Deutsche Denunzianten Republik

Alles zum Thema Geheimdienste und Sicherheit in der DDR und in der BRD

Deutsche Denunzianten Republik

Beitragvon Kumpel » 7. Oktober 2020, 06:39

Deutsche Denunzianten Republik

Nicht nur Stasileute haben gespitzelt. Neue Aktenfunde zeigen, wie normale Bürger Nachbarn und Kollegen verrieten. Auch aus dem Westen erhielt das Regime wertvolle Tipps.

"Ich höre."

"Frau Marianne Schneider fährt am Mittwoch, dem 14. September, nach Westberlin zu Besuch. Sie kommt nicht wieder."

"Und wer sind Sie?"

Schweigen.

"Sie wollen anonym bleiben?"

"Ja."

"Auf was begründet sich das denn?"

"Hat sie geäußert, im engen Freundeskreis."

Dann legte der mysteriöse Anrufer den Hörer auf. Und Marianne Schneider(*) hatte ein Problem: Die Behörden entzogen ihr umgehend die Reiseerlaubnis, sie überwachten ihren Telefon- und Postverkehr, befragten ihre Nachbarn und Kollegen.

Diese Geschichte handelt von Spitzeln und Denunzianten, die in der DDR-Forschung bis vor Kurzem keine Rolle spielten – weil sie nichts mit der Stasi zu tun hatten. Es geht um ganz normale Bürger, die ihre Mitmenschen verrieten: Nachbarn berichteten über Nachbarn, Schüler über Mitschüler, Studenten über Kommilitonen, Vorgesetzte über Mitarbeiter, Leitungskader über Parteigenossen.


In den 25 Jahren seit der deutschen Einheit wurden diese alltäglichen Denunziationen kaum diskutiert. Nach dem Fall der Mauer konnten sich frühere Anschwärzer leicht wegducken. Inoffizielle Mitarbeiter der Stasi verloren oftmals ihren Job im Staatsdienst, wenn ihre Identität aufflog. Dafür sorgten Überprüfungen beispielsweise in ostdeutschen Parlamenten, Behörden, Schulen und Universitäten.
.............................

Nicht nur SED-Mitglieder beschafften Informationen, auch die Funktionäre der Blockpartei CDU beteiligten sich am Denunziantenwettbewerb. Niemand musste sich dafür an die Stasi wenden, die viele als bedrohlich empfanden. Ein Gespräch mit dem freundlichen Kreisrat oder Betriebsleiter bedurfte keiner Rechtfertigung. Kritische Informationen über Mitbürger gingen dort leichter über die Lippen.

...........................

Die Verlierer dieses Systems wussten häufig nicht, warum ihr Leben aus der Bahn geworfen wurde. Nach dem Mauerfall suchten viele von ihnen nach ihrer Stasiakte. Sie wollten verstehen, warum sie damals zum Beispiel keinen Studienplatz bekommen hatten, wieso ihre Berufskarriere plötzlich abgebrochen war oder weshalb ihre Ausreisegenehmigung kurzfristig widerrufen wurde. Zu ihrer Verwunderung gab es aber beim Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdiensts keine Akten über sie.

...........................

Mit diesem fein gesponnenen Netz erklären Historiker jene erstaunliche Stabilität des DDR-Systems, die allein durch die Stasi nicht hätte erreicht werden können.

Hier geht es weiter mit dem perfiden DDR Denunziantentum : https://www.spiegel.de/spiegel/print/d-135800944.html

Merkur hat völlig Recht , alleine die Anzahl der IMs in der DDR sagt überhaupt nichts aus.
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Re: Deutsche Denunzianten Republik

Beitragvon augenzeuge » 7. Oktober 2020, 07:01

Flächendeckende Informationen.

AZ
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Re: Deutsche Denunzianten Republik

Beitragvon Kumpel » 7. Oktober 2020, 07:08

Stimmt , die Nostalgiker's , Beethoven's und Merkur's haben vollkommen Recht , dass viele DDR Bürger nie etwas mit der Stasi zu tun hatten , das haben die willfährigen Anscheißer erledigt.
Natürlich stets zum Wohle der Republik.
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Re: Deutsche Denunzianten Republik

Beitragvon Danny_1000 » 7. Oktober 2020, 08:19

Sicherlich hat das DDR-System das Denunziantentum be- als auch gefördert. Aber letztlich ist ein Denunziant - ein willfähriger Anscheißer also - immer noch ein Mensch, welchem dieser negative Charakterzug eigen ist .

Und auch heute wird eifrig und fleißig denunziert. Die sogenannten sozialen Medien sind ja das beste Beispiel dafür. Und auch hier im Forum gab's sowas schon.
Ich mag verdammen, was du sagst, aber ich werde mein Leben
dafür einsetzen, dass du es sagen darfst !
(Evelyn Beatrice Hall 1868; † nach 1939)
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Re: Deutsche Denunzianten Republik

Beitragvon Kumpel » 7. Oktober 2020, 08:31

Danny_1000 hat geschrieben:Und auch heute wird eifrig und fleißig denunziert. Die sogenannten sozialen Medien sind ja das beste Beispiel dafür. Und auch hier im Forum gab's sowas schon.


Das ist ein ''Klasse'' Vergleich. Da frage ich mich wirklich manchmal............
Kommt aber eben auch darauf an , welche Charaktereigenschaften ein System für die eigene Existenzsicherung aus einem ''heraus kitzelt''.
Dafür braucht es nicht zwangsläufig negative Charaktereigenschaften. Man macht die Menschen einfach dazu.
Zuletzt geändert von Kumpel am 7. Oktober 2020, 08:44, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Deutsche Denunzianten Republik

Beitragvon pentium » 7. Oktober 2020, 08:43

Das Denunziantentum hat urdeutsche Traditionen.
Schon unter Andolf Hükler wurden Juden, die sich versteckt hatten, von "guten" Deutschen an die GeStaPOO verraten.
*Dos Rauschen in Wald hot mir'sch ageta, deß ich mei Haamit net loßen ka!* *Zieht aah dorch onnern Arzgebirg der Grenzgrobn wie ene Kett, der Grenzgrobn taalt de Länder ei, ober onnere Herzen net!* *Waar sei Volk verläßt, daar is net wert, deß'r rümlaaft of daaner Erd!*
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Re: Deutsche Denunzianten Republik

Beitragvon Kumpel » 7. Oktober 2020, 08:45

Gab es ja bei der Stasi auch , ''gute Menschen'' und ''brauchbare Menschen'' . Dafür musste man nicht mal was unterschreiben.
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Re: Deutsche Denunzianten Republik

Beitragvon pentium » 7. Oktober 2020, 08:48

Mal in das Hier und Heute...Die „Frankfurter Rundschau“ berichtete im April von einem „Blockwart-Boom“ und begründete diese Einschätzung so: „Allein in Baden-Württemberg gab es innerhalb von zwei Tagen 3000 private Anzeigen wegen Verstößen gegen die Kontaktsperre.“ In Schleswig-­Holstein wurden Zettel mit dem Hinweis „Sie sind hier unerwünscht!“ hinter Scheibenwischer von Autos mit auswärtigem Kennzeichen gesteckt, in Mecklenburg-­Vorpommern Reifen zerstochen. Landesinnenminister Lorenz Caffier sagte dem NDR: „Das Denunziantentum, das zum Teil in der Tat stattfindet, macht nicht nur Angst, sondern macht mich auch sehr traurig.“

Traurig mag das sein, aber keine Überraschung. Wenn Bürger von heute auf morgen mit strengen Auflagen konfrontiert werden, die ihnen Umstände bereiten, scheinen sie sie leichter zu ertragen, wenn sie sich ihnen im Kollektiv beugen. Anderen mehr Freiheiten gönnen zu können, ist nicht jedermanns Stärke. Oder, in Abwandlung eines bekannten Sprichworts: „Was ich gerne tät’, aber nicht tu, das steht auch keinem anderen zu.“
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Re: Deutsche Denunzianten Republik

Beitragvon Kumpel » 7. Oktober 2020, 08:53

Auch wieder so ein komischer Vergleich. Wozu soll der eigentlich dienlich sein? Alles normal , schon immer so gewesen? Eher Ausnahmezustand.
Etwas diffiziler war die Situation in der DDR schon , eher System relevant und ''Hier und Heute'' stimmt ja so auch nicht. Es war im April mit einer etwas anderen Lage als heute.
Zuletzt geändert von Kumpel am 7. Oktober 2020, 08:56, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Deutsche Denunzianten Republik

Beitragvon pentium » 7. Oktober 2020, 08:56

Kumpel hat geschrieben:Auch wieder so ein komischer Vergleich. Wozu soll der eigentlich dienlich sein? Alles normal , schon immer so gewesen?
Etwas diffiziler war die Situation in der DDR schon.


Wieso komisch und diffiziler? Lass dir Zeit mit der Antwort...muss erst mal fort.
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Re: Deutsche Denunzianten Republik

Beitragvon Nostalgiker » 7. Oktober 2020, 09:30

Denunzieren, also jemanden bei staatlichen Stellen anscheißen, wird nicht "demokratisch" legitimiert nur weil es in einer sogenannten freiheitlich demokratischen Ordnung passiert.
Anscheißen bleibt anscheißen und verpetzen bleibt verpetzen.

Letzten las ich sogar die Behauptung dass das denunzieren von vermeintlichen Rechten oder nur den Menschen die wahrscheinlich deren Ideen nicht öffentlich ablehnend gegenüber stehen ein zutiefst demokratischer Akt sei und mit Denunziation überhaupt nichts am Hut habe.
Denn diese Menschen, also die Rechten und deren heimliche Sympathisanten wollen ja die FDG stürzen, sind also Feinde und Feinde müssen mit allen Mitteln bekämpft werden.

Ergo, stehe ich selber ideologisch festen und richtigen Füßen ist Denunziation meine Bürgerpflicht, denn damit schütze ich Staat und Gesellschaft vor feindlich-negativen Elementen.

Ob nun Neonazi oder Corona-Leugner, alle Denunzieren lautet das Credo.
Ich nehme zur Kenntnis, das ich einer Generation angehöre, deren Hoffnungen zusammengebrochen sind.
Aber damit sind diese Hoffnungen nicht erledigt. Stefan Hermlin

Freiheit ist nur ein anderes Wort dafür, dass man nichts zu verlieren hat. Janis Joplin
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Re: Deutsche Denunzianten Republik

Beitragvon Kumpel » 7. Oktober 2020, 10:26

pentium hat geschrieben:
Kumpel hat geschrieben:Auch wieder so ein komischer Vergleich. Wozu soll der eigentlich dienlich sein? Alles normal , schon immer so gewesen?
Etwas diffiziler war die Situation in der DDR schon.


Wieso komisch und diffiziler? Lass dir Zeit mit der Antwort...muss erst mal fort.


Weil das in der DDR bereits viel unterschwelliger ablief. Das ist mir erst richtig nach einigen Klassentreffen nach 1990 so richtig bewusst geworden.
Das ging vom klassenbewussten Lehrer über den Ausbilder , Klassenkameraden mit Vater als ABV bis zum Nachbarn und Arbeitskollegen.
Ein richtiges kleines Räderwerk von dem das eine Rädchen von dem anderen nichts wusste. Also muss sich auch niemand irgendwie ''schuldig'' fühlen.
An sich eigentlich irgendwie so etwas wie eine zivile Stasi.
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Re: Deutsche Denunzianten Republik

Beitragvon augenzeuge » 7. Oktober 2020, 15:12

weil es in einer sogenannten freiheitlich demokratischen Ordnung passiert.


Kannst du locker weglassen. Auch wenn's nicht gefällt. [hallo]
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Re: Deutsche Denunzianten Republik

Beitragvon augenzeuge » 7. Oktober 2020, 15:16

Kumpel hat geschrieben:Das ging vom klassenbewussten Lehrer über den Ausbilder , Klassenkameraden mit Vater als ABV bis zum Nachbarn und Arbeitskollegen.
Ein richtiges kleines Räderwerk von dem das eine Rädchen von dem anderen nichts wusste. Also muss sich auch niemand irgendwie ''schuldig'' fühlen.
An sich eigentlich irgendwie so etwas wie eine zivile Stasi.


Exakt beschrieben. Kann ich nur bestätigen. Und da man ja "vorankommen" wollte....musste man sich beugen....etwas zumindest. Bis Heym kam und alle daran erinnerte, aufrecht zu gehen.

Nein, es war nicht alles schlecht. Wenn man nur nicht den Anschein erweckte, dagegen zu sein. Dann war alles schnell weg. Abitur, Studium...usw.
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Re: Deutsche Denunzianten Republik

Beitragvon steffen52 » 7. Oktober 2020, 15:20

"Der größte Lump im ganzen Land , das ist und bleibt der Denunziant" Dieser Spruch ist nun mal die Wahrheit, egal wie da User es versuchen zu verschönern!
Gruß steffen52
"Die Großen hören auf zu herrschen, wenn die Kleinen aufhören zu kriechen!"
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