Der verflogene Tabakrausch von Dresden

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Der verflogene Tabakrausch von Dresden

Beitragvon Interessierter » 11. Februar 2020, 12:11

Dresden, 29. Januar 2020. Einst war die sächsische Residenzstadt eine der wichtigsten Tabakmetropolen des Reiches: „Hier entstanden die erste deutsche Zigarettenfabrik und mit der ,Yenidze’ der berühmteste Reklamebau Europas“, erinnern die Kuratoren des Stadtmuseums Dresden an jene Zeit. „Dresden war Sitz von Industriellenverbänden und des Instituts für Tabakforschung, Verlagsort für Fachblätter und Zentrum des Orienttabakhandels in Mitteleuropa. Innovationen waren die Strangmaschine, der Zigarettenfilter und die Werbekunst der Moderne.“ Eben dieser längst verflossenen Epoche widmet das Stadtmuseum Dresden in diesem Jahr eine Sonderausstellung: „TABAKRAU(S)CH an der Elbe. Geschichten zwischen Orient und Okzident“ öffnet am 12. September 2020 im Landhaus an der Wilsdruffer Straße.

Zeitweise über 140 Zigarettenfabriken in Dresden

Schon in der Kaiserzeit hatten sich Dutzende Zigarettenwerke in Dresden angesiedelt. 1925 waren es 141 solcher Fabriken. Die Tabakbranche war zwischen den Weltkriegen neben der Lebens- und Genussmittelindustrie einer der größten Arbeitgeber der Stadt. Aber seit der Weltwirtschaftskrise setzte ein Konzentrationsprozess ein, der sich durch staatliche Eingriffe nach dem Krieg noch beschleunigte. In der Honecker-Ära waren allen verbliebenen Produktionsorte im Kombinat Tabak mit dem Stammbetrieb VEB Vereinigte Zigarettenfabriken Dresden (VEZIFA) konzentriert.

Wohnungen statt Tabakproduktion

Nach der Wende entstand daraus die f6-Cigarettenfabrik, die der US-Tabakkonzern Philip Morris (PM) übernahm. Wegen steigender Zigarettensteuern und sinkenden Raucherzahlen in Deutschland reduzierte PM schrittweise die Anzahl der in Dresden gefertigten Marken und die gesamte Zigarettenproduktion im Werk an der Glashütter Straße in Dresden-Striesen. Inzwischen stellt das Unternehmen dort vor allem Stopftabak im neueren Teil der Fabrik her. Große Teile der historischen Fabrikgebäude hat PM abgegeben, dort entstehen nun Wohnungen.

Yenidze ist Bürokomplex geworden

Auch die Yenidze wird schon seit Jahrzehnten nicht mehr als Zigarettenfabrik oder Tabakkontor genutzt. Der im Stil orientalischer Paläste in den Jahren 1908 bis 1909 errichtete dient inzwischen als Bürokomplex. Jahrelang gab es auch Märchenlesungen und Bautänze unter der Yenidze-Kuppel. Weil die große Kuppel aber im Winter schwer zu beheizen und im Sommer kaum zu kühlen ist, wollen die Märchenleute im März 2020 dort ausziehen.

Dresden war auch Hochburg der Tabakgegner

Insofern wollen die Kuratoren im Stadtmuseum nicht nur den Aufstieg der Tabakhochburg Dresden thematisieren, sondern auch die gegenläufigen Entwicklungen: „Eine vergleichbare Bedeutung hatte Dresden bei der Zurückdrängung des Tabakkonsums“, schätzen die Ausstellungs-Organisatoren ein. „Der Gründung des Bundes deutscher Tabakgegner folgten die Erkenntnisse des Mediziners Fritz Lickint, worauf wiederum die Gesundheitskampagnen des Deutschen Hygiene-Museums fußten.“

https://oiger.de/2020/01/29/der-verflog ... ore-174070
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