
Geburt des Rechtsextremismus im Stasi-Elternhaus
Von wegen Antifa: Die DDR ignorierte ihre rechtsradikale Szene nicht nur viel zu lange – in Stasi-Familien gedieh der braune Sumpf besonders gut.
Im Jahr 1980 verfassten einige Stasi-Offiziere der für die Überwachung der Jugend zuständigen Hauptabteilung XX/2 eine interessante Analyse. Auf 27 Seiten setzten sie sich mit der „politisch-operativen Lage unter jugendlichen Personenkreisen in der DDR“ auseinander. Ganze 15 Zeilen widmeten sie einem, für sie zu diesem Zeitpunkt offensichtlich noch nebensächlichen Problem.
In einigen Bezirken der DDR gäbe es mit steigender Tendenz Hinweise auf die „Verherrlichung faschistischen Gedankengutes“ durch Jugendliche. Dies äußere sich in Anschmieren faschistischer Symbole in der Öffentlichkeit, in Schulheften und auf Schulbänken. Faschistische Lieder würden gesungen und der Hitlergruß gezeigt.
Zu Führers Geburtstag am 20. April fänden Feiern statt und man rede sich gegenseitig mit faschistischen Dienstgraden an. Einige in dieser Weise negative jugendliche Zusammenschlüsse, darunter zwei Wehrsportgruppen, seien im Jahr 1980 zerschlagen worden.
An neofaschistischen Vorfällen beteiligten sich hauptsächlich Schüler im Alter von 14 bis 16 Jahren. In der vorliegenden Analyse, wie auch im sonstigen MfS-Schriftgut wurde der Begriff „Nationalsozialismus“ möglichst vermieden, diente das Ministerium als „Schild und Schwert“ doch ebenfalls einer sozialistischen Partei, der sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED).
Punker sind gefährlich
Unverhältnismäßig mehr Aufmerksamkeit widmete die Stasi Anfang der achtziger Jahre einer, ihrer Meinung nach, weitaus radikaleren Form von Jugendprotest. Konsequenter als die "Tramper" der siebziger Jahre verweigerten sich nun die Punks dem allumfassenden Zugriff von Partei und Staat.
Es ist auffällig, dass in den Monatsberichten, Arbeitsplänen und Analysen der Hauptabteilung XX bis 1987 fast ausschließlich die eher linksgerichteten Punks im Visier waren. So verfasste der Vertreter des Stasi- Ministers Mielke, Generalleutnant Rudi Mittig, noch am 7.Juli 1986 eine ausführliche Information für die Leiter aller Stasi-Diensteinheiten über die Gesellschaftsgefährlichkeit der Punker.
Besonders bedrohlich erschienen dem Stellvertreter offensichtlich die „illegalen Punkmusikgruppen“, deren Auftritte in Kirchen und kirchlichen Räumen möglichst zu verhindern seien. In einer Art Fehleinschätzung ging Mittig sogar so weit, den Punkbands faschistische Tendenzen zu unterstellen. Das rechtsradikale Potenzial dagegen nahm das MfS bis 1987 in zahlreichen Analysen und Berichten oft lediglich als „negativen Anhang von Fußballklubs“ war.
(...)
Die netten Jungs von nebenan
Eine mögliche Antwort gibt eine Anweisung Generaloberst Mittigs an die Bezirksverwaltungen des MfS vom 2. Februar 1988. Dort beschrieb er zunächst das äußere Erscheinungsbild der Skinheads (Glatze, Bomberjacke, Röhrenjeans, Springerstiefel). Allerdings seien diese Gegenstände schwierig zu beschaffen, weshalb „in vielen Fällen solche Jugendliche im Arbeits- bzw. Bildungsbereich ein ganz normales, sportliches Äußeres aufweisen.“
Des Weiteren lieferte Mittig eine Einschätzung der Ideologie der Skinheads. Dort stellte er unter anderem fest: „Die überwiegende Mehrheit der Skinheads geht einer Arbeit nach. Im Gegensatz zu anderen negativ-dekadenten Jugendlichen zeigen sie zum Teil gute Arbeitsleistungen, Arbeitsdisziplin und werden in den Arbeitskollektiven anerkannt, ohne das diese über ihre Freizeitaktivitäten informiert sind.“
Wichtiger noch scheint Mittigs folgende Feststellung: „Die überwiegende Mehrheit der Skinheads steht dem Wehrdienst nicht ablehnend gegenüber. Es wird von ihnen die Auffassung vertreten, dass militärische Ausbildung zum ‚Deutschtum’ gehöre. Andere negativ-dekadente Jugendliche, wie Punker, werden von Skinheads missachtet und teilweise gehasst.“
Hier entsteht ein Bild von ordentlichen Jungs, die im Gegensatz zu den faulen und dreckigen Punks arbeitseifrig und wehrwillig sind und die dann eben auch mal über die Stränge schlagen: „Der Besuch von Disco- und Fußballveranstaltungen ist häufig mit übermäßigem Alkoholgenuss verbunden, in dessen Ergebnis es zu rowdyhaften Ausschreitungen und neofaschistischen Äußerungen durch die Skinheads kommt.“
Die imperialistische BRD ist schuld
Offiziell verkündete die SED-Propaganda in jenen Jahren jedoch unbeirrt „in der DDR herrsche ein wohltuende Atmosphäre von Disziplin, Ordnung. Sicherheit und Geborgenheit.“ In dieser Gesellschaft gehörten ein ordentliches Outfit, Arbeitsdisziplin und Wehrwille zu den schätzenswerten Eigenschaften.
Zwar seien dem MfS beispielsweise Skins aus MfS-Familien als IM-Kandidaten angeboten worden, doch man könne es nicht verantworten, einen Jungen aus gutem Elternhaus in diese Gruppen zu schicken. Auch Oberst Kuschel machte sich keinerlei Gedanken darüber, wieso ausgerechnet Kinder von MfS-Mitarbeitern anfällig für neonazistisches Gedankengut waren.
Diese Frage blendete er aus. Auch wie viele dieser „Stasi-Skins“ es gegeben hat und ob jemals von den MfS-Eltern etwas gegen die Nazi-Gesinnung ihrer Sprösslinge unternommen wurde, erfahren wir leider nicht.
hier weiterlesen:
http://www.welt.de/debatte/kommentare/a ... nhaus.html
Nonkonform hat geschrieben:Wir stecken schon soweit im brauen Sumpf,daß uns der Blick für die anderen realen Gefahren aus der schönen bunten Welt nicht mehr wahrgenommen werden können oder sollen.
Mit dem zweiten Auge sieht man besser,auch wenn Blendgranten aus allen Richungen geworfen werden.![]()
NK
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Merkur hat geschrieben:...Da aber alles rechtsstaatlich und parlamentarisch kontrolliert ist, sehe ich der am Ende präsentierten Klärung der Ereignisse mit großem Vertrauen entgegen.

vs1400 hat geschrieben:hi Affi,
was soll man dazu sagen.
als bürger fühle ich mich etwas verarscht, bezüglich der information.
im radio hörte ich bereits das sie entlassen werden soll, da ihr eine direkte verbindung zur nsu nicht nachgewiesen werden kann.
gruß vs ... ein eher trauriges thema.
Zwei die Selbstmord begehen wollen, machen noch vorher einen Banküberfall? Klingt nicht sehr glaubwürdig. Hier noch einmal Meldungen, die mehr als stutzig machen:Agent soll bei Morden in Tatortnähe gewesen sein
Welche Rolle spielt der hessische Verfassungsschutz? Einem Bewegungsprofil zufolge war ein Geheimdienst-Beamter bei sechs Morden in Tatortnähe.
http://www.welt.de/politik/article13717 ... -sein.html
Waren Verfassungsschützer Zeuge beim Mord an Michèle Kiesewetter?
Unterlagen des US-Militärgeheimdienstes legen den Verdacht nahe, dass Verfassungsschützer in der Nähe waren, als in Heilbronn eine Polizistin mutmaßlich von der Zwickauer Neonazi-Bande ermordet wurde.
Laut des Protokolls observierte am 25.April 2007 eine Spezialeinheit des US-Militärgeheimdienstes DIA, das "SIT Stuttgart" (Special Investigation Team) zwei Personen, die in einer Bank in der Innenstadt von Heilbronn "2,3 Mil. EURO(S)" einzahlten ("DEPOSITED"). An der Observation sollen laut US-Bericht auch zwei Verfassungsschützer aus Baden-Württemberg oder Bayern ("LfV BW OR BAVARIA") beteiligt gewesen sein.
Nach Verlassen der Bank fuhren die beiden Zielpersonen zur Theresienwiese. Dort wurde die Observation abgebrochen wegen eines "Zwischenfalls mit Schusswaffen", in den laut Protokoll auch ein Beamter aus Baden-Württemberg verwickelt war.
(...)
Bei den Observierten handelte es sich um Mevlüt K. und einen nicht näher identifizierten Begleiter. Der Deutschtürke K. stammt aus Ludwigshafen und hatte nach Erkenntnissen des Bundeskriminalamtes 2007 Kontakt zu der islamistischen "Sauerland-Gruppe", die Terror-Anschläge auf US-Einrichtungen in Deutschland plante. Mevlüt K. beschaffte den Terroristen 26 Zünder für die geplanten Bomben.
http://www.stern.de/politik/deutschland ... 57092.html




![Hallo [hallo]](./images/smilies/hallo.gif)
Interessierter hat geschrieben:Vielleicht war es ja auch je nach Jahrgang sehr unterschiedlich. Wenn ich mich an meine Schulzeit in den 50er Jahren erinnere, wurde uns über den Nationalsozialismus so gut wie gar nichts gelehrt. Allerdings auch keine Lobhudelei über unser neues System und auch keine Hetze gegen die DDR.

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