Musik in der DDR

Musik in der DDR

Beitragvon Interessierter » 11. September 2018, 10:45

Was in den 50ern und noch in den 60ern als westliche Unkultur galt, feierte in den 70ern und 80ern Triumphe: die Rockmusik. Nichts Nachgespieltes aus London oder Übersee, sondern etwas ganz Eigenes. Rockmusik made in GDR wurde zu einem Gütesiegel unter jungen Leuten. Dafür stehen Gruppen wie Puhdys, Karat, City, Stern Meißen oder Lift.

Der Erfolg schützte nicht alle Bands und Interpreten vor Auftritts- und Veröffentlichungsverboten.

Stasi-Kampf gegen "Abweichler"

Nach außen die Fassade als weltoffener Staat, nach innen Kampf gegen die "Abweichler". Die Stasi rüstet auf und wird zum unkontrollierbaren Staat im Staate. Eines von abertausenden Beispielen für Verfolgung ist der Fall der Gruppe "Klosterbrüder" und des Bandleaders Dierich Kessler. Was Mielke nicht passt: zu lange Haare und schwarze Gewänder, der "reaktionäre" Name "Klosterbrüder" und vor allem aufmüpfige Texte. Jedes Konzert wird beobachtet, Auftrittsverbot angedroht, falls der Name nicht geändert wird.

Auf Kessler werden 30 IMs angesetzt. Die Band nennt sich dann "Magdeburg", kann nur eine LP veröffentlichen. Ein TV-Auftritt in "RUND" fällt aus, weil die Band sich die Haare nicht abschneidet. 1983 stellt die ganze Band Ausreiseanträge. Trotz Druck bleibt Kessler bei seinem Antrag. Die Quittung: drei Monate Gefängnis für die Ehefrau, für Kessler zwei Jahre und zwei Monate. Vorwurf: "Landesverräterische Agententätigkeit". Beweise: keine.

Singebewegung soll Subkultur auf den richtigen Weg bringen


Auch dem Jazz konnte er nichts abgewinnen und bezeichnete ihn als "Affenkultur des westlichen Imperialismus". Den westlichen Rhythmen wollten die Kulturfunktionäre zudem mit eigenen musikalischen Vorschlägen entgegenwirken, so zum Beispiel mit dem "Lipsi"-Tanz, der aber sehr schnell wieder verschwand. Die FDJ versuchte mit der "Singebewegung" und organisierten Musikwettbewerben, die jugendliche Subkultur auf den "richtigen Weg" zurückzubringen.

Klaus-Renft-Combo wegen "Beleidigung der Arbeiterklasse“ aufgelöst


Rockbands oder Beat-Gruppen, wie sie damals genannt wurden, hat es auch in der DDR schon Anfang der 60er Jahre gegeben. Die legendär gewordene Klaus-Renft-Combo etwa war schon 1959 als Schülerband gegründet worden und hatte es ab 1962 bis 1969 unter dem Namen "The Butlers" und ab 1970 mit dem Namen "Renft" zu einem beachtlichen Bekanntheitsgrad gebracht. Mit engagiert-kritischen Liedern und Rock´n’Roll hatte sie maßgeblich die DDR-Rockmusik geprägt und konnte Rundfunkproduktionen und mehrere Plattenveröffentlichungen vorweisen.

Die aufmüpfigen Texte des Liedermachers Gerulf Pannach ließen schließlich den Dauerkonflikt der Band mit der Kulturbürokratie eskalieren. 1976, nach der Biermann-Ausbürgerung, musste "Renft" sich aufgrund des Spielverbots wegen "Beleidigung der Arbeiterklasse" auflösen. Gerulf Pannach und Christian Kunert wurden verhaftet.

https://www.mdr.de/damals/archiv/artikel75300.html

Der Arm der Stasi reichte auch in die DDR-Musikszene: In vielen Bands spielten Spitzel mit. Keine Band durfte ohne Arbeitserlaubnis hauptberuflich spielen, Konzerte wurden kontrolliert, Texte gegengelesen usw.
Auch aus Steinen die einem in den Weg
gelegt werden,
kann man was schönes bauen
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