Ilko-Sascha Kowalczuk - Walter Ulbricht, eine Biografie

Hier können Bücher vorgestellt und besprochen werden, die in den Bereich politische Systeme gehören.

Ilko-Sascha Kowalczuk - Walter Ulbricht, eine Biografie

Beitragvon Nostalgiker » 16. November 2025, 09:36

Vor einigen Tagen habe ich mir den Wälzer über Ulbricht von Ilko-Sascha Kowalczuk gekauft.
allerdings nicht die sündhaft teure zweibändige Buchausgabe, sondern eine Sonderausgabe der bpb in einem Band. Wie ich gelesen habe ist sie bereits vergriffen.
Ehrlich gesagt hat mich an der aktuellen Biografie der exorbitante Preis von knapp 120€ gestört, die Sonderausgabe war deutlich preiswerter.
Allerdings ist das Buch, knapp 2000 Seiten, etwas unhandlich beim lesen da es sehr schwer ist.

Eines muß und kann ich Herrn Kowalczuk bescheinigen, schreiben kann er. Trotz des Umfanges des Buches und der Detailgenauigkeit kommt beim lesen bisher keine Langeweile auf.
Das Leben von Walter Ulbricht ist umfassend recherchiert und mit unzähligen Fakten untermauert.
Da ich bisher ungefähr 200 Seiten gelesen habe und da wurde die Kindheit und Jugend von Ulbricht abgehandelt, kenne ich jetzt die meisten Namen seiner Klassenkameraden, weiß wer alles mit in den Häusern; auch teilweise Namentlich; gewohnt hat in denen die Familie Ulbricht damals in Leipzig eine Wohnung hatte hatte.
Die Masse der Informationen erschlägt einen schier.
Er, Herr Kowalczuk, geht auch auf die damalige politische, wirtschaftliche Situation ein und das auch nicht belehrend sondern um das Leben damals und die Beweggründe der handelnden bzw. beschriebenen Personen historisch einzuordnen.


Auch räumt er mit Gerüchten und Falschdarstellungen von früher über das Leben von Ulbricht; als Kind und Jugendlicher; auf und stellt die Dinge richtig dar.
Da er sich sehr lange mit der Thematik beschäftigt hat ist es ihm auch gelungen vor zig Jahren auch noch lebende Zeugen aus der Kindheit und Jugend von Ulbricht aufzutreiben und hat sie befragt bzw. deren Nachlas auf Äußerungen zu Ulbricht durchforstet.
Schon vor dieser Mammutarbeit bin ich beeindruckt.
Mal sehen wie sich die Geschichte entwickelt und ob der Biograf seine Unparteiligkeit und Distanziertheit durchhält.
Einzig das Gegender stört den Lesefluß. Nun gut das Buch/die Bücher sind 2023 herausgekommen und da war Gendern politisch korrekt und gewollt.

Ich habe ja bereits eine Ulbricht Biografie welche aber bei weitem nicht so detailliert daherkommt wie die Jetzige.

Ulbricht Biografie.jpg
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Ich nehme zur Kenntnis, das ich einer Generation angehöre, deren Hoffnungen zusammengebrochen sind.
Aber damit sind diese Hoffnungen nicht erledigt. Stefan Hermlin

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Re: Ilko-Sascha Kowalczuk - Walter Ulbricht, eine Biografie

Beitragvon karnak » 16. November 2025, 09:46

[flash] Mit Gegender, dass könnte ich nicht lesen. Ich breche sogar Gespräche ab wenn jemand damit anfängt, dass lasse ich einfach nicht mit mir machen. [grin]
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Re: Ilko-Sascha Kowalczuk - Walter Ulbricht, eine Biografie

Beitragvon Icke46 » 16. November 2025, 11:29

Nostalgiker hat geschrieben:
(….)
Ehrlich gesagt hat mich an der aktuellen Biografie der exorbitante Preis von knapp 120€ gestört, die Sonderausgabe war deutlich preiswerter.
Allerdings ist das Buch, knapp 2000 Seiten, etwas unhandlich beim lesen da es sehr schwer ist.

(….)

]


Hättest natürlich, nur der Vollständigkeit halber, schreiben können, dass das Buch bei der bpb 12€ kostet [wink] . Der Rest wird dem Herrn Kowalczuk vom Steuerzahler überwiesen, damit er auf seine täglichen 20.000 Kalorien kommt. Schließlich ist das nur eine Umschichtung des Volksvemögens…

Das hat nichts mit der Qualität des Buches zu tun, aber da ich Herrn Kowalczuk häufiger bei Facebook lese, bin ich ihm gegenüber etwas kritisch eingestellt. Ich mag generell keine Menschen, die sich selbst für den Nabel der Welt halten….
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Re: Ilko-Sascha Kowalczuk - Walter Ulbricht, eine Biografie

Beitragvon OaZ » 17. November 2025, 11:16

Wer lieber zuhören statt lesen möchte, dem empfehle ich das hier: https://wrint.de/2024/03/14/wr1577-walter-ulbricht

Knapp 4h ... aber absolut hörenswert. Was Kowalczuk hier über Ulbricht, Pieck und andere nachweisbar "ausgegraben" hat, ist enorm. Ihm zuzuhören, ist eine Freude (man muss nicht alle Aussagen mögen, aber Kowalzuks Position ist mit dem Wissen über die Leute, über die er spricht (allen voran Ulbricht) und dem, was er selbst in der DDR erlebt hat, absolut nachvollziehbar).

Klare Empfehlung meinerseits!
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Re: Ilko-Sascha Kowalczuk - Walter Ulbricht, eine Biografie

Beitragvon Nostalgiker » 23. November 2025, 12:44

Ich will nicht behaupten das ich mich inzwischen durch die Biographie quäle aber streckenweise quält es mich teilweise ein bisschen was die Ausflüge in das Umfeld von Ulbricht und die gerade behandelte aktuelle Zeit betrifft.
Das gefühlte zuschütten mit Fakten, nach dem Motto; seht mal was ich alles gefunden habe; überfordert streckenweise den Leser ist mein Eindruck.
Ich befinde mich immer noch Anfang der 20ger Jahre als Ulbricht Chef der Thüringer KPD Sektion war.
Da die KPD damals besonders in Sachsen und Thüringen sehr stark war, es zeigt sich in den Mitgliederzahlen welche Kowalczuk immer mal wieder einstreut, war mir nicht so bewußt oder ich habe es vergessen weil es nicht unbedingt Wissen war welches ein Leben lang abrufbar sein mußte.
Er, Kowalczuk, beschreibt langatmig und Detailreich die Turbulenzen welche die KPD in den ersten zwei, drei Jahren nach ihrer Gründung begleiteten.
Es ist natürlich interessant hinsichtlich der Stellung von W. Ulbricht in diesen Richtungs- und Flügelkämpfen zu lesen und solche Details wurden in der DDR einfach unter den Tisch gekehrt.
[In der DDR wurde offiziell so getan als ob nach der Ermordung von Luxemburg und Liebknecht nahtlos Thälmann das Ruder übernahm und KPD Führer wurde.]
Nach dem lesen, bis zum Jahr 1923, ist mir auch einiges klarer geworden hinsichtlich des Filmes "Ernst Thälmann". Da werden die Aktivitäten der KPD vor allem in Thüringen und Sachsen dargestellt so als ob Restdeutschland; außer Berlin; nicht existent sei.
Wenn ich es schaffe die Biographie noch in den nächsten 10 Jahren zu Ende zu lesen werde ich mir die zwei Teile des Films nochmal ansehen.
Außerdem wird der Lesefluß bei mir auch durch die Tatsachen unterbrochen, och da Erwähnt er etwas ohne näher darauf einzugehen, also ab an den PC und im Internet nach Informationen zu diesem Themenkreis gesucht.

Ansonsten hält sich Kowalczuk mit einer Wertung weitgehend zurück.
Nun gut, in seinem Vorwort hat er unmissverständlich klagemacht was er von solchen Vaterlandslosen Elementen und den Kommunisten und da besonders von W- Ulbricht hält, nämlich nichts aber auch er muß zugeben das Ulbricht letztendlich der bekannteste und erfolgreichste Kommunist in Deutschland war welcher letztendlich etwas über 20 Jahre einen Staat regierte und beherrschte.
Ich nehme zur Kenntnis, das ich einer Generation angehöre, deren Hoffnungen zusammengebrochen sind.
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Re: Ilko-Sascha Kowalczuk - Walter Ulbricht, eine Biografie

Beitragvon pentium » 23. November 2025, 13:36

Danke für deine interessanten Ausführungen...
*Dos Rauschen in Wald hot mir'sch ageta, deß ich mei Haamit net loßen ka!* *Zieht aah dorch onnern Arzgebirg der Grenzgrobn wie ene Kett, der Grenzgrobn taalt de Länder ei, ober onnere Herzen net!* *Waar sei Volk verläßt, daar is net wert, deß'r rümlaaft of daaner Erd!*
Anton Günther

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