Umstrittene Patienten-Versuche

Themen über die Gesundheitssysteme in beiden deutschen Staaten

Umstrittene Patienten-Versuche

Beitragvon Zicke » 15. Januar 2018, 13:44

Kranke Kinder in Wunstorf für Medizinversuche missbraucht

In den Siebzigerjahren sollen in der Kinder- und Jugendpsychiatrie Wunstorf umstrittene Untersuchungsmethoden und Arzneimitteltests an jungen Patienten durchgeführt worden sein.

Hannover
In der Kinder- und Jugendpsychiatrie in Wunstorf haben Ärzte in den Siebzigerjahren offenbar Arzneimittel und fragwürdige Untersuchungsmethoden an jungen Patienten getestet. Laut Recherchen von NDR 1 und Hallo Niedersachsen wurden die teils extrem schmerzhaften Untersuchungen ohne die dafür nötige Zustimmung der Erziehungsberechtigten durchgeführt. Auch eine Aufklärung über die Risiken unterblieb. Nach den Worten des Medizinhistorikers Heiko Stoff von der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) erfüllten die Versuche auch nach dem damaligen Rechtsverständnis bereits den „Tatbestand der Körperverletzung“.
Wie aus einer Ende 2016 veröffentlichten Dissertation der Krefelder Pharmakologin Sylvia Wagner hervorgeht, waren mindestens 286 Kinder von Versuchen mit Schlafmitteln und Psychopharmaka betroffen. Darüber hinaus wurde nach NDR-Recherchen eine Untersuchungsmethode angewandt, die schon seinerzeit als medizinisch fragwürdig galt. Konkret geht es um die sogenannte Pneumoenzephalografie, eine Lumbalpunktion im Lendenwirbelbereich, bei der Hirnwasser entzogen und Luft eingeführt wird; danach wird der Kopf des Patienten geröntgt. Für die Betroffenen ist die Punktion mit tagelangen Kopfschmerzen und Erbrechen verbunden – wie Patienten berichten.

Ursprünglich wollten Mediziner mit dieser Methode Behinderungen und Nervenkrankheiten auf Röntgenaufnahmen sichtbar machen. Mitte der Siebzigerjahre gehörte die Methode nach Aussage von Experten allerdings schon nicht mehr zur Standarduntersuchung in der Psychiatrie – auch, weil die Untersuchung extrem schmerzhaft und mit einem Infektionsrisiko verbunden gewesen sei. Anfang der Siebzigerjahre sei sie durch die Computertomografie abgelöst worden.

Offen bleibt, warum die Ärzte in der Wunstorfer Klinik trotzdem an der umstrittenen Methode festgehalten haben. In den Krankenakten sind nach Aussage von Medizinern, die später an der Klinik tätig waren, keine Gründe für die sehr häufig durchgeführten Pneumoenzephalografien vermerkt. Laut MHH-Medzinhistoriker Stoff liegt darum der Verdacht nahe, dass es sich um klinische Forschungen gehandelt haben könnte. „Die Kinder sind nicht mehr als Menschen mit einer eigenständigen Geschichte wahrgenommen worden, sondern nur noch als Objekte, an denen etwas bewiesen werden kann“, sagt Stoff. Für die Ärzte seien die Versuche zudem förderlich für die eigene Karriere gewesen.
http://www.haz.de/Hannover/Aus-der-Stad ... issbraucht
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