von pentium » 30. August 2016, 16:00
Da es ja auch mit um Brauereien geht, damals in der DDR und überhaupt, hier mal ein kurzer Abriss zu den Brauereien in Karl-Marx-Stadt/Chemnitz
Ich zitiere einen Bierguru:
So gab es auch in Karl-Marx-Stadt/Chemnitz 5 Brauereien: Einsiedler Brauhaus (Markenname Einsiedler Kristall), Kappler Feldschlößchen, Schloß-Brauerei, Germania-Brauerei, Brauerei Reichenbrand (Markenname
Bergt). Die Biere waren bis anfang der 70er Jahre allesamt von guter Qualität und auch nach dem Reinheitsgebot gebraut. Sie waren allerdings nicht pasteurisiert und deshalb nicht so lange lagerfähig, wie man das heute kennt.
Schloß und Kappler waren Staatsbetriebe (VEB), die anderen bis 1972 Pivatbrauereien. Das änderte sich 1972,
als bis auf die Bergt-Brauerei alle anderen verstaatlicht wurden. Es wurde das volkseigene Getränkekombinat Karl-Marx-Stadt mit den Brauerei-Betriebsteilen Einsiedel und Kappel gebildet. Die Marke war von da ab Braustolz. Die Qualität verschlechterte sich auf Grund des Einsatzes minderwertiger oder Ersatzrohstoffe immer mehr, so daß das (früher für seine Qualität bekannte) Einsiedler Bier im Volksmund als "Sterbehilfe" apostrophiert wurde. Einzig das Braustolz Export (als einziges länger haltbares Bier) entsprach den Kriterien eines guten Bieres und bewies, das es nicht am Können der Brauer lag, daß die Qualität nicht stimmte.
Die Reichenbrander Privat-Brauerei überlebte die Verstaatlichung von 1972 und das Reichenbrander gewann
ob seiner Qualität einen gewissen Kultstatus.
Nach 1990 wurde die Einsiedler Brauerei seinen ehemaligen Eigentümern zurückgegeben, die Kappler Brauerei etablierte sich als Braustolz am Markt (z. B. mit einem hervorragenden Schwarzbier "Black Art") und auch Reichenbrand fiel nicht der Marktwirtschaft zum Opfer.
Ähnliche Prozesse spielten sich auch in anderen Orten ab, allein in der nächsten Umgebung fallen mir sofort Mittweidaer Löwenbräu, Hartmannsdorfer, Gersdorfer, Ehrenfriedersdorfer Specht-Bräu, Fiedler-Bräu und und und ein.
Email vom 10.02.2004 von
Dr. Peter Weigand
Chemnitz University of Technology
Faculty of Mathematics
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