Der Herbst '89 - Die WG der Rebellen

Alle Themen die eine Bezug zur Wende und Grenzöffnung haben. Persönliche Erlebnisse, Gedanken aus dieser Zeit, Dokumente und ähnliches.

Der Herbst '89 - Die WG der Rebellen

Beitragvon Interessierter » 4. Februar 2018, 12:47

Die Leipziger Montagsdemo vom 9. Oktober 1989 gilt als entscheidend für die Revolution in der DDR. Der Staat kapitulierte vor der Übermacht der Bürger. Ein besetztes Haus war zentraler Ort des Widerstands.

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Foto zum im Link anklickbaren Video

Auf einer SED-Politbüro-Sitzung Ende August 1989 herrschte Ratlosigkeit, wie mit der Krise im Land weiter umgegangen werden soll. Günter Mittag, der Vertreter des kranken Erich Honecker, erregte sich über das West-Fernsehen: "Ich möchte auch manchmal den Fernseher zerschlagen, aber das nützt ja nichts." Da wusste er noch nicht, was als Nächstes kommen sollte.

Wenige Tage später sitzen ein paar junge Leute in ihrem besetzten Haus in der Mariannenstraße 46 in Leipzig zwischen Sonnenblumen und Mülleimern um einen verwitterten Brettertisch zusammen und lassen sich heimlich fürs Westfernsehen filmen. Es sind die damals 20-jährige Kathrin Hattenhauer, die Studentin Cornelia Fromme, 20, der Altenpfleger Uwe Schwabe, 27, und der Student Frank Sellentin, 23. Sie reden offen über ihre Aktionen gegen die Herrschaft der alten SED-Männer. Über eine Umweltdemo entlang des verschmutzten Flusses Pleiße, eine Protestaktion gegen die Pressezensur, ein verbotenes Straßenmusikfestival, eine Demonstration gegen das Massaker auf dem Pekinger Platz des Himmlischen Friedens.

Die Bewohner der Mariannenstraße 46 und ihre Freunde aus dem Leipziger Osten sind stets in den ersten Reihen der Demonstrationen und Aktionen zu finden, die sie schon seit dem Sommer 1988 organisieren.

Auch die Friedensgebete in der Nikolaikirche haben sie immer frecher und politischer mitgestaltet. Und jetzt im September, nach der Sommerpause, hoffen sie, deren Teilnehmer aus der Nikolaikirche hinaus in die Stadt zur Demonstration zu bringen.

Die Mariannenstraße 46 ist eine Wiege des Widerstands in Leipzig, eines Widerstands, den die Bewohner und das Netzwerk ihrer Freunde stetig schüren, dem sich immer mehr anschließen und der nur vier Wochen später den Staat in die Knie zwingen wird.


Noch lauert dieser Staat misstrauisch vor ihrer Tür. Dort ist ein fester Beobachtungspunkt der Staatssicherheit. Wenn die Bewohner etwas Wichtiges besprechen, dann schreiben sie es auf Zettel, reichen diese herum und verbrennen sie anschließend. Wenn sie aus dem Haus gehen, heften sich oft mehrere Bewacher an ihre Fersen.

Den längeren aber nicht minder interessanten Beitrag mit weiteren Videos findet man hier:
http://www.spiegel.de/einestages/leipzi ... 93513.html
Auch aus Steinen die einem in den Weg
gelegt werden,
kann man was schönes bauen
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Re: Der Herbst '89 - Die WG der Rebellen

Beitragvon Volker Zottmann » 4. Februar 2018, 13:48

Ich habe Dank Wilfried (@Interessierter) dazu das sehr lesenswerte und aufschlussreiche Buch "Die Unheimliche Leichtigkeit der Revolution" Von Perter Wensiersski geschenkt bekommen und gelesen.
Auf 464 Seiten wird diese Leipziger Widerstandszelle eingehend betrachtet. ISBN978-3-421-04751-9

Gruß Volker
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Der Große sieht ihn breiter, der Kleine leider nicht.
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