Sport- und Erholungszentrum, SEZ

Sport- und Erholungszentrum, SEZ

Beitragvon Interessierter » 15. Mai 2018, 10:13

Es war das erste Spaßbad der DDR und ist ein wahrer Koloss: das 1981 in Ostberlin eröffnete Sport- und Erholungszentrum, kurz SEZ. Einst kreuzte sich an seiner Adresse die Leninallee mit der Dimitroffstraße, heute lauten die Straßennamen Landsberger Allee und Danziger Straße. Sport und Unterhaltung für die Massen sollten im SEZ Platz finden, und die Massen kamen: An Spitzentagen verzeichnete man hier 10.000 Besucher. In den ersten fünf Jahren kamen sagenhafte 16 Millionen. Es darf mit Fug und Recht gesagt werden: Das SEZ war für die Einwohner Ost-Berlins und DDR-Bürger landesweit von ähnlicher Bedeutung wie der Palast der Republik.

Große Beliebtheit des SEZ nach der Eröffnung 1981


Lange Warteschlangen vor den Eingängen waren keine Seltenheit. Die Eintrittspreise lagen bei 20 bis 50 Pfennig. Sie wurden, genau wie die Restaurantpreise, staatlich hochsubventioniert. Um den Andrang zu begrenzen, mussten selbst jene Besucher Eintritt zahlen, die sich nicht sportlich betätigen wollten.

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Außenansicht SEZ 1987; Quelle: Gerd Danigel , ddr-fotograf.de CC-BY-SA-4.0

Das SEZ war ein Ort, der sogar zum Angeben vor Westbesuch herhalten konnte. Vielleicht, weil es ein Westimport war? Bei der Eröffnung unter Anwesenheit Erich Honeckers war der Name der Architekten tunlichst verschwiegen worden. Kein Wunder, hatte doch die Essener Baufirma Hochtief mit einem Entwurf ihrer Architekten Bernd Fundel, Klaus Tröger und Günter Reiß den Wettbewerb gewonnen und das Gebäude geplant. Ausgeführt wurden die Pläne allerdings durch eine schwedische Baufirma unter der Leitung des renommierten DDR-Architekten Ehrhard Gißke, der auch den Bau des Palasts der Republik geleitet hatte.

Die Welt des Spaßbades SEZ ließ keine Wünsche offen

Hinter dem Eingangstresen erwartete die Besucher eine fröhliche Erholungswelt. Da gab es das Spaßbad mit sieben Becken, Wellenbad, Sprungturm, Außenbecken, Saunalandschaft. Es gab das Polarium, das im Winter als Eisbahn und im Sommer als Rollschuhbahn diente. Es gab eine Bowlingbahn, Fitnessstudios, Sport-, Ballet- und Kampfsportsäle, einen Friseur, eine sportmedizinische Arztpraxis und zehn verschiedene Restaurants und Cafés. Was das SEZ allerdings vom westlichen Äquivalent unterschied, waren die rüden Anweisungen, die man hier ungeniert seinen Gästen erteilte. In den Duschen hingen Schilder, auf denen zu lesen war: „Badebekleidung ausziehen und gründlich waschen!“ oder „Privatfön benutzen verboten!“. Das tat der Beliebtheit des Sport- und Erholungszentrums jedoch keinen Abbruch. Neben dem Tagesbetrieb fanden hier Sportevents statt, wurden Jugendweihen und Hochzeiten gefeiert. Und last but not least wurde in der großen Sporthalle die Gymnastiksendung „Medizin nach Noten“ aufgezeichnet, mit Übungsleiter, etlichen Nachturnern und einem Moderator aus dem Off, der die gesundheitlichen Vorzüge der Übungen erklärte.

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Wasserkaskaden im SEZ 1981; Quelle: Bundesarchiv, Bild 183-Z0318-032 / Link, Hubert / CC-BY-SA 3.0

Schließung des SEZ nach der Wende und Umnutzung

Nach der Wende wurde der Berliner Senat neuer Besitzer des SEZ. Etwas altersschwach geworden, hätte das riesige Bad eine Sanierung dringend nötig gehabt, doch bewilligte die Stadt keine Gelder dafür. Nach und nach stellten alle Bereiche des Sport- und Erholungszentrums den Betrieb ein. 2001, pünktlich zu seinem 20-jährigen Bestehen, wurde es komplett geschlossen. 2003 verkaufte der Senat den Gebäudekomplex an einen Leipziger Investor, der den Bau teils entkernen ließ und instand hält. Bis heute warten die Berliner allerdings auf die vertraglich zugesicherte Wiederaufnahme des Bäderbetriebes. Immerhin kann man im SEZ wieder Badminton spielen und bowlen gehen. 2011 war es erstmals Kunstort im Rahmen der Langen Nacht der Museen. Auch Streetart wird hier hin und wieder ausgestellt. Und seit einigen Jahren findet zum Jahresbeginn das zweitägige Psytrance- und Kunstfestival „Odyssee“ im Gebäudekomplex statt.

http://www.centralberlin.de/blog/sport- ... z/?lang=de
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Re: Sport- und Erholungszentrum, SEZ

Beitragvon augenzeuge » 15. Mai 2018, 13:06

Interessierter hat geschrieben:Was das SEZ allerdings vom westlichen Äquivalent unterschied, waren die rüden Anweisungen, die man hier ungeniert seinen Gästen erteilte. In den Duschen hingen Schilder, auf denen zu lesen war: „Badebekleidung ausziehen und gründlich waschen!“ oder „Privatfön benutzen verboten!“


Ja, der behördliche Umgangston war oft so. Daran war man in der DDR gewöhnt. Man kannte es nicht anders.

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Re: Sport- und Erholungszentrum, SEZ

Beitragvon Volker Zottmann » 19. Mai 2018, 18:02

Sommer 89 machten wir Campingurlaub am Müggelsee. Das SEZ sollte auch besucht werden.
Dort angekommen waren endlose Warteschlangen, um ins Bad zu gelangen. Man stand also draußen schon an. Dann bemerkten wir, dass nicht badewilige Touristen aber eingelassen worden. So haben wir das Bad selbst bekleidet inspizieren können. Also immer schön durch Glasscheiben. An den Saunen standen innen in den Fluren Leute bis zu 2 Stunden an, um eingelassen zu werden. Wartezeiten außen waren zuvor schon absolviert.
Nee! So toll der eine Bau auch für DDR-Vorstellungen war... da zog ich jeden harzer Badetümpel vor.
Es gab einfach zu wenig Angebote. Und so ließ sich dieser Zustrom erklären.

Gruß Volker
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