Wie DDR Bürger verbotene Spiele selbst bastelten

Es gab zwischen beiden deutschen Staaten große Unterschiede in der Sozialpolitik (welche ja eine der Philosophien des DDR-Sozialismus war). Wo lagen die Unterschiede? Wie effektiv waren beide Sozialsysteme? Was war ungerecht, was war gerecht? Wie ist es im Vergleich zu heute?
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Wie DDR Bürger verbotene Spiele selbst bastelten

Beitragvon augenzeuge » 7. Februar 2018, 19:40

Heimlich und Co., Monopoly, Malefiz – all diese Spiele, die heute jeder kennt, waren vor der Wende im Osten schwer zu kriegen. Doch Not macht erfinderisch: viele DDR-Bürger bastelten sich einfach eigene Spiele. Martin Thiele-Schwez sammelte jahrelang skurrile Exemplare „Marke Eigenbau“, stellt sie am Dienstag bei einem Vortrag im DDR-Museum vor.

Handgeschnitzte Figuren, mit Schreibmaschine beschriftete Aktionskarten, ein Spiele-Brett, gebaut aus einer Kühlschrank-Abdeckung. In der DDR machte Not erfinderisch – auch bei Brettspielen. Monopoly und Malefiz gab es im Westen, im Osten waren sie schwer zu bekommen. Also griffen die DDR-Bürger zu Schere und Kleber, kopierten kurzerhand die Vorlagen vom Klassenfeind.

Auch das Spiel „Bürokratopoly“, das Thiele-Schwez mit dem DDR Museum Verlag als Lehrspiel neu auflegte, kam aus der Sammlung. Martin Böttger entwickelte es zu DDR-Zeiten. Für das Spiel-Ziel, vom Arbeiter zum Generalsekretär der SED zu werden, war jedes Mittel recht: Lug, Betrug, Meutereien.

Vortrag im DDR-Museum
Die Stasi hatte Böttgers Werk deshalb im Visier. „Es gibt zum Spiel 16 Seiten Akten, die es als Gesellschaftsspiel mit negativ-feindlichem Charakter einstufen“, sagt Thiele-Schwez. „Böttger hätte für das Spiel ins Gefängnis kommen könnten.“

– Quelle: https://www.berliner-kurier.de/29621334 ©2018

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