Rassismus in der DDR

Wie waren die politischen Systeme der beiden deutschen Staaten zur Zeit des Kalten Krieges? Wo waren die Unterschiede? Gab es Gemeinsamkeiten?
Wie wurde die Politik auf beiden Seiten vermittelt?

Rassismus in der DDR

Beitragvon Interessierter » 12. September 2018, 10:58

"Mongolenschwein" und "schlitzäugige Fratze" – Rassismus im DDR-Alltag

1968: Ein 24-jähriger Student aus der Mongolei, zur Ausbildung in Heiligendamm, wird zum Ziel des Hasses. Zwei Männern "passt sein Aussehen nicht", sie provozieren den Studenten und greifen ihn schließlich an. Das MfS ermittelt, die Täter werden gefasst und verurteilt – wegen "Staatsverleumdung".


Über 6.000 Kilometer liegen zwischen Heiligendamm, dem ältesten Seebad Deutschlands, und Arwaicheer, der zentralmongolischen Provinzhauptstadt nahe der Wüste Gobi. Im Jahr 1967 kam der 24-jährige Shagdar T. aus Arwaicheer zur Ausbildung an die Ostsee. Seit 1953 wurden hier an der Fachschule für angewandte Kunst junge Menschen unter anderem in den Bereichen Gebrauchsgrafik, Möbelbau und Modegestaltung ausgebildet. T.s Aufenthalt war Resultat der Kooperation, die die Mongolei und die DDR im Rahmen der sozialistischen Staatengemeinschaft pflegten. "Wir stellen mit Freude fest, daß sich die Beziehungen der aufrichtigen Freundschaft und brüderlichen Zusammenarbeit zwischen unseren beiden Ländern und Parteien […] allseitig entwickeln und festigen", konstatierte 1967 ein Vertreter der Mongolischen Revolutionären Volkspartei auf dem SED-Parteitag.

Am 25. Februar 1968 besuchte T. mit drei deutschen Kommilitonen die Heiligendammer Gaststätte "Palette". Am Nachbartisch saß Harry W. mit Freunden, zu denen im Laufe des Abends auch W.s Bekannter Uwe B. stieß. Das zufällige Aufeinandertreffen von T., W. und B. eskalierte in den folgenden rund zwei Stunden zu einer rassistischen Gewalttat in Wort und Tat – ein Beispiel für die "tiefer liegenden rassistischen und fremdenfeindlichen Einstellungen in der ostdeutschen Gesellschaft".


"Verprügeln, weil er ein Mongole ist"

Folgt man den Vernehmungsprotokollen des MfS, so fasste der 23-jährige B. im Laufe des Abends den Entschluss, gegen T. handgreiflich zu werden: "Ich wollte ihn 'verprügeln', weil er ein Mongole ist. […] Mir paßte eben sein Aussehen als Mongole nicht." Der einige Jahre ältere W. habe sich bereit erklärt mitzumachen. Zunächst provozierte der alkoholisierte B. den Studenten mit rassistischen Beleidigungen. Er beleidigte ihn als "mongolischen Hund", "Mongolenschwein" und "schlitzäugige Fratze", "sprach sich abfällig über das Aussehen des Studenten aus" und drohte, ihn aus dem Fenster zu werfen – so W. in der Vernehmung. Doch die Provokation misslang. T. reagierte nicht darauf.

"Durch diese besonnene Haltung von seiten des Studenten wurde ich wütend und ich entschloß mich daher, den mongolischen Studenten tätlich zu provozieren. […] Ich stellte T[...] unverhofft ein Bein, so daß dieser ins Stolpern geriet. Dabei berührte mich T[...] mit seiner Hand an meinem Kinn, woraufin ich den mongolischen Studenten tätlich angreifen wollte. Es kam aber nicht dazu, denn der Mitbeschuldigte W[...] hatte bereits den mongolischen Studenten tätlich angegriffen." T. erlitt durch die Schläge, gegen die er sich wehrte, eine Platzwunde und weitere Gesichtsverletzungen.

W.s Aussagen legen die Vermutung nahe, dass auch die soziale Distanz zwischen den Studenten und der örtlichen Einwohnerschaft eine Rolle bei der Tat gespielt haben könnte. So erklärte er: "Ich habe allgemein gegen die Studenten eine persönliche Abneigung, weil sie sich teilweise ungebührlich verhalten und gegen die Einwohner von Heiligendamm voreingenommen sind." Auch stammten W. und B. aufgrund ihrer Berufe aus einem ganz anderen Milieu, sodass sich W.s Vorwurf, "du mongolisches Schwein studierst auf unsere Kosten", wohl zum Teil mit dem Gefühl sozialer Benachteiligung gegenüber den Studenten erklären lässt.

Doch im Kern handelte es sich bei W.s und B.s Tat in der Gaststätte um expliziten Rassismus. "Ich wundere mich, daß ihr als Deutsche zu diesem Schwein haltet", rief B. nach eigener Aussage anderen Gästen zu, die sich um den blutenden T. kümmerten. Der mongolische Student wurde angegriffen, weil er fremd war, nicht weil er Student war. Es liegt zudem nahe, den Hass auf den Studenten auch als Resultat fortwirkender rassistischer Prägungen aus dem Nationalsozialismus zu verstehen. Das Feindbild des sowjetischen "Untermenschen" wurde in der NS-Propaganda oft als bedrohliches Wesen mit "mongolischen" Gesichtszügen dargestellt.

Weiter mit dem Beitrag und einem Video geht es hier:
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Auch aus Steinen die einem in den Weg
gelegt werden,
kann man was schönes bauen
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Re: Rassismus in der DDR

Beitragvon Volker Zottmann » 12. September 2018, 11:19

Die dokumentierten Fälle wird es sicher so alle gegeben haben.
Aber im Harz war anscheinend alles anders. Langsam beginne ich das auch zu glauben. Hier hat gegenüber all den Algeriern, Irakern Mosambikanern und Zyprioten kein bekannter Übergriff stattgefunden. Und wenn doch, dann wurde der nie propagiert. In QLB war es zwischen den ausländischen Studenten und auch den später dazugekommenen vietnamesischen Gastarbeitern nie zu Zwischenfällen gekommen. Die wohnten auch nie völlig separiert. Wohnten auf gleichen Fluren, teils unter einem Dach im Krankenhaus.

Einmalig waren nach der Wende um 1992 Übergriffe gegen ein Wohnheim in Quedlinburg, wo auch Balkan-Kriegsflüchtlinge untergebracht waren. Da kam ein brauner Mob, von außerhalb gesteuert und brachte Unruhe. Dem ist aber ganz Quedlinburg gleich zu Anfang entschieden entgegengetreten und hat den Anfängen von Rassismus getrotzt. Das hält bis heute an.
Ebenso läuft es heute in Halberstadt mit dem Aufnahmeheim für die Immigranten. Randale gab es anfangs 2015 dort, aber untereinander und gegen die Einrichtungen. Sonst ist heute alles friedlich.
Kann es vielleicht doch auch an der heutigen wie damaligen Bevölkerungsdichte liegen und dass hier die Menschen doch etwas entspannter leben und miteinander umgehen?

Gruß Volker
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