LEGO hat geschrieben:Ich meine, hier zeigt sich doch deutlich, daß man doch nur - mit allen Mitteln - versuchen wollte, Fluchten zu verhindern.
Beim BGS und der Polizei lernte man, Personen "Angriffs- oder Fluchtunfähig" zu machen.
Die Zielscheiben, mit denen wir arbeiteten, stellten schematisch Menschen dar. Ziel der Übungen war es, Arme oder Beine zu treffen. Wurden andere Körperteile getroffen galt die Übung als nicht bestanden und mußte wiederholt werden.
Im Gegensatz dazu ist es Ziel der Ausbildung von Soldaten, den Gegenüber "Kampfunfähig" zu machen. Das heißt Treffen egal wo und sei es auf Dauerfeuer.
Also schießen bis die Scheibe umfällt.
Und genauso beschreiben hier die Ex-AGT ihre "Ausbildung" an der Waffe.
Wäre das Regime ein wenig humaner gewesen, hätte man vielleicht ein bißchen mehr Wert auf eine vernünftige Schulung an der Waffe gelegt. Vielleicht würde der ein oder andere an der Grenze Getötete dann heute noch unter uns weilen können.
(Aber auch ein Schießen auf Menschen, die nur ihre Freiheit wollen, auf Arme oder Beine ist an sich schon schlimm genug!)
Lego,
der Jäger, der auf der Kanzel sitzend, auf das Wild wartet, dass an das ausgelegte Futter will, hat schon mal den Vorsatz – heute Abend will ich dieses Stück erledigen. Er wird in Ruhe das Wild ansprechen, genau zielen, durch sein Zielfernrohr auch noch alles sehen und dann das Stück zur Strecke bringen.
Dagegen der Grenzer, der auf dem Turm an der Berliner Mauer saß.
Nach 20 Grenzdiensten zieht eine gewisse Routine ein, die erste Aufregung ist weg, dieses Aufziehen an die Mauer ist zur Normalität geworden. Also sitzt man da auf seinem Turm und unterhält sich, schaut in seine Richtung und die Konzentration lässt doch nach, da man ja nicht der „Jäger“ ist, der nun heute Abend...
Der Normalfall war doch auch da – es kommt keiner! Und es kam auch keiner, wie viele der Grenzer, die im Laufe der Zeit dort dienen mussten oder auch wollten, hat den einen Grenzdurchbruch bei sich aktiv erlebt?
Aber wenn denn einer kam oder wenn auch nur irgend eine Signalzaunauslösung erfolgte, dann schoss doch das Adrenalin in die Blutbahn, dann zitterte man, vor Aufregung, vor Angst, vor dem was nun kommen sollte... Da nutzt auch die beste Ausbildung an der Waffe nichts – da flattert man nur noch. Außer vielleicht einige wenige ganz Abgebrühte, die eiskalt dann gewesen sein sollen. Solche habe ich nicht erlebt. Selbst bei simplen Festnahmen im Hinterland waren die Grenzer, die ich kennen gelernt habe, aufgeregt.
Und nun sitzen da 2 auf dem Turm und da rennt in 200 Metern Entfernung nun einer zwischen Hinterlandszaun und Mauer, im Zwielicht oder noch schlimmer, in dem schmalen Schein der Lichttrasse... wer will da sagen, dem schieße ich in das Bein? Der soll mir dies mal zeigen, mit der AK 47, unter den Bedingungen... in der Nervosität..
Alles Theorie, die Realität sah anders aus, eben so, dass einem dann der Arsch auf Grundeis ging und man da nur gut und unbeschadet rauskommen wollte.
Ich kann es nur noch einmal wiederholen, wir, die da oben gesessen haben, sind so beschis... worden, man hat uns erzählt, im Himmel sei Jahrmarkt und wir Idioten haben die Leiter geholt... Zumindest was meine Zeit 70 /71 betrifft. Die Leute, die uns damals so scharf gemacht haben, die hätte man zur Verantwortung ziehen müssen, diese „Aufhetzer“ und Einpeitscher. Was hat mich als Rüganer, ohne Westfernsehen, mit Radio Luxemburg auf Kurzwelle, gerade ausgelernt, irgendwelche Politik interessiert? Ich wollte meine 18 Monate abreißen und dann studieren, eine Freundin haben, Geld verdienen, mir ein Motorrad kaufen...
Gut, wer denn heute zu mir sagt, du hättest doch feststellen müssen, wie herum der Draht auf dem Zaun war, dem muss ich sagen – dies hat mich damals einfach nicht interessiert, die werden sich schon was dabei gedacht haben... Und dass man da in Berlin auch erschossen werden kann, das hatte sich auch schon bis Rügen herumgesprochen, deswegen mussten die Fischer hier ihre Boote sichern, weil man lieber über die Ostsee abhauen wollte.
Und – nochmals, über all dem hing das böse Wort „Schwedt“ und je geheimnisvoller und mystischer man es machte, desto mehr schüchterte man die Leute, die ihre 18 Monate abreißen mussten, damit ein. Keine klaren Regeln haben damals ein Klima der Unsicherheit geschaffen, also hat Grundwehrdienstgrenzer alles versucht, da unbeschadet wieder rauszukommen.
Also ich habe auch nur diese Schulübungen mit der AK 47 mitgemacht, spezielles gab es nicht. Ich war nie an irgend einer Lehrgrenze oder bin auch niemals mit irgendwelchen speziellen Dingen vertraut gemacht worden, die die Grenze betrafen. Irgendwer muss uns einmal mit den Bezeichnungen auf den Fahrzeugen der Amerikaner vertraut gemacht haben, denn in meinem Handbuch habe ich dazu etwas handschriftlich vermerkt, mehr aber nicht.
Ich befürchte fast, ich hätte mit meinem einen Verbandspäckchen in der Uniform, auch niemals erste Hilfe leisten können, wenn dieser Fall eingetreten wäre... auch fehlende Ausbildung..