Der Beweis! Sondierungspapier zeigt: FDP hat sich zu schnell aus dem Staub gemachtWas die inhaltlichen Differenzen der Sondierungen angeht, gibt es mittlerweile ein präziseres Bild. Dem "Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlag" (sh:z) liegt nach eigener Aussage "die
letzte schriftliche Zusammenfassung des Verhandlungsstands vom Wochenende" vor. Die meisten Punkte waren schon vorher bekannt, aber hier handelt es sich exakt um den Stand, als die Sondierungen abgebrochen wurden.
Betrachtet man die unterschiedlichen Positionen, die in diesem Papier aufgeführt sind, kann man den Eindruck gewinnen, dass eine Einigung tatsächlich möglich gewesen wäre. Sie hätte von allen Parteien allerdings große Beweglichkeit verlangt. Zusätzlich erschwert wurde die Lage durch mächtige Ministerpräsidenten wie den Grünen Winfried Kretschmann aus Baden-Württemberg oder den CDU-Mann Armin Laschet aus Nordrhein-Westfalen, die immer wieder dazwischengrätschten.
Dennoch lässt sich der Schluss ziehen, dass es vor allem die FDP war, die sich weiteren Kompromissen verweigerte. Richtig an der Darstellung der FDP ist, dass es zahlreiche Punkte gab, in denen man sich noch nicht einig war. Der "sh:z" kommt in seiner Zählung auf die Zahl von 130 Streitpunkten (und nicht auf 237, wie die FDP behauptet), von denen aber die meisten eher Kleinigkeiten waren. Es ist kaum anzunehmen, dass eine Jamaika-Koalition an Differenzen in der Frage der Cannabis-Legalisierung oder dem Insektenschutz gescheitert wäre. Heißt: Allein die große Zahl an strittigen Themen ist keine glaubwürdige Begründung für den Abbruch der Sondierungen, wie es die FDP vorgibt. Auch in Fragen wie der Mietpreisbremse, Ceta-Ratifizierung, Entwicklungshilfe und Volksentscheide hätte man sich einigen können, ohne dass einer Partei ein großer Gesichtsverlust gedroht hätte.
Interessanter wird es bei den großen Themen Migration, Klima, Soli und Bildung. Hätten FDP oder Grüne zu große Kompromisse eingehen müssen? War die Union zu starrsinnig? Im Folgenden stellen wir die unterschiedlichen Positionen in den Kernpunkten dar. Wer will, kann sich hier ein eigenes Bild machen, ob Jamaika möglich gewesen wäre oder nicht. (siehe Link)
https://www.stern.de/politik/deutschlan ... 59466.htmlAZ