„Herr Honecker, ich bin Ihr Vernehmer“

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„Herr Honecker, ich bin Ihr Vernehmer“

Beitragvon Interessierter » 26. Juni 2018, 11:01

Sein letzter Fall – Ein Ostberliner Kripo-Chef erinnert sich

Nur wenige Kriminalisten können sich rühmen, gegen Eierdiebe und Staatsoberhäupter gleichermaßen ermittelt zu haben. Ralf Romahn, der ehemalige Marine-Kampfschwimmer, Streifenpolizist und jüngste Kripo-Chef in der DDR, kann es. Er war Detektiv mit Leib und Seele – bis zum letzten Tag der DDR. Romahn leitete die Kriminalpolizei in Berlin-Mitte.

Ralf Romahn erinnert sich:

Am Abend des 28. Januar 1990 erhielt ich als Kripo-Chef und Oberstleutnant der Volkspolizei in meinem Dienstzimmer im Volkspolizei-Präsidium in der Berliner Keibelstraße einen überraschenden Anruf. Das hing damit zusammen, dass ich zu einer Sonderkommission von 50 Kriminalisten und zehn Staatsanwälten gehörte, die die Vorkommnisse um den 40. Jahrestag der DDR zu untersuchen hatte und ab Anfang 1990 auch in Sachen Regierungskriminalität ermittelte.

“Ralf, morgen wird Erich Honecker aus der Charité entlassen. Gegen ihn läuft ein Ermittlungsverfahren wegen Hochverrats. Der Mann ist zu vernehmen. Das machst du.”

Montagmorgen um sieben Uhr war ich in der Haftanstalt Rummelsburg. Mir wurde ein Raum mit zwei gegeneinander stehenden Schreibtischen und fünf Stühlen zugewiesen. Ein heller Fleck an der Wand verriet, dass hier ein Bild abgehängt worden war. Ich dachte mir meinen Teil.

Mit dabei waren ein stellvertretender Generalstaatsanwalt und eine Sekretärin. Dann wurde mir Erich Honecker zur Vernehmung „zugeführt“. Ich stellte mich höflich vor. Honecker erwiderte den Gruß, schaute mich an und sagte: „Du könntest mein Junge sein.“

Klar, hätte ich sein Junge sein können. Ich hätte von manchem, den ich schon vernommen habe, der Junge sein können. Ich ging auf solche Floskeln nicht ein. „Ich bin aber nicht Ihr Junge, Herr Honecker. Ich bin Ihr Vernehmer“, stellte ich die Situation klar.

Mittag war angeblich an allem schuld

Dann fragte ich, wie er sich fühle. Honecker fühlte sich gut. Ich eröffnete ihm den Hauptvorwurf, nämlich Hochverrat, und bat ihn, sein Leben zu schildern, was Honecker emotionslos tat. Dann kamen wir zu den Sachverhalten, u.a. auch auf die wirtschaftlichen Schwierigkeiten der DDR zu sprechen. Mitunter wurde Honecker energisch, klopfte mit den Knöcheln seiner Faust auf den Tisch, was ich mir verbat.


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Re: „Herr Honecker, ich bin Ihr Vernehmer“

Beitragvon Grenzwolf62 » 26. Juni 2018, 11:19

Der Genosse Oberstleutnant war doch sicherlich in der gleichen Partei wie der zu verhörende Deliquent.
Ist das nicht irgendwie ganz großes Kino?
Vielleicht hätte der sich erst mal selbst vernehmen sollen?
Sex und Golf können Spaß machen auch wenn man davon nicht viel Ahnung hat.
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