Weidel und Gauland konnten Kalbitz nicht retten! Das hat großen Symbolwert.
Zur Minderheit gehören der andere Parteichef Tino Chrupalla und die Bundestagsfraktionsvorsitzende Alice Weidel, die gegen Kalbitz’ Rauswurf gestimmt hatten. Weidel und Chrupalla schienen mal stark zu sein, weil sie sich mit den Rechtsextremen des bisherigen Flügels gemein gemacht oder bis zur Ununterscheidbarkeit verbunden haben.
Die Trennung von dem Brandenburger AfD-Chef zeigt, dass sich eine Mehrheit im Parteivorstand zumindest von besonders krassen Formen des Rechtsextremismus abgrenzt. Und dass Parteichef Meuthen keineswegs schwach ist. Eine Spaltung der AfD ist denkbar.
Den Rauswurf des Andreas Kalbitz sollte man nicht mit der Formel abtun, dass einer mehr oder weniger von dieser Sorte in der AfD keinen Unterschied machen würde. Doch, es macht einen Unterschied, ob der seit Jahrzehnten im Rechtsextremismus verankerte Kalbitz zu dieser Partei gehört oder nicht. Und zwar nicht nur wegen seiner Person, seines Lebenswegs und seiner Gesinnungen.
Sondern auch deshalb, weil der Brandenburger Partei- und Fraktionschef eine Symbolfigur ist. Er hat eine fanatische Anhängerschaft und leidenschaftliche Gegner. Außer Björn Höcke gibt es niemanden in der Partei, an dessen Person sich so viel entscheidet. Eine AfD, in der Kalbitz hätte bleiben können, wäre eine andere als die Partei, deren Bundesvorstand ihn jetzt rausgeworfen hat, weil Kalbitz‘ AfD-Mitgliedschaft wegen seiner früheren Zugehörigkeit zur ganz und gar neonazistischen Heimattreuen Deutschen Jugend nichtig ist.
Gewiss, der Beschluss im Bundesvorstand fiel mit sieben zu fünf Stimmen bei einer Enthaltung denkbar knapp aus. Aber: Es gab eine Mehrheit gegen Kalbitz. Und das war eine Mehrheit für Parteichef Jörg Meuthen, dem es in letzter Zeit gelungen ist, mit dem Rauswurf auch von Doris von Sayn-Wittgenstein, Stefan Räpple und Wolfgang Gedeon einige der grässlichsten (und von AfD-Kritikern am liebsten angeführten) Problemfälle in dieser Partei zu rauszuschmeißen.
Natürlich wird die Rache auf dem Fuß folgen. Vor allem in Ostdeutschland, aber auch im Westen werden jetzt die Kalbitz-Fans und sonstigen vielen Rechtsextremisten in dieser Partei zum Sturm auf Meuthen blasen. Aber ob sie die Mehrheit haben, wenn die vielen anderen in der Partei dagegenhalten, bleibt abzuwarten.
https://www.welt.de/politik/deutschland ... lwert.htmlAZ