Mysteriöse Unfälle zu DDR-Zeiten

Besondere Vorkommnisse in der Zeit des kalten Krieges

Mysteriöse Unfälle zu DDR-Zeiten

Beitragvon Interessierter » 12. Mai 2018, 12:02

Auf der Suche nach dem verlorenen Bruder

Ein Februartag 1981, eine Kleinstadt in der DDR. Ein Mann stirbt bei einem Unfall – behaupten die Behörden. Doch die Schwester kann ihnen nicht glauben. Seit 27 Jahren sucht sie nach den wahren Gründen. Kein Einzelfall, denn immer wieder ereigneten sich zu DDR-Zeiten mysteriöse Unfälle.

Ilona Günther, 48 Jahre, Buchhalterin, verheiratet, zwei Kinder. Eine kleine Frau mit gutmütigem Gesicht und runden Hüften. Auf den ersten Blick erinnert nichts in der Wohnung an Roland, den Bruder, der vor 27 Jahren aus ihrem Leben verschwand. Im Wohnzimmer hängen Fotos der Eltern, daneben Bilder der Söhne, vom Bruder fehlt jede Spur. Die wenigen Erinnerungsstücke an ihn hat Ilona Günther in einen kleinen Karton im Wohnzimmerschrank verbannt. „Ich habe es nicht geschafft, sein Bild aufzuhängen“, sagt sie. Was an jenem Abend geschah, am 28. Februar 1981, hat sich eingebrannt in ihr Gedächtnis. So oft schon spielte sie diesen Tag in Gedanken durch, wie ein Tonband, das stets zurückspult an die eine Stelle, ohne ans Ende zu gelangen.

Es ist kurz nach 22 Uhr, als Roland Hanisch hinaus in den Hof läuft. Es hatte Streit gegeben mit dem Vater. Der Bruder war spät nach Hause gekommen, er hatte getrunken. 22 Jahre war er damals alt, ein Jahr älter als seine Schwester. Die Mutter weist den Sohn kurzerhand aus dem Haus, um Schlimmeres zu verhindern. Sie hören noch, wie die Kellertür ins Schloss fällt. Dann ist es still. Der Bruder schiebt sein Motorrad auf die Straße, fährt in die Nacht. Von da an verlieren sich die Spuren.

Der Sohn sei in der Nacht verunglückt, heißt es am nächsten Morgen, doch die Informationen sind widersprüchlich. Ein Schlüsselbeinbruch, tröstet man die Familie. Doch sehen dürfen sie ihn im Kreiskrankenhaus nicht. Auch nicht, als sie am Abend erfahren, dass es schlecht um ihn stehe. Er soll in die medizinische Akademie nach Magdeburg verlegt werden. Am nächsten Morgen ein Anruf: Der Sohn sei auf dem Weg dorthin verstorben.

Immer wieder ereigneten sich zu DDR-Zeiten mysteriöse Unfälle. Doch bis heute kennt keine Statistik ihr Ausmaß. Es gab Verkehrsunfälle, in die die Volkspolizei verwickelt war, Zwischenfälle mit Soldaten der Nationalen Volksarmee oder der sowjetischen Streitkräfte, bei denen Zivilisten starben. Die Fälle unterlagen strenger Geheimhaltung: Meist wurden die Toten rasch bestattet, die Angehörigen nicht informiert. In einigen Fällen ermittelten Staatsanwälte nach der Wende, andere gerieten in Vergessenheit. War auch Roland Hanisch Opfer eines solchen Unfalls geworden?

Keine fünf Minuten vom Haus der Eltern ist die Unfallstelle entfernt, ein Grünstreifen zwischen den Fahrbahnspuren. Roland Hanisch, ein schlanker, junger Mann, mit längerem Haar und kleinen Grübchen. „Er war ein fröhlicher Mensch“, sagt Ilona Günther.
„Damals ist irgendwie alles eingestürzt“, erzählt sie und zieht ein Polaroid aus einem kleinen Pappkarton: Ein weißer Sarg ist darauf zu sehen, unter einem Meer von Blumen. Den Bruder ein letztes Mal zu sehen, das war ihr Wunsch. Doch er blieb unerfüllt. „Auf Anordnung der Staatsanwaltschaft“, hatte es geheißen.

Ilona Günther begann Fragen zu stellen, die Misstrauen weckten. Rufen Sie nicht wieder an, sagte ihr eine Krankenschwester schroff, als sie sich nach den Ursachen des Todes erkundigte. Sie solle aufhören, über den Unfall zu sprechen, wies sie der Mann einer Arbeitskollegin – ein Offizier bei der Staatssicherheit – bei einer Feier zurecht.

Ein paar Kilometer weiter, das Gelände der früheren medizinischen Akademie, heute Klinik der Otto-von-Guericke-Universität. In letzter Zeit kämen häufiger Angehörige, die nach Akten fragten, erzählt eine Mitarbeiterin. Nach der Wende geriet die Akademie in Verruf. Dokumente tauchten auf, die belegen, dass einige der Ärzte eng mit der Stasi kooperierten.

Am Morgen des 2. März 1981 wurde Roland Hanisch aus dem Kreiskrankenhaus hierhergebracht. Er starb nach offiziellen Angaben auf dem Weg. Seine Patientenakte ist umfangreich. Darin ein Obduktionsbericht: Roland Hanisch wurde nach dem Tod der Schädel geöffnet. Er hatte einen Schädelbasisbruch, Hämatome unter der Schädeldecke, weite Teile seiner Hirnrinde waren zerstört. Es bestehe ein Kausalzusammenhang zwischen Unfall und Todeseintritt, so der Gutachter. Der Tod: eine Folge der Einwirkung von stumpfer, flächenhafter Gewalt.

Er könne sich an den Fall nicht mehr genau erinnern, sagt der ehemalige Obduzent. Doch es deute alles auf einen gewöhnlichen Verkehrsunfall hin: ohne gerichtliche Obduktion, ohne Beteiligung der Staatsanwaltschaft. Doch wie objektiv kann ein Befund sein, der unter staatlicher Aufsicht erfolgte?

Staatliche Desinformation nährt Zweifel

Nur eins scheint sicher: Roland Hanisch war bereits hirntot bei seiner Einlieferung. Seine Verlegung in die medizinische Akademie hatte andere Gründe: Es waren Organentnahmen vorgesehen. Wie aus den Anästhesieprotokollen hervorgeht, hielt man seinen Körper bis 17.40 Uhr künstlich am Leben, entnahm die Milz und beide Nieren, eine transplantierte man einem Empfänger in Berlin. Von all dem erfuhren die Angehörigen nichts. Als man die künstliche Beatmung einstellte, trat um 18.05 Uhr der endgültige Kreislaufstillstand ein.

Roland Hanischs Gesicht muss komplett zerstört gewesen sein, als man den Leichnam dem Bestatter übergab, sein ausgeweideter Körper übersät von großflächigen Wunden. Durfte die Familie den Toten deshalb nicht sehen?

Ein letztes Gespräch im Kreiskrankenhaus. Ein Chefarzt, der schon damals Chefarzt war, beharrt darauf, dass alle Beteiligten korrekt gehandelt hätten. Wäre es nicht Pflicht gewesen, die Familie aufzuklären? Ja, sagt der Chefarzt einer anderen Klinik.

https://www.welt.de/vermischtes/article ... ruder.html

Einfach widerlich das Verhalten und die Vertuschung von Volkspolizei, Stasi und Ärzteschaft, für die nicht einer dieser Schergen zur Rechenschaft gezogen wurde.
Wer mit 20 kein Kommunist ist hat kein Herz .Wer mit 30 noch Kommunist ist hat keinen Verstand .
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