Aussagen von Ex-DDR-Grenzern zur Anwendung des Schiessbefehls

Re: Aussagen von Ex-DDR-Grenzern zur Anwendung des Schiessbefehls

Neuer Beitragvon vs1400 » 21. September 2014, 09:32

Dr. 213 hat geschrieben:Um zum Thema zurück zu finden, es ist für mich erschreckend, wie oft ich noch solche Sprüche höre wie
sinngem. "wir haben den Weltfrieden bewahrt" oder "wir haben nur nach den geltenden Gesetzen gehandelt"

Das kann man für damals gelten lassen, ich jedenfalls kann es nachvollziehen.
Heute aber immer noch in tiefster Überzeugung so etwas loszulasen:
"Bei uns ging es immer auch darum, den Feind zu stellen und nicht nur den Mann/Frau,
die sich das Leben im anderen Deutschland leichter, bunter, angenehmer oder was auch immer, vorstellten.

Da muß ich Wosch absolut zustimmen, das ist abstoßend.

Was gewinnt man heute durch das vortragen von solchen erwiesenermaßen falschen Ansichten ?
Gibt es dafür Bienchen oder ein Freiber beim nächsten Kameradentreffen ehemaliger Grenzer ?

Keiner will eure Lebensleistung in Frage stellen. Aber ihr wurdet richtig schön verarscht, und das darf man
doch ruhig so aussprechen. Nur dadurch lernen nachfolgende Generationen beim nächsten mal, etwas besser aufzupassen.
Die Erkenntnis ist wahrscheinlich bitter, wenn man erkennen muß, wofür man mißbraucht wurde.
Es ist aber kein pers. Vorwurf, auch wenn es uns Kritikern und Mahnern gerne unterstellt wird.
Wer das Grenzregime heute noch als richtig verdeidigt, der verdient energischen Widerspruch.

@vs1400
Wenn du mir Oberflächlichkeit unterstellst so hast du in gewisser Weise ja recht. Ich war ja nun wirklich kein Grenzer.
Das es einen gewissen Schlendrian bei den Einheiten an der Grenze gegeben hat, habe ich so auch gelesen.
Jedoch nur in Verbindung mit Frühsport und dem Innendienst. Dem Rotlicht wird man trotzdem ausgesetzt gewesen sein.
Und Rotlicht hat es auch in einer GK gegeben. Auch da gab es bestimmt eine gepflegte Wandzeitung im Flur,
Losungen an der Wand, nur SED- konforme Zeitungen und nicht zu vergessen den sozialistischen Wettbewerb.
Und es wurde bestimmt nur der Empfang von bestimmten Radio- und TV- Programmen zugelassen.

Gruß
Dr. 213


moin Dr. 213,
warum schreibst du nicht in der ichform? ...

wer verteidigt denn hier das damalige grenzsystem?
ich schildere dir meine erlebnisse, nicht mehr und nicht weniger. stolz, auf diese zeit, wirst du bei mir vergeblich suchen, was du, mit etwas fleißarbeit, genau nachlesen kannst.

als schlendrian würde ich das nicht bezeichnen wollen. denn die damaligen agt gingen in 3 schichten mit schichtwechselsystem in den busch, was nicht nur ne psychische sondern auch ne physische belastung ist. die masse derer waren ja nicht freiwillig dort, weil es eben noch den gwd gab und hatten oftmals auch noch ne frau mit kind daheim. die hatten ganz andere sorgen und dass,
was du nun als rotlicht bezeichnest, ist an die jungs schon gar nicht mehr rangekommen. die waren ausgelutscht und fern der heimat.

gruß vs [hallo]
vs1400
 

Re: Aussagen von Ex-DDR-Grenzern zur Anwendung des Schiessbefehls

Neuer Beitragvon vs1400 » 21. September 2014, 09:37

augenzeuge hat geschrieben:
Nov65 hat geschrieben: Jeder von uns wusste, wenn er auf dem Schießplatz die Kalaschnikow betätigte, was bei einem Schuss auf einen Menschen passierte.Zielen (und Treffen) auf ein sich bewegendes Ziel war Glücksache. Nur die unteren Extremitäten zu treffen, war ein frommer Traum.
Grüße von Andreas


Schau mal, was Sachverständige am Gericht dazu sagten.....

AZ


AZ,
was willste denn nun wieder sagen? ... dass hättet ihr doch alle wissen müssen ...Bild

gruß vs [hallo]
vs1400
 

Re: Aussagen von Ex-DDR-Grenzern zur Anwendung des Schiessbefehls

Neuer Beitragvon Interessierter » 21. September 2014, 09:49



Gewisse Dinge machen eine Kommentierung einfach überflüssig.

" Der Interessierte "
Interessierter
 

Re: Aussagen von Ex-DDR-Grenzern zur Anwendung des Schiessbefehls

Neuer Beitragvon Volker Zottmann » 21. September 2014, 10:39

Das Forum lebt!
In diesem Thread werden wir aber noch 1000 Seiten vollschreiben können und niemals werden die, die das Gestern beschönigen, nachgeben.

@beethoven, ich war nie an einer Grenze stationiert, hatte insgesamt nur 1 Woche Wachdienst. Das reichte aber....
Du schreibst, der Staat wollte keine Toten, schon wegen der verheerenden Außenwirkung nicht. Nur darin gebe ich Dir recht. Zur Wirkung nach innen aber, konnten es doch als Abschreckung nicht genügend Tote sein.
Jeder etwaige, potentielle Grenzflüchtling sollte sich doch schon zuvor in Angst winden.
Bei jeder Tötung gab es Auszeichnungen! Allerdings nur wegen "guter" Sicherung der Grenze.
Du schreibst selbst, dass es einzelne "Dummbatzen" gab. Ich lernte nur einen kennen, ausgerechnet zu meiner Vergatterung, mit seiner Aufforderung zu töten. "Jeder der sich nähert... ist wegzurotzen". Und wenn es seinerseits auch "nur" eine sprachliche Verfehlung war, hätte Die doch ausgereicht, mich zum Mörder zu machen. Wir alle waren jedoch nicht so blöd und gedankenlos wie dieser Vorgesetzte.

Für Erschossene gab es Sonderurlaub und für das Nichtschießen Schwedt!
Ich drösele nicht noch mal alles auf. Kann man sich hier selbst rausssuchen. Ein mir Bekannter bekam um 1970 den Befehl "Feuer" und sollte einen Richtung Westen laufenden erschießen. Ich hätte mich an seiner Stelle bestimmt intelligenter verhalten und in die Luft geballert. Dieser Soldat aber, sagte laut, dass er nicht auf Menschen schießt und saß dafür dann zweieinhalb Jahre. Wo auch immer, aber auch in Schwedt.
Ein früherer Mitschüler von mir leerte sein komplettes Magazin und bekam auch Sonderurlaub. Der hatte allerdings die Tote erst später gesehen. Schoss ins Gestrüpp , hörte MUH und dann lag eine ausgebüchste Kuh vor ihm.
Mir war der Mitschüler Wolfgang dann nicht mehr sympathisch, denn er war bereit, skrupellos Menschen zu liqiudieren.

Soldaten kamen auch gegen ihren Willen an die Grenze.
Die Vorgesetzten aber, selbst wenn sie sich noch so friedfertig gaben, nahmen Tote billigend und wissend in Kauf. Da gibt es heute nichts zu beschönigen.

Gruß Volker
Volker Zottmann
 

Re: Aussagen von Ex-DDR-Grenzern zur Anwendung des Schiessbefehls

Neuer Beitragvon Beethoven » 22. September 2014, 11:48

Volker Zottmann hat geschrieben:Das Forum lebt!
In diesem Thread werden wir aber noch 1000 Seiten vollschreiben können und niemals werden die, die das Gestern beschönigen, nachgeben.

Gruß Volker



Lieber Volker,

hier irrst Du meiner Meinung nach. Keiner der hier pro Schreibenden, möchte irgendetwas aus dem "Gestern" beschönigen. Jedenfalls nicht dann, wenn es um die Schüsse an der innerdeutschen Grenze geht.

Wir versuchen zu erklären, warum dies so war und verteufeln nicht von vornherein.

Ganz sicher ist aus heutiger Sicht gerade das Grenzregime nicht mehr erklärbar, ohne das man die politische - und ökonomische Situation zu jener Zeit betrachtet. Die Schüsse an der Grenze waren ein Resultat der Klassenkampfsituation der damaligen Zeit.

Zwei Staaten standen sich feindlich gegenüber. Einer war ökonomisch schwächer als der andere Staat. Warum und wieso bedarf wohl keiner Erklärung. Das Ausbluten des Schwächeren wurde gestoppt durch die militärische Sicherung der Grenzen zwischen diesen Staaten. Das wird wohl kaum einer bestreiten.

Nun war es Staatsdoktrin von beiden Staaten aus, dem anderen Staat nicht das "Schwarze unter dem Fingernagel" zu gönnen, wenn man selber davon keinen Vorteil erzielen konnte. Auch das bedarf wohl kaum einer näheren Erläuterung.
Und somit war jeder Mensch, der über die militärisch gesicherte Grenze wollte, ein Feind in den Augen des ökonomisch schwächeren Staates.

Das dies so war ist traurig und bedauerlich aber daran wird kein Mensch etwas ändern können. Geschichte lässt sich nun mal nicht zurück drehen. Das hilft den Verletzten oder gar Toten nicht mehr und macht dies auch nicht besser. Nur können wir nicht, so meine Meinung, hierfür den Grenzer (ob nun Soldat oder Vorgesetzter) verantwortlich machen. Verantwortlich dafür war die politische Situation jener Zeit. Der Grenzer am Kanten stand unter Befehl (ich sage bewusst nicht "Befehlsnotstand"), so wie es jedem Soldaten geht, der in einem Krieg die Waffe anwendet, obwohl das Töten von Menschen, jedem human erzogenen Soldaten, zu tiefst zu wider ist. Der Soldat oder Grenzer, der diese Staatsdoktrin zu seiner eigenen gemacht hat, dem wird es vielleicht leichter gefallen sein, die Waffe einzusetzen auch wenn er eigentlich seine gesamte Zeit über, als Soldat oder Grenzer, gehofft hat, niemals in diese Situation zu kommen.

Und wenn er dann in einer solchen Situation ist, so glaube ich jedenfalls, war dieser meist sehr junge Soldat dermaßen nervös, dass statt einem gezieltem Schuss oder kurzem Feuerstoß, sich das ganze Magazin entleerte.

Ich möchte nichts entschuldigen, sondern eben nur aufzeigen, wie es war, also versuchen, es zu erklären.

Gruß
Die größten Vorteile im Leben überhaupt wie in der Gesellschaft hat ein gebildeter Soldat. J. W. v. Goethe

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Re: Aussagen von Ex-DDR-Grenzern zur Anwendung des Schiessbefehls

Neuer Beitragvon Volker Zottmann » 22. September 2014, 15:49

Beethoven hat geschrieben:
Volker Zottmann hat geschrieben:Das Forum lebt!
In diesem Thread werden wir aber noch 1000 Seiten vollschreiben können und niemals werden die, die das Gestern beschönigen, nachgeben.

Gruß Volker



Lieber Volker,

hier irrst Du meiner Meinung nach. Keiner der hier pro Schreibenden, möchte irgendetwas aus dem "Gestern" beschönigen. Jedenfalls nicht dann, wenn es um die Schüsse an der innerdeutschen Grenze geht.

Wir versuchen zu erklären, warum dies so war und verteufeln nicht von vornherein.

Ganz sicher ist aus heutiger Sicht gerade das Grenzregime nicht mehr erklärbar, ohne das man die politische - und ökonomische Situation zu jener Zeit betrachtet. Die Schüsse an der Grenze waren ein Resultat der Klassenkampfsituation der damaligen Zeit.

Zwei Staaten standen sich feindlich gegenüber. Einer war ökonomisch schwächer als der andere Staat. Warum und wieso bedarf wohl keiner Erklärung. Das Ausbluten des Schwächeren wurde gestoppt durch die militärische Sicherung der Grenzen zwischen diesen Staaten. Das wird wohl kaum einer bestreiten.

Nun war es Staatsdoktrin von beiden Staaten aus, dem anderen Staat nicht das "Schwarze unter dem Fingernagel" zu gönnen, wenn man selber davon keinen Vorteil erzielen konnte. Auch das bedarf wohl kaum einer näheren Erläuterung.
Und somit war jeder Mensch, der über die militärisch gesicherte Grenze wollte, ein Feind in den Augen des ökonomisch schwächeren Staates.

Das dies so war ist traurig und bedauerlich aber daran wird kein Mensch etwas ändern können. Geschichte lässt sich nun mal nicht zurück drehen. Das hilft den Verletzten oder gar Toten nicht mehr und macht dies auch nicht besser. Nur können wir nicht, so meine Meinung, hierfür den Grenzer (ob nun Soldat oder Vorgesetzter) verantwortlich machen. Verantwortlich dafür war die politische Situation jener Zeit. Der Grenzer am Kanten stand unter Befehl (ich sage bewusst nicht "Befehlsnotstand"), so wie es jedem Soldaten geht, der in einem Krieg die Waffe anwendet, obwohl das Töten von Menschen, jedem human erzogenen Soldaten, zu tiefst zu wider ist. Der Soldat oder Grenzer, der diese Staatsdoktrin zu seiner eigenen gemacht hat, dem wird es vielleicht leichter gefallen sein, die Waffe einzusetzen auch wenn er eigentlich seine gesamte Zeit über, als Soldat oder Grenzer, gehofft hat, niemals in diese Situation zu kommen.

Und wenn er dann in einer solchen Situation ist, so glaube ich jedenfalls, war dieser meist sehr junge Soldat dermaßen nervös, dass statt einem gezieltem Schuss oder kurzem Feuerstoß, sich das ganze Magazin entleerte.

Ich möchte nichts entschuldigen, sondern eben nur aufzeigen, wie es war, also versuchen, es zu erklären.

Gruß


... Genau das schreibe ich immer wieder @Beethoven. Der Grenzsoldat wurde hinbefohlen. Der Berufssoldat aber war meist freiwillig dort und somit auch schuldig im moralischen Sinne.
Vor meiner Einberufung wurde ich zum WKK einbestellt und als ich klipp und klar sagte, nie auf Menschen zu schießen, war die Grenze keine Option mehr. Stell Dir vor alle hätten dazu nein gesagt.... Die Hauptschuld trugen die Generäle und Konsorten wie Honecker und Krenz. Unbestreitbar. Ihr Vorgesetzten habt aber mit der immer währenden politischen Hass-Erziehung den Hauptanteil der Schuld, dass eben Soldaten als Erfüllungsgehilfen dienten und dafür nun nach 1990 ganz alleingelassen vorm Kadi standen.
Das erlebst Du doch heute bei dem feigen Gesindel, was nun frech sagt, es hätte nie Schießbefehle gegeben. Verlogenes Pack!

Ich schrieb jedenfalls von denen die "das Gestern" beschönigen. Ich sehe es vollkommen anders als Du. Es beschönigen und verteidigen somit dadurch heute noch einige User hier im Forum. Und nur von denen schrieb ich.

Gruß Volker
Volker Zottmann
 

Re: Aussagen von Ex-DDR-Grenzern zur Anwendung des Schiessbefehls

Neuer Beitragvon Beethoven » 22. September 2014, 16:40

Lieber Volker,

wir wurden alle belogen. Nicht in der großen Sache des Sozialismus, der ist schon gut, sondern im kleinen und doch so großem - unserem täglichen Leben.

Kinder und Jugendliche, die in der DDR so erzogen wurden wie z.B. ich, standen mit ganzem Herzen hinter der Politik der DDR. Auch das ein Grund, warum ich zur NVA gegangen bin, neben dem Interesse am Beruf und der Möglichkeit etwas zu machen, was eben nicht jeder machen kann.

Als der 18- / 19- jährige Mann sich zum Dienst als Offizier in der GT der DDR verpflichtet hat, ging es ihm vermutlich ähnlich wie mir in diesem Alter.
Man hatte zwar das Abi in der Tasche aber man war doch noch ein unfertiger Mann. An Todesschüsse dachte da mit Sicherheit keiner. Mit 21 / 22 Jahren war er dann junger Leutnant und Zugführer in einer Grenzkompanie und wurde ins wahre Leben gestoßen. Wenn überhaupt, dann setzte erst jetzt eine Erkenntnis ein, was auf einen zukommen könnte und das man durchaus über Leben oder Tod zu entscheiden hat. Um wie viel schwieriger war diese Situation dann für einen jungen 18- 20-jährigen Soldaten, der am Kanten stand und plötzlich solche Entscheidungen zu fällen hatte. Der tat also das, was er gelehrt und befohlen bekommen hat.

Erst mit der notwendigen Reife, gepaart mit politischen Erkenntnissen, die oft genug einseitig waren, begann für den jungen Offizier als älterer Oltn. / junger Hptm. der Abschnitt in seinem militärischen Leben, wo er Übersicht gewann und auch in der Lage war, ruhig und überlegt zu handeln. Und, da bitte wieder mein voriges Post beachten, der Mensch der über den Zaun will, war in den Augen des Soldaten, ein Feind.
Ich weiß, dass das schwer für einen Menschen zu begreifen ist, der sich nie mit einem echten Feindbild beschäftigt hat. Aber die Offiziere in der NVA und den GT der DDR, hatten ihr klares Feindbild. Das war nicht der Bursche der im Westen ein schöneres Leben leben wollte, sondern der, der der DDR wirklich feindselig gegenüber stand und dafür auch über Leichen gegangen wäre.

Ein Wort noch zum Hass.

Ja, in jedem Handbuch einer Waffengattung und in jeder Politstunde wurde der Hass auf den "Klassenfeind" gepredigt. Ich persönlich habe das nie getan, weil man etwas Unbekanntes gar nicht hassen kann, denke ich und dachte ich auch damals. Und ich bin mir sicher, dass keiner der Soldaten die ich in meinen 16 Jahren bei der NVA ausgebildet habe, den Soldaten der BW gehasst hat. Wie denn auch? Er war zwar der potentielle Gegner, aber kann man eine Gruppe als solche hassen? Ich denke nicht.

Der Hass hätte sich entwickelt, wenn im Rahmen von Gefechtshandlungen der Freund und Kamerad neben mir gefallen wäre, wenn meine Familie und Freunde bedroht oder gar getötet worden wären. Ein hassen ohne konkreten Anlass, kann man wohl schwer vermitteln. In meinen Augen auch wieder so ein Fehler, den uns unsere "Oberen" aufoktroyiert haben, den wir, die mittleren Chargen umsetzen sollten und es gelang uns nie.

Gruß
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Re: Aussagen von Ex-DDR-Grenzern zur Anwendung des Schiessbefehls

Neuer Beitragvon augenzeuge » 22. September 2014, 16:49

Beethoven hat geschrieben:Kinder und Jugendliche, die in der DDR so erzogen wurden wie z.B. ich, standen mit ganzem Herzen hinter der Politik der DDR.
Gruß


Es waren gerade Jugendliche, die das System zum Kippen brachten. Auch sie waren - wie ich übrigens auch- in der DDR gut erzogen worden. Wo lag deiner Meinung nach der Unterschied, dass sich viele von der DDR später verabschiedeten? Warst du 1989 blauäugig- aus heutiger Sicht? Sahen die anderen etwas, was du damals nicht erkennen wolltest? Oder hatten sie einfach nur Pech und gerieten durch Zufälle in die Mühlen des Staates....?
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Re: Aussagen von Ex-DDR-Grenzern zur Anwendung des Schiessbefehls

Neuer Beitragvon Edelknabe » 22. September 2014, 17:20

Jörg, bitte berichtige mal siehe dein folgender Textauszug die Jugendlichen:

"Es waren gerade Jugendliche, die das System zum Kippen brachten. Auch sie waren - wie ich übrigens auch- in der DDR gut erzogen worden."

Wer rannte damals ...oder besser lief in der Masse um den Ring in Leipzig, oder Anderswo...Jugendliche? Definiere mal besser das Alter der Leute, oder noch besser, du schaust dir historische Aufnahmen nochmal genauer an.

Rainer-Maria denn du damals blutjunges Kerlchen als Ausreiseantragsteller warst doch nicht der Maßstab....oder ne, übe dich besser heute in ....Zurückhaltung.
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Re: Aussagen von Ex-DDR-Grenzern zur Anwendung des Schiessbefehls

Neuer Beitragvon augenzeuge » 22. September 2014, 17:53

Edelknabe hat geschrieben:Jörg, bitte berichtige mal siehe dein folgender Textauszug die Jugendlichen:

"Es waren gerade Jugendliche, die das System zum Kippen brachten. Auch sie waren - wie ich übrigens auch- in der DDR gut erzogen worden."

Wer rannte damals ...oder besser lief in der Masse um den Ring in Leipzig, oder Anderswo...Jugendliche? Definiere mal besser das Alter der Leute, oder noch besser, du schaust dir historische Aufnahmen nochmal genauer an.

Rainer-Maria denn du damals blutjunges Kerlchen als Ausreiseantragsteller warst doch nicht der Maßstab....oder ne, übe dich besser heute in ....Zurückhaltung.


Rainer, möchtest du Zahlen? Es waren in der Mehrheit die jungen Erwachsenen, welche über Ungarn und die CSSR weggingen. Diese waren die Ursache, dass sich überhaupt am Ring später so viele Leute sammelten. Ohne diesen Weggang der vielen jungen Menschen wäre nichts passiert....zumindest nicht so schnell. Davon bin ich überzeugt...alles was ich dazu bisher gelesen habe, bestätigt meine Aussage.

Möglicherweise habe ich mich mit diesem Sachverhalt etwas besser beschäftigt als du. Warum sollte ich mich da zurückhalten?

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Re: Aussagen von Ex-DDR-Grenzern zur Anwendung des Schiessbefehls

Neuer Beitragvon Volker Zottmann » 22. September 2014, 17:56

Hallo Beethoven,
ich versuche mich gerade in Dich und Deine glaubhaften Schilderungen rein zu versetzen. Nur mal zum Verständnis, ich bin heute 63 und wurde 1970 eingezogen.
Wenn Du mein Elternhaus erkennen willst, dann lies mal die Anfänge meiner DDR-Geschichte. Ich wurde wie alle anderen erzogen, dicht hinter der Grenze. Lebte zeitweilig als Kind im späteren Sperrgebiet.
Meine Mutter war Nomenklaturkader.... Man liest aber heute oft, in meinem Fall war es ebenso, dass gerade solche Eltern schon aus Zeitmangel wenig erzogen. Diskussionen wurden nie geduldet. Die Partei... die hat immer recht!
Mein Vater war zeitlebens parteilos und das krasse politische Gegenteil, was seine Einstellung zum geteilten Deutschland betraf.
In einer Familie mit konträren politischen Ansichten bist Du als Kind überfordert. Schizophren wollte ich nicht werden! Darum hat mich das ganze politische Gezerre von Anfang an interessiert. Vaters Einfluss war aber größer, er hatte mehr Zeit und auch den Willen, Fragen zu beantworten.
Wie verlogen der Staat war, bekam ich schon als 12/13-Jähriger mit.

Wäre nun mein Vater ebenso "rot" gewesen, wer weiß wie ich dann reden würde... Es lag also oft nicht in unserer Hand!
In meiner Nachbarschaft waren viele Kinder von Politkadern. Oft fruchtete deren Hasserziehung. Die rannten auch freiwillig länger dienend um studieren zu dürfen. Kannst Dir vorstellen, dass die mich nicht gerade leiden mögen. Ist mir aber egal, wichtig ist, dass ich so manche Erkenntnis eher als meine Schulkameraden hatte.
Meine, für manchen Militär unglaubhaft scheinenden Erinnerungen, bezüglich des Bauregiments in Neiden, ließen Anfeindungen im AF sprießen. Doch ausgerechnet ein Kompaniechef aus meiner Einheit, der 10 Jahre nach mir dort diente, bestätigte im Großen Ganzen all meine Schilderungen. Das war mir schon eine willkommene Genugtuung. In meiner Rückschau habe ich aber auch gelernt, dass es auch vernünftige Vorgesetzte gab, so meinen Zugführer oder unseren Kompaniepolitnik, der später als Rektor das Torgauer Gymnasium leitete. Und diese benenne ich auch.

Du selbst kommst mir recht glaubhaft rüber, bemerkst aber bisweilen noch nicht, dass Du die Wurzel nicht ganz ausreißt. Es ist ein langer Weg bis zur vollen Erkenntnis. Darum ist auch Dein Ansatz falsch (meine Sicht), dass der Sozialismus für sich gesehen gut ist. Das stimmt nur theoretisch, sowie der Faktor Mensch dazu stößt, ist es um Marxens hehre Ideale geschehen. Ich werde jedenfalls an keinem Menschenexperiment diesen Ausmaßes wieder teilnehmen.

Gruß Volker
Volker Zottmann
 

Re: Aussagen von Ex-DDR-Grenzern zur Anwendung des Schiessbefehls

Neuer Beitragvon Interessierter » 22. September 2014, 19:15

Zitat Beethoven:
wir wurden alle belogen. Nicht in der großen Sache des Sozialismus, der ist schon gut


Könntest Du bitte so freundlich sein und einmal aufzählen in welchen Ländern denn bis 1989 dieser " gute " Sozialismus vorgelebt wurde ?

Kinder und Jugendliche, die in der DDR so erzogen wurden wie z.B. ich, standen mit ganzem Herzen hinter der Politik der DDR.


Woran lag es denn wohl, dass andere Jugendliche eben nicht mit dem Herzen hinter der Politik standen ? Doch sicher nicht weil sie schlecht erzogen wurden ?

Als der 18- / 19- jährige Mann sich zum Dienst als Offizier in der GT der DDR verpflichtet hat, ging es ihm vermutlich ähnlich wie mir in diesem Alter.
Man hatte zwar das Abi in der Tasche aber man war doch noch ein unfertiger Mann. An Todesschüsse dachte da mit Sicherheit keiner.


Davon bist Du heute noch überzeugt? Wurden die jungen Menschen, die an die Grenze sollten, nicht vorher gefragt ob sie auf Menschen schießen würden ? Das da niemand an Todesschüsse dachte, glaube ich deswegen einfach nicht. Wieso stellst Du den jungen Menschen eigentlich so ein Armutszeugnis aus ? Es gab genügend Jugendliche und junge Menschen, die volljährig waren und erkannten, dass sie in einer Diktaur und in Unfreiheit lebten.

Um zu wissen, dass man auch an der Grenze unbewaffneten eigenen Bürgern nicht in den Rücken schießt, dazu muss man nicht erst ein gewisses Alter erreicht haben. Das wissen bereits Jugendliche im Alter von 15 Jahren.

Und ich bin mir sicher, dass keiner der Soldaten die ich in meinen 16 Jahren bei der NVA ausgebildet habe, den Soldaten der BW gehasst hat


Hier geht es nicht um die NVA gegen BW sondern um die GT, die auf unbewaffnete eigene Bürger schossen.

Um nicht missverstanden zu werden, ich bin weit davon entfernt, Dir heute wegen Deiner damaligen Sichtweise Vorhaltungen zu machen.


Wir sind hier auf Seite 43 dieses Threads und ich denke die Argumente sind hier schon nicht nur einmal ausgetauscht worden. Meine ganz persönliche Meinung geht dahin, dass niemand uns heute noch erklären oder begründen muss, warum Angehörige einer bewaffneten Truppe auf eigene, unbewaffnete Bürger schossen, obwohl es angeblich ja keinen Befehl gab.

Dazu empfehle ich Dir den Beitrag vom 3.4.2014 - 9,43 Uhr einmal zu lesen, in dem Streletz sagt: " Na wenn es keinen Schießbefehl gibt, dann darf man an der Grenze auch nicht schießen ".

Wenn Du aber meinst heute noch begründen zu müssen, warum man auf die eigenen Bürger schoss, dann antworte ich Dir mit den Worten einer internationalen Kommission, deren Name mir im Moment entfallen ist:

Es gibt keinen Grund den eigenen Bürgern an der Grenze aufzulauern, um sie dann mit der Kalaschnikow zu erschießen.

Genau dieser Satz trifft den Nagel auf den Kopf und verbietet es - meiner Meinung nach - jetzt nach 25 Jahren immer noch - zu versuchen diese Verbrechen zu begründen.
Wer das versucht, setzt sich dem Verdacht aus diese Verbrechen schönreden zu wollen.

Daher wirst Du verstehen, dass ich Deine Ansicht nicht teile, was letztendlich ja aber auch keine Bedingung ist, hier zu schreiben.

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Re: Aussagen von Ex-DDR-Grenzern zur Anwendung des Schiessbefehls

Neuer Beitragvon Wosch » 22. September 2014, 20:15

Es ist nebenbei bemerkt ein Armutszeugnis sein eigenes damalige Verhalten mit einer "mißbrauchten Naivität" zu begründen. In dem Alter wußte man schon sehr gut wo die Vorteile bzw. die Nachteile im Zusammenhang mit einer freiwilligen Verpflichtung zum Berufssoldatentum lagen. Abgesehen von den Wehrdienstleistenden ging es doch dabei immer um die Planung der eigenen Zukunft und da spielten Dinge wie "Sicherer Arbeitsplatz, gute Bezahlung, voraus berechende Aufstiegsmöglichkeiten, Eitelkeiten, Machtgelüste und Erwartungen von besseren Versorgungsleistungen durch den Dienstherr´n durchaus eine Rolle. Man wollte doch in erster Linie erst einmal das "Optimalste" für sich heraus holen, alles Andere ist doch nur das durchaus Verständliche, von seiner eigenen "Schuld" abzulenken und hoffen daß es, um so öfter es man wiederholt, irgendwann mal beim Gegenüber "hängen" bleibt. Natürlich wurden da die jungen Menschen mißbraucht, aber nicht die, Die sich "echt" freiwillig für diese Laufbahnen entschieden, Die wiederum "mißbrauchten" selbst die zum Grundwehrdienst Eingezogenen und schieben nunmehr die alleinige Schuld den Herren ganz Oben zu.
Das ist mir zu einfach meine Herren, Gleiches hattet Ihr bei den Soldaten des 3.Reiches auch nicht gelten lassen und darüber solltet Ihr in Eurer Selbstgefälligkeit mal nachdenken. Dazu gehört aber ein ehrliches Umdenken und ich befürchte daß der Großteil der Angesprochenen dazu nicht in der Lage sein wird. Die Schuld auf andere zu schieben fällt ja auch leichter und da spielt es auch keine Rolle ob´s geglaubt wird.
Schuld am Tod eines erschossenen "Grenzverletzer´s" ist letztendlich immer Derjenige der den Finger zuletzt am Abzug hatte, alles Andere ist ein Versuch sich von seiner "eigenen" Schuld reinzuwaschen.
Mit dem "Geschwätz" vom Kalten Krieg und dem "Scheiß" a la "Polit-Offizier" werden wir hier nie weiter kommen, man sollte besser "ehrlich" im Umgang mit der eigenen Person sein und nicht nur so tun.

Aus Kassel, Wosch.
Wosch
 

Re: Aussagen von Ex-DDR-Grenzern zur Anwendung des Schiessbefehls

Neuer Beitragvon Nov65 » 23. September 2014, 09:26

In einem gebe ich @Vs1400 recht: Es trifft/traf in der Tat zu, dass die Soldaten einer Grenzkompanie in einem straffen Zeitrhythmus Dienst schrubbten. Oft kamen kurze Wechsel von Früh- auf Nachtschicht vor. Da blieb kaum Zeit für "Rotlicht", Freizeit, Muße. Der Grenzdienst hatte höchste Priorität. Leute waren oft knapp. Während des Wehrdienste wurde bei den Soldaten mit Sicherheit kein Hass zum Zwecke einer bewussteren Dienstausübung erzeugt. Das wusste auch die "Heeresführung". Aber da gab es ja die Abschreckung bei laxem Gebrauch der Waffe, Schlafen oder Alkohol während des Dienstes.
Aber das kam hier schon öfter zur Sprache.

Eines fällt mir auf und missfällt mir ebenso:
Wir brauchen heute keine erklärenden Worte mehr über den Kalten Krieg, über Missbrauch junger Menschen, über jugendliche Naivität. Das ist hinreichend beleuchtet.
Wer den "Rattenfängern", egal ob aus Glaube an den Sieg des Sozialismus oder zu erwartende Vorteile, hinterherlief, sollte heute den Mumm besitzen, dies zuzugeben und alle Ablenkungsversuche einstellen.
@Beethoven war ein junger Überzeugter und trägt mit seiner Offizierslaufbahn und Verantwortung für Untergebene eine Mitschuld. Warum gibt er dies nicht einfach zu?
Soviel Mumm sollte auch @Vs1400 aufbringen.
Grüße von Andreas
Nov65
 

Re: Aussagen von Ex-DDR-Grenzern zur Anwendung des Schiessbefehls

Neuer Beitragvon Beethoven » 23. September 2014, 14:16

Na lieber Interessierter, Du drehst es Dir, wie es passend ist und vor allem in die Welt paßt. Der Sozialismus im letzten Jahrtausend war in keinem Land der Erde gut. Die Idee ist gut. Das kannst Du bestreiten oder nicht - Deine Sache. Aber um einen Sozialismus oder Kommunismus zu errichten, braucht es dazu die Menschen die zwar gut leben wollen und sollen und eine entsprechende Ökonomie. Solange es Menschen gibt, die mit ihrem Umfeld, politisch und ökonomisch unzufrieden sind, wird es keinen Sozialismus geben können, der wirklich alle befriedigt.

Trennung

Ich weiß nicht wie andere Jugendliche erzogen wurden und würde keinem unterstellen, dass er seine Kinder schlecht erzogen hat, solange diese Erziehung humanistisch ist.
Mir ging es wohl ähnlich wie Volker. Kommunistisches-, sehr gebildetes Elternhaus (Mutter Lehrstuhlleiterin Geschichte, Vater hoher Offz.). Aufgewachsen in einer Siedlung von hohen Offizieren und natürlich waren die Freunde auch alle erzogen wie ich, abgeschirmt und bewacht (wers kennt „Admiralshügel“ in Rostock). Sicherlich bin ich unter einer „Käseglocke“ aufgewachsen und wurde von den Mühen und Engpässen, die es in der DDR gab, fern gehalten. Das wird in anderen Familien anders gewesen.

Trennung

Ich weiß nicht, ob jemand gefragt wurde „ob er auf Menschen schießen würde?“ Mir hat man diese Frage nie gestellt. Und ich glaube auch eher nicht, dass solche Fragen im WKK gestellt wurden.
Ich stelle auch keinem ein Armutszeugnis aus. Das ist nicht meine Art. Aber Du wirst mir zubilligen, dass ich auch mal 18 Jahre alt war und ich mich in der Gesellschaft Gleichaltriger bewegt habe. Freunde von mir sind auch zu den GT der DDR gezogen worden. Wir haben, logisch bei den Vätern, viel übers Militär oder den Militärdienst gesprochen. Ich kann mich an keine Unterhaltung erinnern, wo es um Todesschüsse an der Grenze ging. Wenn das bei Dir so war – na dann war das eben so, bei Dir. Glauben mag ich es nicht.
Und Dein Betonung „in den Rücken schießen“ beweist mir, dass Du die Sache nicht sachlich betrachtest, sondern mit einem gewissen Schaum vor dem Mund. Wer auf den Anruf und den Warnschuss nicht hört und rennt, na, so leid es mir tut um jeden Einzelnen, der wird von hinten getroffen. Ob das nun die Beine, die Arme, der Kopf oder der Rücken sind. Aber es hört sich so schön brutal an, gelle?

Trennung

Es geht Dir bei der Erziehung zum Hass um Angehörige der GT der DDR. Mir geht es dabei um die Angehörigen der GT der DDR und den Armeeangehörigen. Das solltest Du mir schon gestatten.
Und Vorhaltungen ob meiner Einstellung würden an mir abprallen.

Trennung

Interessierter, es gab den Befehl, einen Grenzdurchbruch zu verhindern. Bei Notwendigkeit (aus damaliger Sicht) auch mit Waffengewalt. Es gab das besondere Unterstellungs- und Befehlsverhältnis (durch die Vergatterung), Anordnungen und Richtlinien dazu (siehe weiter oben). Daraus folgt, dass der Einsatz der Waffe, bis zum Äußersten, juristisch gedeckt war.
Ob uns (Dir und mir) das heute schmeckt oder nicht. Die Anwendung der Waffe war in jedem Falle das letzte Mittel. Wenn der Flüchtende auf die Anrufe und den Warnschuss nicht reagierte und dadurch sein Leben weiter gefährdete, anders nicht mehr gestellt werden konnte, wurde geschossen. Schei… aber ein souveräner Staat macht nun mal selber seine Gesetze.
Diese müssen uns heute nicht (Dir schon damals nicht) gefallen.

Ich kenne GO F. Streletz persönlich recht gut. Ein überaus kluger Mann. Den von Dir zitierten Satz hat er so, ohne Erklärung, ganz sicher nicht gesagt. Er ist mit Sicherheit aus dem Kontext gerissen worden.

Ich glaube auch nicht, dass die Grenzsoldaten einem Grenzverletzer aufgelauert haben.
Die mussten Ihren Grenzabschnitt sichern und der war oft etliche Kilometer lang. Da war keine Zeit zum Lauern. Die Grenzer auf den Türmen haben beobachtet.

Die Schüsse, die ein Grenzer abfeuerte werden heute als Verbrechen bezeichnet. Damals waren das, nach den Gesetzen des Staates, keine Verbrechen.
Der heutige Mainstream ist aber nun mal so. Ich werde keinen Grenzer wegen seines Dienstes an der Grenze zum anderen politischen System verteufeln.

Gruß
Die größten Vorteile im Leben überhaupt wie in der Gesellschaft hat ein gebildeter Soldat. J. W. v. Goethe

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Re: Aussagen von Ex-DDR-Grenzern zur Anwendung des Schiessbefehls

Neuer Beitragvon Beethoven » 23. September 2014, 14:37

Nov65 hat geschrieben:@Beethoven war ein junger Überzeugter und trägt mit seiner Offizierslaufbahn und Verantwortung für Untergebene eine Mitschuld. Warum gibt er dies nicht einfach zu?
Soviel Mumm sollte auch @Vs1400 aufbringen.
Grüße von Andreas


Ich habe keine Probleme damit, zuzugeben, dass ich mit Leib und Seele Offizier in der NVA war und versucht habe, meinen Unterstellten alles beizubringen, was sie benötigten, um im Falle eines Krieges, ihre Gefechtsaufgaben, siegreich und mit so wenig wie möglich eigenen Verlusten zu erfüllen.
Dazu gehörte (da tränten mir aber auch schon damals die Augen), die politische Ausrichtung der Unterstellten, die ja auch mit uns durchgeführt wurde.

Für die Erfüllung meiner Aufgaben habe ich mich selber nicht geschont und auch von meinen Unterstellten höchste Einsatzbereitschaft, Leistungswille und Härte gefordert. Ich habe auch versucht, den Unterstellten meine Liebe zur DDR zu vermitteln. Obs geklappt hat, weiß ich nicht. Heute jedoch, treffen sich die Fallschirmjäger der NVA noch regelmäßig zum Springen, Tauchen, Bergsteigen, Märschen oder einfach am Lagerfeuer. Insofern kann nicht alles so schlecht gewesen sein.

Gruß
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Re: Aussagen von Ex-DDR-Grenzern zur Anwendung des Schiessbefehls

Neuer Beitragvon Volker Zottmann » 23. September 2014, 15:37

@beethoven,
Schlecht gelesen? Dir ging es eben NICHT wie mir. Ich wuchs mit "zerrissener" Erziehung auf. Einmal Pro und einmal Kontra. Darum habe ich von klein auf all die verlogenen Widersprüche aufgesogen, die Dir unter der Käseglocke in Rostock verheimlicht wurden.

Grenzverletzern wurde wenn möglich sehr wohl aufgelauert. Am Fall Heiko Runge ist dies bewiesen. Das bestätigte sogar der User @Oetten, der damals mit wartete. Ansonsten hat dieser hier aber bewiesener Maßen die Unwahrheit gesagt. Das wurde vom 2. Grenzopfer (Uwe Fleischhauer,@Balu) bestätigt. Man ließ beide Jungen herankommen um dann ohne Anruf zu schießen und erledigte einen mit Rückenschuss, weil er DDR-einwärts lief. Fangen stand nicht im Plan. Vernichtung war der Auftrag vom Kompaniechef Piotrowski und "Anruf erst nach Magazinwechsel" war dessen Maxime.
Dieser "Mörder" wurde nie belangt. Seine Untergebenen waren Ausführende und später Angeklagte.

Gruß Volker
Zuletzt geändert von Volker Zottmann am 23. September 2014, 15:54, insgesamt 2-mal geändert.
Volker Zottmann
 

Re: Aussagen von Ex-DDR-Grenzern zur Anwendung des Schiessbefehls

Neuer Beitragvon Volker Zottmann » 23. September 2014, 15:50

Beethoven hat geschrieben:
Nov65 hat geschrieben:@Beethoven war ein junger Überzeugter und trägt mit seiner Offizierslaufbahn und Verantwortung für Untergebene eine Mitschuld. Warum gibt er dies nicht einfach zu?
Soviel Mumm sollte auch @Vs1400 aufbringen.
Grüße von Andreas


Ich habe keine Probleme damit, zuzugeben, dass ich mit Leib und Seele Offizier in der NVA war und versucht habe, meinen Unterstellten alles beizubringen, was sie benötigten, um im Falle eines Krieges, ihre Gefechtsaufgaben, siegreich und mit so wenig wie möglich eigenen Verlusten zu erfüllen.
Dazu gehörte (da tränten mir aber auch schon damals die Augen), die politische Ausrichtung der Unterstellten, die ja auch mit uns durchgeführt wurde.

Für die Erfüllung meiner Aufgaben habe ich mich selber nicht geschont und auch von meinen Unterstellten höchste Einsatzbereitschaft, Leistungswille und Härte gefordert. Ich habe auch versucht, den Unterstellten meine Liebe zur DDR zu vermitteln. Obs geklappt hat, weiß ich nicht. Heute jedoch, treffen sich die Fallschirmjäger der NVA noch regelmäßig zum Springen, Tauchen, Bergsteigen, Märschen oder einfach am Lagerfeuer. Insofern kann nicht alles so schlecht gewesen sein.

Gruß



Deine Antwort finde ich erschreckend und bezeugt Deine absolute Uneinsichtigkeit. Nur weil sich Gestrige in Tradition verhaftet belobhudeln, wird die Vergangenheit nicht besser.
Du selbst schreibst unter einer Käseglocke aufgewachsen zu sein. Und da kommt Dir bis heute kein Zweifel an Zurückliegendem?

Gruß Volker
Volker Zottmann
 

Re: Aussagen von Ex-DDR-Grenzern zur Anwendung des Schiessbefehls

Neuer Beitragvon Wosch » 23. September 2014, 15:59

Beethoven hat geschrieben:
Nov65 hat geschrieben:@Beethoven war ein junger Überzeugter und trägt mit seiner Offizierslaufbahn und Verantwortung für Untergebene eine Mitschuld. Warum gibt er dies nicht einfach zu?
Soviel Mumm sollte auch @Vs1400 aufbringen.
Grüße von Andreas


Ich habe keine Probleme damit, zuzugeben, dass ich mit Leib und Seele Offizier in der NVA war und versucht habe, meinen Unterstellten alles beizubringen, was sie benötigten, um im Falle eines Krieges, ihre Gefechtsaufgaben, siegreich und mit so wenig wie möglich eigenen Verlusten zu erfüllen.
Dazu gehörte (da tränten mir aber auch schon damals die Augen), die politische Ausrichtung der Unterstellten, die ja auch mit uns durchgeführt wurde.

Für die Erfüllung meiner Aufgaben habe ich mich selber nicht geschont und auch von meinen Unterstellten höchste Einsatzbereitschaft, Leistungswille und Härte gefordert. Ich habe auch versucht, den Unterstellten meine Liebe zur DDR zu vermitteln. Obs geklappt hat, weiß ich nicht. Heute jedoch, treffen sich die Fallschirmjäger der NVA noch regelmäßig zum Springen, Tauchen, Bergsteigen, Märschen oder einfach am Lagerfeuer. Insofern kann nicht alles so schlecht gewesen sein.

Gruß



Als ob man die Liebe zu einem Staat "vermitteln" kann. Es ist schon traurig wenn man auf so eine Art-und Weise versucht eigene subjektive Ansichten als Vorgesetzter seinen dienstlich Untergebenen einzutrichtern. Ich denke nicht daß das geklappt haben wird, bis auf ein paar ganz "abgefahrene" Hanseln werden die sich doch über Deine diesbezüglichen Versuche innerlich über Dich lustig gemacht haben und nur Deine ihnen gegenüber erhöhte Rangordnung wird sie davon abgehalten haben, dir ihre "ehrlichen" Antworten zukommen zu lassen.
nun tue aber mal nicht so, als ob sich die gesamten ehemaligen Fallschirmjäger regelmäßig zum Springen,Tauchen, Bergsteigen und wer weiß noch was am Laferfeuer treffen, denn es sind doch nur von der Truppe ein paar Wenige und beim Aufzählen ihrer veranstalteten "Sportarten" vergesse mal die Saufgelage nicht zu erwähnen. Ob das denn allerdings auch noch mit der "Liebe" zur DDR zu tun hat wage ich zu bezweifeln, kann es nicht auch sein daß sich diese paar Falli´s einfach für die tollsten Kerle der untergegangenen DDR halten und sich bei diesen Treffen noch nachträglich die Bestätigung dafür holen wollen. Ich habe übrigens auch einen Neffen der bei dieser Truppe war und an solchen "Veranstaltungen" nie teilgenommen hatte. Weißt Du was der zu mir gesagt hatte: "Ich bin froh daß dieser "Scheiß" vorüber ist und daß ich statt dessen von meinen damaligen Vorgesetzten keinen mehr sehen muß und außerdem haben diese Nostalgiker doch alle Einen an der Waffel".
Daß Du von Deinen Unterstellten "höchste Einsatzbereitschaft, Leistungswille und Härte" gefordert haben wirst glaube ich dir auf´s Wort, daß Du Dich aber mit Ihnen, sprichwörtlich, in dem selben "Dreck" rumgewühlt haben solltest, nehme ich Dir, nur weil Du das so verdeutlichen willst, nicht widerstandslos ab, Du wirst Dein Offiziersjäckchen schon sauber gehalten haben, in jedem Fall aber hört sich daß mit "keine Rücksichtnahme auf die eigene Person" immer medienwirksam an, wer sollte nach Ablauf von 25 Jahren das auch noch bestreiten können, zumal man hier ja auch mit einem Nick-Name unantastbar abgetaucht ist.
Die "Liebe"zur DDR, wo sollte die denn herkommen, etwa daher daß der Staat DDR ab 1962 seinen Jungens die Möglichkeit gab, gezwungener Maßen, mit der Waffe in der Hand seine bis dahin "ungeliebte" DDR gegen nicht vorhandene "Klassenfeinde" zu schützen bzw, seine eigenen Mitbürger an der freien Entfaltung ihrer Persönlichkeit zu hindern und daß obwohl sie am liebsten selbst das Land verlassen hätten.
Nein, @Beethoven, Du unterliegst meiner Meinung nach einem nicht zu unterschätzenden Realitätsverlust und machst Dir nachträglich immer noch ein Bild von der DDR zurecht, wie es nur von der übelsten Propaganda geschaffen werden konnte.

Schönen Gruß aus Kassel. [hallo]
Wosch
 

Re: Aussagen von Ex-DDR-Grenzern zur Anwendung des Schiessbefehls

Neuer Beitragvon augenzeuge » 23. September 2014, 16:32

Beethoven hat geschrieben:Die Schüsse, die ein Grenzer abfeuerte werden heute als Verbrechen bezeichnet. Damals waren das, nach den Gesetzen des Staates, keine Verbrechen.
Der heutige Mainstream ist aber nun mal so. Ich werde keinen Grenzer wegen seines Dienstes an der Grenze zum anderen politischen System verteufeln.

Gruß


Lieber Beethoven, ich staune. Ich staune darüber, wie jemand, der deine Denkweise hat- gleichzeitig einen Job machen kann, bei dem eine andere Denkweise vorausgesetzt wird.
Aber damit musstest du selbst klar kommen... Wenn ich das mir mal umgekehrt vorstellen würde, ich könnte dies nicht.

Es ist in meinen Augen falsch, dass man sagt, naja, heute sind diese Schüsse der Grenzer ein Verbrechen, wahr ist, für die Mehrheit der Deutschen waren sie das immer. Zu keiner Zeit war das anders. Hat man 1989/90 ausreichend gesehen und gehört....Sie waren es immer, wenn man die Menschenrechte, die Prinzipien der UN zu Grunde legt und mal auf das hört, was außerhalb der Käseglocke gesprochen wurde.

Es gab mal ein Deutschland vor 75 Jahren, da war einiges Recht und Gesetz. Ich denke, aufgrund der Desinformation glaubten damals nicht wenige daran, dass es wirklich Recht war. Aber das war es nie! Das hat mit Mainstream absolut nichts zu tun. Nur mit möglichen offenen, unbehinderten Denken. Wie hätte man im DDR-Geschichtsunterricht reagiert, wenn Herr Beethoven 1983 gesagt hätte, heute sehen wir es als Unrecht, was 1939 passierte...in unserem mainstream, ja, stell dir vor, dein Opa- ein ehrenwerter Kerl hätte dir gesagt, ich treff mich immer noch gern mit meinen "Kollegen"- war doch nicht alles schlecht- wäre dein Kommentar im Unterricht gewesen. Du verstehst sicher, worauf ich hinaus will?

Nein, wir können uns nicht anmaßen, andere Menschen, die ihrem System lediglich dienten zu verteufeln. Aber kritisieren müssen wir es, und wir müssen jene beim Namen nennen, die Unrecht begingen. So wenige waren das nicht.
AZ
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Re: Aussagen von Ex-DDR-Grenzern zur Anwendung des Schiessbefehls

Neuer Beitragvon Nov65 » 23. September 2014, 17:00

Und ich staune, wie dicht so eine Käseglocke noch heute alles abschirmt und es nicht bisschen darunter stinkt.
Die Darlegungen @Beethovens aus seiner abgeschirmten Kindheit sind für mich glaubhaft. Solche Eliteinseln gab es ja in jeder Diktatur. Da denkt man vielleicht im Gleichschritt und im Gleichschritt streicht man die Privilegien ein.
Aber warum ist er nicht in der Lage, heute eine andere Sicht zu besitzen. Hat er da seine Augen und Ohren vor jeder Wahrheit verschlossen? Dann ist er nicht nur ein Verführter, kein Mitläufer, sondern ein Täter. Wie Streletz, der bekanntlich durch den Mauerbau den Frieden gesichert sah.
Wie Margot, bei der die Wende ja eine Konterrevolution darstellte.
Mir stehen die Haare zu Berge!
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Re: Aussagen von Ex-DDR-Grenzern zur Anwendung des Schiessbefehls

Neuer Beitragvon Merkur » 23. September 2014, 17:45

Nov65 hat geschrieben:Aber warum ist er nicht in der Lage, heute eine andere Sicht zu besitzen. Hat er da seine Augen und Ohren vor jeder Wahrheit verschlossen? Dann ist er nicht nur ein Verführter, kein Mitläufer, sondern ein Täter. Grüße von Andreas


Warum sollte er heute eine andere Sicht haben ? Wahrheit, was ist die Wahrheit und wer legt fest, was die Wahrheit ist ? Und am Ende wird er gar zum Täter gestempelt. Da stehen mir die Haare zu Berge.
Vor allem dieses zum "Täter" machen zeigt, wie intolerant die selbsternannten Moralisten dieses Forums mit Meinungen umgehen, die nicht ihren Ansichten entsprechen !
Zuletzt geändert von Merkur am 23. September 2014, 17:47, insgesamt 1-mal geändert.
Selbstverständlich muss jeder seine individuelle Sicht bzw. Meinung haben und schreiben. Quelle: Augenzeuge.
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Re: Aussagen von Ex-DDR-Grenzern zur Anwendung des Schiessbefehls

Neuer Beitragvon Spartacus » 23. September 2014, 17:46

Mein lieber Beethoven,

warum bist du eigentlich Offizier / Berufssoldat geworden?

Was bedeuten dir solche Begriffe wie etwa Ehre, Mut, Würde, Achtung gegenüber dem Feind ect.?

Anscheinend nichts, wenn ich dieses Aussage von dir lese.

Und Dein Betonung „in den Rücken schießen“ beweist mir, dass Du die Sache nicht sachlich betrachtest, sondern mit einem gewissen Schaum vor dem Mund. Wer auf den Anruf und den Warnschuss nicht hört und rennt, na, so leid es mir tut um jeden Einzelnen, der wird von hinten getroffen. Ob das nun die Beine, die Arme, der Kopf oder der Rücken sind. Aber es hört sich so schön brutal an, gelle?


Das hat gar nichts mit sachlich zu tun, sondern damit, das nur ein Feigling einem unbewaffneten Hinterrücks niederschiesst.
Mich hat als jugendlicher immer Avenarius begeistert, besonders die folgenden Zeilen:

da lagen die Helden, die Wunden vorn,


Ich habe oft über diesen kleinen Satz nachgedacht, der doch so viel Inhalt hat, beschreibt er doch das Ideal eines jungen
Mannes, der auf dem weg ist, sich zu einem "gerechten" Menschen zu entwickeln. Ich habe immer versucht, dieses Ideal
zu leben, wenn es vielleicht auch nur für mich von Bedeutung war. Im Sinne dieses Ideals wäre es mir nie auch nur
ansatzweise in den Sinn gekommen, einen Menschen von hinten zu erschießen, ich hätte es halt als absolute Feigheit
verstanden und verstehe es heute noch so. Auch deine Einstellung zum Hass ist grundverkehrt, denn so wie du es
beschreibst handelt kein Profi, es ist wohl mehr ein Wunschdenken von dir.

Verstehe mich nicht falsch, aber jeder Offizier, dem der Begriff Offiziersehre nicht nur eine hohle Phrase ist, hätte sich
geweigert solche Befehle zu geben, geschweige denn selbst auszuführen.

Und mal so ganz nebenbei, gab es solche Offiziere in der NVA?

Ich habe nie davon gehört. Wenn es keine gab, dann ist die NVA gegenüber der deutschen Wehrmacht, nichts als ein
Haufen von unehrenhaften Soldaten, denn in der Wehrmacht gab es - Gott sei es gedankt - Tausende von Offizieren die
zum Beispiel einen Kommissarbefehl missachteten.

Ich weiß schon das ich dich hier hart angehe, aber gerade als Berufssoldat hat man erstens Ideale und zweitens eine
Soldatenehre.

Nichts für ungut

Spart


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Nicht Deutschland schafft sich ab, sondern Deutschland schaltet sich ab.
Habeck und Baerbock in die Produktion. Die Grünen sind eine fortschrittsfeindliche Sekte.



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Re: Aussagen von Ex-DDR-Grenzern zur Anwendung des Schiessbefehls

Neuer Beitragvon augenzeuge » 23. September 2014, 18:33

Merkur hat geschrieben:
Nov65 hat geschrieben:Aber warum ist er nicht in der Lage, heute eine andere Sicht zu besitzen. Hat er da seine Augen und Ohren vor jeder Wahrheit verschlossen? Dann ist er nicht nur ein Verführter, kein Mitläufer, sondern ein Täter. Grüße von Andreas


Warum sollte er heute eine andere Sicht haben ? Wahrheit, was ist die Wahrheit und wer legt fest, was die Wahrheit ist ?


Wahrheit muss man nicht festlegen. Nur herausfinden. In der Schule sagte man, Wahrheit ist die Übereinstimmung zwischen Bewusstsein und objektiver Realität. Ich denke, wenn man das zugrunde legt, liegt man so falsch nicht. Man kann die objektive Realität aber nur erkennen, wenn man sich sein Bewusstsein nicht vorschreiben lässt und die Übereinstimmung aus verschiedenen Gesichtspunkten bewertet.

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Re: Aussagen von Ex-DDR-Grenzern zur Anwendung des Schiessbefehls

Neuer Beitragvon Nostalgiker » 23. September 2014, 22:10

Ach Augenzeuge und das soll ich Dir abnehmen?Das ausgerechnet Du um die "Wahrheit" herauszufinden die objektiver Realität aus verschiedenen Gesichtspunkten betrachtest bzw. bewertest.

Als Erstes; was ist 'objektive' Realität?
Als Zweites; was sind Deine 'verschiedene'Gesichtspunkte?

Thoth

Geschichte mit heutigen Maßstäben und heutigen Wertvorstellung "aufarbeiten" geht immer schief. Beste Beispiele sind hier tagtäglich zu lesen, da sträuben sich einem die Nackenhaare bei der geballten Intoleranz der selbsternannten "Toleranten".
Hier wird 'aufarbeiten' mit persönlicher Abrechnung verwechselt und zelebriert.
Ich nehme zur Kenntnis, das ich einer Generation angehöre, deren Hoffnungen zusammengebrochen sind.
Aber damit sind diese Hoffnungen nicht erledigt. Stefan Hermlin

Freiheit ist nur ein anderes Wort dafür, dass man nichts zu verlieren hat. Janis Joplin

Psychologen haben herausgefunden, dass Menschen, die immer bei anderen auf die Rechtschreibfehler hinweisen, eine Persönlichkeitsstörung haben und unzufrieden mit ihrem Leben sind. Netzfund
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Re: Aussagen von Ex-DDR-Grenzern zur Anwendung des Schiessbefehls

Neuer Beitragvon vs1400 » 23. September 2014, 22:47

Nov65 hat geschrieben:In einem gebe ich @Vs1400 recht: Es trifft/traf in der Tat zu, dass die Soldaten einer Grenzkompanie in einem straffen Zeitrhythmus Dienst schrubbten. Oft kamen kurze Wechsel von Früh- auf Nachtschicht vor. Da blieb kaum Zeit für "Rotlicht", Freizeit, Muße. Der Grenzdienst hatte höchste Priorität. Leute waren oft knapp. Während des Wehrdienste wurde bei den Soldaten mit Sicherheit kein Hass zum Zwecke einer bewussteren Dienstausübung erzeugt. Das wusste auch die "Heeresführung". Aber da gab es ja die Abschreckung bei laxem Gebrauch der Waffe, Schlafen oder Alkohol während des Dienstes.
Aber das kam hier schon öfter zur Sprache.

Eines fällt mir auf und missfällt mir ebenso:
Wir brauchen heute keine erklärenden Worte mehr über den Kalten Krieg, über Missbrauch junger Menschen, über jugendliche Naivität. Das ist hinreichend beleuchtet.
Wer den "Rattenfängern", egal ob aus Glaube an den Sieg des Sozialismus oder zu erwartende Vorteile, hinterherlief, sollte heute den Mumm besitzen, dies zuzugeben und alle Ablenkungsversuche einstellen.
@Beethoven war ein junger Überzeugter und trägt mit seiner Offizierslaufbahn und Verantwortung für Untergebene eine Mitschuld. Warum gibt er dies nicht einfach zu?
Soviel Mumm sollte auch @Vs1400 aufbringen.
Grüße von Andreas


@"Nov65",
definiere bitte nochmal sehr genau deine aussage
und stell sie dann nochmal dar.
für was sollte ich, aus deiner sicht Mumm haben?

gruß vs [hallo]
vs1400
 

Re: Aussagen von Ex-DDR-Grenzern zur Anwendung des Schiessbefehls

Neuer Beitragvon vs1400 » 23. September 2014, 22:52

Volker Zottmann hat geschrieben:Hallo Beethoven,
ich versuche mich gerade in Dich und Deine glaubhaften Schilderungen rein zu versetzen. Nur mal zum Verständnis, ich bin heute 63 und wurde 1970 eingezogen.
Wenn Du mein Elternhaus erkennen willst, dann lies mal die Anfänge meiner DDR-Geschichte. Ich wurde wie alle anderen erzogen, dicht hinter der Grenze. Lebte zeitweilig als Kind im späteren Sperrgebiet.
Meine Mutter war Nomenklaturkader.... Man liest aber heute oft, in meinem Fall war es ebenso, dass gerade solche Eltern schon aus Zeitmangel wenig erzogen. Diskussionen wurden nie geduldet. Die Partei... die hat immer recht!
Mein Vater war zeitlebens parteilos und das krasse politische Gegenteil, was seine Einstellung zum geteilten Deutschland betraf.
In einer Familie mit konträren politischen Ansichten bist Du als Kind überfordert. Schizophren wollte ich nicht werden! Darum hat mich das ganze politische Gezerre von Anfang an interessiert. Vaters Einfluss war aber größer, er hatte mehr Zeit und auch den Willen, Fragen zu beantworten.
Wie verlogen der Staat war, bekam ich schon als 12/13-Jähriger mit.

Wäre nun mein Vater ebenso "rot" gewesen, wer weiß wie ich dann reden würde... Es lag also oft nicht in unserer Hand!
In meiner Nachbarschaft waren viele Kinder von Politkadern. Oft fruchtete deren Hasserziehung. Die rannten auch freiwillig länger dienend um studieren zu dürfen. Kannst Dir vorstellen, dass die mich nicht gerade leiden mögen. Ist mir aber egal, wichtig ist, dass ich so manche Erkenntnis eher als meine Schulkameraden hatte.
Meine, für manchen Militär unglaubhaft scheinenden Erinnerungen, bezüglich des Bauregiments in Neiden, ließen Anfeindungen im AF sprießen. Doch ausgerechnet ein Kompaniechef aus meiner Einheit, der 10 Jahre nach mir dort diente, bestätigte im Großen Ganzen all meine Schilderungen. Das war mir schon eine willkommene Genugtuung. In meiner Rückschau habe ich aber auch gelernt, dass es auch vernünftige Vorgesetzte gab, so meinen Zugführer oder unseren Kompaniepolitnik, der später als Rektor das Torgauer Gymnasium leitete. Und diese benenne ich auch.

Du selbst kommst mir recht glaubhaft rüber, bemerkst aber bisweilen noch nicht, dass Du die Wurzel nicht ganz ausreißt. Es ist ein langer Weg bis zur vollen Erkenntnis. Darum ist auch Dein Ansatz falsch (meine Sicht), dass der Sozialismus für sich gesehen gut ist. Das stimmt nur theoretisch, sowie der Faktor Mensch dazu stößt, ist es um Marxens hehre Ideale geschehen. Ich werde jedenfalls an keinem Menschenexperiment diesen Ausmaßes wieder teilnehmen.

Gruß Volker


@ "Volker Zottmann",
trotz aller frühen erkenntnis wurdest du mitglied und hast dich qualifizieren lassen ... [wink]

gruß vs [hallo]
vs1400
 

Re: Aussagen von Ex-DDR-Grenzern zur Anwendung des Schiessbefehls

Neuer Beitragvon vs1400 » 23. September 2014, 23:06

augenzeuge hat geschrieben:
Beethoven hat geschrieben:Die Schüsse, die ein Grenzer abfeuerte werden heute als Verbrechen bezeichnet. Damals waren das, nach den Gesetzen des Staates, keine Verbrechen.
Der heutige Mainstream ist aber nun mal so. Ich werde keinen Grenzer wegen seines Dienstes an der Grenze zum anderen politischen System verteufeln.

Gruß


Lieber Beethoven, ich staune. Ich staune darüber, wie jemand, der deine Denkweise hat- gleichzeitig einen Job machen kann, bei dem eine andere Denkweise vorausgesetzt wird.
Aber damit musstest du selbst klar kommen... Wenn ich das mir mal umgekehrt vorstellen würde, ich könnte dies nicht.


Es ist in meinen Augen falsch, dass man sagt, naja, heute sind diese Schüsse der Grenzer ein Verbrechen, wahr ist, für die Mehrheit der Deutschen waren sie das immer. Zu keiner Zeit war das anders. Hat man 1989/90 ausreichend gesehen und gehört....Sie waren es immer, wenn man die Menschenrechte, die Prinzipien der UN zu Grunde legt und mal auf das hört, was außerhalb der Käseglocke gesprochen wurde.

Es gab mal ein Deutschland vor 75 Jahren, da war einiges Recht und Gesetz. Ich denke, aufgrund der Desinformation glaubten damals nicht wenige daran, dass es wirklich Recht war. Aber das war es nie! Das hat mit Mainstream absolut nichts zu tun. Nur mit möglichen offenen, unbehinderten Denken. Wie hätte man im DDR-Geschichtsunterricht reagiert, wenn Herr Beethoven 1983 gesagt hätte, heute sehen wir es als Unrecht, was 1939 passierte...in unserem mainstream, ja, stell dir vor, dein Opa- ein ehrenwerter Kerl hätte dir gesagt, ich treff mich immer noch gern mit meinen "Kollegen"- war doch nicht alles schlecht- wäre dein Kommentar im Unterricht gewesen. Du verstehst sicher, worauf ich hinaus will?

Nein, wir können uns nicht anmaßen, andere Menschen, die ihrem System lediglich dienten zu verteufeln. Aber kritisieren müssen wir es, und wir müssen jene beim Namen nennen, die Unrecht begingen. So wenige waren das nicht.
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AZ,
derartige aussagen haben echt nen geschmäckle,
zumal du von dir nur einer deinem leben nichts auch nur ansatzweise nachlesbar ist.
ganz offen missbrauchst du wiederholt informationen, welche du hier nur einer dir genehmen userschaft bereitstellst.

gruß vs [hallo] und sorry fürs ot!
vs1400
 

Re: Aussagen von Ex-DDR-Grenzern zur Anwendung des Schiessbefehls

Neuer Beitragvon augenzeuge » 24. September 2014, 07:56

vs1400 hat geschrieben:ganz offen missbrauchst du wiederholt informationen, welche du hier nur einer dir genehmen userschaft bereitstellst.


Ganz kurz und schmerzlos, du irrst dich, mal wieder. Ich missbrauche definitiv nichts! Ganz nebenbei, an dich war nichts adressiert....

AZ
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Re: Aussagen von Ex-DDR-Grenzern zur Anwendung des Schiessbefehls

Neuer Beitragvon augenzeuge » 24. September 2014, 08:01

Thoth hat geschrieben:Als Erstes; was ist 'objektive' Realität?
Als Zweites; was sind Deine 'verschiedene'Gesichtspunkte?


Jetzt erzähle mir nicht, dass du diese Info aus deiner Schule nicht bekommen hast oder nicht kennst....dann muss ich aber lachen. [grins]

Zu 1. Du kennst es unter materielle Welt" oder Wirklichkeit"
Zu 2. Gesichtspunkte div. Menschen

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