Unrecht nie gesühnt

Aufarbeitung und Schlußfolgerungen

Re: Unrecht nie gesühnt

Beitragvon Volker Zottmann » 11. September 2018, 09:28

Gegen Deine angeführten Gesetze ist gar nichts einzuwenden.
Du suggerierst aber Unwahrheiten, wenn Du hier Glauben machen willst, dass Funktionäre nicht durch die Gesetzgebung gewaltig profitierten.
Ich weiß nicht ob Du mal bei solcher Übertragungsaktion dabei warst?
Die Menschen standen regelrecht Schlange, nicht nur Bauern!

Gruß Volker
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Die Weite Deines Horizonts ist Frage Deiner Sicht.
Der Große sieht ihn breiter, der Kleine leider nicht.
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Re: Unrecht nie gesühnt

Beitragvon karnak » 11. September 2018, 09:33

Das ich freiwillig in Anführungszeichen gesetzt habe ist doch wohl nicht zu übersehen. Das zum Ersten, zum Zweiten, da ich aus einer Landwirtschaftsfamilie stamme, nachdem diese " Zwangskollekive" aus den Kinderkrankheiten herauswaren gab es mehr und mehr Privatkrauter die in diese " Zwangskollekive " wollten weil sie die elementaren Vorteile hinsichtlich ihrer eigenen Lebensqualität dort erkannten, AUCH DAS ist eine stattgefundene geschichtliche Realität die man heute versucht auszublenden um die eigene bornierte Geschichtsbetrachung besser aussehen zu lassen. Und aus dieser Erfahrung heraus hat sich im Osten auch eine Mehrheit derer die weiter in der Landwirtschaft arbeiten wollten eben dazu entschlossen das weiter in Agrargenossenschaften zu tun, diesmal freiwillig ohne Anführungszeichen.
" Denn sie hassen am Andersdenkenden nicht nur die andere Meinung, zu der er sich bekennt,sondern auch die Vermessenheit, selbst urteilen zu wollen. Was sie ja doch selbst nie unternehmen und im Stillen sich dessen bewusst sind."
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Re: Unrecht nie gesühnt

Beitragvon Interessierter » 21. September 2018, 13:30

Das zum Ersten, zum Zweiten, da ich aus einer Landwirtschaftsfamilie stamme, nachdem diese " Zwangskollekive" aus den Kinderkrankheiten herauswaren gab es mehr und mehr Privatkrauter die in diese " Zwangskollekive " wollten weil sie die elementaren Vorteile hinsichtlich ihrer eigenen Lebensqualität dort erkannten, AUCH DAS ist eine stattgefundene geschichtliche Realität die man heute versucht auszublenden um die eigene bornierte Geschichtsbetrachung besser aussehen zu lassen.


Na toll, die zwangskollektiviert und enteigneten Bauern waren begeistert und erkannten die elementaren Vorteile hinsichtlich ihrer eigenen Lebensqualität.
Das nenne ich Geschichtsklitterung in Reinkultur und ist mit Sicherheit keine geschichtliche Realität... [laugh]
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Re: Unrecht nie gesühnt

Beitragvon Nostalgiker » 21. September 2018, 15:29

Interessierter, wenn du nicht ansatzweise den Inhalt dessen verstehst was karnak geschrieben hat gebietet die Höflichkeit das hier; [mundzu]
Es sei denn du legst darauf an dich mal wieder bis auf die Knochen zu blamieren.

Wer ist denn von den Bauern enteignet worden? und wann?
Diejenigen welche Höfe über 100Ha hatten wurden enteignet und das war in der Zeit der Bodenreform um 1946,
Auch in den drei westlichen Beastzungszonen gab es Pläne für eine Bodenreform welche in Ansetzen umgesetzt wurde.

Die Kollektivierung der Landwirtschaft, also die Gründungen der LPG in den verschiedenen Typen fand ab Anfang der 50er Jahre statt.
Die Bauern brachten ihr Land in die neu gegründeten LPGs als Produktivvermögen ein.
Die Genossenschaftsmitglieder blieben jedoch Eigentümer an ihrem eingebrachten Bodeneigentum.

Im "Sozialistischen Frühling auf dem Land" im Jahr 1960 gab es durchaus Überspitzungen beim freiwilligen Zwang zum Eintritt in die LPG.
Ich glaube kaum das die damals geflüchteten Bauern irgendeinen "Anspruch" auf verloren gegangenes Land über den Lastenausgleich gelten machen konnten.
Wer Haus/Hof, Vieh und Land im Stich lässt ist nicht mit Herz und Seele Bauer.
Diese Menschen mußten bei standhafter Weigerung nicht in die LPG einzutreten mit dem Tot oder mindestens mit langjährigen Haftstrafen rechnen.
Der Eintritt war wie gesagt freiwillig.
Das der Freiwilligkeit mit teilweise sehr unorthodoxen Mitteln nachgeholfen wurde ist ein Teil der damaligen Geschichte.

Du ahnungsloser Experte lügst also wenn du schreibst das diese Bauern enteignet und zwangskollektiviert wurden.
Wer betreibt denn hier Geschichtsklitterung in Reinkultur? karnak sicherlich nicht und ihm ist, im Gegensatz zu dir, auch nicht die geschichtliche Realität abhanden gekommen.
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Re: Unrecht nie gesühnt

Beitragvon augenzeuge » 21. September 2018, 15:36

Nun musst du aber auch schreiben, wer bei welchem Besitz kein Genossenschaftsmitglied werden konnte, und wessen Land an Neubauern aus dem Osten verteilt wurde...

AZ
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Re: Unrecht nie gesühnt

Beitragvon Nostalgiker » 21. September 2018, 15:47

Das Land was vorher enteignet wurde und zwar bei Höfen über 100Ha.
Das hast du natürlich überlesen Augenzeuge aber das ist nicht meine Schuld und damit ist deine "Kritik" gegenstandslos.
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Re: Unrecht nie gesühnt

Beitragvon karnak » 22. September 2018, 08:03

Interessierter hat geschrieben:
Na toll, die zwangskollektiviert und enteigneten Bauern waren begeistert und erkannten die elementaren Vorteile hinsichtlich ihrer eigenen Lebensqualität.
Das nenne ich Geschichtsklitterung in Reinkultur und ist mit Sicherheit keine geschichtliche Realität...]

Ich habe nur versucht Dir die Umstände in einem etwas größeren Zusammenhang zu erklären, gehört nun mal zur ganzen Wahrheit dazu. Ich habe nicht behauptet die Art und Weise der "Überzeugung " der Bauern in Genossenschaften zu arbeiten war speziell in seiner stalinistisch geprägten Zeit korrekt. Hinzuzufügen wäre allerdings auch, dass es in der DDR nie in Richtung eines "Kolchos" getrieben wurde, wie mit der hämischen Benutzung dieses Wortes gerne unterstellt wird, ob nun aus Unkenntnis heraus oder mit dem Ziel billiger Propaganda. Denn bei einem Kolchos handelt es sich eher um einen volkseigenen Landwirtschaftsbetrieb, in der DDR ein VEG, volkseigenes Gut, dort eher die Ausnahme und das waren eine LPG nie, dass ist nun mal die historische Realität.
Und natürlich hatten die Baueren im Verauf der Kollektivierung elementare Vorteile, sie arbeiteten weiterhin in der Landwirtschaft, hatten ein für DDR- Verhältnisse überdurchschnittlich hohes Einkommen, waren durch ein Beteiligungssystem nicht unerheblich am erwirtschafteten Gewinn beteiligt, hatten die Möglichkeit durch individuelle Viehhaltung auf ihren Gehöften auf dem sie in der Regel weiter lebten noch mal zusätzliche Gewinne zu erzielen und es ergab sich die Möglichkeit einer geregelten Freizeit und Urlaubsmöglichkeit. Alles Dinge von denen mein Vater bis zu seinem 30 Geburtstag nicht zu träumen gewagt hätte. Und jetzt kannst Du nun noch mit diesem Mist von " Herr auf eigener Scholle" kommen, etwas was längst zu einer klappsigen Legende verkommen war, wahrscheinlich noch nie wirklich gestimmt hat und ein "edles Gefühl" für das man noch nie etwas im Konsum bekam. [flash]
Meine Eltern haben jedes Jahr immer 2 Bullen gefüttert, hatten hinter dem Haus ein größeres Stück Land dass für die Großraumnutzung nicht verwendbar war, dort haben sie das Futter produziert. Bullen deswegen weil die Italiener nur unkastrierte Rindviecher wollten, zumindest wurde das immer erzählt. [flash] Machte die Sache etwas kompliziert weil die Biester immer recht aggresiv waren [flash] , aber sie brachten im Jahr schon mal 8000 Mark ein und in der DDR war sowas brutto wie netto. Meine Eltern waren da noch harmlos, es gab nicht wenige die hielten 6 bis 7 solche Biester, wo sie das ganze Futter dafür her bekamen will ich mal offen lassen] , aber von denen fuhr jeder MINDESTENS einen Lada und ihr Gehöft, was ihren privaten Nutzungsbereich anging, war vom Feinsten. Also es ließ sich schon leben als LPG Bauer und man hat leben lassen, auch ohne " eigene Scholle".
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Re: Unrecht nie gesühnt

Beitragvon Nostalgiker » 22. September 2018, 08:23

karnak, er ist resistent gegen die Viren der Erkenntnis und er hat wirksame Antikörper gegen Wissenserweiterung.
Er handelt getreu dem Motto; belästigen sie mich nicht mit Fakten zum Thema denn ich habe mir mein Vorurteil bereits gebildet ......
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Re: Unrecht nie gesühnt

Beitragvon augenzeuge » 22. September 2018, 08:36

Da ist jetzt aber etwas viel Ideologie dabei. Oder?
Wenn man das liest, muss man ja denken, diese LPG war die überlegendste Spitze des Realsozialismus. [grins] So wars nicht.
AZ
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Re: Unrecht nie gesühnt

Beitragvon Beethoven » 22. September 2018, 08:52

Volker Zottmann hat geschrieben:Gegen Deine angeführten Gesetze ist gar nichts einzuwenden.
Du suggerierst aber Unwahrheiten, wenn Du hier Glauben machen willst, dass Funktionäre nicht durch die Gesetzgebung gewaltig profitierten.
Ich weiß nicht ob Du mal bei solcher Übertragungsaktion dabei warst?
Die Menschen standen regelrecht Schlange, nicht nur Bauern!

Gruß Volker



Das sind keine Unwahrheiten, lieber Volker.
Ob und wie viele ehemalige Funktionäre der SED in jener Zeit Eigentum erworben haben kannst Du nicht einschätzen und ich auch nicht. Aber zu behaupten, dass da ehemalige Funktionäre gewaltig profitierten, ist eine Behauptung, die Du in keiner Weise belegen oder beweisen kannst. Es ist schlicht weg eine Vermutung von Dir.
Ich sehe ja nun in meiner Praxis den eine oder andere Grundbuchauszug. In der Masse von einfachen Leuten. Da ist mir kaum ein ehemaliger Funktionär unter gekommen, der da Immobilie erworben hat. Meist ganz einfach Leute wie jeder hier in diesem Forum. Also höre bitte auf, solche Unwahrheiten als Tatsachen hinzustellen oder bringe entsprechende Beweise bei.
Andererseits ist mir natürlich klar, warum Du solche Unwahrheiten im Brustton der Überzeugung hier propagierst. Wahrer sind sie deshalb nicht.

Du kannst mir zubilligen, dass ich viele ehemalige Staatsdiener (Du nennst diese Funktionäre) kenne. Mir persönlich ist ein einziger Oberst der NVA bekannt, der das Grundstück käuflich erworben hat, in jener Zeit. Er lebte aber seit 20 Jahren auf dem Grundstück und hat zu DDR-Zeiten das bereits aufstehende Haus, welches zu DDR-Zeiten erbaut worden ist, gekauft (blaue Urkunde). Heute wohnt er übrigens nicht mehr dort (ich habe ja das Haus verkauft) sondern ist nach Dresden, zu seinem Sohn, gezogen.

Nun habe ich nicht so viele Verwandte wie Du, die mir alle berichteten das dieser oder jener Staatsdiener für kleines Geld die Filetstücke der Umgebung kaufen konnten.

Fakt ist eines, Du als auch Deine Verwandten und Bekannten, erhalten keine Auskunft im Notariat als auch nicht vom Grundbuchamt über irgendwelche Eigentumsänderungen, es sei denn, man kann gegenüber dem Grundbuchamt ein berechtigtes Interesse nachweisen oder hat vom Eigentümer eine entsprechende Vollmacht um in Grundbuchangelegenheiten für die betreffende Person tätig sein zu dürfen. Sollte nun einer Deiner Verwandten oder Deiner vielen Bekannten im Grundbuchamt oder in einem Notariat arbeiten und Dich mit solchen Informationen versorgt haben, dann hat diese Person gegen geltendes Recht damals und auch heute verstoßen. Woher also weist Du von den Dingen, die Du behauptest?

Die paar Dinger, die durch die Presse gingen sind doch eher Pillepalle gegen den anschließenden Raub ganzer Betriebe und Landstriche durch die "Käufer" bei der TLG.

Freundlichst
Demokratie ist die Notwendigkeit, sich gelegentlich den Ansichten anderer Leute zu beugen.
Sie ist die schlechteste aller Staatsformen, ausgenommen alle anderen.

Winston Churchill

Quo quisque stultior eo magis insolescit, gelle Herr F.?

Achte mehr auf Deinen Charakter, als auf Deinen Ruf.
Dein Charakter ist das, was Du wirklich bist, doch Dein Ruf ist nur das, was andere von dir halten.
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Re: Unrecht nie gesühnt

Beitragvon karnak » 22. September 2018, 09:14

augenzeuge hat geschrieben:Da ist jetzt aber etwas viel Ideologie dabei. Oder?
Wenn man das liest, muss man ja denken, diese LPG war die überlegendste Spitze des Realsozialismus. [grins] So wars nicht.
AZ

Bei mir ist da überhaupt keine Ideologie dabei, genauso war die individuelle Situation eines LPG Bauern und das wussten die ab einen gewissen Zeitpunkt auch ganz genau, dass man es nicht pausenlos mit einem " Lob an die Partei" verkündet hat ist eine andere Frage, dass galt in der DDR als " unschick" , man muss meckern was die " Obrigkeit " angeht, dass gehört " zum guten Ton" wenn man zum Volk gehört, so ist das nun mal, war noch nie anders.
Und es gibt ja auch einen Grund warum man sich im Osten nach anfänglicher Euphorie zur " eigenen Scholle" dazu entschlossen hat die Sache wieder in Agrargenossenschaften zu organisieren, man verfügte nun mal über gewisse Erfahrungswerte, sehr zum Ärger von Seehofer und Co. die sich verpflichtet fühlen die Vergangenheit zu zementieren und nun über ihre Möglichkeiten diesen Mist über diese hinterhältigen EX LPG Vorsitzenden, die sich alles unter den Nagel gerissen haben und den " freien Bauer" SCHON WIEDER in ihren Kolchos zwingen. Und sie haben auch noch Glück, es gibt immer genügend Dödel, die wie immer davon gar nichts wirklich wissen aber solchen Müll nachplappern.
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Re: Unrecht nie gesühnt

Beitragvon augenzeuge » 22. September 2018, 09:35

Nachteile der LPG gabs auch:
Es wurde angebaut und bewirtschaftet, was der Staat und die Partei anordnete. Tierproduktion und Feldanbau wurde getrennt. Das gab teilweise hohe Verwaltungs- und Transportkosten.
Planwirtschaft hieß oftmals: mangelnde Investitionen, geringe Produktivität, große Umweltbelastungen bei der Produktion.

Aber. Ich stell mal einen Link zum Thema ein, nur damit der bpb-Kritiker mal sieht, wie positiv man hierüber auch berichtet.

http://www.bpb.de/geschichte/deutsche-e ... wirtschaft

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Re: Unrecht nie gesühnt

Beitragvon Nostalgiker » 22. September 2018, 09:37

augenzeuge hat geschrieben:Da ist jetzt aber etwas viel Ideologie dabei. Oder?
Wenn man das liest, muss man ja denken, diese LPG war die überlegendste Spitze des Realsozialismus. [grins] So wars nicht.
AZ


Na dann herbei mit den schockierenden Tatsachen wie es wirklich war in der LPG und mit den geknechteten Bauern .....

Och da fällt mir ein das ich mal beim trampen von der Ostseeküste in Richtung Berlin von einem LPG Vorsitzenden mitgenommen wurde. Es war noch ein weiterer von Leitung dabei aber was er für eine Funktion hatte weiß ich nicht mehr.
Wie es so ist, wir unterhielten uns über das woher und wohin und als ich zufällig erwähnte das ich mir eine andere Arbeit suchen will wurde der Vorsitzende hellhörig und fragte nach meinem Beruf etc. Nachdem er alles wußte was ihn interessierte bot er mir eine Stelle in der Leitung der Genossenschaft an, ein nicht zu verachtendes Gehalt, ein Haus und etwas Land zur privaten Nutzung ......
Der Vorsitzende suchte nämlich seit geraumer Zeit händeringend jemanden mit dem er die offene Stelle besetzen könne.
Letzeres hätte meine damalige prekäre Wohnungssituation beachtlich entspannt aber allein die Vorstellung in Mecklenburg auf einem Dorf zu leben verursachte damals bei mir alles andere als einen Freudenausbruch.
Also lehnte ich dankend ab.
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Re: Unrecht nie gesühnt

Beitragvon karnak » 22. September 2018, 09:50

augenzeuge hat geschrieben:Nachteile der LPG gabs auch:
Es wurde angebaut und bewirtschaftet, was der Staat und die Partei anordnete. Tierproduktion und Feldanbau wurde getrennt. Das gab teilweise hohe Verwaltungs- und Transportkosten.
Planwirtschaft hieß oftmals: mangelnde Investitionen, geringe Produktivität, große Umweltbelastungen bei der Produktion.

Aber. Ich stell mal einen Link zum Thema ein, nur damit der bpb-Kritiker mal sieht, wie positiv man hierüber auch berichtet.

http://www.bpb.de/geschichte/deutsche-e ... wirtschaft

AZ

Das mag ja alles stimmen und natürlich gab es massenhaft unsinnige Entscheidungen von einer letztlich inkompetenten Parteizentrale, NUR, dass ist doch nicht das vordergründige Problem mit dem sich der einzelne Prolet wirklich auseinandersetzt, für den zählt doch nur, dass am 15.der Lohn kommt und stimmt. Was meinst Du denn was ich in gut 28 Jahren, 25 bei Harry , am 24. diesen Monats übrigens, [super] schon alles für Entscheidungen erlebt habe von denen ich als Praktiker schon im Vorfeld wusste ,dass sie Unsinn sind und irgendwann sowieso wieder eingestampft werden, ich habe mich sehr selten dabei getäuscht. Jeder meiner Kollegen wusste das eigentlich, hoch offiziell sagt man das natürlich nicht, kann einem ja schnell als " Amtsamaßung " ausgelegt werden. Und wie gesagt, dass ist Dir als einfacher Mitarbeiter doch erstmal egal, zumindest bringt es Dich nicht um den Schlaf solange Dein Einkommen stimmt.
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Re: Unrecht nie gesühnt

Beitragvon Interessierter » 22. September 2018, 10:03

@karnak:
Glaubst du wirklich uns weismachen zu können, wie begeistert die Bauern waren? Ganz nebenbei ist ein Mensch, der sich zwei oder drei Bullen hält oder halten darf kein Bauer.

Meinst du die Bauern waren über das Nachstehende begeistert?

Zwar bleibt der Einzelbauer, der einer Produktionsgenossenschaft beitritt, formell Eigentümer des eingebrachten Bodens, aber der Austritt aus der LPG ist praktisch unmöglich, weil der Bauer laut Satzung beim Ausscheiden keinen Anspruch auf das eigene Land, sondern nur auf entsprechende Flächen gleicher Qualität am Rande der Gemarkung hat. Auch braucht ihm das eingebrachte Inventar nicht zurückgegeben zu werden.
Mit dem Eintritt in eine LPG des Typs III verwandelt sich der selbständige Bauer in einen Landarbeiter mit Gewinnbeteiligung


Deine angebliche Begeisterung war so groß, dass man wie folgt gegen die Bauern vorging:

Noch am 30. November 1959 wurden von der 500 110 Hektar großen landwirtschaftlichen Nutzfläche des Bezirks Rostock 176 744 Hektar durch private Bauern bewirtschaftet. Heute ist der Bezirk völlig sozialisiert, während in den anderen Bezirken der Zone nur 51 Prozent des landwirtschaftlich genutzten Bodens von Staatsgütern und LPG, 49 Prozent dagegen noch immer von selbständigen Bauern beackert werden. Über die Methoden, mit denen die Rostocker SED-Leitung die widerspenstigen Mecklenburger Bauern zum Eintritt in die Produktions-Genossenschaften zu bewegen suchte, ließ sich die "Welt" aus Berlin berichten: "In mehreren Omnibussen und in einem Sonderzug kamen vor einer Woche 2100 Funktionäre nach Bützow, verteilten sich auf die 39 Gemeinden dieses mecklenburgischen Landkreises, nisteten sich auf den Höfen der selbständigen Bauern ein und erklärten ihnen: 'Der Tag der Freiwilligkeit (des Eintritts in eine Kolchose) ist herangerückt."

Einige Mewis-Propagandisten suchten sich ihrer Aufgabe dadurch zu entledigen, daß sie den Bauern bis in die Schlafzimmer folgten. An den Betten der Opfer ihrer "Überzeugungsarbeit" sitzend, diskutierten sie unermüdlich bis tief in die Nacht hinein. Wer sich dennoch weigerte, sein Land in eine LPG einzubringen, wurde in der Lokalpresse als "Feind des Arbeiter- und Bauernstaates" und als "Feind des Friedens" angeprangert.

Schrieb die "Welt" über die Folgen dieses Überredungsterrors: "Der eine Bauer riegelte sich ein. Der andere ließ seinen Hund los. Der dritte verübte Selbstmord. Den vierten brachten sie ins Gefängnis. Der fünfte flüchtete. Der sechste klappte zusammen. Der siebente unterschrieb."


Tröstlich für dich ist, dass es sicher Menschen gibt, die deine Märchen glauben.
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Re: Unrecht nie gesühnt

Beitragvon Nostalgiker » 22. September 2018, 11:04

Quellenangabe hast du nicht nötig, oder?

Begreifen ebenfalls nicht!
karnak und auch schrieben beide sehr deutlich das in der Kampagne "Frühling auf dem Land" im Jahr 1960, übrigens 3 Monate!, teilweise mit sehr heftigen und überzogenen Methoden und Mitteln gearbeitet wurde um die noch existierenden Einzelbauern freiwillig zum eintritt in die LPG zu bewegen.
Der auch von mir in diesem Zusammenhang verwendete Begriff "freiwilliger Zwang" war in der DDR allgemein bekannt aber dir als excellenten und intimen Kenner der DDR und ausgewiesenen Experten auf dem Gebiet ist dir nicht bekannt?
Das wundert mich.

Ab 1952 wurde für den Eintritt in die LPG geworben und 1962 wurde verkündet das die Kollektivierung der Landwirtschaft abgeschlossen sei. Was bitte sind 3 Monate in 10 Jahren?

Und komme mir nicht ständig mit dem populistischen Kampfbegriff "Zwangskollektivierung" aus der Zeit der kalten Krieger West.
Da fragt sich manchmal wer geistig in den späten 50ern und frühen 60ern stehen geblieben ist ....
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Re: Unrecht nie gesühnt

Beitragvon karnak » 22. September 2018, 13:33

Interessierter hat geschrieben:@karnak:
Glaubst du wirklich uns weismachen zu können, wie begeistert die Bauern waren? Ganz nebenbei ist ein Mensch, der sich zwei oder drei Bullen hält oder halten darf kein Bauer.

.

Ich will hier überhaupt niemanden etwas weismachen, ich beschreibe die Situation wie ich sie erlebt habe und zwar wie ich sie erlebt habe, zu meiner Zeit.
Ansonsten ist dieses " kein Bauer" nur schwülstiges Geschwafel, in dem Fall von jemanden der die Knochenarbeit in der Landwirtschaft nie gemacht hat, sein Leben lang in einem Büro gesessen und wenn die Sonne zu toll schien die Rollos runtergelassen hat damit er beim Bleistift anspitzen nicht schwitzt. Der " richtige" Bauer auf " eigener Scholle" musste 365 Tage im Jahr für ein paar Kröten auf seiner Scholle ackern um einigermaßen über die Runden zh kommen, er konnte sich das dann als den Schwachsinn vom eigenen Herrn einreden und wie super das ist, führte aber ansonsten ein mehr als bescheidenes Leben, dass war die Realität Deines " richtigen" Bauern in Kurzfassung. Es sei denn er war der Herr Baron und Großgrundbesitzer und konnte 20 Kechte und Mägde die Sch... machen lassen. Wenn ein Knecht Glück hatte durfte er den Herrn Baron in den Urlaub bekleiden und die Koffer schleppen. Das alles hatte sich über die Zeit der LPG erheblich verändert und zwar zu Gunsten des Knechtes, er konnte durchaus regelmäßig in Urlaub fahren und Wochenende machen, er konnte sich das leisten, mit dem Manko nun kein richtiger Bauer mehr zu sein und seine Koffer musste er auch selber schleppen, Barone standen dafür nicht zur Verfügung.
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Re: Unrecht nie gesühnt

Beitragvon augenzeuge » 22. September 2018, 15:00

karnak hat geschrieben:Das alles hatte sich über die Zeit der LPG erheblich verändert und zwar zu Gunsten des Knechtes, er konnte durchaus regelmäßig in Urlaub fahren und Wochenende machen, er konnte sich das leisten, mit dem Manko nun kein richtiger Bauer mehr zu sein und seine Koffer musste er auch selber schleppen, Barone standen dafür nicht zur Verfügung.

Och, das ist mir allerdings etwas zu einseitig. Ja, den Baron gabs nicht mehr, aber auch keinen anderen, der wirklich verantwortlich mit dem umging, was man dem Baron entschädigungslos weggenommen hatte. Niemand der sich in der Verantwortung sah, zu investieren. Es gehörte ja allen, sollten doch die anderen .....

So verkam langsam aber sicher alles, was zum Zeitpunkt der "Empfängnis" völlig in Ordnung war. Ins Haus regnete es rein, der Park sah schlimmer aus als ein Friedhof.
Und als nach 1989 einige Erben zurück kamen, übrigens zur Freude der alten Dorfbewohner, wurde langsam der Staub der letzten 40 Jahre entfernt. Sie investierten, planten gemeinsam mit den alten Bewohnern die Umgebung.

Heute sind fast alle dankbar, dass es so gekommen ist, ihr Dorf endlich nach 50 Jahren neue Straßen bekommen hat.
Das ist kein Märchen, exakt so ist es in nicht wenigen Gegenden abgelaufen. Hat natürlich mit der LPG nichts zu tun, war nur ne Antworte auf den Knecht und den Baron. [wink]

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Re: Unrecht nie gesühnt

Beitragvon karnak » 22. September 2018, 15:10

Das ist schon alles richtig, was die Immobilien und ihre Unterhaltung anging, man knallte da lieber irgendwo einen neuen Betonkasten hin. Ich habe aber nicht von " schöner unsere Städte und Gemeinden " berichtet sondern von den Lebensumständen der nun nicht mehr richtigen Bauern.
Ansonsten ist meine Frau zum Shopping, da hole ich mir immer eine Stärkung und habe Zeit, nicht das wieder einer meint mir fällt nichts besseres ein als das hier. [grin]
Du hast keine ausreichende Berechtigung, um die Dateianhänge dieses Beitrags anzusehen.
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Re: Unrecht nie gesühnt

Beitragvon augenzeuge » 22. September 2018, 15:12

Das kenn ich, mach ist auch oft so. [flash]
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Re: Unrecht nie gesühnt

Beitragvon Interessierter » 22. September 2018, 16:20

Zitat karnak:
Ich will hier überhaupt niemanden etwas weismachen, ich beschreibe die Situation wie ich sie erlebt habe und zwar wie ich sie erlebt habe, zu meiner Zeit.

Ansonsten ist dieses " kein Bauer" nur schwülstiges Geschwafel, in dem Fall von jemanden der die Knochenarbeit in der Landwirtschaft nie gemacht hat, sein Leben lang in einem Büro gesessen und wenn die Sonne zu toll schien die Rollos runtergelassen hat damit er beim Bleistift anspitzen nicht schwitzt.


Was deinen ersten Satz betrifft, in dem du Wert darauf legst, dass du es selbst erlebt hast, so verwundert mich das in so fern sehr, da du doch derjenige bist, der hier im Forum den Zeitzeugen ihr selbst Erlebtes fast permanent bestreitest. Irgendwie grotesk.

Aber nicht genug; nein du meinst auch wieder, ohne jegliche Grundlage, behaupten bzw. mir unterstellen zu müssen, dass ich die Knochenarbeit in der Landwirtschaft nie gemacht habe. Wieso agierst du eigentlich so? Die DDR- und Stasizeiten sind lange vorbei, wo man so vorgehen konnte.

Lass dir sagen, dass ich große Erfahrungen habe: Mit dem Pflügen, Eggen, Mähen, Heu wenden, Stroh pressen, Stall misten usw. Außerdem habe ich unzähligen Kälbern mit dem Bauern zusammen auf die Welt geholfen.
Wenn du außerdem einmal einen Hänger mit 50kg Säcken Kunstdünger beladen hättest, um die anschließend wieder anzupacken, um sie in den Düngerstreuer zu schütten dann weißt du was du getan hast. Da sind deine wahrheitswidrigen Behauptungen einfach völlig deplatziert.

Und das alles nach Feierabend oder am Wochenende. Noch Fragen?
Auch aus Steinen die einem in den Weg
gelegt werden,
kann man was schönes bauen
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Re: Unrecht nie gesühnt

Beitragvon karnak » 22. September 2018, 16:35

Interessierter hat geschrieben:
Was deinen ersten Satz betrifft, in dem du Wert darauf legst, dass du es selbst erlebt hast, so verwundert mich das in so fern sehr, da du doch derjenige bist, der hier im Forum den Zeitzeugen ihr selbst Erlebtes fast permanent bestreitest. Irgendwie grotesk.


Ich bestreite hier nie nur, ich zweifle an und wenn ich das tue mit entsprechenden Begründungen und Erläuterungen die man gerne widerlegen darf.
Der Rest, was Deine Arbeit mit dem Bleistift und der Mistgabel angeht, natürlich ist ein Maß an Polemik in der Argumentation dabei, als Salz in der Suppe, so hat man es mir nun mal beigebracht. [hallo] An den Zusammenhängen zum Thema LPG in seinem Grundsätzlichen ändert das allerdings nichts .
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Re: Unrecht nie gesühnt

Beitragvon Nostalgiker » 22. September 2018, 16:36

Wieder was dazu gelernt!
Bauern die einen Bullen im Stall stehen hatten waren also keine Bauern!
Wie war das wenn er einen Ochsen im Stall hatte? War er dann ein viertel Bauer?
Und diejenigen welche ein oder zwei Schweine und ein Dutzend Hühner und Enten/Gänse ihr eigen nannten waren dann Halbbauern?
Der bäuerliche Experte wird um Erklärung gebeten!

Augenzeuge, ich finde bei deiner "Einschätzung" der Verantwortungslosigkeit der Bauern die Mitglieder in der LPG waren gehst sehr pauschal und vom Ansatz her sehr negativ heran.
Es gab, wie auch in der Industrie, Schlamperei und Desinteresse an der zu verrichtenden Arbeit.
Aber ich glaube das betraf mehr die Umbruchzeiten der 50er Jahre.
Als die "Zwangskollektivierten" Bauern irgendwann merkten das ihre Arbeit Früchte trägt und auch unmittelbaren Wohlstand für sie bedeutete änderte sich auch deren Haltung; es gehört allen also bin ich nicht verantwortlich.

Es war territorial auch sehr unterschiedlich.
Viele ehemalige Gutsherrenhäuser wurden anderweitiger Nutzung zugeführt, teilweise wurden da Wohnungen draus gemacht oder die LPG Verwaltung zog in das Haus, Kindergarten oder Schule.
Andererseits wurden auch diese Häuser, besonders wenn es sehr große Herrenhäuser waren wie in Mecklenburg oder Vorpommern Als Relikte einer überwundenen Zeit gesehen welche nicht erhaltenswert waren.
Ich bin nicht auf der Welt, um so zu sein, wie andere mich gerne hätten.

Eindeutigkeit der Absicht wurde bei ihm zur Zweideutigkeit des Handelns
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Re: Unrecht nie gesühnt

Beitragvon augenzeuge » 23. September 2018, 15:23

Passt dazu: LPG Fortschritt

Zitat:
ab 7:00 min:"Nach unseren Maßstäben ist alles Abfall....Die LPG erlöst für den Doppelzentner (200kg) Kartoffeln Subventionen von 170 Mark. Im Laden kann man den Doppelzentner dann für ganze 18 Mark mitnehmen."



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Re: Unrecht nie gesühnt

Beitragvon zonenhasser » 24. September 2018, 22:56

Die Kartoffeln hielten sich nur kurze Zeit, danach stanken sie. Im Winter gab's hauptsächlich Kohl in den Kaufhallen, im Sommer häufig Versorgungsengpässe auch bei heimischem Obst und Gemüse. Die Versorgung mit Fleisch- und Wurstwaren war auch nicht kontinuierlich ausreichend (Ost-Berlin ausgenommen). Wenn also nach modernen Methoden Landwirtschaft betrieben wurde, warum funktionierte dann die Versorgung der Bevölkerung nicht? Wurde zu viel exportiert, z. B. nach West-Berlin?
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Re: Unrecht nie gesühnt

Beitragvon HPA » 24. September 2018, 23:40

Wurde zu viel exportiert, z. B. nach West-Berlin?


Nicht nur nach W-Berlin

Solche Angaben findet man in solchen Dokumenten, wie beispielhaft unten abgebildet. Zufälligerweise sind mir vor einiger Zeit die kompletten Analysen von Anfang der 80iger bis zur Wende in die Hände gefallen.(neben noch einigen anderen "netten Sachen")

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Re: Unrecht nie gesühnt

Beitragvon karnak » 25. September 2018, 09:01

zonenhasser hat geschrieben:Die Kartoffeln hielten sich nur kurze Zeit, danach stanken sie. Im Winter gab's hauptsächlich Kohl in den Kaufhallen, im Sommer häufig Versorgungsengpässe auch bei heimischem Obst und Gemüse. Die Versorgung mit Fleisch- und Wurstwaren war auch nicht kontinuierlich ausreichend (Ost-Berlin ausgenommen). Wenn also nach modernen Methoden Landwirtschaft betrieben wurde, warum funktionierte dann die Versorgung der Bevölkerung nicht? Wurde zu viel exportiert, z. B. nach West-Berlin?

Fest steht in jedem Fall, die erreichten Ernteerträge pro Hektar im Vergleich zu denen aus der Vorkriegszeit stiegen massiv an. Der Mangel an Lebensmitteln hatte sicher am Wenigsten mit der Leistungsfähigkeit der LPG zu tun, der Gedanke mit dem Westberlin ist schon nicht ganz falsch. [flash]
Was nun das Problem der Kartoffeln angeht, die stanken nicht weil sie sich über den Sozialismus geärgert haben, die stanken weil man zu damaliger Zeit, wahrscheinlich überall auf der Welt mit einer Pilzerkrankung zu kämpfen hatte, der Krautfäule, die dann bei Lagerung der Knolle die Stärke zersetzte und dann anfing zu stinken. Zu Bekämpfen war die damals nur vorbeugend, man musste ein Kupfermittel auf die Blätter spritzen mit dem das Eindringen des Pilzes in die Blätter verhindert wurde. Der Haken an der Sache war, nach jedem Regen wurde die Schicht runtergewaschen und man musste sie erneuern. Das war eine teure und aufwendige Geschichte, blieb dann nur noch das regelmäßige Aussammeln der befallenen Kartoffeln im Lager, bei Großproduktion und Lagerung auch nicht ganz einfach. Mit Sicherheit hat man das aber auch im Vorsozialismus getan.
Wie man heute dagegen vorgeht weiß ich nicht so ganz genau, wahrscheinlich hat man residentere Sorten gezüchtet, legt den Aufwand zur Schädlingsbekämpfung auf den Preis um und heute muss im Wesentlichen alles schön aussehen, der Geschmack ist immer mehr in den Hintergrund getreten. Was zur Folge hat, dass meiste Obst und Gemüse ist in Massen da, sieht super aus, schmeckt aber einfach nur Sch.. bzw. nach nichts, auch nicht so die Lösung. [flash]
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Re: Unrecht nie gesühnt

Beitragvon zonenhasser » 25. September 2018, 14:12

karnak hat geschrieben: residentere Sorten
Geheimdienst-Residenten gibt es an jeder Botschaft. Gegen Schädlinge resistente Obst- und Gemüsesorten hat man gezüchtet. Und auf lange Haltbarkeit - schmecken nach nichts.
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Re: Unrecht nie gesühnt

Beitragvon Volker Zottmann » 25. September 2018, 14:26

augenzeuge hat geschrieben:Passt dazu: LPG Fortschritt

Zitat:
ab 7:00 min:"Nach unseren Maßstäben ist alles Abfall....Die LPG erlöst für den Doppelzentner (200kg) Kartoffeln Subventionen von 170 Mark. Im Laden kann man den Doppelzentner dann für ganze 18 Mark mitnehmen."



AZ



Ein Zentner hat 50 kg, folglich der Doppelzentner 100!

Gruß Volker
Zuletzt geändert von Volker Zottmann am 25. September 2018, 14:39, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Unrecht nie gesühnt

Beitragvon Volker Zottmann » 25. September 2018, 14:38

Beethoven hat geschrieben:Fakt ist eines, Du als auch Deine Verwandten und Bekannten, erhalten keine Auskunft im Notariat als auch nicht vom Grundbuchamt über irgendwelche Eigentumsänderungen, es sei denn, man kann gegenüber dem Grundbuchamt ein berechtigtes Interesse nachweisen oder hat vom Eigentümer eine entsprechende Vollmacht um in Grundbuchangelegenheiten für die betreffende Person tätig sein zu dürfen. Sollte nun einer Deiner Verwandten oder Deiner vielen Bekannten im Grundbuchamt oder in einem Notariat arbeiten und Dich mit solchen Informationen versorgt haben, dann hat diese Person gegen geltendes Recht damals und auch heute verstoßen. Woher also weist Du von den Dingen, die Du behauptest?

Die paar Dinger, die durch die Presse gingen sind doch eher Pillepalle gegen den anschließenden Raub ganzer Betriebe und Landstriche durch die "Käufer" bei der TLG.

Freundlichst


Ob Verwandte das überhaupt so interessierte, interessiert mich nun wieder nicht.
In Grundbuchämtern brauchte man nicht vorstellig werden. Wir haben bei den notariellen Bodererwerben Schlange gestanden. Brauchtest also nur Augen und Ohren aufmachen. Da ist solch Kaff wie meines wohl um einiges übersichtlicher als Berlin oder ander Großstädte. Hier kennt jeder jeden. Wir wissen also, wer oder was vorher in den Gebäuden war oder getrieben wurde... und sahen nun das Gehörte oft bestätigt. Du willst mir doch nicht mein Umfeld erklären?

Gruß Volker
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