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Zwei kurze Sätze, formuliert vor rund 250 Jahren, bringen das Weltbild des russischen Staatspräsidenten Wladimir Putin auf den Punkt. Der erste Satz lautet: „Russland ist eine europäische Macht.“ Der zweite: „Russland braucht das Paradies.“ Um das „Paradies“ zu gewinnen, drangen die Armeen der Zarin Katharina II. im 18. Jahrhundert nach Süden vor. Sie annektierten Teile der heutigen Ukraine als „Neurussland“.
Um die Rücksichtslosigkeit seines Angriffskriegs gegen die Ukraine zu rechtfertigen, blättert Wladimir Putin mit Vorliebe in der Zarenchronik. Vielleicht um neben jemandem wie Peter dem Großen (1672 - 1725) nicht mickrig dazustehen, hat er jetzt aus den Annalen die Schlacht von Poltawa herausgesucht, den Großen Nordischen Krieg.
Алексaндр III - император Всероссийский, царь Польский и великий князь Финляндский, Миротворец - auch er ist Putins großes Vorbild.
Die Ermordung Kaiser Alexanders II. verfolgte seine Nachfolger wie ein Gespenst, weshalb Alexander III. aus Sicherheitsgründen mit seiner Familie das gut bewachte, festungsartige Schloss Gattschina bezog. In Folge des Attentats kam es in ganz Russland zu zahlreichen antisemitischen Pogromen gegen die jüdische Bevölkerung. Als Reaktion erließ der neue Kaiser 1882 die sogenannten „Maigesetze“, in denen die freie Berufsausübung und Freizügigkeit der jüdischen Minderheit stark eingeschränkt wurden.
Für Alexander lag die Stärke Russlands in sich selbst. Er war der Ansicht, sein Reich sei von anarchistischen Störern und revolutionären Agitatoren durchsetzt gewesen, die bekämpft werden müssten. Als Instrument der Bekämpfung gründete Kaiser Alexander 1881 die Geheimpolizei Ochrana, die politische Gegner in die sibirischen Arbeitslager sperrte.
Als weiteres Problem sah Alexander eine „Überfremdung“ der Gesellschaft, besonders in Hinblick auf den deutschen Einfluss. Russland sollte ein homogenes Staatsgebilde sein, in dem die ethnischen Unterschiede in religiöser und sprachlicher Vielfalt überwunden werden müssten. Um dieses Ziel zu verwirklichen, startete Alexander eine radikale Politik der Russifizierung, die besonders in Polen und im Baltikum gegen harte Widerstände in der Bevölkerung durchgesetzt werden musste. Denn die Stützen seiner autokratischen Herrschaft sah Alexander in der slawischen Nation, der orthodoxen Kirche und einer einheitlichen Verwaltung. In seiner Politik wurde er von Konstantin Pobedonoszew unterstützt, der als persönlicher Berater des Zaren fungierte und zur grauen Eminenz am Hof aufstieg. In Alexanders Herrschaftsauffassung war für parlamentarische Institutionen und den westeuropäischen Liberalismus kein Platz.
"Es gibt drei Grundlagen, ohne die Russland nicht blühen, nicht stärker werden, nicht leben kann […]: Erstens die Orthodoxie, zweitens die Selbstherrschaft und drittens die Volkstümlichkeit - народность.“ So äußerte sich der frisch berufene Bildungsminister des Russischen Reiches, Graf Sergej Uwarow, bereits im November 1833 in einem Gespräch gegenüber Zar Nikolaus I. Diese später als Theorie der offiziellen Volkstümlichkeit beschriebene Losung sollte zu einer wichtigen ideologischen Grundlage der Herrschaft Nikolaus' I. werden, der darum bemüht war, sich als die Verkörperung der russischen Nation zu inszenieren.
Ermutigt durch das erfolgreiche Attentat auf Alexander II. bereitete die Untergrundorganisation Narodnaja Wolja die Ermordung von Alexander III. vor. Die Polizei konnte den Plan aufdecken und die Verschwörer festnehmen, einschließlich Alexander Uljanow, des älteren Bruders von Wladimir Lenin. Fünf der Verschwörer wurden im Mai 1887 gehängt.
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