Was die DDR-Presse 1981 verschwieg

Wie waren die politischen Systeme der beiden deutschen Staaten zur Zeit des Kalten Krieges? Wo waren die Unterschiede? Gab es Gemeinsamkeiten?
Wie wurde die Politik auf beiden Seiten vermittelt?

Was die DDR-Presse 1981 verschwieg

Beitragvon Interessierter » 25. August 2018, 11:38

Tödliche Messerstiche durch einen Ausländer in Jena, Meuterei in einer Erfurter Kaserne und tödliche Schüsse auf einen sowjetischen Soldaten in Nordthüringen - brisante Ereignisse im Jahr 1981, die die DDR-Presse verschwieg.

Schlechte Nachrichten und selbstkritische Diskussionen, so waren die SED-Funktionäre überzeugt, nützen niemanden - nur dem Klassenfeind. Deshalb wurden viele Themen in der DDR tabuisiert. "Politische Kriminalität" gab es deshalb quasi nicht. Nichts sollte an die Öffentlichkeit dringen, was ein schlechtes Licht auf den Staat und seine führende Partei werfen könnte, kritische Diskussionen galt es abzuwürgen.

Tödlicher Gewaltausbruch

Die einst geheimen Berichte machen deutlich: Bereits Anfang der 1980er-Jahre gab es in der DDR gewaltsame Auseinandersetzungen mit Ausländern, zum Beispiel mit Mongolen. In der DDR lebten etwas mehr als 600 mongolische Vertragsarbeiter, viele im damaligen Bezirk Gera. Seit Dezember 1980 registrierte die Staatssicherheit "eine Zunahme von Vorkommnissen". Allerdings seien "noch keine umfassenden Angaben zu den Ursachen und Motiven" möglich. Das Problem wurde nicht öffentlich diskutiert.

Am 5. März 1981 eskalierte nach einem Disco-Abend im Kulturhaus Jena-Neulobeda der Konflikt. 20 Mongolen, die im Kahlaer Porzellanwerk beschäftigt waren, gingen mit Messern und abgebrochenen Flaschen auf einheimische Jugendliche los. Vier Jugendliche wurden dabei verletzt - einer tödlich. Er hatte Messerstiche im Rücken. Die Staatssicherheit hat dazu festgehalten: Der Zwischenfall rief "unter der DDR-Bevölkerung der Umgebung viele, z.T. sehr negative Diskussionen bzw. Gerüchte hervor". Da die Presse über die Probleme mit den Gastarbeitern nicht berichtete, blieb es bei Gerüchten.


Tödliche Fahnenflucht

Auch über Fahnenfluchten wurde nicht berichtet, vor allem wenn es sich um einen Sowjet-Soldaten handelte. "Geht nicht raus!", sprich: Veröffentlichung verboten, steht deshalb über einem internen Stasi-Bericht. Am Nachmittag des 5. Mai 1981 war es am Ortsrand von Effelder im Eichsfeld zu einer Schießerei gekommen. Ein aus Mühlhausen flüchtiger Sowjet-Soldat, bewaffnet mit drei Pistolen, hatte versucht, sich Richtung Westgrenze durchzuschlagen. Er wurde von Volkspolizisten gestellt. Der Untersergeant schoss auf die Polizisten, ohne zu treffen. Die Volkspolizei schoss zurück. Der Sowjet-Soldat wurde "durch einen gezielten Schuss tödlich verletzt".

"Dieses Vorkommnis", so die Staatssicherheit, "wurde durch einzelne Einwohner der Gemeinde Effelder wahrgenommen." Zwei Tage nach dem Zwischenfall stand am Tatort ein aus Haselnussstöcken gefertigtes Kreuz. Ein 22-Jähriger hatte es aufgestellt. Im Stasibericht wird er als "geistesgestörter Einwohner" beschrieben. Der Bürgermeister entfernte das Kreuz sofort. Doch dabei blieb es nicht: „Durch die Verbreitung unterschiedlichster Gerüchte" kamen in den darauffolgenden Tagen 500 katholische Kinder und Jugendliche zum Tatort, beteten und legten Blumen nieder. "Feindlich-negative Aktivitäten und Handlungen", so die Staatssicherheit, "wurden in diesem Zusammenhang nicht festgestellt".

Ausschreitungen bei der NVA

Ende Juni 1981 kam es in der Kaserne des Erfurter Artillerieregimentes 4 "zu schweren Ausschreitungen von ca. 50 bis 70 NVA-Angehörigen gegen Offiziere und Wachposten". Der Hintergrund: Am Sonntagnachmittag waren 20 Soldaten durch ein Loch im Zaun vom Kasernengelände verschwunden, um Alkohol zu besorgen. Nach und nach kehrten sie in kleinen Gruppen zurück, die wachhabenden Posten schauten weg.

Als am Abend vier Soldaten zurückkehrten, forderte ein Posten sie zum Stehenbleiben auf, die Soldaten versuchten zu fliehen, der Posten gab einen Warnschuss ab und "feuerte drei kurze Feuerstöße auf die Flüchtenden ab, ohne sie zu treffen". Nach den Schüssen kamen 50 bis 70 Soldaten aus ihren Unterkünften, einige beschimpften den Wachposten. Die Lage eskalierte. Steine und Flaschen flogen. Nur mit vorgehaltener Pistole konnten sich die Wachposten in Sicherheit bringen. Nach 45 Minuten lösten Offiziere die Meuterei auf.

Vier Haftbefehle folgten, drei weitere Arreststrafen wurden verhängt. Auch wenn nichts an die Öffentlichkeit drang, intern wurde das Ereignis ausgewertet: "Unmittelbar mit Beginn der Untersuchungen wurde durch die Divisions- und Regimentsleitung sowie durch die Partei- und FDJ-Organisation mit der Auswertung des Vorkommnisses begonnen."

https://www.mdr.de/thueringen/kultur/ze ... i-100.html
Auch aus Steinen die einem in den Weg
gelegt werden,
kann man was schönes bauen
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Re: Was die DDR-Presse 1981 verschwieg

Beitragvon augenzeuge » 25. August 2018, 11:43

Zwei Tage nach dem Zwischenfall stand am Tatort ein aus Haselnussstöcken gefertigtes Kreuz. Ein 22-Jähriger hatte es aufgestellt. Im Stasibericht wird er als "geistesgestörter Einwohner" beschrieben.


Typisch....

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