DDR - Diktatur - Schikanen

Wie waren die politischen Systeme der beiden deutschen Staaten zur Zeit des Kalten Krieges? Wo waren die Unterschiede? Gab es Gemeinsamkeiten?
Wie wurde die Politik auf beiden Seiten vermittelt?

Re: DDR - Diktatur - Schikanen

Beitragvon Interessierter » 24. Oktober 2018, 07:29

Als ich den Namen Waltraud Krüger in die Suchfunktion eingab, war das Resultat: " Kein Ergebnis "! Trotzdem möchte ich einmal die Möglichkeit nutzen, dir dafür zu danken, dass du immer so eifrig die von mir eingestellten Beiträge liest... [grins]
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Re: DDR - Diktatur - Schikanen

Beitragvon zonenhasser » 24. Oktober 2018, 13:22

Waltraut Krüger hat geschrieben:Am allerschlimmsten waren die Spritzen und Tabletten, die uns vor den Verhören ein Stasi-Arzt verabreichte - man wurde willenlos, ich wollte mir sogar das Leben nehmen...
Das habe ich zuvor noch nie gehört.

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Re: DDR - Diktatur - Schikanen

Beitragvon augenzeuge » 24. Oktober 2018, 15:36

In der Zwangseinweisung des Amtsarztes hieß es dazu u.a.: "Aufgrund ihrer seit Wochen auffälligen Verhaltensweise ergab sich der Verdacht auf das Vorliegen einer seelischen Störung" und weiter: "Wer den sozialistischen Staat DDR verlassen will, kann nicht normal sein."


Ohne Witz, diese Meinung habe ich auch gehört. So ähnlich haben sich tatsächlich einige Leute in den Pflichtgesprächen mit Ausreiseantragstellern geäußert. [flash]

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Re: DDR - Diktatur - Schikanen

Beitragvon andr.k » 24. Oktober 2018, 16:16

zonenhasser hat geschrieben:
Waltraut Krüger hat geschrieben:Am allerschlimmsten waren die Spritzen und Tabletten, die uns vor den Verhören ein Stasi-Arzt verabreichte - man wurde willenlos, ich wollte mir sogar das Leben nehmen...
Das habe ich zuvor noch nie gehört.


Was wollten die "Vernehmer" eigentlich mit den "Willenlosen" bei den Verhören erreichen?

Interessierter hat geschrieben:Als im Betrieb meines Mannes die Ofensetzer fürs gleiche Geld in kürzerer Zeit immer mehr Öfen setzen sollten, kam es zu einer "Aussprache" im Betrieb - und in der Folge dieser "Aussprache" zur Verhaftung durch die Stasi.


Dafür war die böse Stasi nun wirklich nicht zuständig.

Interessierter hat geschrieben:Sie schickten uns über Umwege Lebensmittelpakete, die kamen vor allem aus Bayern und Baden-Württemberg. Ohne diese Hilfe hätten wir Hunger leiden müssen - denn wir hatten nichts mehr...


[mundzu]

Interessierter hat geschrieben:Das Buch ist leider vergriffen. Eine Neuauflage dieses brisanten Werkes ist zwar geplant, aber leider hat sich bisher noch kein neuer Verlag finden lassen... Warum wohl...? Somit ist dieses wertvolle Dokument bedauerlicherweise nur noch antiquarisch erhältlich.


Ja, warum wohl? [denken]
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Re: DDR - Diktatur - Schikanen

Beitragvon Volker Zottmann » 24. Oktober 2018, 17:38

andr.k hat geschrieben:Dafür war die böse Stasi nun wirklich nicht zuständig.

Interessierter hat geschrieben:Sie schickten uns über Umwege Lebensmittelpakete, die kamen vor allem aus Bayern und Baden-Württemberg. Ohne diese Hilfe hätten wir Hunger leiden müssen - denn wir hatten nichts mehr...


[mundzu]



Andr.k, Du hast anscheinend keine Ahnung, wie Ausreisewillige schikaniert wurden. Dass einige Ausreisewillige ohne fremde Unterstützung nichts zum Leben mehr hatten, war ja gewollt, um sie dann einer Straftat (Beschaffungskriminalität) zu überführen, einlochen und verkaufen zu können.
In Harzgerode haben wir solchen Fall leider erleben müssen.

Gruß Volker
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Re: DDR - Diktatur - Schikanen

Beitragvon andr.k » 24. Oktober 2018, 17:46

@Volker Zottmann, träum weiter. [grin]
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Re: DDR - Diktatur - Schikanen

Beitragvon Interessierter » 25. Oktober 2018, 06:10

Nicht nur bei den Vopos, sondern in allen Berufen und Schichten der DDR, soll es ja Menschen gegeben haben, die sich gerne als Handlanger einer menschenverachtenden Diktatur betätigt haben.

Wenn gerade solche Charaktere heute ihre Aufgabe darin sehen, geschehenes DDR - Unrecht überwiegend zu bestreiten, dann verwundert das doch schon lange niemanden mehr.
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Re: DDR - Diktatur - Schikanen

Beitragvon Dr. 213 » 25. Oktober 2018, 13:38

Volker Zottmann hat geschrieben:
andr.k hat geschrieben:Dafür war die böse Stasi nun wirklich nicht zuständig.

Interessierter hat geschrieben:Sie schickten uns über Umwege Lebensmittelpakete, die kamen vor allem aus Bayern und Baden-Württemberg. Ohne diese Hilfe hätten wir Hunger leiden müssen - denn wir hatten nichts mehr...


[mundzu]



Andr.k, Du hast anscheinend keine Ahnung, wie Ausreisewillige schikaniert wurden. Dass einige Ausreisewillige ohne fremde Unterstützung nichts zum Leben mehr hatten, war ja gewollt, um sie dann einer Straftat (Beschaffungskriminalität) zu überführen, einlochen und verkaufen zu können.
In Harzgerode haben wir solchen Fall leider erleben müssen.

Gruß Volker


Ist doch längst bekannt das der User kein besonders guter Kenner solcher Details ist.
Das ist mir schon bei der Diskussion zum PM12 aufgefallen.

In zahlreichen Überlieferungen von Antragstellern wird sehr oft berichtet, wie sich die Staatsorgane darum bemühten,
etwas strafrechtlich relevantes "herauszuarbeiten". Routienemäßig bei heimlichen Wohnungseinbrüchen und auch
durch das unterschieben von verbotener Literatur, die dann bei Verkehrskontrollen "zufällig" gefunden werden sollte.
An der Stelle waren auch die VP, Trapo oder Feuerwehr willige Helfer bei solchen Zersetzungsmaßnahmen.

Etwas herauszuarbeiten oder nachzuweisen, und sei es nur auf Vorrat für später, war Tagesgeschäft bei der Behandlung
von Antragstellern. Hauptsache man hatte was in der Hand gegen solche Feinde der Sozialistischen Gesellschaft.

Wenn Antragsteller ihre guten Posten verloren und dann etwa als Heizer arbeiten mußten, war das aus Sicht der
DDR- Machthaber verständlich, aber solche Gehässigkeiten waren in der Nachbetrachtung doch nur kontraproduktiv.
Die DDR ist ja nicht per Zufall untergegangen sondern auch, weil sich der Staat mit Menschen angelegt hat, die sowieso
nicht mehr für die DDR zu begeistern waren.


Herzlichst
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Re: DDR - Diktatur - Schikanen

Beitragvon Interessierter » 10. November 2018, 10:40

Gefährlicher Schülerprotest - "Wir wollten der DDR mal richtig in die Parade fahren"

1956 erhoben sich die Ungarn gegen die Sowjetunion, in der DDR probte eine Schulklasse aus Solidarität den Aufstand. Die Folge waren unerbittliche Verhöre und Erpressung. Dietrich Garstka war einer der Betroffenen.


Herr Garstka, 1956 bekamen Sie und Ihre Klassenkameraden den geballten Zorn der DDR-Staatsmacht zu spüren. Was war geschehen?

Dietrich Garstka: Wir hatten im Radiosender RIAS von der Niederschlagung des ungarischen Volksaufstands durch die sowjetische Armee erfahren. Deshalb haben wir beschlossen, am 29. Oktober 1956 zu Beginn der Schulstunde für fünf Minuten zu schweigen. Als Zeichen der Solidarität mit den gefallenen Ungarn.

Das bedeutete in der DDR quasi Verrat. Hatten Sie die Idee dazu?

Ein Schüler kam in die Klasse und behauptete: "Im RIAS spricht man von Schweigeminuten wegen der vielen Toten!" Mit drei Jungs haben wir das dann vorn im Klassenraum spontan entschieden. Wir sagten: "Bitte fünf Minuten schweigen, gebt das jetzt nach hinten durch!" Der Geschichtslehrer, der zugleich FDJ- und Parteisekretär der SED war, stand schon in der Tür. Die Situation war etwas chaotisch, aber so ist es eben mit einer Rebellion, die aus dem Augenblick entsteht. Hoffentlich, dachte ich damals, ist jetzt keine Pflaume dabei, die meint, die Aktion stören zu müssen.

Haben alle Schüler durchgehalten?

Die ganze Klasse hat eisern geschwiegen. Fünf Minuten können aber sehr, sehr lang sein. Wir guckten immer wieder auf die Uhr an der Wand gegenüber. Der Lehrer verstand erst mal gar nicht, was da ablief. Sie müssen wissen, dass die ersten fünf Minuten jeder Unterrichtsstunde damals in der DDR sehr wichtig waren. Da wurde die Leistung überprüft, man konnte sich schnell eine Fünf einhandeln. "Welche Machtorgane hatten sich auf Initiative des Spartakusbundes gebildet?", fragte uns der Lehrer. Jeder wusste die Antwort. Aber keiner sagte etwas. Der Lehrer war völlig perplex. Als die fünf Minuten rum waren, ging eine ungeheure Entspannung durch die Sitzreihen, das weiß ich noch genau.

Wie alt waren Sie damals?


Ich war 17 Jahre alt. Ich besuchte die Abiturklasse der Kurt-Steffelbauer-Oberschule im brandenburgischen Storkow, einer Kleinstadt, etwa eine Zugstunde von Berlin-Mitte entfernt.

Für die fünf Minuten Schweigen sollten Sie noch büßen müssen.


Die Geschichte machte irgendwie die Runde. Dann kamen die ersten Verhöre, der Kreisschulrat erschien in der Schule. Fünf von uns mussten ins Direktorenzimmer zum Verhör. Mit allen möglichen Tricks haben sie versucht, uns zu überführen. Zum Beispiel konfrontierten sie mich mit der angeblichen Beschuldigung Hans-Jürgens, ich sei der Anstifter. Auf meine Frage an ihn wurde klar, dass die Verhörer diese Beschuldigung einfach erfunden hatten. Eine erpresserische Lüge. Später kam der Direktor in unsere Klasse. Ein Schüler sagte, dass das doch Gestapo-Methoden sind. Da flippte der Direktor aus.

Und es wurde noch schlimmer

Wie schlimm, das erfährt man hier:
https://www.t-online.de/nachrichten/wis ... ierte.html
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