DDR-Grenzer tötet 15jährigen mit Rückenschuß

Re: DDR-Grenzer tötet 15jährigen mit Rückenschuß

Neuer Beitragvon Volker Zottmann » 2. März 2014, 17:12

Ich glaube auch keiner schwarzen Propaganda.
Und sicher sind die westdeutschen Linken wieder ´ne ganz andere Spezies, als die Linke, die nur aus der PDS hervorging, die wiederum die umgetaufte SED ist.
Mit der Partei tue ich mich auch schwer, weil die keine erkennbare deutliche Distanz zu den Kommunisten um Wagenknecht wahrt.

Gruß Volker
Volker Zottmann
 

Re: DDR-Grenzer tötet 15jährigen mit Rückenschuß

Neuer Beitragvon Edelknabe » 2. März 2014, 18:27

Unser Pentium fehlt wieder, denn der Fred triftet in die Parteienlandschaft ab. Aber hin zu Andreas mit:

"Dem Rainer nehme ich die Sicht auf die DDR und deren Feind im Westen als damals junger Mensch ab.Da stand er nicht allein mit seiner Überzeugung. Viele haben nicht genügend nachgedacht und die Parolen überprüft.
Nur heute sollte er doch eine andere haben oder etwa nicht?"


Heute Andreas habe ich die Altersweitsicht, auch diese zurück auf die gelebten Jahre in dem Land wo ich aufgewachsen bin. Und das Land kommt eigentlich ganz gut dabei weg, weil es mich nicht behinderte in meiner ganzen Entwicklung.(Privat, beruflich, familiär)Deswegen ist meine Sicht auch anders wie eben vieler Anderer.
Man kann das übrigens gut mit dem Heute vergleichen. Wenn also in vierzig Jahren(2054) ein Rückblick auf die heutige Zeit erfolgt wird genau Dieser, der im Heute zurechtkam nie sagen "Also dieser Staat war sowas von bescheiden", oder "die Leutchen die sich damals mit dem Staat angelegt haben und dann in des Staates Mühle gerieten tun mir leid"oder...man könnte das also beliebig fortsetzen.

Aber ne, hier geht es speziell um die Grenze und irgendwo hatte ich mich auch darüber(die veränderte Sicht)schon drei,vier mal geäußert, müsste mal suchen aber wenn der Rainer "ich müsste mal suchen" schreibt, dann weiß der Pentium und die Mara, das dies gute drei Jahre dauern kann.

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Re: DDR-Grenzer tötet 15jährigen mit Rückenschuß

Neuer Beitragvon Balu » 2. März 2014, 19:16

Du hast absolut Recht Rainer, wir sollten den ganzen Parteikram hier lassen, zumal ich auch nur ungern darüber diskutiere. Ich hatte mich durch Spartas Überraschung zu meinem Werdegang nach 79 etwas aus der Spur dieses Threads bringen lassen, tut mir Leid! [peinlich]

Gruß Balu
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Re: DDR-Grenzer tötet 15jährigen mit Rückenschuß

Neuer Beitragvon Edelknabe » 2. März 2014, 19:28

Um nochmal kurz zum Anfang zu kommen Balu, denn ich wollte den Fred einfach nicht von Anfang an durchforsten. Was war eigentlich damals der Grund, warum Ihr beiden jungen Kerlchen gen Grenze aufgebrochen seit? Etwa ein beschissener Zensurenspiegel, oder gar Unzufriedenheit über dies und Jenes...? Das mit der Partei eh...das muss dir nicht leid tun. Fast jeder Fred triftet hier ab und ja es stimmt, das bringt auch manchmal ne gewisse Würze rein, als Punktgenau und verbissen nur am Thema zu bleiben.

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Re: DDR-Grenzer tötet 15jährigen mit Rückenschuß

Neuer Beitragvon Volker Zottmann » 2. März 2014, 19:45

Edelknabe hat geschrieben:Um nochmal kurz zum Anfang zu kommen Balu, denn ich wollte den Fred einfach nicht von Anfang an durchforsten. Was war eigentlich damals der Grund, warum Ihr beiden jungen Kerlchen gen Grenze aufgebrochen seit? Etwa ein beschissener Zensurenspiegel, oder gar Unzufriedenheit über dies und Jenes...? Das mit der Partei eh...das muss dir nicht leid tun. Fast jeder Fred triftet hier ab und ja es stimmt, das bringt auch manchmal ne gewisse Würze rein, als Punktgenau und verbissen nur am Thema zu bleiben.

Rainer-Maria


Das sehe ich ganz genau so Rainer. Was wäre denn unser Leben ohne all die belanglosen Nebensächlichkeiten. Die machen es doch erst aus. Und oft ergibt ein Wort das andere und schon steht man neben dem Thema. Was sollte daran schlimm sein. In fast allen Fällen finden wir uns zurück, oder?

Gruß Volker
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Re: DDR-Grenzer tötet 15jährigen mit Rückenschuß

Neuer Beitragvon Balu » 2. März 2014, 19:53

Unser Grund? Ja, Stress mit der Schule und den Eltern. Nichts spektakuläres also. Wir waren keine Helden, keine Freiheitskämpfer, sondern einfach nur zwei "dumme"Jungs die von zu Hause weglaufen wollten.
Und warum der Westen? Die Erklärung ist so einfach wie verrückt, weil man dort drüben deutsch sprach. Wir waren 15, fast 16 und wollten nie wieder nach Hause zurück. Etwas über 2 Jahre in der DDR verstecken um die Volljährigkeit abzuwarten war klar unmöglich. Polen und die Tschechei, leicht erreichbare Ziele, aber dort spricht man kein deutsch. Also auf ins andere Deutschland - Gedanken von zwei "Kindern" die wir damals beide noch waren...
Balu
 

Re: DDR-Grenzer tötet 15jährigen mit Rückenschuß

Neuer Beitragvon Danny_1000 » 2. März 2014, 20:46

[denken] [denken]
@Balu,
sorry wenn ich das frage: Und wie sind die DDR- Behörden dann mit dir –also dem Kind - , deiner Trauer und der „verrückten Begründung“ umgangen, ich meine so unmittelbar nach der missglückten Flucht ? Die Episode in der Grenzkompanie hast du ja schon erzählt.

Vielen Dank schon mal und noch einen schönen Restsonntag !

Gruß
Danny
Ich mag verdammen, was du sagst, aber ich werde mein Leben
dafür einsetzen, dass du es sagen darfst !
(Evelyn Beatrice Hall 1868; † nach 1939)
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Re: DDR-Grenzer tötet 15jährigen mit Rückenschuß

Neuer Beitragvon Wosch » 2. März 2014, 20:52

Balu hat geschrieben:Unser Grund? Ja, Stress mit der Schule und den Eltern. Nichts spektakuläres also. Wir waren keine Helden, keine Freiheitskämpfer, sondern einfach nur zwei "dumme"Jungs die von zu Hause weglaufen wollten.
Und warum der Westen? Die Erklärung ist so einfach wie verrückt, weil man dort drüben deutsch sprach. Wir waren 15, fast 16 und wollten nie wieder nach Hause zurück. Etwas über 2 Jahre in der DDR verstecken um die Volljährigkeit abzuwarten war klar unmöglich. Polen und die Tschechei, leicht erreichbare Ziele, aber dort spricht man kein deutsch. Also auf ins andere Deutschland - Gedanken von zwei "Kindern" die wir damals beide noch waren...



Hallo Balu!
Ich lese Deine Schilderungen sehr aufmerksam und es verwundert mich in keinster Weise daß Ihr Beide im Alter von 15 Jahren keine prägnanten "politischen", Gründe hattet um die DDR verlassen zu wollen, sondern daß diese mehr im persönlichen Bereich lagen.
Es wird immer und überall auf der Welt vorkommen daß Jugendliche von Zuhause "abhauen" werden um sich von gewissen Zwängen "befreien" zu wollen, das ist, wenn man es genau betrachtet, schon fast normal und kommt in den "besten" Familien vor.
Daß man Euch aber nach Eurem folgenschweren mißlungenden Fluchtversuch von staatlichen und anderen "berufenen" Stellen ein "Selber schuld" hinterher "ruft", ist meiner Meinung nach nicht akzeptabel, denn wie können "Kinder" für etwas schuldig gemacht werden, was Erwachsene "verzappt" hatten.
Als ich im Januar 1962 im Alter von 19 Jahren aus der DDR flüchtete war ich vom Kopf her zumindesten schon so weit entwickelt, daß ich mich nicht mental von meinen Eltern und Geschwistern, Freunden und Kollegen trennen wollte, sondern ganz klar das mir bis dahin politisch und ideologisch verhaßte "kommunistische" Regime hinter mir lassen wollte, den mir damals aufgedrängten Zwängen entfliehen!
Abgesehen von den unterschiedlichen Beweggründen kann ich nachvollziehen was Ihr seinerzeit durchgemacht hattet und das makabere Ergebnis Eurer Unternehmung macht mich auch heute noch betroffen.
Ich weiß nicht wie ich an Deiner Stelle heute reagieren würde, wahrscheinlich etwas "strenger" mit so manchem Zeitgenossen, Dir gegenüber spreche ich für Deine hier zur Schau gestellten Offenheit jesenfalls meinen größten Respekt aus und gedenke auch ganz besonders der Person Deines damals "hingemeuchelten" Freundes "HEIKO".

Aus Kassel. Wosch.

PS: Störe Dich bitte nicht an meiner roten Schriftweise, die wird immer nur angewandt wenn ich direkt auf einen Beitrag antworte, damit man erkennt wann ich anfange und wann ich aufhöre. [hallo]
Wosch
 

Re: DDR-Grenzer tötet 15jährigen mit Rückenschuß

Neuer Beitragvon Balu » 2. März 2014, 21:43

Vielen Dank @ Wosch!

Hallo Danny

Eigentlich gibt es da nichts wirklich spektakuläres zu berichten. Entgegen anderer Geschichten von anderen "Straftätern" wurde ich von allen Beteiligten aus den Reihen des MfS recht anständig behandelt.
Die erste Nacht war etwas anstrengend. Zuerst wurde ich in der Kompanie vernommen, nachdem ich mich ausziehen mußte und eine Kleidungsstück- und Körperkontrolle über mich ergehen lassen mußte. Irgendwann später wurde ich dann von der Kompanie nach Wernigerode gebracht. Dort kam eine zweite Vernehmung. Danach lernte ich zum ersten mal einen Gefangenentransporter von innen kennen. Die Dinger waren echt nichts für Leute die unter Klaustrophobie leiden. In dem Ding wurde ich noch in der selben Nacht nach Magdeburg gebracht. Dort durfte ich duschen, bekam eine Gefangenenkluft verpasst und durfte zur nächsten Vernehmung. Während dieser Vernehmung gab es dann auch endlich was zu futtern und eine Tasse Pfefferminztee dazu. Danach durfte ich ein klein wenig schlafen. Am nächsten Tag ging es wieder " in die grüne Minna" und auf den Weg in mein zu Hause für die nächsten knapp fünf Monate - den "Roten Ochsen" in Halle \S.
Ein paar Tage allein in einer Zelle, danach wechselnde "Untermieter". Am Mittwoch oder Donnerstag nach meiner Verhaftung bekam ich auch endlich meine Brille wieder die ich ja in dem UAZ auf dem Weg zur Kompanie verloren hatte. Danach hörten endlich meine Kopfschmerzen auf.
Die Vernehmungen waren ganz ok, ich hatte ja auch keine Geheimnisse die ich zu verschweigen versuchen mußte. Mir wurde völlig rechtswidrig sogar vor meinem 16. Geburtstag das Rauchen gestattet. Ich bekam meine Zigaretten ausgehändigt welche ich bei meiner Verhaftung im Gepäck hatte und zu jeder Vernehmung gab es eine Schachtel Semper auf Kosten des Volkseigentums. [grins]
Mit dem Geld das ich bei mir hatte durfte ich "einkaufen" und mein erster Zellengenosse brachte mir bei mit Blättchen und losen Tabak zu überleben.
Ob es Zufall war oder auch nicht, auf jeden Fall bekam ich als Pflichtverteidiger einen Anwalt aus Leipzig um den mich wohl jeder Insasse in der verbotenen Sektion des Ochsen beneidet hätte. Ich habe seinen Namen vergessen, aber er arbeitete damals mit dem berühmten Dr. Vogel zusammen. Aber konnte auch nicht dafür sorgen das ich zwei Jahre bekam. Ein Jahr Freiheitsstrafe für den versuchten ungesetzlichen Grenzübertritt im schweren Fall, so lautete das Urteil. Danach blieb ich noch ungewöhnlich lange im Ochsen. Vermutlich hätten die mich am liebsten das ganze Jahr dort behalten, damit ich auf keinen Fall mit anderen Jugendlichen reden kann. Aber Anwalt hatte irgendwann Stress gemacht und so kam ich dann in die Jugendstrafvollzugsanstalt nach Dessau. Das erste dort war eine Belehrung des dortigen MfS Menschen das ich den wahren Grund meiner Verurteilung zu verschweigen hatte. Ich wurde von ihm kurzer Hand in einen Kfz Dieb umfunktioniert. Irgendwann kam aber die Wahrheit raus, ich weiß bis heute nicht wie. Auf jeden Fall machte mich die Tatsache das ich die Jungs dort belogen hatte nicht wirklich beliebter...
Ich begann dort eine Lehre zum Montageschlosser. Mitte August hieß es plötzlich mitten in der Nachmittagsfreizeit auf dem Hof: "Fleischhauer, Sachen packen, Du gehst nach Hause"!
Mein Vater war da wohl dem Staatsanwalt so lange auf den Zeiger gegangen bis der einer vorzeitigen Entlassung zugestimmt hatte. Der Grund dafür war das ich kein weiteres Jahr verlieren sollte. Wäre ich im Dezember raus gekommen hätte ich weder die Schule weiter machen können noch eine richtige Lehre beginnen, da es dafür ja feste Termine Anfang September gab. In die Schule wollte ich nicht zurück und eine große Auswahl für einen Abgänger der 8. Klasse gab es zu dem Zeitpunkt nicht mehr. Neben Abfüller in der Brauerei, Ausbaumaurer, Industriemaler stand noch der Chemiefacharbeiter zur Auswahl. Für den habe ich mich dann entschieden, weil der wenigstens noch nach etwas vernünftigen klang.

Gruß Balu
Balu
 

Re: DDR-Grenzer tötet 15jährigen mit Rückenschuß

Neuer Beitragvon augenzeuge » 2. März 2014, 22:24

Danke allen für die Sachlichkeit in diesem Thread. Es geht doch.... [wink]
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Re: Begrüßung des Grenzopfers Balu

Neuer Beitragvon vs1400 » 2. März 2014, 23:12

Balu hat geschrieben:Hallo zusammen und vielen Dank für Eure Begrüßen. [hallo]

@Neun und @ Danny,

Die Frage ob sich das Ganze gelohnt hat, bzw. ob es das Ganze wert war lässt sich nicht mit einem Ja oder Nein beantworten. Wir waren 15 Jahre jung, ich habe meinen 16. Geburtstag in der Untersuchungshaftanstalt des MfS "Roter Ochse" in Halle "gefeiert".
Damals hat sich mir diese Frage nicht gestellt weil meine (Gedanken)Welt wesentlich kleiner war. Ich hatte andere Probleme als mir derartig philosophische Fragen zu stellen. Und meine Sichtweise heute als 50jähriger lässt sich mit damals ja nun gar nicht vergleichen. Insofern ist diese Frage nicht wirklich abschließend zu beantworten.

Was die Gerichtsverhandlung in Magdeburg 1996 anbelangt, ich bin weder ein Richter noch ein Racheengel! Was ich von der Verhandlung erwartet hatte war eine faire und offene Aufarbeitung der Geschehnisse vom 08.12.1979. Was ich bekam war ein Richter der alles tat um die beiden Schützen zu den einzigen Opfern des damaligen Tages zu machen. Sicherlich, irgendwo waren die beiden auch Opfer des damaligen Systems, keine Frage! Aber sich ausschließlich darauf berufen zu wollen ist mir etwas zu einfach.

@Augenzeuge

Mit meinen Eltern hatte ich bereits vor meiner Haftentlassung "Frieden geschlossen". Da ich auf Bewährung entlassen wurde stand ich während meiner 3jährigen Berufsausbildung ohnehin unter Kontrolle. Mein damaliger Klassenlehrer in der BBS war auch der Melder zum MfS. Das wusste ich aber bereits damals schon. Im Großen und Ganzen konnte ich mich nicht beklagen. Es gab zwar immer mal kleine Spitzen die ich ertragen musste. So durfte ich zwar in Buna als Schichtleiter arbeiten, aber mein Genosse Abteilungsleiter hat erfolgreich alles getan das mir die Mister Schule verwehrt blieb. Und auf meinen Grundwehrdienst durfte ich auch buchstäblich bis zum letzten Tag warten, so das alle meine direkten Vorgesetrzten jünger waren als ich. Aber wie gesagt, das waren Kleinigkeiten. Im Großen und Ganzen konnte ich ein ganz normales DDR Leben führen. In wie weit ich über meine Bewährungszeit hinaus unter der Beobachtung des MfS stand kann ich nicht sagen. Ich habe es bis heute bewusst vermieden meine Stasi Akte zu studieren. Wenigstens diese Enttäuschung wollte ich vermeiden.

@ Thalassa und @ Neun

Wir waren zwar noch Teenager, aber das man Stacheldrahtzäune, Mienen und bewaffnete Grenzsoldaten nicht aus Langeweile aufbietet machte auch uns deutlich das wir was verbotenes tun. Insofern waren wir schon "Täter".
Die Art und Weise jedoch, wie mit uns als Tätern umgegangen wurde macht uns aus meiner Sicht aber auch gleichzeitig zu Opfern.

@ Spartacus

Wie ich damit klar komme? Lange Zeit habe ich versucht zu verdrängen und zu vergessen. Leider war mir dies bis heute nicht möglich da immer wieder Leute in meine Leben traten welche alles wieder los treten wollten. Heute, nach so langer Zeit habe ich es als einen Teil meines Lebens akzeptieren gelernt. Und so kann ich damit Leben und auch darüber reden und lebe ein ganz normales Leben, etwas das Heiko nicht kann.

@ all

Wenn ich das richtig sehe sind in diesem Forum wohl offensichtlich beide Seiten vertreten, sprich Vertreter des damaligen Systems in der DDR als auch Gegner des selben. Darum nochmal, es geht mir nicht darum zu verurteilen oder zu verdammen, sondern es geht mir einfach nur um die Wahrheit und darum offen und vor allem ehrlich mit der damaligen Zeit und allem was dazu gehört umzugehen. Ich kann und will Albrecht und Meyer keine Absolution erteilen! Sie hatten die Waffen in ihren Händen und ihre Finger am Abzug. Und sie bewegten diesen Finger, das tat kein Piotrowski und auch kein Goldhahn für sie! Es waren die beiden ganz allein! Und es waren auch ganz alleine Albrecht und Meyer die bestimmt hatten in welche Richtung sie schießen! Sie kannten ihre Waffen und deren Wirkung im Dauerfeuer! Sie lagen beide in der Deckung und ließen uns auf 20 bis 30 Meter heran kommen bevor sie ohne vorherigen Anruf und ohne Warnschuss das Feuer auf uns eröffneten! Sie kannten das Gelände und auch den Alarmablauf des Grenzregimes, das heißt sie wussten ganz genau das uns der Rückweg bereits versperrt war.
Wir haben uns vom Bimmelzaun an den ganzen Weg bis zum Ort des Geschehens an der Schneise der Stromtrasse entlang bewegt. Ein anderer Weg war nicht möglich da der "Urwald" rechts und links der Schneise viel zu dicht war. Das heißt das dies auch der einzige mögliche Rückweg für uns war! Als wir an den Waldrand kamen und vor uns offenes Feld bis zum zweiten Zaun sahen, (ja wir sahen diesen zweiten Zaun vom Waldrand aus, also kann das Wetter wohl nicht soooo schlecht gewesen sein wie behauptet wurde), bewegten wir uns am Waldrand entlang nach rechts um aus der Sichtweite dieses links von uns stehenden Wachturmes zu kommen. Als wir meinten dies geschafft zu haben änderten wir die Laufrichtung direkt in Richtung Zaun und somit direkt auf Albrecht und Meyer zu. Es war zwar etwas diesig und es fiel leichter Nieselregen zu der Zeit. Aber es war erst kurz vor 16 Uhr und somit selbst zu dieser Jahreszeit noch hell genug das die beiden uns genau sehen konnten! Sie luden beide ihre Waffen durch worauf hin ich mich fallen lies und Heiko versuchte zurück zu laufen. Aber zurück wohin? Selbst wenn er die Schneise erreicht hätte, durch den Wald selbst konnte er ja auf Grund seiner Dichte nicht fliehen, also selbst wenn er die Schneise erreicht hätte, was wäre denn geschehen? Der Weg in der Schneise selbst war schon unwegsam genug und am anderen Ende warteten bekanntlich auch schon Posten auf uns. Das Argument das ich in dem anderen Thread gelesen habe, von wegen das Grenzverletzer zurück laufen um dann quer zu gehen und es an anderer Stelle erneut zu versuchen war für uns nicht möglich. Es gab für uns nur die Schneise als einigermaßen begehbares Areal! Und während des ganzen Weges lief Heiko ein bis zwei Meter hinter mir. Da aber, ob nun aus Albrechts oder aus Meyers Waffe auch Geschosse über mich hinweg gingen ist die Aussage der Beiden sie hätten nur auf den flüchtenden Heiko das Feuer eröffnet auch falsch und damit auch die Ablehnung meiner Nebenklage durch Richter Kupfer eine von mehreren seiner Fehlentscheidungen!
Nochmal, es geht mir hier nicht um Verurteilung! Und ich kann auch sehr gut nachvollziehen wie die Beiden sich gefühlt haben mussten als ihnen klar wurde das wir auf sie zu kommen und nicht auf irgend ein anderes Posten Paar. Ich musste meinen Wehrdienst 1989 abhalten, genau in der heißen Wendephase. Wir wurden vorzeitig vereidigt und mussten unsere Grundausbildung vorzeitig beenden. Und wir haben auch jeden Tag gebannt die Nachrichten verfolgt und gebetet das von Berlin kein Befehl kommt gegen die eigene Bevölkerung mit der Waffe in der Hand aus zu rücken. Ich muss aber leider auch ganz klar sagen das ich dem Meyer seine Betroffenheit abnehme und die Tatsache das er bis heute unter seinem Teil der Geschehnisse dieses Tages leidet. Das ich aber bis heute kein Verständnis für den Albrecht habe. Denn der hat bis heute nichts begriffen, egal ob aus fehlendem Niveau oder aber aus reinem Selbstschutz.


Gruß "Balu"


hi Balu,
welche erwartungen hattest du bzw. was erhofftest du dir von diesen gerichtsverhandlungen?

ich war ja selber grenzer und möchte dir nicht verheimlichen, das ich mit den gesetzlichen entscheidungen kein problem habe. doch gibt es hier auch user, die deutlich höhere bestrafungen beführworten und da gehe ich echt nicht mit, denn die masse der schützen waren leider keine berufssoldaten.

gruß vs [hallo]
vs1400
 

Re: DDR-Grenzer tötet 15jährigen mit Rückenschuß

Neuer Beitragvon vs1400 » 2. März 2014, 23:24

Nov65 hat geschrieben:Dem Rainer nehme ich die Sicht auf die DDR und deren Feind im Westen als damals junger Mensch ab.Da stand er nicht allein mit seiner Überzeugung. Viele haben nicht genügend nachgedacht und die Parolen überprüft.
Nur heute sollte er doch eine andere haben oder etwa nicht?
Andreas


die hat er ja Andreas,
nur lässt man sie nicht gelten.

gruß vs
vs1400
 

Re: DDR-Grenzer tötet 15jährigen mit Rückenschuß

Neuer Beitragvon vs1400 » 2. März 2014, 23:56

Volker Zottmann hat geschrieben:Ich stehe immer noch mit Rafimo, dem Anwalt, in Kontakt. Auch er liest hier fleißig mit.
Seit 2 Tagen bin auch ich dabei, den ganzen Thread noch mal mit neutraler Sicht zu lesen.

Für mich ergibt sich daraus, Rafimos mühselige Recherche vor 2 Jahren war sehr nah am Geschehen. Und was ist er angefeindet worden....
Doch wer es objektiv nochmals liest, sieht ihn nun bestätigt.
Uwe Fleischhauer selbst beschreibt es ja ebenso, und er ist der Einzige der es wissen kann. Die Sicht war noch so gut, dass die Jungen als solche erkannt werden konnten. Immerhin haben sie, noch bei 30 m bis zu den Grenzern und den weiter dahinter stehenden Streckmetallzgrenzzaun deutlich sehen können.
Es gibt folglich keine Entschuldigung, schutzweise Anderes zu behaupten.
Er bestätigt auch die totale menschliche Entgleisung des Brehme.
Balu fragt auch, ob der Schießende nicht hätte anders reagieren können? Nämlich etwas höher halten und Löcher in den Sternenhimmel schießen? Selbst der wegrennende sichtbar unbewaffnete Heiko war nie eine Gefahr für die Grenzer.
Und diesbezüglich meine ich, ist es unerheblich aus welchem Anlass die Jungen türmen wollten. Das war auch nie der Streitpunkt.

Was Balu mächtig erschüttert, sind die falschen Äußerungen Jahre später im Radioreport. Der Sprecher macht sensationshaschend mehr und ein Eberhardt Otto (Oetten) offenbar auch.

Das Gute an diesem Thread ist: Er hat aufgeklärt und bewirkt, dass Balu nun endlich doch noch den Radiomitschnitt hörte und das Skript dazu lesen konnte.
Selbst wenn es bei ihm erneut Wunden aufreißt, wird er gestärkt daraus hervorgehen.
Somit hat sich aus meiner Sicht des Rafimos Beharrlichkeit ausgezahlt. Wirklich Schuldige sind benannt und Anregungen zum Nachdenken gab es zur Genüge.

Uns allen wünsche ich ein besseres offenes Forum!

Gruß Volker


ich frage mich wiederholt, wie du zu dieser aussage kommst.
mit jungen möchtest du gern kinder suggerieren und dass ist falsch vz.

beschriebenes postenpaar hat ohne anruf und warnschuss gehandelt und dass war ihr vergehen.
ich kann mir nicht vorstellen, dass einer der zwei nach anruf und warnschuss weitergelaufen wäre,
was ne spekulative vermutung meinerseits ist.

was ich jedoch klarstellen möchte, für derartige vorfälle gab es keinerlei ausbildung oder vorbereitung. keine grenzer erwartete damals zwei 15 jährige, was natürlich heute nichts entschuldigt.
bei der vergatterung wurden aktuelle fahndungslisten verlesen, bei denen auch mal erwachsene mit kindern erwähnt wurden.


vs
vs1400
 

Re: DDR-Grenzer tötet 15jährigen mit Rückenschuß

Neuer Beitragvon Balu » 3. März 2014, 05:19

Hallo vs,

Was ich erhofft hatte?
Nach so länger Zeit etwas mehr Ehrlichkeit der beiden Schützen? Das sie sich dazu bekennen wie es wirklich war und zu ihren Fehlern in dem ganzen Drama stehen?
Nochmal vs, ich war und bin weder Richter noch Racheengel und mir ging es nicht primär um eine gerichtliche Strafe für die Beiden! Mir ging es um die Wahrheit und die Anerkennung der begangenen Fehler durch die Beiden. Um die Anerkennung der Tatsache das ich sehr wohl im Schußfeld der beiden war und nur durch die Tatsache verschont blieb das ich in einer Senke lag und dort liegen blieb. Und um so etwas wie eine Entschuldigung von Ihnen. Aber das alles wurde mir versagt. Lies Dir die Aussage von Albrecht in dem Interview von Spiegel Tv durch welches in "Lange Schatten" zitiert wurde. Den gleichen Blödsinn hat er sinngemäß auch vor Gericht abgegeben...

Gruß Balu
Balu
 

Re: DDR-Grenzer tötet 15jährigen mit Rückenschuß

Neuer Beitragvon augenzeuge » 3. März 2014, 08:40

vs1400 hat geschrieben:
Volker Zottmann hat geschrieben:Die Sicht war noch so gut, dass die Jungen als solche erkannt werden konnten. Gruß Volker


ich frage mich wiederholt, wie du zu dieser aussage kommst.
vs


Die Antwort steht doch im folgenden Satz.
Zitat:"Immerhin haben sie, noch bei 30 m bis zu den Grenzern und den weiter dahinter stehenden Streckmetallzgrenzzaun deutlich sehen können. "

AZ
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Re: DDR-Grenzer tötet 15jährigen mit Rückenschuß

Neuer Beitragvon Edelknabe » 3. März 2014, 08:55

Gute Schilderung dieser deiner Zeit danach Balu und ich musste da gestern an einen Jungen aus dem Leipziger Osten denken, den ein Freund aus dem Haus und ich(wir so 14 Jahre jung? ) ne ganze Weile oben auf unserem Dachboden(Übernachtung wurde von meinen Eltern geduldet)versteckt haben(logo "Kost und Logie frei").

Also der hatte dieselben Probleme wie ihr. Die schöne Geschichte steht hier irgendwo. Nach paar Tagen war leider Schluss mit lustig und Abenteuer ,kamen spät Abends zwei Taschenlampen und dahinter die Volkspolizei. Mein Vater hatte mich vorher nie angerührt, eher meine Mutter und das permanent. An dem Abend war dann alles anders, auch unsere Bude auf dem Dachboden wurden wir los.Die VP beschränkte sich auf ne Rüge an der Wohnungstür, von dem Jungen hatte ich anschließend nie wieder was gesehen noch gehört.

Das Ganze hat mich damals stärker getroffen als die Schläge meines Vaters, gerade weil das in dem pubertären Alter ein toller Freiraum war mit Bett,Tisch, Stuhl und Kommode und Sammlung vom Filmspiegel und dem Magazin, aus denen dann die nackten Schauspielerinnen und anderen Schönen unter die Glasplatte von der Kommode kamen.

Rainer-Maria einen guten Tag allen ins Forum.
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Re: DDR-Grenzer tötet 15jährigen mit Rückenschuß

Neuer Beitragvon Edelknabe » 3. März 2014, 12:38

Mal noch paar Fragen Balu weil mich das interessiert. Hatte der Heiko eigentlich Geschwister, hast du Geschwister(Namen, Anzahl uninteressant, Geschlecht auch nur eben ja oder nein)und wie jung waren der Mayer und Albrecht eigentlich zum damaligen Zeitpunkt eures Aufeinandertreffens?(nur wenn es dir bekannt sein sollte)

Rainer-Maria
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Re: DDR-Grenzer tötet 15jährigen mit Rückenschuß

Neuer Beitragvon Balu » 3. März 2014, 13:10

Hallo Rainer,

Heiko hatte noch eine ältere Schwester, sie war Mamas ganzer Stolz, eine absolute Streberin in der Schule. 10. Klasse mit "sehr gut". Sie war zwei oder drei Jahre älter.

Ich hätte eine große Schwester gehabt, ungefähr im selben Alter. Aber sie starb im Alter von drei Monaten. Ich blieb leider ein Einzelkind.

Wegen Albrecht und Meyer musst Du Dich bitte etwas gedulden. Ich habe deren Daten nicht im Kopf und muß nachschauen wenn ich von der Arbeit nach Hause komme.

Gruß Balu
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Re: DDR-Grenzer tötet 15jährigen mit Rückenschuß

Neuer Beitragvon Balu » 3. März 2014, 15:24

Nachtrag für Rainer:

Albrecht war 20 und Meyer war 23.

Gruß Balu
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Re: DDR-Grenzer tötet 15jährigen mit Rückenschuß

Neuer Beitragvon Volker Zottmann » 3. März 2014, 17:10

Ich frage mal den Rainer, warum er sich dies nicht im Thread selbst anliest. Das steht doch alles schon geschrieben. (Rafimo schrieb über die Behandlung der Angehörigen, also Heikos Muter und dessen Schwester, sowie über die Verhandlung mit den Angeklagten)

Gruß Volker
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Re: DDR-Grenzer tötet 15jährigen mit Rückenschuß

Neuer Beitragvon Edelknabe » 3. März 2014, 18:20

Danke erstmal Balu, mich interessiert immer so der ganze Familienkram im Hintergrund weil der Mensch eben niemals ohne irgendwelche Gründe loslegt, um was Negatives oder Positives oder irgend etwas dazwischen auf die Beine zu stellen. Zugegeben, das war jetzt nicht sehr treffend ausgedrückt, kommt aber sinngemäß hin. Also im Klartext, mit Hintergrundwissen komm ich auf des Rätsels Lösung warum, wieso und weshalb?

Und Volker, ich wollte jetzt nicht noch einmal den Fred von vorne durchlesen, ich bin zugegeben auch manchmal recht faul. Balu ist momentan greifbar also frage ich Ihn, im übrigen mag ich seine im gereiften Alter recht unkomplizierte Art weil mich das an etwas an meine eigene Nase erinnert, die Vergangenheit eben nicht wie du zu sehen. Der war gut was Volker....jetzt überlegst du bestimmt...?

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Re: DDR-Grenzer tötet 15jährigen mit Rückenschuß

Neuer Beitragvon Spartacus » 3. März 2014, 18:24

Mir ging es um die Wahrheit und die Anerkennung der begangenen Fehler durch die Beiden.


Da hast Du die Kernaussage getroffen, nicht nur für Dich persönlich, sondern in der Konsequenz auch für das Forum.

Danke für Deine Berichte und ich halte mich in Zukunft ein bisschen zurück, denn hier hast Du das sagen.

LG

Sparta


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Re: DDR-Grenzer tötet 15jährigen mit Rückenschuß

Neuer Beitragvon Danny_1000 » 3. März 2014, 18:48

Balu hat geschrieben:...Hallo Danny

Eigentlich gibt es da nichts wirklich spektakuläres zu berichten. Entgegen anderer Geschichten von anderen "Straftätern" wurde ich von allen Beteiligten aus den Reihen des MfS recht anständig behandelt.
Die erste Nacht war etwas anstrengend. Zuerst wurde ich in der Kompanie vernommen, nachdem ich mich ausziehen mußte und eine Kleidungsstück- und Körperkontrolle über mich ergehen lassen mußte. Irgendwann später wurde ich dann von der Kompanie nach Wernigerode gebracht. Dort kam eine zweite Vernehmung. Danach lernte ich zum ersten mal einen Gefangenentransporter von innen kennen. Die Dinger waren echt nichts für Leute die unter Klaustrophobie leiden. In dem Ding wurde ich noch in der selben Nacht nach Magdeburg gebracht. Dort durfte ich duschen, bekam eine Gefangenenkluft verpasst und durfte zur nächsten Vernehmung. Während dieser Vernehmung gab es dann auch endlich was zu futtern und eine Tasse Pfefferminztee dazu. Danach durfte ich ein klein wenig schlafen. Am nächsten Tag ging es wieder " in die grüne Minna" und auf den Weg in mein zu Hause für die nächsten knapp fünf Monate - den "Roten Ochsen" in Halle \S.
Ein paar Tage allein in einer Zelle, danach wechselnde "Untermieter". Am Mittwoch oder Donnerstag nach meiner Verhaftung bekam ich auch endlich meine Brille wieder die ich ja in dem UAZ auf dem Weg zur Kompanie verloren hatte. Danach hörten endlich meine Kopfschmerzen auf.
Die Vernehmungen waren ganz ok, ich hatte ja auch keine Geheimnisse die ich zu verschweigen versuchen mußte. Mir wurde völlig rechtswidrig sogar vor meinem 16. Geburtstag das Rauchen gestattet. Ich bekam meine Zigaretten ausgehändigt welche ich bei meiner Verhaftung im Gepäck hatte und zu jeder Vernehmung gab es eine Schachtel Semper auf Kosten des Volkseigentums. [grins]
Mit dem Geld das ich bei mir hatte durfte ich "einkaufen" und mein erster Zellengenosse brachte mir bei mit Blättchen und losen Tabak zu überleben.
Ob es Zufall war oder auch nicht, auf jeden Fall bekam ich als Pflichtverteidiger einen Anwalt aus Leipzig um den mich wohl jeder Insasse in der verbotenen Sektion des Ochsen beneidet hätte. Ich habe seinen Namen vergessen, aber er arbeitete damals mit dem berühmten Dr. Vogel zusammen. Aber konnte auch nicht dafür sorgen das ich zwei Jahre bekam. Ein Jahr Freiheitsstrafe für den versuchten ungesetzlichen Grenzübertritt im schweren Fall, so lautete das Urteil. Danach blieb ich noch ungewöhnlich lange im Ochsen. Vermutlich hätten die mich am liebsten das ganze Jahr dort behalten, damit ich auf keinen Fall mit anderen Jugendlichen reden kann. Aber Anwalt hatte irgendwann Stress gemacht und so kam ich dann in die Jugendstrafvollzugsanstalt nach Dessau. Das erste dort war eine Belehrung des dortigen MfS Menschen das ich den wahren Grund meiner Verurteilung zu verschweigen hatte. Ich wurde von ihm kurzer Hand in einen Kfz Dieb umfunktioniert. Irgendwann kam aber die Wahrheit raus, ich weiß bis heute nicht wie. Auf jeden Fall machte mich die Tatsache das ich die Jungs dort belogen hatte nicht wirklich beliebter...
Ich begann dort eine Lehre zum Montageschlosser. Mitte August hieß es plötzlich mitten in der Nachmittagsfreizeit auf dem Hof: "Fleischhauer, Sachen packen, Du gehst nach Hause"!
Mein Vater war da wohl dem Staatsanwalt so lange auf den Zeiger gegangen bis der einer vorzeitigen Entlassung zugestimmt hatte. Der Grund dafür war das ich kein weiteres Jahr verlieren sollte. Wäre ich im Dezember raus gekommen hätte ich weder die Schule weiter machen können noch eine richtige Lehre beginnen, da es dafür ja feste Termine Anfang September gab. In die Schule wollte ich nicht zurück und eine große Auswahl für einen Abgänger der 8. Klasse gab es zu dem Zeitpunkt nicht mehr. Neben Abfüller in der Brauerei, Ausbaumaurer, Industriemaler stand noch der Chemiefacharbeiter zur Auswahl. Für den habe ich mich dann entschieden, weil der wenigstens noch nach etwas vernünftigen klang.

Gruß Balu

Hallo Balu,

herzlichen Dank für die ausführliche Schilderung, die ich, wie deine anderen, mit großem Interesse gelesen habe. Das hat eigentlich zwei Gründe. Zum Einen hatte ich nach der Wende einen Arbeitskollegen – einen sehr netten und hilfsbereiten Menschen - welcher auch im jugendlichen Alter bei einem Fluchtversuch –allerdings nicht mit so dramatischen Folgen wie bei dir – geschnappt und in der Folge zu knapp 2,5 Jahren verurteilt wurde. Wir haben uns damals öfters darüber unterhalten. Genauer gesagt: Ich habe ihm zugehört und war schon mehr als erstaunt, warum der nach der Wende mit den DDR- Behörden ähnlich milde umging wie du in deinen Schilderungen. Bei meinem Kollegen waren es wohl die zeitliche Distanz zu dem Geschehen (auch in den Siebzigern) und die Fähigkeit, ganz einfach zu vergeben. Später habe ich ihm dann bei der Beantragung seiner Opferpension geholfen.

Für mich war diese Bekanntschaft damals kurz nach der Wende insofern ein einschneidendes Erlebnis, weil es mir meine Einstellung von damals als Grenzer in Berlin in die Erinnerung zurück holte. Edelknabe hat das ja recht gut beschrieben so in etwa: Wer da von Ost nach West die Grenze illegal überqueren will, sind Feinde des Sozialismus oder Kriminelle. Zu meiner späten „Ehrenrettung muß ich sagen: Diese meine damalige Einstellung zu dem ganzen Grenzkram wurde insbesondere auch durch den Doppelmord an 2 Grenzsoldaten durch einen gen Westen geflüchteten NVA- Soldaten (1975 - Weinhold) maßgeblich mit geprägt.

Mit großem Interesse habe ich deine Schilderungen auch deshalb gelesen, weil sie hier im Forum doch recht kontrastreich zu den Darlegungen anderer Opfer des DDR- Systems stehen. Nein, mir geht’s nicht darum, DDR- Unrecht ein bisschen reiner zu waschen und die Schilderungen anderer hier in Zweifel zu ziehen. Das will ich nicht und habe mich auch deshalb kaum bisher an solchen Diskussionen mit Unrechtsopfern beteiligt. Die endeten meistens in beiderseitigen, persönlichen Beleidigungen und mit dem rechtmäßigen Rauswurf des DDR- Opfers, welches sich mehr als nur permanent im Ton vergriffen hatte. Mir widerstrebt es allerdings auch, die DDR in Gänze hier als den Hort des Bösen schlechthin und wenn das nicht reicht, noch schlimmer als das darzustellen.

Du bekommst das nach meiner Meinung hier ganz gut hin, anhand deiner Erlebnisse einen sehr interessanten Diskussionsstrang zu gestalten und gleichzeitig mein Geschichtsbild über dieses recht traurige Thema zu vervollkommnen.

So viel Lob hat dann natürlich auch seinen Preis: Wäre ich jetzt ein Schuldirektor, hätte ich dich gebeten, vor einer meiner Klassen mal über deine Erlebnisse in und nach der DDR zu berichten. Vielleicht liest ja hier einer mit.
Da ich das aber nicht bin, erlaube ich mir noch eine Frage: Bei dem Prozess in den Neunzigern gegen die beiden Todesschützen bis du ja mit dem Gericht weit weniger milde umgegangen.

Was ich nicht zusammen bringe: Da stehen die beiden Täter vor einem Richter aus dem Westen. Der geht mit denen recht milde um und schenkt dir als Nebenkläger nicht die gebührende Aufmerksamkeit.
Meine Frage: Kann man denn irgendwo im Netz etwas über den Prozess nachlesen ? Und gibt’s diese Radioreportage "Lange Schatten" noch irgendwo ? Meine intensive Suche über Tante Google blieb leider erfolglos.

Nochmals herzlichen Dank für deine geduldigen Ausführungen !

Gruß
Danny
Ich mag verdammen, was du sagst, aber ich werde mein Leben
dafür einsetzen, dass du es sagen darfst !
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Re: DDR-Grenzer tötet 15jährigen mit Rückenschuß

Neuer Beitragvon Volker Zottmann » 3. März 2014, 19:14

Hallo Rainer,
wir wissen alle inzwischen, dass Du hier der Schulterklopfer bist, allerdings klopfst Du immer nur Deine eigenen. [flash]

Gerade um sich mit Etwas auseinander zusetzen, Du schreibst ja selbst, dass Interesse Deinerseits vorhanden ist, tut es sehr gut, Altes nochmals zu lesen und womöglich nun anders zu bewerten.

@all

So Manchem im Forum müsste nun doch mal ein Licht aufgehen:
Des Anwalts Beharrlichkeit war es, die diesen besonderen Thread vorwärts und in diese im Ergebnis gute Richtung brachte.
Wenn ich es richtig sehe, so wurde nun neben dem Nachwende-Gerichtsverfahren doch bestätigt, was @rafimo einst ansprach, nämlich die gewisse Mitschuld der Grenzer. Wir wissen nun, auch von Balu bestätigt, (ähnlich stand es auch in den Stasiakten) dass trotz Tristesse, schlechtem Wetter mit Nieselregen und unter Beachtung der Uhrzeit eine Sicht von gut 100m bestand. Dass ein Jugendlicher mit 180cm Körpergröße nicht mehr als Kind wahrgenommen wird ist unbestreitbar, aber die beiden Grenzer sahen auch, dass eben keinerlei Bewaffnung mitgeschleppt wurde.
Es war also völlig unnötig 57 Schuss abzufeuern.
Einer scheint an der Tat reuige Mitschuld zu empfinden. Der zweite nicht.
Ebenso sind die jungen Kerle auch vor der Einberufung "gestrickt". Selbst wenn da noch kein Nachdenken bei jedem spürbar vorhanden war, so sollte doch dieses in jenem Moment, den der Edelknabe dem @Balu beschrieb, aufkommen. Nämlich beim Anblick der Grenzanlagen. Wer dabei nicht begriff, dass die ganze Angelegenheit gegen die eigenen ausbrechenden Bürger gerichtet war, dem kann auch ich nicht helfen.

So blieb auch meine Frage hier an den Edelknaben unbeantwortet. Er musste doch als Mineninstallateur sehen, auf welcher Seite die hingen. Das beweist, was damals zu oft, fast immer geschah. "Es wurde zu oft gesagt: "Mir wird schon hoffentlich keiner in die Quere kommen!".
Sich dort damit auseinanderzusetzen, was ich wohl machte, wenn einer käme, ist vielen jungen Grenzern offenbar selbst nicht in den Sinn gekommen und hat schließlich auch ihr Verderben begründet.

Eine Seite zuvor forderte ich die Zweifler und besonders die, die Rafimo, den Bergmenschen und mich zu Selbstdarstellern degradierten, auf, hier nochmal gründlich zu lesen. Gründlich, mit Verstand und unvoreingenommen....

Gruß Volker
Volker Zottmann
 

Re: DDR-Grenzer tötet 15jährigen mit Rückenschuß

Neuer Beitragvon Edelknabe » 3. März 2014, 19:42

Siehe Volker mit:

"So blieb auch meine Frage hier an den Edelknaben unbeantwortet. Er musste doch als Mineninstallateur sehen, auf welcher Seite die hingen. Das beweist, was damals zu oft, fast immer geschah. "Es wurde zu oft gesagt: "Mir wird schon hoffentlich keiner in die Quere kommen!".

Volker, da würde ich jetzt als der Installateur der Mine (der mit dem klaren Feindbild von damals)antworten. Wenn also die Mine (die Splittermine 70 der Anlage 501)feindwärts montiert worden wäre, dann wäre es für den Pionier der Bundeswehr ein Leichtes gewesen, für den Ernstfall ne Gasse zu schaffen(für die Infanterie)Und bitte jetzt keine Vorträge von Militäriefans das ein, hunderte Panzer...keine Gasse gebraucht hätten, denn so doof....also das weiß ich selber.

Also nochmal zum mitschreiben, auch im Krieg verminte der Pionier das Gelände vor der Hauptkampflinie...und zwar dafür,damit seine eigene Truppe in der Nacht vor Überraschungen verschont blieb. Was machte also der Feind? Der schickte entweder seine eigenen Pioniere, um klammheimlich und leise zu entminen oder schoss die Minenfelder in Schutt und Asche.

Und jetzt immer von der Denke her....es herrschte damals die Zeit des"Kalten Krieges" verdammt nochmal.Zwischen Ost und West. Das nur für Alle Gutmenschen hier.

Rainer-Maria und bitte...nicht mit der Denke von Heute..."der doch so überreifen, demokratisch Aufgeklärten"
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Re: DDR-Grenzer tötet 15jährigen mit Rückenschuß

Neuer Beitragvon vs1400 » 3. März 2014, 22:13

hi Danny,
die radioreportage hab ich leider nicht gefunden, doch ne komplettmitschrift der sendung als pdf ... SWR2 FEATURE, welches nicht weniger informativ ist.

gruß vs [hallo]

ps.: gutes post deinerseits.
vs1400
 

Re: DDR-Grenzer tötet 15jährigen mit Rückenschuß

Neuer Beitragvon Balu » 3. März 2014, 22:28

Informativ inkl. ein paar Lügen. :(
Balu
 

Re: DDR-Grenzer tötet 15jährigen mit Rückenschuß

Neuer Beitragvon Volker Zottmann » 3. März 2014, 22:48

vs1400 hat geschrieben:hi Danny,
die radioreportage hab ich leider nicht gefunden, doch ne komplettmitschrift der sendung als pdf ... SWR2 FEATURE, welches nicht weniger informativ ist.

gruß vs [hallo]
ps.: gutes post deinerseits.


Warum musst Du Dich mit fremden Federn schmücken? Die Info habe ich im Namen des gesperrten User Rafimo eingestellt!

Siehe hier:

Beitrag von Volker Zottmann » 28. Februar 2014, 14:00

Lieber Uwe Fleischhauer,
nach Rücksprache mit Rafimo, dem Anwalt aus Moers, kann Deine Frage zur .....
Rafimo:

den Link zu der Sendung bzw. zum Manuskript kann er hier finden:

http://www.swr.de/-/id=10481128/propert ... 121128.pdf



Gruß Volker
Volker Zottmann
 

Re: DDR-Grenzer tötet 15jährigen mit Rückenschuß

Neuer Beitragvon Zicke » 3. März 2014, 23:02

Volker Zottmann hat geschrieben:Warum musst Du Dich mit fremden Federn schmücken? Die Info habe ich im Namen des gesperrten User Rafimo eingestellt!

@VZ
halte dich einfach an den Aufruf von Pentium " Wie verhalte ich........, du musst hier nicht DEINEN Moerser Liebling als den Allerheiligen anpreisen, diesen Link findet man bei der Tante.

darum auch von mir
http://www.swr.de/-/id=10481128/propert ... 121128.pdf
Zicke
 

Re: DDR-Grenzer tötet 15jährigen mit Rückenschuß

Neuer Beitragvon Volker Zottmann » 3. März 2014, 23:16

Hallo Zicke,
Begrab doch einfach mal die Streitaxt. Hier braucht nicht mehr gefrotzelt werden.
Es ist doch nicht zu übersehen, dass seit Tagen hier echte klärende Beiträge eingestellt wurden. Da ist es wirklich nicht nötig, da ja alle User selbst lesen können, immer wieder bereits gerade Geschriebenes nochmals als eigenes Tun aufzufrischen.
Auch an Dich waren meine Worte gerichtet, ohne Dich explizit zu benennen. Haben denn nicht so gut wie alle Aussagen Rafimos ins Schwarze getroffen?
Da ist es unerheblich wessen Freund er ist.

Gruß Volker
Volker Zottmann
 

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