Wie die Stasi SS-Leute aus Auschwitz erpresste

Wie die Stasi SS-Leute aus Auschwitz erpresste

Beitragvon augenzeuge » 30. Juni 2018, 09:09

Als ehemaliger Auschwitz-Wachmann im antifaschistischen Musterstaat leben? Eigentlich undenkbar. Doch tatsächlich arrangierte sich die DDR mit vielen, die im KZ Dienst getan hatten. Der Preis: ein Zwangspakt mit der Stasi.

"NS-Täter hatten in der DDR eine große Chance, ungeschoren davonzukommen, wenn sie sich unauffällig verhielten oder kooperierten", sagt Henry Leide von der Außenstelle Rostock des Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der DDR. Manche waren so unauffällig, dass sie erst kürzlich, Jahrzehnte nach dem Ende der DDR, in den Fokus der Justiz gerückt sind.


Josef Settnik wusste, worum es ging. Also packte er in der Stasi-Kreisdienststelle in Dippoldiswalde lieber gleich aus. SS-Freiwilliger, SS-Infanterist, ab Januar 1942 Dienst im Konzentrationslager Auschwitz: Settnik nannte die Stationen seiner NS-Karriere.

Er rechnete fest damit, im antifaschistischen Musterstaat DDR vor Gericht gestellt zu werden. Von seiner Frau habe er sich verabschiedet und sein "Amen" gebetet, sagte er. Am Ende des Gesprächs saß er weinend am Tisch - weil ihm die Stasi-Leute ein Angebot gemacht hatten, das er nicht ausschlagen konnte. Seine Vergangenheit in der SS sollte vergessen sein, wenn er mit dem Ministerium für Staatssicherheit kooperieren würde. Fortan bespitzelte er Angehörige seiner katholischen Gemeinde.

Die Stasi warb Settnik 1964 an, vor 50 Jahren, als im Westen der erste Auschwitz-Prozess lief. Und wie mit ihm ging die DDR mit vielen von denen um, die in Auschwitz Dienst getan hatten: Sie blieben von der Justiz unbehelligt.
http://www.spiegel.de/einestages/ns-tae ... 87462.html

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Re: Wie die Stasi SS-Leute aus Auschwitz erpresste

Beitragvon Danny_1000 » 30. Juni 2018, 15:35

Der Ausgewogenheit halber:

Geheim für die Geheimen: SS-Mörder im BND

BND-Chef Gehlen ließ die Nazi-Gräueltaten einiger Agenten untersuchen - doch so viel Aufklärung war 1965 unerwünscht, wie eine Reportage in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung beschreibt.....

http://www.sueddeutsche.de/politik/nazi-aufklaerung-geheim-fuer-die-geheimen-ss-moerder-im-bnd-1.23119
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Re: Wie die Stasi SS-Leute aus Auschwitz erpresste

Beitragvon augenzeuge » 30. Juni 2018, 16:19

Danny, wir müssen nicht jeden Thread ausgewogen darstellen.
Hier geht es nicht um das Verhalten der BRD. Ausschließlich der DDR. Des Staates, der sich der Verantwortung für das Dritte Reich verweigerte, aber insgeheim sein angeblich neues Denken über Bord warf, wenn es ihm etwas nützte.
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Re: Wie die Stasi SS-Leute aus Auschwitz erpresste

Beitragvon Merkur » 30. Juni 2018, 17:11

augenzeuge hat geschrieben:Des Staates, der sich der Verantwortung für das Dritte Reich verweigerte, aber insgeheim sein angeblich neues Denken über Bord warf, wenn es ihm etwas nützte.
AZ


Nun, ein Blick in die Akte Settnik gibt Aufschluss über die Hintergründe:
"Settnik, Josef war Angehöriger der Lager-Gestapo in Auschwitz und hat aufgrund seiner Dienststellung erfahrungsgemäß nach aller Wahrscheinlichkeit teilgenommen an Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Konkrete Handlungen seinerseits in dieser Richtung sind jedoch nicht belegt."
Der Vater des Offiziers, der diesen Vermerk gefertigt hat, kam im KZ um.
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