KORRUPTION V-Mann des V-Manns

Aufarbeitung und Schlußfolgerungen

KORRUPTION V-Mann des V-Manns

Beitragvon Interessierter » 24. November 2019, 14:04

Der oberste OK-Ermittler in Frankfurt/Oder arbeitete auch für Bordellmafia und KGB

Was war der Mann erfolgreich! Die Luden in Frankfurt/Oder und Umgebung zitterten vor Kriminalhauptkommissar Siegfried Schmidt, 51. Einen Zuhälterring nach dem anderen ließ der wackere Beamte auffliegen, ein Bordell nach dem nächsten dichtmachen – doch am frühen Morgen des 22. Mai wurde er selbst verhaftet.

Seine „enormen Erfolge im Kampf gegen das Rotlichtmilieu“ (so Chefermittler Oberstaatsanwalt Wolfgang Lehmann) verdankte Schmidt ganz offenkundig einem faulen Deal. Der am selben Tag festgenommene Bordellbesitzer Peter Ruhlmann, 42, angeblich ein V-Mann des Kommissars, war mit diesem enger vertraut, als es sich für einen Informanten ziemte. Außerdem schien sich der Informationsfluß in die falsche Richtung zu bewegen: Die Ermittler des Landeskriminalamts standen vor der Frage, „wer da eigentlich wessen V-Mann war“ (Lehmann).

Vorletzte Woche ( 1996 ) startete das LKA mit 220 Beamten eine Großaktion, setzte Schmidt, Ruhlmann und sechs Zuhälter hinter Gitter und nahm mehrere Verdächtige vorläufig fest. Die Ermittler zerschlugen damit einen internationalen Menschenhändlerring, der über Jahre das Rotlichtmilieu zwischen Frankfurt/Oder und Berlin mit Prostituierten, vor allem aus der früheren Sowjetunion, versorgte.

Kontakte zur Russenmafia, so Oberstaatsanwalt Lehmann, seien bei den Bordellbetreibern zu vermuten. Der verhaftete Kommissar allerdings, ist sich der Chefankläger sicher, habe mit der russischen Unterwelt nichts zu tun.

Wenn er sich da mal nicht irrt. Der auf Abwege geratene Erfolgspolizist war nämlich nicht nur V-Mann der Bordellmafia, sondern auch KGB-Mitarbeiter. Der Clou an der Sache: Seine Vorgesetzten im Potsdamer Innenministerium wußten davon.

1979 wurde Schmidt Mitarbeiter im Dezernat 1 der Bezirksbehörde der Volkspolizei Frankfurt/Oder. Die Stasi-artig arbeitenden Dezernate 1, eine Elitetruppe im Polizeiapparat der Ex-DDR, kümmerten sich um politische Straftaten, Wirtschaftskriminalität, „Republikflucht“-Versuche und schwere Jugendkriminalität. Daneben unterhielten die Dezernate 1 Kontakte zum KGB, der in einer bis heute weitgehend unbekannten Operationsstruktur in der DDR agierte.

Im selben Jahr wurde Schmidt für die Zusammenarbeit mit dem KGB geworben. Sein damaliger Chef, kurz vor der Pensionierung stehend, suchte einen geeigneten Nachfolger; die Wahl fiel auf den Newcomer, der schon damals – und das übrigens bis zu seiner Verhaftung – als überaus fähig galt.

Schmidts Tätigkeit für den KGB umfaßte vor allem die Überprüfung und Kontaktierung von Bundesbürgern, die sich in der DDR aufhielten und für den Kreml-Geheimdienst von Interesse waren. „Sascha“, sein KGB-Führungsoffizier, der heute in Minsk lebt, kam meist an den Wochenenden, um neue Aufträge zu besprechen und Honorare auszuhändigen. Nach Auskunft eines ehemaligen KGB-Kontaktmanns in Frankfurt/O gegenüber FOCUS schätzten die Russen Schmidts „Zuverlässigkeit und Risikobereitschaft“.

Im Sommer 1990, in einer Zeit, als seine Kollegen scharenweise nach Mallorca oder Ibiza aufbrachen, verbrachte Schmidt zwei Monate in der UdSSR. Pure Nostalgie?

Bis zum September 1992 räumten die Russen, wie die Dienste beider Länder insgeheim vereinbart hatten, ihre KGB-Posten in Deutschland. Im Gegenzug warfen sie ihr neues Agentennetz aus; zeitgleich etablierte sich die Russenmafia in den Strukturen des einstigen kommunistischen Machtapparats. Schmidt und Ruhlmann fanden, zufälligerweise oder nicht, 1993 zusammen.

Aus dem Umfeld des Frankfurter Polizeipräsidenten Hartmut Lietsch verlautete, Schmidts KGB-Vergangenheit verbreite dort größeres Unbehagen als seine kriminellen Delikte – es sei schließlich kaum zu erklären, wie so ein Mann auf diesen Posten kommen konnte.

https://www.focus.de/politik/deutschlan ... 57193.html
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Re: KORRUPTION V-Mann des V-Manns

Beitragvon HPA » 24. November 2019, 15:19

Das ist ja nichts wirklich neues. Vor ein paar Jahren flogen u.a.auch 2 GRU Agenten beim Brandenburger LKA auf.

Und nicht nur dort.

https://www.morgenpost.de/brandenburg/a ... dacht.html

Die 1999 auf Initiative von Wladimir Putin gegründete Moskauer Akademie hatte laut deutscher Sicherheitsbehörden ein Spionagenetz über Deutschland gezogen und dabei auch ehemalige Stasi-Agenten eingesetzt.


BfV-Experten stellten bei der intensiven Telefonüberwachung der russischen Botschaft in Berlin eine Verbindung zwischen einer Mitarbeiterin der Staatskanzlei und dem Chef der russischen Spezialabteilung zur Infiltration deutscher Sicherheitsbehörden fest. Die Frau, die womöglich während ihres Studiums in Moskau vom KGB angeworben wurde, wurde ebenfalls innerhalb der Staatskanzlei versetzt.

Ein schon vor dem Mauerfall vom Moskauer Geheimdienst angeworbener deutscher Unternehmensberater, der mit falschen Papieren ausgestattet worden war, erhielt Aufträge der Potsdamer Staatskanzlei und organisierte Reisen Platzecks nach Moskau. Auch das brandenburgische Landeskriminalamt (LKA) geriet ins Visier der russischen Spionage. Zwei Angestellte aus Russland und Weißrussland, die für das LKA-Kommissariat für Organisiertes Verbrechen arbeiteten, wurden als Angehörige eines Spezialkommandos des russischen Militärgeheimdienstes GRU enttarnt.


https://www.focus.de/politik/deutschlan ... 89234.html

Und mit einen von den beiden hatte ich sogar mal ne Flasche Grasovka geleert [flash]
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