Der erste Selbstbedienungsladen der DDR

Wie entwickelte sich die Wirtschaft der DDR, wie die der Bundesrepublik während der Teilung Deutschlands. Welche Anzeichen gab es für die Entwicklung? Was waren die Ursachen?
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Der erste Selbstbedienungsladen der DDR

Beitragvon Interessierter » 20. Juni 2018, 10:47

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Konserven, Gebäck, Wein: Blick in den großen Raum des ersten Selbstbedienungsladens der DDR.
Foto: Berliner Verlag/Archiv


Am 13. Dezember 1956 zog die neue Zeit in Berlin, der Hauptstadt der DDR, ein. Der erste HO-Selbstbedienungsladen des sozialistischen Staates wurde eröffnet. Das vergleichsweise großflächige Geschäft befand sich in der Clement-Gottwald-Allee 100 in Berlin-Weißensee, heute Berliner Allee.

Ohne Schutz durch das Verkaufspersonal vor dem feindlichen Zugriff gieriger Kundschaft lagen in den Regalen Waren in ungewohnter Fülle. Die Leute kamen und staunten. Die lange Schlange in der Kassenzone spricht dafür, dass die Leute auch freudig kauften.

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Sensationell: der Stand mit hübsch ausgelegten Südfrüchten. Die gab es aber nur am Eröffnungstag mit der hier gezeigten Selbstverständlichkeit.
Foto: Berliner Verlag/Archiv


Betrieben wurde der Laden von der staatlichen Einzelhandelsorganisation der DDR, der HO. Sie war 1948 gegründet worden und bot in den ersten Jahren schwer entbehrte Gebrauchsgüter und Lebensmittel ohne Lebensmittelmarken an.

Die Preise lagen allerdings über denen der zugeteilten Waren. Lebensmittelmarken wurden erst zwei Jahre später, 1958, abgeschafft. Damit entfiel dann auch die sogenannte HO-Akzise, also der Preisaufschlag auf HO-Waren. Erst Ende der 1960er-Jahre erweiterten die neuen großen Kaufhallen die Konsummöglichkeiten mit wachsendem Angebot beträchtlich.

Anfangs muss es in der Bevölkerung einige Skepsis gegen die neumodische Selbstbedienung gegeben haben – jedenfalls setzte man Anfang der 1960-Jahre selbst Schulbücher zur Aufklärung über die Vorteile der Selbstbedienung ein. Der von bunten Zeichnungen begleitete Text, den die Autorin dieses Textes im Leselernalter selbst studiert hat, erzählte von einem nörgelnden alten Mann, der sich dem Fortschritt widersetzt und lernen muss, sich vom Alten zu lösen.

Das neue Selbstbedienungsgeschäft lag an der sogenannten Protokollstrecke, die die Fahrzeugkolonnen der SED-Führung täglich zweimal zwischen der Siedlung Wandlitz und dem Sitz des Zentralkomitees entlangbrausten.

https://www.berliner-zeitung.de/berlin/ ... -29926590#
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Re: Der erste Selbstbedienungsladen der DDR

Beitragvon pentium » 20. Juni 2018, 12:26

Der Konsum war schneller, aber das hat man in der Redaktion der Berliner Zeitung bestimmt übersehen?
05.06.1956 In Halle wird der erste Selbstbedienungsladen der DDR eröffnet

Die Konsumgenossenschaft Halle eröffnet 1956 den ersten Selbstbedienungsladen des Landes
https://www.mdr.de/zeitreise/ddr-kulina ... dr100.html
http://www.ddr-wissen.de/wiki/ddr.pl?Chronik_1956

...
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Re: Der erste Selbstbedienungsladen der DDR

Beitragvon Dr. 213 » 20. Juni 2018, 12:47

@pentium: Nicht nur das ist in dem Artikel unstimmig.
Es ist wohl der Zeit geschuldet, es gibt einfach keine richtige Redakteurskultur bei den Zeitungen mehr.

Ansonsten, nicht schlecht was man da 10 Jahre nach Kriegsende hingezaubert hat.
Nagut, man mußte natürlich der bunten Alternative Paroli bieten oder hat es wenigstens versucht.

Letztlich wissen wir alle, daß der schlechtere Verlierer im Wettstreit um die attraktiveren Lebensumstände
seine Schäfchen 1961 einsperren und stalinistisch- boshaft an der Freizügikeit hindern mußte.

Bis zum Mauerbau konnte man, so denke ich als erst später Geborener, prima gut in Berlin leben.
Wenn es einem zu bunt wurde, konnte man sich einfach in die S- Bahn setzen und Tschüss Genossen !

Noch was aus eigenem Erleben.
Um 1970 zog ich mit meinen Eltern in ein Neubaugebiet.
Es gab eine SB- Kaufhalle mit Einkaufswagen zum herumfahren- nicht so wie im Konsum mit den schwarzen Plaste- Körbchen.
(nichts dagegen, nehm ich heute beim Edeka gerne für den kleinen Einkauf)

Jetzt das Lustige:
Über der Fleischtheke gab es eine riesengroße Leuchttafel mit Nummern.
Das war jetzt so gedacht, daß man mit seinem gefüllten Einkaufswagen erst dann zur Kasse schieben sollte,
sobald die dem eigenen Einkaufswagen zugeteilte Nummer aufleuchtete.
Das hat sich allerdings nie durchgesetzt. Und so wurde die Leuchttafel abgeschaltet
und war noch jahrelang ein für alle sichtbares Grab für die schönen Produkte vom VEB Narva.

Herzlichst
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Re: Der erste Selbstbedienungsladen der DDR

Beitragvon pentium » 20. Juni 2018, 12:59

1956 gab es auch noch keine Waldsiedlung, 1960 zogen dort die ersten Bewohner ein.
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Re: Der erste Selbstbedienungsladen der DDR

Beitragvon Interessierter » 20. Juni 2018, 13:17

Das hatte man auch schon vor dir festgestellt. Da es aber an der grundsätzlichen Aussage zu SB - Märkten in der DDR nichts ändert, nicht erwähnt.

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[hallo]
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Re: Der erste Selbstbedienungsladen der DDR

Beitragvon Volker Zottmann » 20. Juni 2018, 13:35

Die Nummernanzeige über der Fleischtheke gab es auch bei uns. Hatte aber den Sinn, dass man an der Theke seine Nummer zog und weiter einkaufen konnte. Erst wenn die zugeteilte Nummer leuchtete, ging man zur Fleischtheke und wurde dann bedient. Sollte die ewigen Schlangen verkürzen. Hat aber niemals richtig geklappt.

Gruß Volker
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Die Weite Deines Horizonts ist Frage Deiner Sicht.
Der Große sieht ihn breiter, der Kleine leider nicht.
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