Virtual History - Der Diskussionsthread

Weltgeschichte, Geschichte Deutschlands und allgemeine geschichtliche Themen, sowie archäologische Beiträge u.s.w...

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Beitragvon pentium » 4. August 2018, 17:37

Ein faszinierendes Thema,
Virtual History
https://de.m.wikipedia.org/wiki/Kont...che_Geschichte
das wie ich festgestellt habe, auch hier im Forum einige User beschäftigt, auch mich beschäftigt manchmal die Frage, was wäre geschehen, wenn....und diese Frage ist auch seit jeher Stoff für Literatur oder Fernsehfilme, wie z.B. Robert Harris Klassiker "Vaterland" oder die Amazon Serie "Man in the High Castle".

Erste These:
Was wäre geschehen, wenn die Operation Walküre erfolgreich gewesen wäre?
Hier mal ein Beitrag aus der Alternativgeschichte-Wiki

Das Attentat

20. Juli 1944, 12:40 Uhr, Führerhauptquartier Wolfsschanze, Rastenburg, Ostpreußen, Deutschland:

Eine gewaltige Explosion zerfetzt die Barracke, in der ein Treffen hochrangiger deutscher Offiziere, inklusive des "Führers" Adolf Hitler persönlich, stattfindet. Die meisten Teilnehmer des Treffens werden getötet, darunter Hitler, Feldmarschall Keitel und mehrere Generäle. Unter den wenigen Überlebenden befindet sich Oberst Claus von Stauffenberg, der sich zum Zeitpunkt der Explosion außerhalb der Barracke aufhält. Zu diesem Zeitpunkt weiss noch niemand, dass er für den Bombenanschlag verantwortlich ist.

Operation Walküre

Dem Attentat folgt fast unverzüglich ein bewaffneter Aufstand des deutschen Widerstands gegen die Naziregierung. Während Hitlers Verbleib noch unklar ist bricht in Berlin das Chaos aus, als Heinrich Himmler, Reichsführer der SS, und Hermann Göring, Chef der Luftwaffe, sich einen Machtkampf liefern. Offiziel ist Göring als Hitlers Nachfolger vorgesehen, aber da Hitlers Tod noch unbestätigt ist, sieht Himmler in Görings Handeln nur eine Bedrohung seiner eigenen Macht. Keiner von beiden will nachgeben und so eskaliert in der deutschen Hauptstadt die Gewalt. Inzwischen haben Kämpfer des Widerstands und einfache Wehrmachtstruppen, die Stauffenberg und seinen Mitverschwörern loyal gegenüberstehen, wichtige Gebäude besetzt, darunter die Reichskanzlei und das Propagandaministerium. Dabei wird Propagandaminister Joseph Goebbels gefangengenommen. Auch in anderen Städten wie Prag, Wien und Paris werden hochrangige Nazifunktionäre festgesetzt. Der Plan zur Ermordung Hitlers und der Aufstand gegen das Naziregime, bekannt unter dem Codenamen "Operation Walküre", wurde von Stauffenberg, Ludwig Beck, Friedrich Olbricht, Henning von Tresckow und anderen hochrangigen Offizieren der Wehrmacht ausgearbeitet. Die Motive für diese Aktion sind bis heute umstritten. Viele glauben der Staatsstreich geschah um der "Endlösung" und dem Völkermord an den Juden ein Ende zur bereiten. Andere sehen das Motiv in der drohenden Kriegsniederlage Deutschlands. Wieder andere meinen, dass nichts weiter als Machtgier die Verschwörer antrieb.

Der Führer ist tot

Was auch immer die Motive der Verschwörer waren, es gibt keinen Zweifel daran, dass der Staatsstreich in Deutschland die Geschichte Europas und der ganzen Welt entscheidend verändern sollte. Dank des Chaos in der Naziregierung können die Anführer von "Walküre" rasch die Kontrolle übernehmen. Eine wichtige Rolle dabei spielt General Olbricht, der die Kontrolle über die Radiosender in Berlin übernommen hat. Am morgen des 21. Juli, nach eine Nacht der Angst und Gewalt in Berlin, lässt er folgende Nachricht senden: "Der Führer Adolf Hitler ist tot. Eine Bombe in seinem Hauptquartier hat ihn und einen Großteil des Generalstabs getötet. Es besteht kein Grund zur Panik. Deutschland steht nun unter dem Kommando von General Beck und anderen Gegnern der Nazidiktatur. Bitte bleiben Sie in ihren Häusern und warten Sie auf weitere Nachrichten." Die Kämpfe gehen auch am 21. und 22. Juli weiter.
Die Reaktion der Alliierten

Im britischen Außenministerium wird die Radionachricht kurz nach ihrer Ausstrahlung empfangen. Verwirrung macht sich breit. Schließlich überbringt Außenminister Anthony Eden die Nachricht direkt an Premierminister Winston Churchill. In Washington wird US-Präsident Roosevelt von seinen Leuten informiert. Churchill und Roosevelt sind skeptisch, verlangen Beweise. Man vermutet hinter der Nachricht einen Trick.

Die letzten Zweifel verschwinden am Abend des 22. Juli. Nach zweitägigen Kämpfen vekündet General Ludwig Beck in einer Radioansprache den Fall des Naziregimes. Hitler ist tot; Göring, Goebbels und andere gefangengenommen. Himmler, Joachim von Ribbentrop, Adolf Eichmann und andere wiederum sind geflohen(Himmler und Ribbentrop werden später von Suchtrupps der Walküre-Gruppe festgenommen. Himmler wird in einem billigen Hotel in München aufgegriffen, als er versucht, sich uter dem Bett zu verstecken.). Beck ruft eine provisorische Regierung, mit sich als Reichspräsidenten und dem ehemaligen Leipziger Oberbürgermeister Carl Friedrich Goerdeler als Reichskanzler, aus.

Becks Ansprache überzeugt die Allierten vom Regierungswechsel in Deutschland. Für Churchill ändert das wenig. Er erklärt dem Kabinett am 23. Juli dass auch für die neue deutsche Regierung die Friedensbedingungen der bedingungslosen Kapitulation gelten werden. Roosevelt will erst einmal die Lage in Deutschland genauer sondieren.

Joseph Stalin dagegen teilt Churchills Meinung. Er will Rache für die Massaker von Stalingrad und Leningrad. In Berlin lehnt man eine Kapitulation ab, befürwortet aber einen Verhandlungsfrieden. Beck demonstriert seinen guten Willen, indem er allen deutschen Streitkräften in Frankreich, Skanndinavien und Russland den Rückzug nach Deutschland befiehlt. Charles De Gaulle trifft am 28. Juli im befreiten Paris ein und wird zum Oberhaupt der provisorischen Regierung Frankreichs ernannt. In Osteuropa besetzt die Rote Armee schnell die von den Deutschen geräumten Gebiete und steht bald an der deutschen Grenze.

Die Reaktion Japans

Zwei Tage nach Hitlers Tod tritt der japanische Premierminister Hideki Tojo aufgrund der Niederlage von Saipan zurück. Seinem weniger nationalistischen Nachfolger Kuniaki Koiso ist sehr daran gelegen den Krieg zu beenden, um Japans Vormachtstellung in Südostasien zu erhalten. Am 28. Juli sendet Koiso das Angebot einer Friedensverhandlung nach Washington und Berlin. Koiso und Kaiser Hirohito stimmen überein, dass mit dem zu erwartenden Ausscheiden Deutschlands aus dem Krieg die Sowjets, Briten und Amerikaner ihre gesamte miltärische Kraft gegen Japan richten werden.

Koiso will so viele der eroberten Gebiete wie möglich für Japan retten. Er bietet den Alliierten den Rückzug aus Niederländisch-Indonesien sowie eine Beendigung der Expansionsversuche nach Australien und Indien an. Die Außenministerien in London und Washington lehnen ab, senden aber diskrete Gegenangebote zurück, da der Pazifikkrieg noch lange anzudauern droht. In Australien dagegen zeigt die Regierung Interesse an einem Frieden, der die langfristige Existenz des Landes sichert. Am 3. August schlägt Roosevelt Churchill eine Friedenskonferenz unter Beteiligung von Großbritannien, den USA, der Sowjetunion, China, Japan und Deutschland vor.

...
*Dos Rauschen in Wald hot mir'sch ageta, deß ich mei Haamit net loßen ka!* *Zieht aah dorch onnern Arzgebirg der Grenzgrobn wie ene Kett, der Grenzgrobn taalt de Länder ei, ober onnere Herzen net!* *Waar sei Volk verläßt, daar is net wert, deß'r rümlaaft of daaner Erd!*
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Re: Virtual History - Der Diskussionsthread

Beitragvon pentium » 4. August 2018, 17:39

Fortsetzung

Friedensverhandlungen

Am 6. August ist die Lage in Deutschland wieder vollkommen unter Kontrolle. Himmler, Ribbentrop, Göring und Goebbels sind sicher eingesperrt und warten auf ihre Verurteilung. Goerdeler verspricht nach Kriegsende freie Wahlen in Deutschland. Allerdings veweigern er und Beck nach wie vor die bedingungslose Kapitulation. Schließlich hat sich die Wehrmacht aus den meisten der besetzten Gebiete zurückgezogen und verfügt noch über genug Reserven, um Angriffe auf die deutsche Grenze zurückzuschlagen. Nach seiner Rückkehr nach Paris hat De Gaulle seine Forderungen nach einem Gegenangriff auf Deutschland zurückgezogen. Stalin ist agressiver, doch die Rote Armee wird bei ihrem Invasionsversuch am 8. August vom unerwartet starken Widerstand der Deutschen zurückgetrieben.

Am 1. September stimmt Churchill schließlich einer Friedenskonferenz zu. Roosevelt schlägt die neutrale Schweiz als Verhandlungsort vor, doch Churchill besteht darauf, die Konferenz auf britischen Territorium stattfinden zu lassen. Beck und Goerdeler sind nicht in der Position dies abzulehnen. Goerdeler stimmt zu Deutschland auf der Friedenskonferenz in Malta zu vertreten, zu der auch Churchill, Stalin, Roosevelt, Chang Kai-Shek und Koiso erscheinen. Auf Churchills Vorschlag hin nehmen außerdem John Curtin für Australien und Mackenzie King für Kanada an der Konferenz teil, während De Gaulle die Franzosen vertritt und die Italiener Ivanoe Bonomi schicken. Die Regierungen der teilnehmenden Nationen vereinbaren am 12. September einen Waffenstillstand. Die Konferenz von Valletta beginnt am 14. September 1944. Seit Hitlers Tod sind etwa 6 Wochen vergangen. Churchill wird später dazu sagen: "...es ging auf einmal alles so schnell..."

Jedes Land hat eine lange Liste von Forderungen. Die wichtigsten seien hier kurz zusammengefasst:

Deutschland

Die Hauptforderungen der deutschen provisorischen Regierung sind ihr weiteres Bestehen, keine Besatzung durch die Alliierten, ungestörte Fortsetzung des deutschen Wirtschaftsprogramms und alleinige Aburteilung der Nazi-Kriegsverbrecher durch deutsche Gerichte.
Japan

Japan verlangt Rückgabe/Erhalt aller seiner Gebiete im Pazifik sowie ungestörte Expansion der japanischen Wirtschaft.
Frankreich

De Gaulle fordert den Rückzug der Achsenmächte von allem nominal französischen Territorium. Außerdem werden Kriegsreperationen von Deutschland und Japan gefordert.
Großbritannien

Churchill stellt die meisten Forderungen. Neben Kriegsreperationen verlangt er die permanente Anwesenheit allierter Truppen in Deutschland, um die Erfüllungen der Friedensbedingungen zu überwachen. Seine bekanneste Forderung ist, dass die Verurteilung der Nazi-Kriegsverbrecher durch allierte Gerichte stattfinden soll, unter der Begründung dass deutsche Gerichte gewiss zu milde Urteile aussprechen würden. Außerdem verlangt er den Rücktritt von Beck und Goerdeler sowie Neuwahlen in Deutschland vor der Vertragsunterzeichnung.
Vereinigte Staaten von Amerika

Roosevelts einzig wichtige Forderung an Deutschland ist die Räumung aller besetzten Gebiete und die Rückkehr zu den deutschen Grenzen von 1938. Die Forderungen an Japan sind schon zahlreicher: Rückkehr zu den pre-1941-Grenzen, Einstellungen aller Feindseligkeiten gegenüber China, Zahlung von Kriegsreperationen für den Angriff auf Pearl Harbour und, am wichtigsten, Liberalisierung der japanischen Regierung zu einer Demokratie nach westlichen Vorbild sowie der Verzicht von Kaiser Hirohito auf seinen göttlichen Status.

Die Konferenz dauert vom 14. bis zum 26. September an. In dieser Zeit werden keinerlei Berichte über den Stand der Verhandlungen an die Öffentlichkeit mitgeteilt. Roosevelt übernimmt bei den Verhandlung mehrfach die Rolle des Vermittlers zwischen den Delegierten, während Churchill am starrköpfigsten auf seinen Forderungen beharrt.

Vertrag von Valetta

Die Konferenz erzielt schließlich eine Einigung, die zu einem offiziellen Friedensvertrag führt. Die Alliierten und Achsenmächte einigen sich auf einen permanenten Waffenstillstand. Der Vertrag selbst wird erst im April 1946 von den Regierungsoberhäuptern unterzeichnet. Kurzgefasst werden darin folgende Garantien gemacht:

Deutscher Rückzug zu den pre-1938-Grenzen. Österreich bleibt Teil von Deutschland, doch innerhalb der nächsten drei Jahre findet ein Volksentscheid über die mögliche Unabhänigkeit Österreichs statt.
Japanischer Rückzug aus Südostasien und China. Taiwan, Korea und die Mandschurei bleiben unter japanischer Kontrolle.
China wird Japans bevorzugter Handelspartner und liefert Rohstoffe an Japan. Im Gegenzug zahlt Japan Reperationen an China und erkennt die chinesische Unabhängigkeit an.
Japanischer Rückzug aus Hong Kong, Singapur und Niederländisch-Indonesien.
Neuwahlen in Deutschland vor Ende des Jahres 1945.
Deutschland und Japan zahlen gemeinsam Kriegsreperationen in Höhe von 58 Miliarden Dollar im Zeitraum von 25 Jahren.
Die hochrangigsten Mitglieder des Naziregimes werden in Genf in der Schweiz vor ein spezielles Tribunal gestellt.
Ein neues internationales Gremium, die Vereinten Nationen, wird gegründet. Die Mitglieder des Sicherheitsrats sind Deutschland, Japan, China, die USA, die UdSSR und Großbritannien.

Dieser Vetrag wird am 14. April 1946 in Valetta unterzeichnet und beendet den Zweiten Weltkrieg offiziell, während die Kämpfe schon 18 Monate vorher geendet haben. Viele Askepte des Vertrages werden in der Weltöffentlichkeit stark kritisiert, vor allem dass Deutschland und Japan Teile ihrer Eroberungen behalten dürfen. Bis in die fünfziger Jahre haben antideutsche und antijapanische Bewegungen großen Zulauf, lösen sich jedoch allmählich auf, als beide Länder freie Wahlen abhalten und ihre Gesellschaftsordung liberalisieren.

Das Ende des Dritten Reichs

Beck und Goerdeler halten ihr Versprechen von den freien Wahlen und am 16. April 1945 strömt das deutsche Volk an die Wahlurnen. Beck kanidiert nicht für die Präsidentenwahl, die von Heinrich Brüning gewonnen wird. Die neugegründete Christlich Demokratische Union, der Brüning angehört, gewinnt auch die Parlamentswahl und bildet die neue Regierung, mit Konrad Adenauer als neuen Kanzler. Um zu verhindern dass sich die Geschichte wiederholt, führt die neue Regierung weitreichende Reformen am deutschen Staatssystem durch. Die wichtigste besteht wohl darin, die Befugnisse des Präsidenten einzuschränken. Adenauer orientiert sich dabei stark am erfolgreichen britischen System. In einem Volksentscheid am 15. Mai 1948 entscheidet sich das Volk von Österreich mit einer knappen Mehrheit von 53% dafür, dass Österreich bei Deutschland verbleibt. Als Hauptgrund dafür gilt, dass Östereich somit weiterhin von Deutschlands wirtschaftlicher Stärke profitieren kann. Trotzdem bleibt die österreichische Unabhänigkeitsbewegung die nächsten 50 Jahre weiterhin sehr stark, bis 1990 die prounabhängige Freiheits Partei die Macht in Österreichs Landesregierung übernimmt.

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Re: Virtual History - Der Diskussionsthread

Beitragvon pentium » 4. August 2018, 17:40

Fortsetzung und Schluss

Die Genfer Prozesse

In Übereinstimmung mit dem Friedensvertrag werden 79 ehemalige Mitglieder der Naziregierung von Deutschland an die Alliierten ausgeliefert, während hunderte andere vor deutsche Gerichte gestellt werden. Die 79 Angeklagten werden in Genf in der Schweiz vor ein spezielles Tribunal gestellt; das sich aus einem britischen oder amerikanischen Richter, einem deutschen Richter und einem Richter aus einem neutralen Land zusammensetzt. Dabei werden folgende Urteile gefällt:

Hermann Göring, zum Tode verurteilt
Joseph Goebbels, zum Tode verurteilt
Heinrich Himmler, zum Tode verurteilt
Joachim von Ribbentrop, zum Tode verurteilt
Albert Speer, zu lebenslanger Haft verurteilt
Alfred Rosenberg, zum Tode verurteilt
Rudolf Hess, zu lebenslanger Haft verurteilt
Karl Dönitz, zu 5 Jahren Haft verurteilt

In Abwesenheit angeklagt werden:

Martin Bormann, der vor der Verhandlung Selbstmord begeht
Adolf Eichmann, dem während der Operation Walküre die Flucht aus Deutschland gelingt (Eichmann wird später in Südamerika gesichtet, aber nie gefasst)

Nach der Urteilsverkündung begehen Göring und Himmler in ihren Zellen Selbstmord. Dönitz wird nach Verbüßen seine Haftstrafe freigelassen und führt bis zu seinem Tod 1980 ein ruhiges Leben. Hess stirbt 1987 im Gefängniss. Speer wird umstrittenerweise 1971 freigelassen. Der Grund ist eine Generalamnestie für Naziverbrecher, die Reue für ihre Taten zeigen. Speer stirbt 1981.

Die neue Weltordnung

Nach dem Untergang des Dritten Reichs und dem Aufstieg eines modernen, demokratischen Deutschlands bricht in Europa eine Zeit des wirtschaftlichen Wohlstands an. Die Hauptakteure des "Neuen Europa" (wie Adenauer es nennt) sind Adenauers Deutschland, Attlees Großbritannien, DeGaulles Frankreich und Stalins UdSSR. Die "Großen Vier" beginnen damit, in Europa ihre Interessensgebiete abzustecken. Wie befürchtet kommt es zwischen Deutschland und Russland zum Konflikt über den Einfluss in Osteuropa. Stalin entsendet von 1948 bis zu seinem Tod 1953 Truppen nach Polen, Ungarn, Rumänien und in die Tschechoslowakei, um die wirtschaftliche Vormachtstellung Deutschlands dort auf ein Minimum zu reduzieren. Den Deutschen sind direkte militärische Interventionen durch den Friedensvertrag und Adenauers Veto nicht möglich. Inzwischen knüpft die USA enge Beziehungen zu Großbritannien und Frankreich, die in einer neuen Triple Entente zwischen Washington, London und Paris gipfeln. Die drei Mächte bilden in den Vereinten Nationen einen mächtigen Block, dem es gelingt die britischen und französischen Kolonien, unter Aufsicht der Vereinten Nationen, langsam in souveräne, demokratische Länder umzuwandeln. Der umstrittenste dieser neuen Staaten ist das ehemalige Völkerbundsmandat Palästina, das 1948 seine Unabhängigkeit erlangt. Die USA befürworten zwar die Schaffung des jüdischen Staates Israel in dieser Region, doch scheitert das Vorhaben am deutschen Veto (das ironischerweise von der Sowjetunion unterstützt wird). Im März 1949 testen die USA die erste Atombombe in der Wüste von Nevada. Damit beginnt der Kalte Krieg, ein ideologischer Kampf zwischen dem kapitalistischen Westen, der kommunistischen UdSSR(und ab 1951 auch China), der mithilfe von Abschreckung durch Nuklearwaffen geführt wird. Deutschland nimmt wenig Anteil an diesem Konflikt. Da beide Seiten laut Vertrag keine Streitkräfte in Deutschland stationieren dürfen, bildet das Land in Zentraleuropa eine Pufferzone zwischen den beiden Machtblöcken. Tatsächlich übernehmen Adenauer und ab 1965 sein Nachfolger Willy Brandt mehrfach die Rolle des Vermittlers bei

Spannungen zwischen Amerika und Russland.

Nach Stalins Tod zeigt sich sein Nachfolger Beria mit den Bedingungen des Friedensvertrages unzufrieden und fordert Rache an Deutschland. Dies führt im Jahr 1955 zum "Böhmischen Zwischenfall", als die sowjetischen Truppen in der Tschechoslowakei vertragswidrig die Grenze zu Deutschland überqueren. Deutschland mobilisiert sofort seine Armee. Die USA und Großbritannien befürchten eine sowjetische Expansion und ergreifen Partei für Deutschland. Die Angelegenheit droht in einem Dritten Weltkrieg zu enden. Doch glücklicherweise wird Beria im Frühjahr 1956 vom Politbüro entmachtet und für seine Rolle bei den Stalinschen Säuberungen hingerichtet. Sein Nachfolger ist Malenkow, der ein Gegner der nuklearen Aufrüstung und des Konfliktes mit Deutschland ist. Malenkow bleibt für die nächsten zwei Dekaden Staatsoberhaupt der Sowjetunion. Bei seiner Rede zum Amtsantritt betont er, welche Gefahr der nukleare Krieg für die Welt darstellt.

Europa heute

Politisch wird Europa von Deutschland, Frankreich und Großbritannien dominiert. Der Zusammenbruch der Sowjetunion Mitte der 1990er-Jahre, aufgrund massiver wirtschaftlicher Probleme; die Verwestlichung Russlands und der wirtschaftliche und kulturelle Einfluss Deutschlands trägt zur Verbeserung der Lebensbedingungen in Osteuropa bei. Die Idee eines vereinigten Europas wird zunehmend populärer. Eine wirtschaftliche Union, die Europäische Wirtschafts Gemeinschaft wird 1962 gegründet; im Jahr 2007 sind die meisten westeuropäischen und einige osteuropäische Staaten Mitglieder. Der deutsche Kanzler, Peer Steinbrück, und die französische Präsidentin, Ségolène Royal, schlagen eine gemeinsame Währung und eine gemeinsames Rechtssystem für Europa vor. In Großbritannien, das von den Konserativen regiert wird, reagiert man sehr kühl auf diesen Vorschlag. Die meisten Staaten Europas, mit Ausnahme einiger ehemaliger Sowjetrepubliken, sind Demokratien.
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Re: Virtual History - Der Diskussionsthread

Beitragvon pentium » 25. Februar 2019, 17:50

Was wäre, wenn Deutschland den Ersten Weltkrieg gewonnen hätte...
https://folio.nzz.ch/2008/august/was-wa ... nen-haette


Von Rudolph Chimelli

«Es war ein Fehler, Wilhelm abzusetzen.» So sprach Winston Churchill einmal zwischen beiden Weltkriegen. Er meinte den letzten deutschen Kaiser und fuhr fort: «Der hätte Hitler nicht zum Reichskanzler ernannt!»

Als der blutige Spuk schon fast vorüber war, am 26. April 1945, bestätigte der britische Premier dieses Urteil noch einmal in einem Telegramm an einen seiner Botschafter: «Ich bin der Meinung, wenn die Alliierten am Verhandlungstisch von Versailles nicht geglaubt hätten, das Wegwischen von lange regierenden Dynastien bedeute eine Art Fortschritt, wenn sie einem Hohenzollern, einem Wittelsbach, einem Habsburg erlaubt hätten, auf ihre Throne zurückzukehren, dann hätte es keinen Hitler gegeben.»

Unter Historikern besteht heute weitgehend Konsens über den kausalen Zusammenhang zwischen dem Frieden von Versailles, dem Aufstieg des Nationalsozialismus und dem Zweiten Weltkrieg. Über viele Einzelheiten wird noch diskutiert. Aber natürlich können Wissenschafter nicht über Ereignisse spekulieren, die es nicht gab. Politiker und Journalisten, Spezialisten der virtuellen Weltgeschichte, dürfen das.

Sicher scheint, dass die Welt ganz anders aussähe, wären Deutschland und die mit ihm verbündeten Mittelmächte im Ersten Weltkrieg nicht in Grund und Boden geschlagen worden. Ein Verständigungsfrieden hätte damals im wohlverstandenen Interesse aller gelegen. Ein deutscher Sieg war nach dem Eintritt der Vereinigten Staaten in den Krieg im Jahre 1917 nicht mehr denkbar. Aber selbst der hätte mutmasslich glimpflichere Folgen gehabt als jene, die dann eintraten. Schlimmer als es kam, hätte es kaum kommen können.

Folgt man der Logik Churchills, dann hätte es kein Drittes Reich gegeben, keinen Zweiten Weltkrieg mit seinen Verheerungen und Verlusten, keinen Holocaust. Doch das wäre längst nicht alles. Ohne totale Niederlage der Mittelmächte wäre Österreich-Ungarn nicht zerstückelt worden. Es hätte kein grossserbisches Jugoslawien gegeben und später nicht dessen schmerzhafte Auflösung, keine Balkankriege um Bosnien und Kosovo, keine zweimal errichtete und zweimal zerlegte Tschechoslowakei.

Für die Völker der Nachfolgestaaten der Donaumonarchie waren die sieben Jahrzehnte nach den Pariser Vorortsverträgen nicht glücklich. Kaiser Franz Joseph muss davon eine Vorahnung gehabt haben. Als ihn der amerikanische Präsident Theodore Roosevelt 1903 mit republikanischem Hochmut fragte, welche Aufgabe ein Monarch im 20. Jahrhundert noch haben könne, antwortete er: «Meine Völker vor den Dummheiten ihrer Regierungen zu schützen.»

Bald stellte sich bei vielen Bürgern der Nachfolgestaaten Nostalgie ein. Noch immer feiern Traditionsvereine im vormals österreichischen Triest des Kaisers Geburtstag unter dem Doppeladler. Hätte Otto von Habsburg 1922 von seinem Vater Karl I. die Krone geerbt, er sässe noch heute in der Wiener Hofburg. Ein Ausgleich mit den slawischen Völkern des Reiches, ihre Gleichstellung mit den herrschenden Deutschen und Ungarn sowie die Mutation der Doppelmonarchie zu einem Bundesstaat lagen durchaus im Bereich des Möglichen.

Wie Deutschland ausgesehen hätte, wäre alles anders gekommen, darüber erlaubt ein Blick auf die skandinavischen Königreiche, die Niederlande, Belgien und Luxemburg oder auch Grossbritannien pseudohistorische Phantasien. Statt in der Weimarer Republik, im Dritten Reich und in der Bundesrepublik hätten die Deutschen bis 1941 weiter unter Wilhelm II. und dann unter seinen Nachfolgern in einer parlamentarischen Monarchie gelebt. Seit 1994 würden sie von einem völlig hypothetischen Hohenzollernkaiser Georg Friedrich regiert.

Wie anderswo hätten Geld, Pop-Idole und die Medien inzwischen mehr Einfluss und Macht als gekrönte Häupter. Besonders leicht wäre es den Bayern gefallen, auf Räte­republik und Nazi-Gauleiter zu verzichten. Der weiss-blaue Weg zu Prosperität mit Laptop und Lederhose wäre unter den Königen Ludwig III., Rupprecht I. (1921 bis 1955), Albrecht I. (bis 1996) und seither Franz I. ohne Hindernisse verlaufen.

Auch das Osmanische Reich hätte überleben können. Das heisst, der Nahe Osten, wie wir ihn inzwischen leider kennen, mit seinen von Briten und Franzosen entworfenen Mandatsgebieten und synthetischen arabischen Nationalstaaten wäre nie entstanden: Kein Irak, kein Syrien, kein Libanon, kein Palästina, kein Israel – jeder Name steht für eine Dauerkrise, alle zusammen sind sie die explosivste Region der Erde.

Unter fortdauernder Herrschaft Istanbuls hätten diese Gebiete vermutlich inzwischen den wirtschaftlichen Entwicklungsstand der Türkei erreicht. Die wichtigste Ursache für die Radikalisierung des Islams, der nun schon bald hundertjährige demütigende Konflikt mit dem Westen, wäre entfallen. Ein vom konservativen Islam geprägtes Grossreich zwischen Bosporus und Persischem Golf mit dem Machtpotential der Türken und dem Erdölgeld der Araber wäre eine Idylle, verglichen mit der Realität von heute.

Der osmanische Sultan Abdul Hamid, bei dem Theodor Herzl 1896 vergeblich für eine jüdische Kolonie Palästina warb, zeigte sich ähnlich ahnungsvoll wie der alte Franz Joseph in Wien. «Da müssen Sie schon warten, bis wir gestorben sind», sagte der Beherrscher der Gläubigen dem Begründer des Zionismus, «danach können Sie Palästina gratis haben. Aber Vivisektion lassen wir nicht an uns vornehmen.»

Frankreich freilich hätte das Elsass und Lothringen nicht zurückbekommen. Der Kalender der Franzosen wäre um zwei Feiertage ärmer, den 8. Mai und den 11. November. Der grösste Verlust aber wäre eine Gestalt von der Statur der Jeanne dArc. Mit ihrem berühmten Sinn für einfache Weisheiten stellte die Schauspielerin Arletty einmal lakonisch fest: «Kein Hitler, kein Krieg. Kein Krieg, kein de Gaulle. Wie schrecklich für einen grossen Strategen, sein Leben zwischen zwei Kirchtürmen mit der Lektüre von ‹De bello Gallico› zu beschliessen.»

Rudolph Chimelli ist Islamexperte der «Süddeutschen Zeitung»; er lebt als Korrespondent in Paris.

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