Erich Honeckers Schiff "Vineta"

Wie waren die politischen Systeme der beiden deutschen Staaten zur Zeit des Kalten Krieges? Wo waren die Unterschiede? Gab es Gemeinsamkeiten?
Wie wurde die Politik auf beiden Seiten vermittelt?

Erich Honeckers Schiff "Vineta"

Beitragvon Interessierter » 21. Juli 2018, 09:31

Die Staatsyacht der DDR kehrt zurück

Über ihr Deck schritten Erich Honecker und Muammar al Gaddafi. Bald darauf begann ihre Odyssee. Nach Jahrzehnten wird die ehemalige Staatsyacht der DDR nun wieder in Berliner Gewässer überführt.

An der Glienicker Brücke fährt ein Dampfer vor, am Bug die Fahne der Weißen Flotte Potsdam. Es ist heiß, die Passagiere nehmen kaum Notiz von der „Vineta“, die sie gerade rauschend passieren. Nur der Schiffsführer schaut rüber, zückt sein Smartphone und fotografiert.

Er hat offenbar erkannt, wer ihm da entgegenkommt. Das Schiff, zu dessen Taufe einst Markus Wolf geladen wurde. Über dessen Deck Erich Honecker schritt, Libyens Machthaber Muammar al Gaddafi, Nicaraguas Revolutionsführer Daniel Ortega und Assad der Ältere. In dessen Sitzpolstern achtern es sich Erich Mielke bequem machte.

Das Schiff, das einst den stolzen Titel Staatsyacht führte und dafür am Ende dieser Ära mit Urin befleckt wurde. Das man danach herumreichte, wie einen Gegenstand, der zu nichts richtig nutze ist. In Spandau verbrachte die „Vineta“ das zurückliegende Jahr regungslos an einer Kaimauer, nun durchmisst sie die Havelseen in Richtung Teltowkanal. Nach jahrzehntelanger Odyssee ist sie zurück auf Berliner Gewässern. Wolfgang Schulze sagt: „Weil wir gute Arbeit geleistet haben.“

An 380 Wasserfahrzeugen baute er mit, sagt Schulze ohne nachdenken zu müssen, Schubschiffe, Grenzboote, Fahrgastschiffe. Schulze, 69 Jahre alt, gelernter Schiffsbetriebsmeister, ist einer der vielen Lebensabschnittsgefährten der „Vineta“. Niemand ging mit ihr eine längere Beziehung ein, weshalb keiner die ganze Geschichte erzählen kann. Die muss man Stück für Stück zusammensetzen, dafür in die Archive eintauchen, vor allem in das der Stasi.

Wer sich nähern wollte, musste einen Ausweis haben


Die „Vineta“: weiß, 35 Meter lang, ein Sonnendeck, das mehreren Bankreihen Platz bietet. Drinnen liegt im Salon noch ein schwacher Dunst von Wofasept in der Luft, das Putzmittel, dessen Geruch charakteristisch war für praktisch alle öffentlichen Gebäude der DDR. Die Holztäfelung an den Wänden sieht edler aus als bei Fahrgastschiffen jenes Alters üblich – die „Vineta“ lief 1974 im Südosten Ost-Berlins, im VEB Yachtwerft am Köpenicker Ufer der Dahme vom Stapel.

Getauft wurde sie am 1. Oktober des Jahres auf den Namen „A. Köbis“. Die dabei zerbrochene Sektflasche aus Rumänien hängt noch an einem Brett in einer der Kabinen im Unterdeck. So ist es maritimer Brauch: Verschwindet die Flasche von der Schiffstaufe, ruft das den Klabautermann auf den Plan. „A.“ stand für Albin – Albin Köbis war der Name eines Matrosen, der 1917 im Ersten Weltkrieg als Rädelsführer wegen Meuterei und Rebellion erschossen wurde. Die DDR ehrte ihn als frühen Revolutionär.

Bild
Stasi-Minister Erich Mielke machte es sich auf der „A. Köbis“ mit Geheimdienstkollegen gemütlich.Foto: BStU

Weitere Fotos und mehr über die Stationen dieses Schiffes, seine Besitzer und Besucher erfährt man hier:
https://www.tagesspiegel.de/themen/repo ... 4-all.html
Auch aus Steinen die einem in den Weg
gelegt werden,
kann man was schönes bauen
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