text "private Entbindungsklinik".
Ist ja was völlig Neues.

Zumindest gab es fast zu jeder DDR-Zeit Privatabteilungen in den Krankenhäusern, die in aller Regel dem Chefarzt unterstanden.

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Re: Dresdnerin sucht Zwillingsschwester: "Die DDR hat sie gestohlen"

Beitragvon Nostalgiker » 2. Oktober 2018, 12:06

Ich glaube kaum das eine Frühchenstation in einer Kinder- und Geburtsklinik auf privater oder Chefarztebene betrieben wird.
Da ich mich zufälligerweise mit der Thematik Frühgeburt ganz gut auskenne kannst du davon ausgehen das solch eine Station einer Intensivstation nicht unähnlich ist.
Welcher Chefarzt betreibt eine private Intensivstation?
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Re: Dresdnerin sucht Zwillingsschwester: "Die DDR hat sie gestohlen"

Beitragvon Volker Zottmann » 2. Oktober 2018, 12:17

In QLB gab es den Gynäkologen Dr.Oldmanns.
Nach falschem Denunzieren wurden er, seine Frau und eine seiner Töchter eingesperrt, wegen angeblicher Vorbereitung zur Republikflucht. Die Frauen kamen wieder frei. Dr. Oldmanns aber verstarb in einem Frauengefängnis.
Er hatte in der Geburtsklink in QLB sogenannte Belegbetten. Sprich Privatpatienten. Er war einer der beliebtesten und geachtetsten Ärzte, die Quedlinburg je hatte.

Namen schreibe ich nur deshalb, damit Du oder Deine Halberstädter Verwandschaft das beim Prüfen gut nachvollziehen kannst.
Es gab also so etwas wie Privatkliniken oder -abteilungen.

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Re: Dresdnerin sucht Zwillingsschwester: "Die DDR hat sie gestohlen"

Beitragvon steffen52 » 2. Oktober 2018, 12:25

Volker Zottmann hat geschrieben:In QLB gab es den Gynäkologen Dr.Oldmanns.
Nach falschem Denunzieren wurden er, seine Frau und eine seiner Töchter eingesperrt, wegen angeblicher Vorbereitung zur Republikflucht. Die Frauen kamen wieder frei. Dr. Oldmanns aber verstarb in einem Frauengefängnis.
Er hatte in der Geburtsklink in QLB sogenannte Belegbetten. Sprich Privatpatienten. Er war einer der beliebtesten und geachtetsten Ärzte, die Quedlinburg je hatte.

Namen schreibe ich nur deshalb, damit Du oder Deine Halberstädter Verwandschaft das beim Prüfen gut nachvollziehen kannst.
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Mal eine bescheiden Frage, Volker. Ist der Gynäkologe ein Mann gewesen? Wieso verstarb er in einen Frauengefängnis? [ich auch]
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Re: Dresdnerin sucht Zwillingsschwester: "Die DDR hat sie gestohlen"

Beitragvon Volker Zottmann » 2. Oktober 2018, 12:31

steffen52 hat geschrieben:Mal eine bescheiden Frage, Volker. Ist der Gynäkologe ein Mann gewesen? Wieso verstarb er in einen Frauengefängnis? [ich auch]
Gruß steffen52

Nun rate mal wieso das so stimmt?
Der Mann saß als Dr.gyn. im Frauenknast. ( Ich glaube in Leipzig. Verbürge mich dafür aber nicht)
Er war dort nicht zum Tüten kleben!
Wieso und warum er starb ist offiziell nie bekannt gegeben worden.

Gruß Volker
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