Das ist genau meine Meinung!
Tobias Schibilla, Redakteur Politik & Wirtschaft
Was für eine unsinnige DebatteImane Khelif ist eine Frau. Sie ist als Frau geboren, als Frau aufgewachsen und nahm an bisher jedem Boxwettbewerb ihres Lebens als Frau teil. Als sie bei den Olympischen Spielen 2021 in Tokio nach einem schlechten Kampf gegen die spätere Goldmedaillengewinnerin Irin Kellie Harrington im Viertelfinale verlor, wollte niemand über ihre vermeintlichen Vorteile wegen angeblich gesteigerter Testosteronwerte diskutieren. Sie hat als Frau jedes Recht, an den Olympischen Spielen im Boxen bei den Frauen teilzunehmen. Was für eine unsinnige Debatte.Die Diskussion um Imane Khelif fußt auf einer Entscheidung der umstrittenen Boxorganisation IBA, in deren Folge der algerischen Boxerin zu hohe Testosteronwerte attestiert wurden. Was bei der Diskussion untergeht: Die IBA hat selbst in einem Statement erklärt, Khelif habe vor ihrer Disqualifikation überhaupt keinen Testosteron-Test absolviert, sondern einen "separaten und anerkannten Test, dessen Einzelheiten unter Verschluss liegen". Eine Debatte um angebliche Kampfvorteile, die auf so einer fadenscheinigen Entscheidung basiert, entbehrt jeder rationalen Grundlage.
Wo wir gerade bei der Rationalität sind: Werfen wir einen Blick auf die Karriere der Boxerin Imane Khelif. 36 Kämpfe hat sie bislang bestritten, und dabei neunmal gegen ihre Gegnerinnen – allesamt biologische Frauen – verloren. Lediglich vier Kämpfe gewann sie per Knock-out. So sehen keine Daten einer Sportlerin mit angeblichen biologischen Vorteilen aus. Es sind die Kampfdaten einer Frau, die aus ihren Niederlagen lernt und hart für ihre Erfolge arbeitet.
Und damit wären wir wieder bei dem, was eigentlich zählt: der sportlichen Leistung von Imane Khelif – und ihrer Gegnerin am Donnerstagabend. Die unterlegene Italienerin, die nach dem Kampf erklärte, die "härtesten Schläge ihrer Karriere" eingesteckt zu haben, hat aus boxerischer Sicht schlichtweg nicht überzeugt. In den 46 Sekunden bis zu ihrer Aufgabe schaffte sie es bei keinem Schlag ihrer Kontrahentin, den eigenen Kopf zu schützen – weder durch eine stabile Deckung noch durch Ausgleichsbewegungen. Logisch, dass sie bei dieser mangelhaften Abwehrarbeit bereits in der ersten Runde einen Schlag kassiert, der den Kampf für sie beendet.
Angela Carini hat verloren, weil sie am Donnerstagabend die schlechtere Boxerin war, nicht weil ihre Gegnerin biologische Vorteile hatte. Imane Khelif war an diesem Abend einfach besser. Und das ist der einzige Grund für ihren Sieg – nicht irgendwelche herbeiphantasierten biologischen Vorteile, für die es bis heute keine eindeutigen Beweise gibt.