Der Fall des Embargo-Händlers Jochheim

Wie waren die politischen Systeme der beiden deutschen Staaten zur Zeit des Kalten Krieges? Wo waren die Unterschiede? Gab es Gemeinsamkeiten?
Wie wurde die Politik auf beiden Seiten vermittelt?

Der Fall des Embargo-Händlers Jochheim

Beitragvon Interessierter » 17. Juli 2018, 12:34

Waffenhandel, Stasi, heimliche Geliebte in der DDR

Wegen geheimdienstlicher Agententätigkeit in Tateinheit mit verbotenem innerdeutschen Handel hat das Oberlandesgericht Celle den Ingenieur Hans Jochheim am 7. Februar 1986 zu drei Jahren und vier Monaten Haft verurteilt. Das Urteil wirkt wie ein spannendes Drehbuch.

Waffenhandel mit Nordkorea, illegale Elektronik-Lieferungen in die DDR, enge Kontakte zu Stasi-Mitarbeitern und heimliche Beziehungen zu einer Geliebten: Das sind nur einige Details aus Jochheims schillerndem Leben. Der Ingenieur, Jahrgang 1919, zog Ende 1948 von Hagen in Westfalen nach Göteborg in Schweden und wurde 1958 zusätzlich schwedischer Staatsbürger. Er verschaffte sich eine Geburtsurkunde, die den Eindruck erweckte, er sei im Göteborger Stadtteil Hagen geboren. Auf Reisen trat er als Schwede auf, der mit schwedischem Auto fuhr, schwedische Papiere besaß und eine schwedische Firma repräsentierte. Der Vorteil für ihn: Für Handelspartner in der DDR galt er damit als „neutraler“ Ausländer.

Arabische Pferde vom rumänischen Diktator

Jochheim machte sich um 1960 selbstständig und wickelte vor allem im Ostblock Handelsgeschäfte ab, etwa mit Maschinen. Als Firmenrepräsentant trat er auf Messen in Leipzig und in Hannover auf, wo er seine spätere zweite Ehefrau kennenlernte. 1963 wurde die erste Ehe geschieden. Jochheim lebte nun mit seiner zweiten Frau in Laatzen bei Hannover und arbeitete von dort aus. Doch er meldete sich nicht in Schweden ab und in Deutschland an. Bei sporadischen Aufenthalten in Göteborg wohnte er bei seiner Ex-Frau, die ihm bei der Abwicklung seiner Geschäfte half.

Zwar versuchte der Ingenieur, größere Geschäfte im internationalen Handel einzuleiten – jedoch mit mäßigem Erfolg. Jochheim wollte sich etwa in den Eisenbahnbau in Nigeria einschalten, Polizeiausrüstung an Indien und Zement an den Libanon liefern oder über Kontakte in Libyen Fertigungsanlagen für alkoholfreies Bier verkaufen. Die Versuche scheiterten, weil sie unrealistisch waren oder Jochheim das Geld fehlte. Erfolgreich war er in Rumänien: In den 1970er-Jahren lieferte er zur Herstellung synthetischer Diamanten. Das brachte Jochheim nach eigener Darstellung die Anerkennung von Staatspräsident Nikolae Ceaucesu, der ihm zwei arabische Pferde schenkte.

15000 Schuss Munition und 100 Pistolen

An Nordkorea vermittelte er 100 Pistolen und 15000 Schuss Munition. Einige Waffen wurden später bei Attentätern gefunden, die am 9. Oktober 1983 in Rangun (Myanmar) einen tödlichen Anschlag auf eine Delegation aus Südkorea verübt hatten, bei dem vier Kabinettsmitglieder starben.

Jochheims Lebensunterhalt sicherten die kontinuierlichen Geschäfte mit der DDR. In Ost-Berlin mietete er sich dafür ein Standquartier mit Schlafzimmer. Jochheim profitierte davon, dass er Geschäftsfreunden und Funktionären Waren aus dem Westen mitbrachte – Wäsche, Autoreifen,Felgen, Videogeräte oder Bauzubehör. Zum Teil verkaufte er die Sachen mit Aufschlag.

Anlässlich von Messen bewirtete er großzügig seine Geschäftsfreunde aus West und Ost. Meistens, so stellten die Richter fest, zeigte er sich „in Begleitung gut aussehender jüngerer Damen“. Bei seinen Bekannten sei der Eindruck entstanden, er schätze es, als erfolgreicher, erfahrener West-Ost-Händler mit geheimnisvollen und „playboyhaften“ Zügen zu gelten.

Ermittler fanden 234000 DM in bar


Am 12. September 1984 wurde Jochheim festgenommen. In seiner Wohnung in Laatzen fanden die Ermittler 234000 DM in bar und technische Geräte wie einen Manschettenknopf mit eingebautem Mikrofon, ein Telefonabhörgerät und ein Nachtsichtgerät mit Infrarotkamera.

1973 hatte er eine Krankenschwester aus Ost-Berlin kennengelernt. Sie wurde seine Geliebte. 1976 gelang ihr die Flucht nach West-Berlin, später zog sie nach Westdeutschland. Als Jochheim in Haft saß, brach sie die Verbindung zu ihm ab. Nachdem er die Frau bedrängt hatte, wieder Kontakt aufzunehmen, erlitt sie einen Nervenzusammenbruch und nahm sich im Januar 1985 das Leben.

Aufträge von der Stasi

Seit 1964 arbeitete Jochheim als inoffizieller Mitarbeiter für das Ministerium für Staatssicherheit, kurz Stasi. Später lernte er Wolfram Zahn und Günter Forgber kennen, zwei langjährige Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS), deren Aufgabe darin bestand, neben ihrer offiziellen Tätigkeit Hochtechnologie und das dazugehörige Wissen illegal zu beschaffen. Von ihnen erhielt Jochheim geheimdienstliche Aufträge.

Mehr erfährt man hier:
https://www.noz.de/deutschland-welt/pol ... 0&0&553563
Auch aus Steinen die einem in den Weg
gelegt werden,
kann man was schönes bauen
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