Intershop: Die Gier der DDR nach D-Mark

Re: Intershop: Die Gier der DDR nach D-Mark

Beitragvon Dr. 213 » 17. Mai 2020, 13:35

steffen52 hat geschrieben:Die Einführung der Forum-Schecks ist doch nur ein Schachzug der DDR-Regierung gewesen das der letzte DDR-Bürger seine eingelagerte D-Mark in dieses Spielgeld umtauscht! [denken]
Gruß steffen52


Diese kurze und knackige Erklärung gefällt mir. Danke Steffen!

Das Westgeld der einfachen DDR- Leutchen wurde denen doch von der Westverwandtschaft zugesteckt.
Die Sonderfälle DDR- Monteure im Ausland, Seeleute, Intershopverkäuferinnen und findige Tankwarte und Kellner mal unberücksichtigt.

Kann sein, man hat der Omi mit Reiseerlaubnis mal was davon mitgegeben damit sie auf Bestellung was mitbringt.
Damit sind aber keinesfalls bedeutende Mengen zurückgeflossen. Was meinte unser Kumpel, was galt es da zu verhindern ?

Die klamme DDR hatten allen Grund dafür, sich das echte Geld schon mal zu krallen, und dafür zunächst nur bunte Schecks zu geben.
Außerdem hatte man so viel mehr Planungssicherheit und vor allem Kontrolle, so wie bei jedem Knastgeld auch. Was ein Zufall ......

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Re: Intershop: Die Gier der DDR nach D-Mark

Beitragvon Kumpel » 17. Mai 2020, 13:45

Das mit dem Zurückfließen kann ich dir erklären.
Ein Freund von mir hatte seiner Westverwandtschaft D Mark mitgegeben und die haben für ihn im Westen eingekauft was er wollte.
Irgendwann ist er auf den Trichter gekommen sich Taschenrechner und Quarzuhren mitbringen zu lassen um die in der DDR zu verkloppen.
Der hat damit tausende Ostmark verdient und damit wieder D Mark getauscht.
Alle waren auch nicht mit dem Intershop Schruz und Genex Zeug zufrieden.
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Re: Intershop: Die Gier der DDR nach D-Mark

Beitragvon Dr. 213 » 17. Mai 2020, 14:55

Das gab es natürlich auch und es konnte der DDR verständlicherweise nicht gefallen.

Ich selbst war auch kurzzeitig im Schwarzmarkthandel am Berliner Ostbahnhof tätig.
Die Gewinne daraus waren so gigantisch, dass sich dafür extra die Tagesreise von Rostock aus gelohnt hat.
Mit dem schnellen Stoltera- Express hin und am Abend von Lichtenberg wieder zurück. 1. Klasse Platzkarte.
Die Quarzuhrenwaren waren billigste Ramschware, ich erinnere besonders diese Schreibsets wo die Uhr im Stift war.
Diese Dinger konnten nur die Uhrzeit und das Datum anzeigen. Aber sie wurden verkauft ohne Ende.
Mit den Uhrenverkäufern verstanden wir uns gut. Man kannte sich eben. Wir kauften unseren Kram aber von Polen gegen Ostmark.
Die werden das dann wieder in den Westberliner Banken in DM umgetauscht haben.

Um nun wieder zurück zu kommen auf die Gier der DDR, solche Geschäfte waren eher nicht der Hauptgrund der Forumschecks.
Man konnte nämlich damit nicht verhindern, dass DDR- Bürger zunächst nicht umtauschten. Und Viele durchschauten den Trick auch.

Noch ein Erlebnis. Am Warnemünder Alten Strom gab es eine Filliale der DDR- Staatbank mit Umtausch für die Forumschecks.
Da musste man bis ganz tief rein bis zum letzten Schalter hin. Dort konnte man Westgeld in die bunten Forumschecks umtauschen.
Die nahmen sogar Klimpergeld aus Finnland, Schweden und sonstwo, Hauptsache es war West. Die rechneten dort alles sauber aus.

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Zuletzt geändert von Dr. 213 am 17. Mai 2020, 15:05, insgesamt 2-mal geändert.
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Re: Intershop: Die Gier der DDR nach D-Mark

Beitragvon Volker Zottmann » 17. Mai 2020, 15:00

Meinen ersten Omron-Taschenrechner habe ich mir auch mitbringen lassen von einer nicht gerade begüterten Wolfenbüttelerin. Die "Tante" Ruth bekam von mir auch die 60 DM (etwa) gleich wieder.
Wäre zu blöd gewesen, wenn die Forumschecks bekommen hätte. Die kamen allerdings auch erst 1979 auf den Markt. Da hat mein Rechner schon 5 Jahre gute Dienste leisten müssen.

Gruß Volker
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Re: Intershop: Die Gier der DDR nach D-Mark

Beitragvon Edelknabe » 17. Mai 2020, 17:29

Als damaliger linietreuer Genosse Volker Zottmann hattest du aber ne Unmenge Westverwand/bekanntschaft, ich staune echt so wie der Steffen schon vorher. Denn das Westgeld flog dir damals wohl nur so zu, dies heute völlig ohne Neid, mehr als Feststellung bemerkt.

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Re: Intershop: Die Gier der DDR nach D-Mark

Beitragvon Volker Zottmann » 17. Mai 2020, 19:05

Was heißt linientreu?
Meine Freunde und Verwandten lachen sich kaputt, wenn die das lesen.
Und meine 3 Parteisekretäre, der vom WBK, der bei Plastopack und der aus meinem Wohngebiet, sind zum Glück alle schon tot, denn die hätten spätestens bei Deiner Feststellung "linientreuer Genosse" einen Herzkasper bekommen.

Und was heißt denn früher in Bezug auf DM ?
Ohne jede Angabe, ich habe auch heute genug Westgeld, welches jetzt Euro heißt. [laugh]

Verwandte hatte und habe ich tatsächlich reichlich!
Altbundesländer, Polen, Kongo Brazzaville, Canada, Japan, Frankreich.
Gute Freunde in Niedersachsen, Bayern, Rheinland, Württemberg, Russland, Tschechien, Niederlande, Spanien, Canada, Belgien.

Adressen brauchst Du aber hoffentlich nicht .... [flash]

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Re: Intershop: Die Gier der DDR nach D-Mark

Beitragvon Kumpel » 18. Mai 2020, 12:36

Dr. 213 hat geschrieben:Man konnte nämlich damit nicht verhindern, dass DDR- Bürger zunächst nicht umtauschten. Und Viele durchschauten den Trick auch.




Was heißt Trick? Klar wolle man so schnell wie möglich das Westgeld. Aber was sollte ein Ostdeutscher auch mit dem Westgeld anstellen als es früher oder später in den Intershop zu tragen?
Für einen Frankreich Urlaub sparen ging ja nicht.
Ich habe einige male D Mark nach Polen geschmuggelt und dort im PEWEX ausgegeben. Wäre mit Forum Schecks auch nicht gegangen.
Sicherlich waren die Forum Schecks auch ein Versuch sowas wie Souveränität zu zeigen um einer Parallelwährung entgegen zu wirken.
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Re: Intershop: Die Gier der DDR nach D-Mark

Beitragvon Dr. 213 » 18. Mai 2020, 16:55

Normale Schecks lassen sich in der Regel wieder in Banknoten zurück tauschen.
Das war bei diesen Forumschecks nicht möglich und schon gleich extra nicht erwünscht.
Forumschecks waren damit, und auch durch ihre räumlich eingeschränkte Verwendbarkeit deutlich im Nachteil.

DM zu halten, und eben nicht sofort in diese bunten Gutscheine umzutauschen konnte ein Vorteil sein.
Im Ungarn- Urlaub etwa konnte man damit als DDR- Bürger den Makel als Urlauber zweiter Klasse etwas entschärfen.

In meinem Fall war es auch ausgesprochen günstig, gleich am Morgen nach meiner Flucht über die Ostsee,
sofort in die nächste dänische Bank zu spazieren um zu tauschen. Weil ich u.a. auch das "richtige" Geld in meinen Socken dabei hatte.
Über meine Forumschecks oder die Ostmark hätten die sich doch bestimmt bis über den Tresen gekringelt oder gleich die Polit gerufen.

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