HPA hat geschrieben:Vollkommen richtig dass jetzt in Sachsen 2G eingeführt wird.
HPA hat geschrieben: Mit besten Grüßen an die Ignoranten welche das Leben dieses Personenkreises offenbar scheissegal ist!
Bitte höre auf mit solchen dämlichen Unterstellungen!
2G kann keine Lösung sein! Bitte weiterdenken! Ich versuchs mal mit mehr Sachlichkeit und Hilfe aus dem focus (da stehe ich übrigens voll dahinter):
Gäbe es nicht so viele Menschen, die sich dem rettenden Pieks verweigert hätten, könnten wir längst zur Normalität zurückkehren, so das gängige Narrativ. Wer sich nicht impfen lässt, verhalte sich daher grob unsolidarisch und sei für zunehmende Infektionen, überlastetes Pflegepersonal und womöglich bald auch dafür verantwortlich, dass andere Kranke nicht mehr angemessen versorgt werden können, weil ungeimpfte Corona-Patienten die Intensivstationen verstopfen.
Das alles spricht nicht dafür, dass unsere Impfquote der Kern des Problems ist, oder?
Wer so argumentiert, schürt nicht nur Panik, Angst und Hass. Er ignoriert auch wichtige Fakten. Fangen wir mit der Impfquote an. Das RKI hat Anfang Oktober eine Schätzung veröffentlicht, nach der unter Berücksichtigung der nicht gemeldeten Impfungen rund 84 Prozent der Erwachsenen mindestens einmal geimpft waren. Wenn das stimmt, müssten wir in der erwachsenen Bevölkerung jetzt, rund fünf Wochen später, knapp 84 Prozent doppelt Geimpfte haben. Bei den über 60jährigen wären es dann 89 Prozent, denn da liegt die offizielle Quote 5 Prozentpunkte höher. Dass wir selbst bei solchen wichtigen – und relativ einfach zu erfassenden - Vorgängen nicht über verlässliche Daten verfügen, ist Teil der Misere, die uns seit anderthalb Jahren begleitet. Aber nehmen wir mal an, die Schätzung des RKI stimmt. Dann gibt es gerade noch 16 Prozent ungeimpfte Erwachsene, und die meisten davon gehören den jüngeren Jahrgängen an.
Mit diesen Werten liegt Deutschland fast auf dem Level von Dänemark, das seit 11. September alle Maßnahmen aufgehoben hat. Dort sind die Inzidenzen ohne 3G oder 2G zwar höher als in Deutschland, aber Klagen wegen überlasteter Intensivstationen hört man nicht. Auch in Schweden gibt es schon lange keine Einschränkungen mehr, obwohl die Impfquote mit 66 Prozent der Gesamtbevölkerung eher unter der unsrigen liegt. Die Inzidenz erreicht in Schweden trotzdem nur 59 und in den schwedischen Krankenhäusern herrscht Normalbetrieb. Das alles spricht nicht dafür, dass unsere Impfquote der Kern des Problems ist.
Zumal unter den Nicht-Geimpften auch nicht wenige inzwischen eine natürliche Immunität besitzen, weil sie bereits Corona hatten oder über ausreichend Antikörper infolge einer sogenannten Kreuzimmunität verfügen. Leider haben wir auch hier keine Daten, obwohl eine repräsentative Antikörperstudie ohne großen Aufwand durchgeführt werden könnte. Selbst bei der Debatte über mögliche Booster-Impfungen kommt seltsamerweise niemand auf die Idee, standardmäßig zunächst einmal Antikörpertests durchzuführen, ehe man den Menschen pauschal eine dritte Impfung empfiehlt, mit der wir uns auf wissenschaftlich völlig ungesichertes Terrain begeben.
Die „Pandemie der Ungeimpften“ ist also längst Geschichte. Um diese Legende allerdings so lange wie möglich aufrechtzuerhalten, bemühen sich Noch-Gesundheitsminister Spahn und das RKI seit Wochen, die Zahl der Impfdurchbrüche zu verschleiern und kleinzureden. Das war ihnen offenbar wichtiger als frühzeitig auf die veränderte Situation zu reagieren. Die aktuellen Ausbrüche in den Pflegeheimen wären durch eine Testpflicht nicht nur für Ungeimpfte, sondern auch für geimpfte Besucher und geimpftes Personal vielleicht vermeidbar gewesen. Für sehr alte und immungeschwächte Menschen macht wahrscheinlich auch die Booster-Impfung Sinn. Die hätte allerdings längst eingeleitet werden können.
Die gute Nachricht ist, dass die Impfung trotz allem immer noch relativ gut vor schweren Verläufen schützt. Dass sieht man daran, dass der Anteil der Geimpften an der Bevölkerung deutlich höher ist als ihr Anteil an den schwer Corona-Erkrankten. Wir wissen nicht, ob das so bleibt.
Warum 2G falsch ist:
Die Impfung macht also einen gewissen Unterschied, aber ein Game Changer im Hinblick auf das Infektionsgeschehen ist sie nicht. Anders wäre die aktuelle Situation auch gar nicht erklärbar. Denn würde das Virus tatsächlich fast nur noch in dem vergleichsweise kleinen Teil der Bevölkerung zirkulieren, der weder geimpft noch natürlich immunisiert ist, müssten die Inzidenzen trotz Delta-Variante in jedem Fall niedriger sein als vor einem Jahr. Auch gibt es inzwischen genügend Beispiele von 2G-Veranstaltungen, die sich als Superspreader-Events entpuppten.
Die Ausweitung von 2G und die Verbannung der Ungeimpften aus dem öffentlichen Raum ist daher nicht nur eine willkürliche Einschränkung von Grundrechten. Es ist auch eine Maßnahme, die die Verbreitung des Virus eher fördert. Das gleiche gilt für das Ende kostenloser Tests, denn seither wird schlicht sehr viel weniger getestet. Wenn zum Kinoticket noch 15 Euro für einen Schnelltest kommen, streamt man den Film dann doch lieber mit seinen ungeimpften Freunden auf dem eigenen Sofa. Teure Tests oder 2G mögen passable Maßnahmen sein, um Ungeimpften das Leben schwer zu machen. Zur Eindämmung des Virus tragen sie nicht bei. Und es spricht auch wenig dafür, dass sie die Impf-Motivation erhöhen.
Und nochwas :
Auch das RKI hebt in seinem „Impfbuch für alle“ vom Frühjahr diesen Jahres ausdrücklich hervor: „Noch länger dauert die Beobachtung möglicher Spätfolgen. Denn natürlich kann man bei einer Impfung, die erst seit ein paar Monaten verabreicht wird, noch nicht wissen, ob und welche Spätfolgen nach ein paar Jahren auftauchen.“ Das ist eigentlich eine Selbstverständlichkeit, aber wer das heute öffentlich ausspricht, wird als Impfgegner, Schwurbler und Querdenker an den Pranger gestellt.
Hat der Staat das Recht, individuelle Entscheidungen und Lebensweisen mit Blick auf mögliche Folgen für das Gesundheitswesen zu sanktionieren? Sollen wir künftig auch Raucher, Alkoholliebhaber oder Übergewichtige aus dem gesellschaftlichen Leben verbannen, bis sie freiwillig ihr Leben ändern, weil all diese Laster mit hohen Gesundheitsrisiken verbunden sind? Und wie ist das bei gefährlichen Freizeitbeschäftigungen? Auch Unfälle von Motorrad- oder Skifahrern „belasten“ unsere Krankenhäuser. Wo hört das gesellschaftlich tolerierte Hobby auf und der unsolidarische Risikosport beginnt? Selbst Radfahren ist durchaus nicht so ungefährlich wie viele meinen.
AZ