Überwachte Wissenschaft

Aufarbeitung und Schlußfolgerungen

Überwachte Wissenschaft

Beitragvon Interessierter » 23. April 2020, 10:17

Am Ende des Zweiten Weltkrieges wurde eine Vielzahl von deutschen Wissenschaftlern in die Sowjetunion deportiert. Nachdem ihr Wissen "abgeschöpft" war, erfolgte die Rückführung in die neu gegründete Deutsche Demokratische Republik (DDR).

Die Geheimdienste beider sozialistischer Staaten hatten jeweils ein wachsames Auge auf Forscher. Bei einem Vortrag aus der Reihe "Forschung aktuell – Ergebnisse aus Stasiakten" stellte BStU-Mitarbeiterin Nadin Schmidt einige Erkenntnisse aus ihrem Dissertationsvorhaben zum Thema vor.

Unter dem Titel "Überwachte Wissenschaft" präsentierte Nadin Schmidt in einer Leipziger Veranstaltung Auszüge aus Ihren Forschungsergebnissen, die von einem Zwei-Phasen-Modell ausgehen. Die menschlichen Reparationsträger wurden in einer ersten Phase, die von 1945 bis 1950 andauerte, in die Sowjetunion deportiert, wo das wissenschaftliche Potential für die Sowjetunion abgeschöpft wurde. Die zweite Phase begann ab 1950. Ab diesem Zeitpunkt startete die Rückführung, die so genannte Repatriierung, in die DDR.

Beispielhaft dafür stehen die Schicksale der Wissenschaftler Walther Pauer, Nikolaus Riehl und Heinz Barwich. Alle arbeiteten direkt nach Kriegsende als Wissenschaftler für die UdSSR, Riehl und Barwich waren direkt am Atomprogramm beteiligt und wurden für ihre Erfolge sogar ausgezeichnet. Ab 1955 kehrten die drei deutschen Forscher nach Deutschland zurück und setzten ihre Karriere in der DDR und der BRD fort. Insgesamt wurden etwa 6.000 Personen, Wissenschaftler und deren Angehörige, in die Sowjetunion gebracht.

In der Sowjetunion angekommen, fanden sich die Wissenschaftler in einem "rechtsleeren Raum" wieder, in dem sie zur wissenschaftlichen Zwangsarbeit verpflichtet wurden. Die Rechtlosigkeit bedeutete jedoch nicht, dass sie unter elenden Verhältnissen leben mussten. Im Gegensatz zu den normalen sowjetischen Bürgern oder den deutschen Kriegsgefangenen lebten sie in einem Elfenbeinturm - dennoch überwacht und abgeschirmt vom sowjetischen Geheimdienst. Nur so konnte das Wissen der Deutschen maximal abgeschöpft und für eigene Projekte verwendet werden. Der Atombombenbau war nur eines der Projekte, an dessen Umsetzung die deutschen Wissenschaftler beteiligt waren.

Nach der erfolgten Abschöpfung des Wissens sollte die zweite Phase, die Repatriierung in die DDR einsetzen. Oftmals entzogen sich die Heimkehrer diesem Vorhaben durch Flucht in die Bundesrepublik. Wer blieb, den hatte das 1950 gegründete Ministerium für Staatssicherheit (MfS) permanent im Visier. Galten doch Wissenschaftler per se als potentielle Unsicherheitsfaktoren, und erst recht solche, die etliche Jahre Sowjetunion hinter sich hatten. Vor allem deren Westkontakte trachtete das MfS einzuschränken. Von "einer flächendeckenden Überwachung konnte jedoch noch nicht gesprochen werden", wie Schmidt festhielt. Um dennoch die Wissenschaftler für die Ideale der DDR zu gewinnen, wurden keine Mühen gescheut. Sie wurden mittels Wohnungen, Lehrstühlen, Mitgliedschaften in der Akademie der Wissenschaften und horrenden Gehaltszahlungen von bis zu 15.000 Mark hofiert.

Trotz solcher Privilegien setzten sich bereits 20 Prozent der Wissenschaftler direkt nach ihrer Ankunft in den Westen ab. Diesem Beispiel folgten im Verlauf der 50er Jahre weitere "Republikfluchten". Dadurch sah sich das MfS in seinen Befürchtungen bestätigt und verstärkte daraufhin seine Tätigkeit in Intellektuellenkreisen. Als besonderen Erkenntnisgewinn ihres Dissertationsvorhabens konnte Nadin Schmidt herausarbeiten, dass die Wissenschaftler nach ihrer Rückkehr für die DDR-Wissenschaft nur marginale Bedeutung besaßen. Durch den eingefrorenen Wissensstand von 1945 konnten sie vielfach nicht die erhoffte Modernisierung und Weiterentwicklung der DDR-Wirtschaft einleiten und enttäuschten damit die in sie gesetzten Erwartungen.

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Re: Überwachte Wissenschaft

Beitragvon HPA » 23. April 2020, 10:58

. Durch den eingefrorenen Wissensstand von 1945 konnten sie vielfach nicht die erhoffte Modernisierung und Weiterentwicklung der DDR-Wirtschaft einleiten und enttäuschten damit die in sie gesetzten Erwartungen


Sah man ja am Beispiel Brunolf Baade und die Baade 152 . Als die Gurke (basierend auf einem Junkers Bomber Konzept aus den 40igern) das erste mal abhob war sie schon hoffnungslos veraltet.
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