Das verlassene Kinderheim

Aufarbeitung und Schlußfolgerungen

Das verlassene Kinderheim

Beitragvon Interessierter » 5. April 2021, 10:05

Wie bereits angekündigt war es letzte Woche mal wieder soweit. Ausflug ins Nichts. Kleine verwinkelte Dorfstraßen, die mich als Städter total wahnsinnig und mir Angst machen. Jetzt bloß kein Gegenverkehr… und immer wieder das „wo zur Hölle sind wir denn?“. Zum Glück war es früh und wir beide noch ziemlich gut gelaunt. Nach einer gefühlten Ewigkeit erreichen wir laut Navi das Ziel. Parkplätze gibt es und wir beschließen das Gelände erstmal zu umlaufen, um die Umgebung kennenzulernen. Es gibt viele Anwohner, mehr als gedacht, leider auch „mitten“ im Gelände und da es recht warm ist arbeiten viele im Garten. Schlechte Vorraussetzungen. Wir finden einen öffentlichen Weg hinein, da es in einigen Gebäuden offenbar noch Gewerbe gibt. Das charakteristische Gebäude mit den Türmchen und der Uhr scheint nicht begehbar zu sein. Viel zu verrammelt und da wo man eventuell könnte wird man definitiv gesehen. Frust macht sich breit. Einer der direkten Anwohner beschallt das halbe Dorf mit Hitradio RTL.

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Im hinteren Gelände entdecken wir bei einem Gebäude eine offene Tür. Erleichterung. Es ist staubig aber noch recht gut erhalten. Es hat einen Schulgebäudecharakter. Wie fast immer arbeiten wir uns von unten nach oben oder versuchen es zumindest, denn der „kleine Keller“ entpuppt sich als verschachteltes Wunderwerk. Viele Räume, darunter Wasch- und anscheinend Schlafräume, sowie ein Schacht. Ein niedriger schmaler Gang ins Dunkel. Man sieht wirklich überhaupt nichts. Eine sehr starke gute Taschenlampe ist unumgänglich, wenn man sich nicht ständig den Kopf anrammeln, in Spinnweben laufen, ausrutschen oder stolpern will. Er führt in ein anscheinend anderes Gebäude. Ein Heizhaus? Es scheint kein Obergeschoss zu geben, nur noch mehr dunkle Ecken und Winkel. Wir schauen uns um und betreten schließlich den nächsten schmalen Gang. Es tropft, es ist nass und nicht ganz geheuer. Man hört ein Plätschern. Schließlich kommen wir in einen „Schlafsaal“. Nass-kaltes Katakombengewölbe mit Rohren an der Decke. Kleine Fenster nach oben machen nur sehr wenig Licht. Zwei Stühle und ein Tisch stehen vorn. Auf dem Tisch wurden Hakenkreuze und SS Symbole in den Staub gemalt. Dahinter 4 Metallbetten. Wir sind beide irritiert und irgendwie betroffen. Das hat hier keiner für Fotos oder ähnliches hier hin gestellt, das war wirklich. Zwar war das Heim für schwererziehbare Kinder und Jugendliche, aber sowas hat niemand verdient. Da möchte ich nicht Kind gewesen sein…

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Der Beitrag mit vielen weiteren Fotos geht hier weiter:
https://seelentrauma.wordpress.com/2014 ... nt-page-1/

Auch die Kommentare sind interessant zu lesen.
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Re: Das verlassene Kinderheim

Beitragvon Volker Zottmann » 5. April 2021, 11:25

Den Link benutzend, bin ich nach vielen Fotos auf das 45 Minuten Video zu den Jugendwerkhöfen gekommen.
Grausam, was allein in Torgau passierte, dass man bewusst einen Jugendlichen ohne einzuschreiten, zu helfen , im Arztzimmer hat ersticken und verbrennen lassen. Sehr glaubwürdig neben all den Zeitzeugen (Insassen) auch der Arzt, der von Spätfolgen aufgrund der Haft spricht.
Das System hatte mit Erziehung nichts zu tun, eher mit Unterwerfung und Zerstörung der Seelen der anvertrauten Jugendlichen.

Gruß Volker
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Der Große sieht ihn breiter, der Kleine leider nicht.
(Volker Zottmann)
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