Etwas Licht!
MDR: Ungereimtheiten im Fall Uljukajew.:
http://www.mdr.de/heute-im-osten/uljukajew-102.htmlZitat:
Die Summe ist zu klein:
Der Deal zwischen Rosneft und Baschneft wird auf fünf Milliarden US-Dollar geschätzt. Wirtschaftsminister Uljukajew soll allerdings nur zwei Millionen angenommen haben – und zwar in bar. Erstens ist es in Russland auf diesem Niveau grundsätzlich unüblich, dass Schmiergeldgeschäfte mit Bargeld betrieben werden. Viel öfter geht es in solchen Fällen um die Übernahme verdeckter Wirtschaftsanteile in den Unternehmen des Geldgebers. Sehr unwahrscheinlich ist auch, dass ein Wirtschaftsminister höchstpersönlich ins Büro von Rosneft fährt, um sich eine verhältnismäßig kleine Summe abzuholen.
Zitat:
Schmiergeld von Setschin zu verlangen, ist Wahnsinn.
Ein korrupter Minister ist in Russland sicher keine Überraschung. Doch dass Alexej Uljukajew das Schmiergeld ausgerechnet bei Rosneft verlangt haben soll, ist doch erstaunlich. Igor Setschin, der den staatlichen Ölkonzern anführt, ist nicht nur einer der reichsten Männer Russlands – der 56-jährige gilt auch als engster Vertrauter Wladimir Putins. Das politische Gewicht Setschins wird von vielen in Russland sogar größer als das des Ministerpräsidenten Medwedew eingeschätzt. Uljukajew gilt zwar als hartnäckiger Mensch, der sich auch traut, Putin zu widersprechen. Dem Ex-Minister hätte freilich von Anfang an klar sein müssen, welche Folgen Korruptionsvorwürfe gegen einen engen Putin-Vertrauten haben können.
Zitat:
Laut Kreml-Sprecher Dmitrij Peskow wurde die Arbeit an dem Fall Uljukajew bereits vor einem Jahr aufgenommen, auch der russische Präsident Putin wusste bereits 2015 Bescheid. Unter solchen Umständen ist es unverständlich, wie Uljukajew überhaupt so lange als Minister hatte arbeiten dürfen.
Interessant ist auch das Interwie im Spiegel mit Anton Pominow, Chef von Transparency International Russland, über die Ungereimtheiten im Fall Uljukajew
http://www.spiegel.de/politik/ausland/k ... 21760.htmlZitat:
Andere Korruptionsfälle haben gezeigt, dass Schmiergeldzahlungen unauffällig über Offshore-Konten abgewickelt werden. Uljukajew ist alles andere als naiv. Er war mit solchen Methoden vertraut, wie die Panama Papers zeigen. Da taucht bereits vor zehn Jahren der Name von Uljukajews Sohn auf. FSB-Offiziere haben anscheinend zu viele Filme gesehen, Offshore-Firmen interessieren sie nicht, wie der Uljukajew-Fall zeigt.[...]Es würde mich sehr wundern, wenn bei einem Deal dieser Größenordnung Bestechungsgelder in Höhe von nur zwei Millionen Dollar erpresst oder gezahlt wurden. [...]Ich glaube, Uljukajew wurde zum Verhängnis, dass er dagegen war, dass ein staatlicher Riesenkonzern wie Rosneft einen anderen staatlichen Ölkonzern Baschneft kauft. Das war für ihn eine Scheinprivatisierung. Damit hat er sich mit Rosneft-Chef Igor Setschin angelegt, einem der mächtigsten Männer des Landes und engen Vertrauten Putins. Es ist ja bekannt, dass der Sicherheitschef von Rosneft ein ehemaliger FSB-General ist - und der Geheimdienst hat das Problem Uljukajew auf seine Art und Weise gelöst.
Zitat:
Es gibt im Russischen die Redewendung bitwa buldogow pod kowrom - wörtlich übersetzt heißt das: der Kampf von Bulldoggen unter einem Teppich. Damit sind unter den Teppich gekehrte, verdeckte Machtkämpfe gemeint. In Russland spielen sie sich zwischen Kreml, der Regierung, den Wirtschaftsliberalen, der FSB-Zentrale Lubjanka und anderen Sicherheitsbehörden ab. Was da genau passiert? Wir Außenseiter wissen nur wenig darüber. Nur selten werden die Machtkämpfe für alle sichtbar - wie jetzt, da der Teppich zusammengeschrumpft ist und die Bulldoggen darunter nicht mehr genug Platz haben. Dass der Teppich kleiner wird, ist auf die Wirtschaftskrise in Russland zurückzuführen. Die Unternehmen erzielen nicht mehr so viele Gewinne.
pentium