Kommentar
Die vorliegende Chronologie fasst die in der ab Oktober 1997 öffentlichen deutschen und französischen Diskussion um das Schwarzbuch geäusserten Daten zusammen. Dabei kommen historisch wertvolle Details zum Vorschein. Es war nicht nur die Zarenherrschaft Russlands, die im Vergleich zum Kommunismus beinahe unblutig verlief, sondern die Chronologie zeigt für jeden Leser/jede Leserin verständlich auf, dass schon im 19. Jh. die Marxisten sich einen Weltkrieg erhofften, um - im Mythos der französischen Revolution - die Welt ein weiteres Mal in das Blut und Elend einer Revolution zu stürzen.
Juden wurden zu der Zeit bereits als "Waffe" der Demagogie gebraucht. Durch Lenins Brutalität wurde schliesslich die "Revolution" der "Diktatur des Proletariats" in einem Agrarstaat vollzogen, in dem noch kaum ein Proletariat existierte, somit also ein verbrecherischer Umsturz gegen die Bevölkerung vollzogen, die die Revolution eigentlich zu vertreten vorgab.
Der weitere Ablauf der Daten zeigt vor allem die unterschiedliche Entwicklung des Bewusstseins im kapitalistischen bzw. kommunistischen Bündnis. Den 2.Weltkrieg als Auseinandersetzung zwischen Nationalsozialismus und Kommunismus zu begreifen, ist ein Teil. Die 1945 folgende Zeit aber als eine Zeit zu begreifen, in der sich das kollektive Bewusstsein des West- und des Ostblocks radikal spaltet, ist ein anderer, neuer Aspekt. Und diesbezüglich sind die Menschen des einstigen Westblocks dringend aufgefordert, ihr Bewusstsein zu erweitern und den Kommunismus - auf seine Art - als ein mindestens so kriminelles Regierungssystem anzuerkennen wie den Nationalsozialismus.
Das Wunschbild des Kommunismus als "Befreier" von 1945 muss umgestossen werden. Von diesem Bild müssen sich die Historiker "des Westen" endlich lösen, um die ganze Dramatik dessen zu begreifen, was die Menschen unter dem Kommunismus erlitten haben. Massenmord und Massendeportation als Mittel zur "Disziplinierung" blieben nach 1945 Mittel wie die Ausraubung der ehemals weit entwickelten osteuropäischen Staaten, die bis heute - trotz Glasnost und Perestroika - noch kaum überwunden ist, ganz zu schweigen davon, dass Moskau diesen Raub eigentlich entschädigen müsste, was aber bisher nicht einmal erwogen geschweige denn zu fordern gewagt wird.
Die Ursachen, wieso ab 1945 ein verbrecherisches System wie der Kommunismus in bedeutenden Kreisen Westeuropas über 50 Jahre lang als "Befreier" gefeiert werden konnte und trotz der veröffentlichten Aufklärung keine Korrektur des westlichen Nachkriegs-Geschichtsbilds erfolgte, wurde in der Öffentlichkeit bisher kaum erörtert. Vor allem aber fehlt die Umsetzung in Politik und Justiz.
Der nach der Veröffentlichung des Schwarzbuchs immer wieder vorgebrachte Einwand der "guten Idee", die als Entschuldigung aller Verbrechen der kommunistischen Regime dienen soll, erscheint nicht nur als simplifizierende Erklärung, sondern Massenmord im Namen einer "guten" Utopie ist sogar verbrecherischer als Massenmord im Namen eines offenen Rassismus, und zwar deswegen, weil der Massenmord im Namen "des Guten" kaschiert wird und von Nicht-Wissern ideologisch länger toleriert wird, was ja auch geschehen ist. Die französische kommunistische Partei spielt in dieser Verharmlosung gemäss Datenlage eine besonders üble Rolle.
Betreffs Aufarbeitung des Kommunismus befindet sich die Forschung erst am Anfang einer neuen Epoche. Allein dass die russischen kommunistischen Kader ab 1989 ihre Sessel nicht räumen mussten, sondern unter demokratischem Namen ihre Egoismen weiter ausleben können, ergibt den Eindruck, dass auch in Russland grosse Wellen der Aufklärung erst noch bevorstehen. Dasselbe gilt auch für die 1945 aus der Diskussion ausgeschlossenen Gruppen der verstümmelten indianischen Kulturen der "USA" sowie für das Miteinbeziehen des GULAGs in die Holocaust-Bilanzen. Die justiziare Verfolgung von Kommunismus und seiner Verherrlichung erscheint wünschenswert, der Mittelweg sozialer Marktwirtschaft im Rahmen der Menschenrechte förderungswürdig.
Michael Palomino
30.Januar 2001 / März 2005
Es gibt zum Thema bereits eine ganze Anzahl guter Publikationen und ich meine damit nicht das Schwarzbuch ......
Man muß sich halt nur wirklich dafür interessieren und nicht nur drüber schwätzen weil einem der Tag im Sessel lang wird ......



Nov65 hat geschrieben:Ja, ich hatte mal PN-Verkehr mit dem @Nostalgiker,
dessen Geist (ob nur der?) noch im Forum umgeht.
Er empfahl mir damals das Buch von Jörg Baberowski °Verbrannte Erde °Stalins Herrschaft der Gewalt, C.H. Beck-Verlag. Es behandelt vorrangig die furchtbare Mordspur Stalins, aber auch die Bluttaten Lenins. Ein Satz prägte sich mir ein: "Der rote Terror ging dem weißen voraus." Gemeint war die Zeit der Bürgerkriege. Damals stand Lenin auf der obersten Treppe der Bolschewiki.
Weiter..."denn das Vokabular der Bolschewiki kam nicht aus dem Wörterbuch des gelehrten Marxismus, sondern aus dem Handbuch der Gewalt."
Solche Zitate aus dem Buch und Belege für die Schuld Lenins könnten hundertfach kommen.
Andreas
Edelknabe hat geschrieben:Ihr Beiden wisst, das der Rainer nur einfache POS-Schulbildung hatte und dann noch dazu nur Halbtags...weil, Schulschwänzen war auch schon zu DDR-Zeiten zwar keine feste Größe wie heute aber schon mal drin, auch ohne das es größere Konsequenzen gab.
Rainer-Maria und vielen Dank für eure Texte Sparta und Pentium

pentium hat geschrieben:Wo stecken wieder die Verschwörungstheoretiker, wenn man sie braucht?
mfg
pentium

pentium hat geschrieben:Huntington lag mit seiner Analyse in "Kampf der Kulturen" richtig.Er sah eine Russisch-Orthodoxe Kultur auf der einen und eine Europäisch-Westliche auf der anderen und die Trennzonen verlaufen genau durch die Ukraine.
mfg
pentium
das neue 1968 ? Rainer-Maria was willst du dem Forum da mitteilen.
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