Fluchtversuch mit rätselhaftem Ergebnis

Fluchtversuch mit rätselhaftem Ergebnis

Beitragvon Interessierter » 26. Juli 2021, 07:20

Klaus Kühne

Geboren am 28. Juni 1938 in Wolmirstedt, Ortsteil Glindenberg | Tod in der Elbe vermutlich am 20. März 1962 | Ort des Vorfalls: Elbe bei Lütkenwisch (Brandenburg)

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Foto:Privat

Keiner der beiden gut ausgebildeten Sporttaucher Klaus Kühne und Hans-Peter Mielau wird daran gezweifelt haben, dass sie es durch die Elbe ans niedersächsische Ufer schaffen würden. Es ist ungeklärt, weshalb Hans-Peter Mielau nur noch tot aus dem Wasser geborgen werden konnte und von Klaus Kühne bis heute jede Spur fehlt – doch die Berichte der Grenztruppen zeugen von einem Einsatz mit Schusswaffengebrauch in der Fluchtnacht.

Als Klaus Kühne 1938 in Glindenberg zur Welt kam, waren seine Eltern jungverheiratet. Sein Vater arbeitete als Schlosser, die Mutter in der Landwirtschaft. Zwei Jahre später bekamen sie einen weiteren Sohn. Kurz nachdem Klaus Kühne 1952 die Volksschule beendet hatte, zog die Familie ins nahe gelegene Magdeburg. Sie wohnte in der Karl-Marx-Straße 227, in einem der wenigen erhaltenen gebliebenen Häuser der im Krieg fast völlig zerstörten Altstadtmagistrale. Die Mutter engagierte sich für den Wiederaufbau und arbeitete im Rat des Bezirkes in der Kaderabteilung. Klaus Kühne begann mit 14 Jahren eine Ausbildung als Elektromonteur im VEB Starkstrom-Anlagenbau Magdeburg. Nach Ausbildungsende arbeitete er in seinem Lehrbetrieb weiter, daneben weist seine Meldekartei auch Aufenthalte in Dessau und Coswig aus. Am 29. August 1960 nahm er ein Studium der Elektrotechnik an der Ingenieurschule für Schwermaschinenbau in Magdeburg auf. Der vielseitig interessierte junge Mann spielte Gitarre, fotografierte und lernte autodidaktisch Englisch. Bei der Gesellschaft für Sport und Technik (GST) trainierte er das Sporttauchen. Dort freundete er sich mit Hans-Peter Mielau an, der Meeresforscher werden wollte und sich auf ein Studium der Biologie vorbereitete. Die beiden Freunde nannten sich bald „Gerry“ und „Robby“.

Oft fuhr Klaus Kühne nach West-Berlin, um etwas einzukaufen und wahrscheinlich auch, weil er die Atmosphäre einer offenen Stadt mochte. Er sehnte sich danach, in Gewässern zu tauchen, die fern vom Barleber See oder dem Stechlinsee lagen. Dass ihm diese Möglichkeiten nach dem 13. August 1961 verwehrt bleiben sollten, enttäuschte ihn sehr. Gemeinsam mit Hans-Peter Mielau, der an seiner Hochschule in Konflikte geraten war, verabredete er, die DDR heimlich zu verlassen. Das Sporttauchen schien ihnen dafür einen Weg zu öffnen. Ihr Plan war es, nördlich von Wittenberge die Elbe stromabwärts zu tauchen, um das niedersächsische Ufer zu erreichen. Gemeinsam trainierten sie in der Elbe bei Glindenberg, wo die Großeltern Klaus Kühnes lebten. Der Fluss war so verschmutzt, dass man unter Wasser kaum etwas sehen konnte. Nach einigen Zweifeln drängte Kühne am 13. März 1962 in einem Eilbrief an „Robby“: „Verdammt, schon Mitte März und noch immer nichts unternommen, hätten die Sache längst erledigen können.“

Für Klaus Kühnes Mutter kam es völlig unerwartet, dass ihr Sohn am Abend des 19. März 1962 ausblieb. Von seinen Fluchtplänen wusste sie nichts. Es war ein Montag, ihr Sohn hätte in der Ingenieurschule sein müssen. Doch als sie sich dort erkundigte, teilte man ihr mit, dass er nicht zum Unterricht erschienen war. Ihr nächster Weg führte sie zur Polizei, um eine Vermisstenanzeige aufzugeben. Die Tagesmeldung der Bezirksbehörde der Volkspolizei vom 22. März 1962 vermutet bereits eine Flucht in den Westen: „Da K. in der Schule eine Auseinandersetzung hatte und stark kritisiert wurde, besteht der Verdacht, daß er die DDR mit seiner Taucherausrüstung auf dem Wasserwege illegal verlassen hat. Welche Wasserstraße benutzt wurde[,] ist noch nicht bekannt.“ Zu dieser Zeit suchten bereits DDR-Grenzboote mit an Stangen befestigten Trossen den Elbgrund nach einer Leiche ab. Der Tagesrapport der Grenztruppen vom 20. März 1962 enthält die Meldung, gegen 3.30 Uhr habe die Besatzung eines am linken Elbufer direkt an der Grenze zu Niedersachsen eingesetzten Sicherungsbootes beobachtet, wie eine männliche Person vom Ufer aus ins Wasser sprang. Nach der Abgabe von Warn- und Zielschüssen sei diese nicht wieder aufgetaucht. Der „Abschlußbericht“ vom 9. April 1962 beschreibt ausführlicher, dass der Mann vom Ufer sofort ins Wasser sprang, als er mit einem Scheinwerfer vom Boot aus angeleuchtet wurde. „Nach der Flucht der Person in das Wasser legte unser Boot ebenfalls von Land ab. Ca. 20 m vom Ufer entfernt tauchte die Person nach ca. 1. Minute auf. Hierauf wurden unverzüglich 6 Schuß aus der MPi abgefeuert. Entfernung von der Person 30 Meter. Beim zweiten Mal auftauchen, wurde wiederum die Schußwaffe auf eine Entfernung von 50 m angewandt. Beim dritten Mal des Auftauchens wurde durch den Bootsführer aus der Pistole ein Schuß abgefeuert. Hierbei wurde die Person vermutlich getötet.“

Die rätselhafte Geschichte, auch um Hans - Peter Mielau geht hier weiter:
https://todesopfer.eiserner-vorhang.de/ ... us-kuehne/
Interessierter
 

Re: Fluchtversuch mit rätselhaftem Ergebnis

Beitragvon SkinnyTrucky » 26. Juli 2021, 11:03

Interessierter hat geschrieben:Der „Abschlußbericht“ vom 9. April 1962 beschreibt ausführlicher, dass der Mann vom Ufer sofort ins Wasser sprang, als er mit einem Scheinwerfer vom Boot aus angeleuchtet wurde. „Nach der Flucht der Person in das Wasser legte unser Boot ebenfalls von Land ab. Ca. 20 m vom Ufer entfernt tauchte die Person nach ca. 1. Minute auf. Hierauf wurden unverzüglich 6 Schuß aus der MPi abgefeuert. Entfernung von der Person 30 Meter. Beim zweiten Mal auftauchen, wurde wiederum die Schußwaffe auf eine Entfernung von 50 m angewandt. Beim dritten Mal des Auftauchens wurde durch den Bootsführer aus der Pistole ein Schuß abgefeuert. Hierbei wurde die Person vermutlich getötet.“



Direkte Tötungsabsicht....oder sieht es jemand anders.... [shocked] [denken]


groetjes

Mara
Wenn es heute noch Menschen gibt, die die DDR verklären wollen, kann das nur damit zusammenhängen, dass träumen schöner ist als denken.... (Burkhart Veigel) Bild
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