Das Kapital im 21. Jahrhundert

Geld, Wirtschaft, Einkauf u.s.w.

Das Kapital im 21. Jahrhundert

Beitragvon Spartacus » 20. September 2014, 17:27

Es passiert nicht oft, das ich ein Buch empfehle, aber das muss man gelesen haben.

Wie funktioniert die Akkumulation und Distribution von Kapital? Welche dynamischen Faktoren sind dafür entscheidend? Jede politische Ökonomie umkreist die Fragen nach der langfristigen Evolution von Ungleichheit, der Konzentration von Wohlstand und den Chancen für ökonomisches Wachstum. Aber befriedigende Antworten gab es bislang kaum, weil geeignete Daten und eine klare Theorie fehlten. In "Das Kapital im 21. Jahrhundert" untersucht Thomas Piketty Daten aus 20 Ländern, mit Rückgriffen bis ins 18. Jahrhundert, um die entscheidenden ökonomischen und sozialen Muster freizulegen. Seine Ergebnisse werden die Debatte verändern und setzen die Agenda für eine neue Diskussion über Wohlstand und Ungleichheit in der nächsten Generation.

Piketty zeigt, dass das moderne ökonomische Wachstum und die Verbreitung des Wissens es uns ermöglicht haben, Ungleichheit in dem apokalyptischen Ausmaß abzuwenden, das Karl Marx prophezeit hatte. Aber wir haben die Strukturen von Kapital und Ungleichheit nicht in dem Umfang verändert, den uns die optimistischen Jahrzehnte nach dem Zweiten Weltkrieg suggeriert haben. Der Haupttreiber der Ungleichheit – dass Gewinne aus Kapital höher sind als die Wachstumsraten – droht heute vielmehr extreme Formen von Ungleichheit hervorzubringen, die den sozialen Frieden gefährden und die Werte der Demokratie unterminieren. Doch ökonomische Trends sind keine Handlungen Gottes. Politisches Handeln hat ökonomische Ungleichheiten in der Vergangenheit korrigiert, sagt Piketty, und kann das auch wieder tun.

"Das Kapital im 21. Jahrhundert" ist ein Werk von außergewöhnlichem Ehrgeiz, von großer Originalität und von beeindruckendem Rigorismus. Es lenkt unser ganzes Verständnis von Ökonomie in neue Bahnen und konfrontiert uns mit ernüchternden Lektionen für unsere Gegenwart.



Hier gibt es das Buch schon auf deutsch, ab Oktober soll es überall im deutschen Buchhandel sein.

http://www.chbeck.de/Piketty-Kapital-21 ... ApT48P8HAQ

Da das Buch ungemein wichtig ist, stelle ich es auch hier "vorne" ein, damit es niemanden entgeht.
Kurz gesagt, geht es darum, das die Armen immer ärmer, die Reichen immer reicher werden und der Mittelstand
verzweifelt ums Überleben kämpft. Und das diese Tragödie schier unaufhaltsam zu sein scheint, die extreme jährlich
zunehmen. Piketty wird bereits weltweit heftig diskutiert, wobei die Reichen natürlich keinerlei Handlungsbedarf
sehen und Piketty angiften, da er sie mit einer weltweiten Steuer belegen will, die das Gleichgewicht zwischen Arm
und Reich wieder herstellen soll. Die Idee finde ich interessant, denn wenn die Reichen "überall" zahlen müssen,
dann können sie auch nirgends wohin mehr flüchten.
Eine Diskussion ist natürlich erwünscht und wie ich Sirius, oder Pentium nun schon kenne, wird es da auch nicht
lange dauern.

LG

Sparta


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Re: Das Kapital im 21. Jahrhundert

Beitragvon pentium » 20. September 2014, 18:08

Buchbesprechung: Alles, was Sie über “Das Kapital im 21. Jahrhundert” von Thomas Piketty wissen müssen!

Zitat:
Dem Autor gebricht es nicht an Ambition. Mit weniger als damit, einen Bogen von der Zeit Christi bis in unsere Tage zu schlagen, will er sich nicht zufriedengeben. Da verlässliche Wirtschaftsdaten bis ins Jahr 1700 indes weitgehend fehlen, werden diese großzügig von ihm geschätzt. So setzt er zum Beispiel die Kapitalrendite der Jahre 0 – 1700 mit 4,5% an. Daß der Autor all seine Betrachtungen anstellt, ohne dabei die Rolle des Staates zu berücksichtigen (so findet etwa die Verteilungswirkung von Steuern keinerlei Beachtung), erweist sich – im Sinne der von ihm geforderten „sozialen Gerechtigkeit“ – als sehr geschickt. Auch seine Konzentration auf nominale Vermögenswerte unter völliger Vernachlässigung der Wirkung einer inflationistischen (staatlichen!) Geldpolitik, fügt sich bestens in das angestrebte Ziel, weiter in Richtung einer staatlich gelenkten Planwirtschaft voranzuschreiten.
Zu den ersten fachkundigen Kritikern des Buches zählt der deutsche Ökonom Hans-Werner Sinn, der (wie auch andere Experten) die Gültigkeit von Pikettys „Weltformel“ rundweg bestreitet. Sinn betont, „…daß eine jede wachsende Größe auf die Dauer nur mit der Rate wachsen kann, mit der auch ihr Zuwachs wächst“. Langfristig gelte daher: r = g.

quelle:
Alles, was Sie über Das Kapital im 21. Jahrhundert von Thomas Piketty wissen müssen
Ulrich Horstmann
Finanzbuchverlag 2014
ISBN 978-3-89879-884-6
109 Seiten, broschiert
€ 6,99

http://www.misesde.org/?p=8380

Kapitalismus bedeutet Ungleichheit

Zitat:
Was empfiehlt Piketty? Die progressive Besteuerung großer Vermögen, versteht sich, konkret: Für Nettovermögen zwischen einer Million und fünf Millionen Euro/Dollar soll ein Prozent pro Jahr fällig sein. Bei Vermögen über 100 Millionen schlüge die Piketty-Steuer mit zehn Prozent zu Buche. Natürlich weiß Piketty, dass Kapital, wie man sagt, flüchtig ist, weshalb er eine enge Zusammenarbeit aller Nationen anmahnt und die Globalisierung seiner Steuer empfiehlt. Das aber ist, gemessen am hohen Aufwand seiner Analyse, an der Steilheit seiner These, an der politischen Ausbeutbarkeit seiner Formel und erst recht gemessen an seinem vermessenen Anspruch, einen größeren Klassiker geschrieben zu haben als die Klassiker Thomas Robert Malthus, David Ricardo, Karl Marx und Simon Kuznets, eine beschämend naive, weil unpolitisch-utopische Empfehlung.

Daher eine Anregung zum Schluss, verehrter Herr Piketty: Ihr Werk gewänne, wenn Sie unzählige Wiederholungen strichen, ihre Analyse auf knapp 200 Seiten verdichteten und auf politische Schlussfolgerungen verzichteten. Auch würde Ihnen ein wenig mehr Bescheidenheit gut zu Gesicht stehen. Denn erstens sind Ihre Erkenntnisse nicht revolutionär, sondern sie bestätigen bloß die Volksgewissheit, dass der Teufel auf den größten Haufen scheißt. Zweitens haben die Theoretiker vor ihnen zwar weniger statistisches Material zur Verfügung stehen gehabt, dafür aber die Gesetzmäßigkeiten des Kapitalismus heraus präpariert und nicht nur seine Ergebnisse notiert.

Drittens haben diese Theoretiker dabei längst herausgefunden, dass dem Kapitalismus keine innere Sozialpflichtigkeit innewohnt und keine Umverteilungsziele kennt, dass ihm die Bearbeitung von Ungleichheit überhaupt gar kein Anliegen ist.

quelle:
http://www.wiwo.de/politik/konjunktur/t ... 944-4.html

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Re: Das Kapital im 21. Jahrhundert

Beitragvon Spartacus » 20. September 2014, 18:46

Sinn betont, „…daß eine jede wachsende Größe auf die Dauer nur mit der Rate wachsen kann, mit der auch ihr Zuwachs wächst“. Langfristig gelte daher: r = g.


Wenn das stimmen würde, würden die momentanen riesigen Geldmengen niemals existieren. Das es anders ist, weiß
jedes Kind. Richtig ist die Formel r > g, denn nach der Formel r > g ist die Verzinsung, also die Kapitalrendite
(r = return on capital), dauerhaft größer als die Wachstumsrate der Wirtschaft (g = growth). Und dieses überschüssige
Kapital wird reinvestiert - zumeist über Hedgefonds - so "brachial" weitervermehrt, was zu einem weiteren Anstieg
der Geldmenge führt, wofür natürlich wieder entsprechende Zinsen gezahlt werden müssen. Ein übriges tun die
Zentralbanken dieser Welt, die den Markt für Banken mit billigem Geld fluten. Hängt halt alles zusammen.

Noch Fragen?

LG

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Re: Das Kapital im 21. Jahrhundert

Beitragvon pentium » 20. September 2014, 18:59

Ja Sparta, eine Frage:

Lebte schon Jesus im Kapitalismus?

Piketty blickt nicht nur ungewöhnlich weit nach vorne, sondern auch sehr weit zurück. Um ihn zu verstehen, muss man bei Jesus Christus anfangen. Piketty hat sich vergangene Jahrhunderte angeschaut und festgestellt, dass die Rendite, die Kapital- oder Vermögensbesitzer erzielen, regelmäßig höher war als das Wachstum der Wirtschaft. Mathematisch formuliert: r > g. Daraus folge, dass sich die Reichen ein immer größeres Stück vom Kuchen abschnitten – bis die Gesellschaft instabil werde. Darin stecke der "zentrale Widerspruch des Kapitalismus".

Was das nun mit Jesus Christus zu tun hat? Dazu schreibt Piketty nichts, aber er zeichnet Kurven, die tatsächlich im Jahr null beginnen und zeigen sollen: Zu Jesu Lebzeiten lag die durchschnittliche Rendite nach Steuern weltweit bei 4,5 Prozent und das globale Wirtschaftswachstum im Null-Komma-Bereich. So blieb es bis zum Jahr 1700, dann bekommen die Kurven mehr Zacken. Aber fast immer galt: r größer g. Das sei die "Summe" seiner Erkenntnisse, so Piketty.

Die Argumentation ist abenteuerlich. Allein die Vorstellung, man könne die weltweite Wirtschaft vor tausend oder zweitausend Jahren vermessen und die Rendite aller damaligen Kapitalanlagen berechnen! Einzelne Historiker hantieren zwar mit derartigen Zahlen. Aber viele schütteln auch den Kopf. Der deutsche Wirtschaftshistoriker Werner Abelshauser hält das für verwegen: "Ich habe ja schon Bauchschmerzen, wenn ich versuche, das Bruttoinlandsprodukt für Deutschland ab dem 19. Jahrhundert zu rekonstruieren."

Tatsächlich hat Piketty seine historischen Werte auch gar nicht richtig ermittelt. Für die ersten 1700 Jahre schätzt er die Kapitalrendite bloß, auf gleichbleibend 4,5 Prozent. Steuern lässt er bis zum Jahr 1900 sogar ganz beiseite, zur Vereinfachung. Obwohl schon die Römer Steuern erhoben, etwa auf den Landbesitz (tributum soli).

quelle:
Die Zeit

Wir sollten nicht auf Herrn Sinn herumreiten, Sparta. Wie schon im Text beschrieben, mir sind die Zahlen zu abenteuerlich!

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Re: Das Kapital im 21. Jahrhundert

Beitragvon Spartacus » 21. September 2014, 12:18

Wir sollten nicht auf Herrn Sinn herumreiten, Sparta. Wie schon im Text beschrieben, mir sind die Zahlen zu abenteuerlich!


Wenn Sinn Unsinn schreibt, dann bekommt er ne Breitseite. [grins]

Und OK, von Jesus aus zu berechnen ist vielleicht ein bisschen abenteuerlich, aber mit einer Grundannahme
durchaus gestattet. Auf die Jetztzeit bezogen liegt Piketty absolut richtig. Aktuell haben wir 2.325 Milliardäre
mit einem Gesamtvermögen von 5,54 Billionen Euro. Das ist das jährliche Bruttoinlandsprodukt von Deutschland
mal zwei. Das Problem bei diesen Superreichen ist, da sie ihr Geld dem Geldkreislauf entziehen, es also einfach
nicht ausgeben. Wie könnten sie auch, denn irgendwann - meist sehr schnell - sind die Garagen voll, die Villen
gebaut. In Deutschland alleine haben wir aktuell 123 Milliardäre, die im Maximum von der Gesellschaft, dem Staat
profitieren, aber im Vergleich dazu nichts zurückgeben.

LG

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Re: Das Kapital im 21. Jahrhundert

Beitragvon Sirius » 21. September 2014, 15:23

Spartacus hat geschrieben:Eine Diskussion ist natürlich erwünscht und wie ich Sirius, oder Pentium nun schon kenne, wird es da auch nicht
lange dauern.

LG

Sparta


Hallo Sparta,

ja, das ist eines der Themen, die mich interessieren. [wink]

Gruß
Sirius
Zuletzt geändert von Sirius am 21. September 2014, 15:33, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Das Kapital im 21. Jahrhundert

Beitragvon Sirius » 21. September 2014, 15:23

Spartacus hat geschrieben:
Wir sollten nicht auf Herrn Sinn herumreiten, Sparta. Wie schon im Text beschrieben, mir sind die Zahlen zu abenteuerlich!


Wenn Sinn Unsinn schreibt, dann bekommt er ne Breitseite. [grins]

Und OK, von Jesus aus zu berechnen ist vielleicht ein bisschen abenteuerlich, aber mit einer Grundannahme
durchaus gestattet. Auf die Jetztzeit bezogen liegt Piketty absolut richtig. Aktuell haben wir 2.325 Milliardäre
mit einem Gesamtvermögen von 5,54 Billionen Euro. Das ist das jährliche Bruttoinlandsprodukt von Deutschland
mal zwei. Das Problem bei diesen Superreichen ist, da sie ihr Geld dem Geldkreislauf entziehen, es also einfach
nicht ausgeben. Wie könnten sie auch, denn irgendwann - meist sehr schnell - sind die Garagen voll, die Villen
gebaut.
In Deutschland alleine haben wir aktuell 123 Milliardäre, die im Maximum von der Gesellschaft, dem Staat
profitieren, aber im Vergleich dazu nichts zurückgeben.

LG

Sparta


Hallo Sparta,

genau, das ist das Hauptproblem. Den von Dir beschriebene Effekt bezeichnet man in der Volkswirtschaftslehre übrigens als "marginale Konsumquote". Und die wird umso kleiner, je reicher der Betreffende ist. Also wie viel Cent gebe ich von jedem zusätzlichen Euro, den ich verdiene, aus. Je reicher ich bin, bzw. je mehr ich verdiene, desto geringer ist dieser Wert. Das ist auch empirisch belegt, also mit statistischen Daten bewiesen.

Wen Formeln interessieren:
http://de.wikipedia.org/wiki/Marginale_Konsumquote
http://wirtschaftslexikon.gabler.de/Def ... quote.html

Während der großen Depression Anfang der dreißiger Jahre im zwanzigsten Jahrhundert hat man deshalb den Spitzensteuersatz bei der Einkommensteuer in den USA auf über 90 % angehoben! Dieser Steuersatz blieb auch in den vierziger und fünfziger Jahren noch sehr hoch. Erst ab den sechziger Jahren wurde der Spitzensteuersatz erheblich gesenkt und liegt heute wimre in den USA bei etwa 30 %. Man hat also in Krisenzeiten bei den Reichen stärker den Rahm abgeschöpft, um auch den Staatshaushalt besser finanzieren zu können. Schließlich gab es unter Hoover und Roosevelt große staatliche Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen (z.B. Bau des Hooverdamms), die auch finanziert werden mussten. Heute funktionieren solche hohen Steuersätze natürlich nur dann, wenn das Kapital nicht in Steueroasen fliehen kann.

Dazu auch der passende Artikel heute:

Konzerne sollen zwei Billionen Dollar versteuern

Die OECD und die G 20 haben sich auf die "größte Steuerreform seit 100 Jahren" geeinigt. Im Visier stehen die Steuervermeidungstaktiken der Konzerne – ihnen soll es jetzt schnell an den Kragen gehen.

...
Mit ihren Bemühungen wollen die G 20 erreichen, dass findige internationale Großkonzerne nicht mehr die Unterschiede in den nationalen Steuersystemen dazu nützen können, gezielt und legal Gewinne in Länder mit günstigen Steuern zu transferieren und damit ihre Abgabenlast zu vermindern.

Gerade Konzerne in der Internet-Wirtschaft, wie Google oder Amazon, hatten damit Schlagzeilen gemacht, dass sie in Ländern wie Deutschland zwar riesige Geschäfte in Milliardendimensionen abwickeln, dort aber kaum Steuern zahlen. Dem wollen die G 20 einen Riegel vorschieben.

"Wir schließen die Schlupflöcher, die es Investoren erlauben, ihre Gelder zwischen Ländern zu verschieben und damit künstlich von Vorteilen von Steuerabkommen und -regeln zu profitieren", beschrieb Gurria das Ziel der Initiative gegen Gewinnverlagerungen und Steuerverkürzungen (BEPS).


http://www.welt.de/wirtschaft/article13 ... euern.html

Gruß Sirius
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Re: Das Kapital im 21. Jahrhundert

Beitragvon Spartacus » 21. September 2014, 17:40

Ziel der Initiative gegen Gewinnverlagerungen und Steuerverkürzungen (BEPS).


Na schauen wir mal Sirius, immerhin sind diese Konzerne meistens ein, wenn nicht gar zwei Schritte voraus.
Der Ansatz ist natürlich richtig, allein mir fehlt da noch der Glaube.

Ein Ansatz der mir schon immer sehr gefallen hat, ist der von Silvio Gesell.

Er will Geld als verderbliche Ware sehen, also wie Obst oder Gemüse und mit einem Verfallsdatum versehen.
So würde sich das Problem des Geldumlaufs von selbst erledigen und so ganz nebenbei die ja reichlich vorhandene
Arbeit finanziert werden. Und natürlich könnte man so den verdammten Zinseszins abschaffen, denn der ist das
Gegenmodell zum Verfallsdatum, also der Anreiz sein Geld in Umlauf zu bringen. Dies war und ist von Anfang an
das falsche Modell gewesen, da diesen verdammten Zins jeder zahlen muss, ob er nun will oder nicht.

Jedesmal wenn jemand von uns einkaufen geht, zahlen wir Zinsen, die gar nicht unsere Zinsen sind. Genauer gesagt
zahlen wir die Schuldzinsen der Unternehmen, die einfach auf die Produkte draufgeschlagen werden. Und als ob das
noch nicht reicht, zahlen wir über unsere Steuern auch noch die Schuldzinsen des Staates, momentan wohl so um die
37 Milliarden Euro pro Jahr. Was könnte man mit dem Geld nicht alles anfangen?

In diesem System ist immer der kleine Arbeiter der dumme, da er sich nicht dagegen wehren kann.

Schuldzinssklaverei nenne ich das auf der einen Seite und Betrug / Raub auf der anderen.

Wenn ich mit Leuten darüber diskutiere, dann zucken sie mit den Schultern, kann man ja eh nichts machen.
Tolle Einstellung, denn ihnen wird jeden Tag ihr sauer verdientes Geld geraubt und sie kapieren sogar wie das
geschieht, wenn man es ihnen erklärt, aber dann halt die Reaktion wie oben beschrieben.

In diesem Land steht wegen jedem Scheiß der Wutbürger auf dem Marktplatz, aber hier?

Dummes Geschaue und Schweigen. Klasse.

Werde ich am nächsten Samstag wieder erleben, denn da bin ich auf einer Veranstaltung, die sich genau mit
diesem Thema befasst. Die Reaktionen des Publikums kenne ich jetzt schon. Ist immer wieder ein Erlebnis.

LG

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Re: Das Kapital im 21. Jahrhundert

Beitragvon Interessierter » 22. September 2014, 07:46

Gastbeitrag von Karl-Heinz Paqué - Gibt es doch Gesetze des Kapitalismus?

Vermögensforscher Piketty sieht die unausweichliche Spaltung der westlichen Gesellschaften. Doch enthält seine Analyse zwei Kardinalfehler. Kritisches zu einem Wirtschaftsbestseller.

Der neue Karl Marx! So etwa war die Reaktion der Öffentlichkeit, als Thomas Piketty sein Buch „Capital in the Twenty-First Century“ im März in englischer Übersetzung aus dem Französischen bei Harvard University Press vorlegte. Das fast 700 Seiten starke Opus erhielt zum Teil hymnische Kritiken und wurde binnen kurzer Zeit zum Bestseller, jedenfalls in den Vereinigten Staaten, wo in zwei Monaten 300.000 Exemplare davon verkauft wurden. In Kürze wird es auf Deutsch erscheinen. Der Autor, ein bis dahin nur in Fachkreisen bekannter französischer Volkswirt der École des hautes études en sciences sociales (EHESS) in Paris, wurde über Nacht zum Star der Printmedien und des Internets.

Endlich jemand, so die Botschaft der Feuilletons, der die Gesetze des modernen Kapitalismus offenlegt – und zwar in jener zentralen Wirkung, die der etablierte Mainstream der Wirtschaftswissenschaft angeblich so gerne übergeht: den unerbittlichen Trend zur Spaltung der Gesellschaft in Reich und Arm. Dazu liefert er noch Vorschläge zur politischen Lösung des Problems: massive Erhöhung der Besteuerung des Wohlstands, und zwar in allen seinen Formen, vom Einkommen über das Vermögen bis zu den Erbschaften. Der Vergleich von Piketty mit Marx ist dabei absolut berechtigt und wohl auch vom Autor gewünscht. Der Titel des Buches erinnert explizit an „Das Kapital“, das Hauptwerk von Marx; die politischen Vorschläge sind ähnlich radikal wie bei Marx, wenn auch nicht ganz so revolutionär.

Aber vor allem ist die methodische Vorgehensweise der beiden tief verwandt: Sie suchen im Kapitalismus unabänderliche Trends, Piketty allerdings als moderner Einkommens- und Vermögensforscher mit unendlich schärferen empirischen Instrumenten als seinerzeit Marx. Beide liefern einen Beitrag zu jener Kategorie von Wissenschaft, die der österreichische Philosoph Karl Popper als „historizistisch“ bezeichnete und scharf kritisierte. Allein der Versuch, eherne Gesetze der Geschichte zu identifizieren, war für den kritischen Rationalisten Popper unwissenschaftlich, denn es widersprach seiner Logik der Forschung, die auf den permanenten Versuch der Falsifikation von Hypothesen setzte und politisch der „Stückwerktechnologie“ den Vorzug vor radikalen Umgestaltungen gab, denen stets etwas Totalitäres anhafte.

Die Kernfrage lautet allerdings: Sind Pikettys weitreichende Schlussfolgerungen in Diagnose und Therapie wirklich gerechtfertigt? Die Antwort dazu ist ein klares Nein, und dies aus historischen, ökonomischen und politischen Gründen.

Weiter mit dem längeren, interessanten Beitrag und der Begründung des " Neins " hier:
http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/w ... 48312.html

" Der Interessierte "
Interessierter
 

Re: Das Kapital im 21. Jahrhundert

Beitragvon Spartacus » 22. September 2014, 17:12

Ja klar doch, allen schreien NEIN er hat unrecht, dabei reicht ein Blick über die Schreibtischkante um zu erkennen,
wie recht er hat.

Noch vor 20 Jahren war ein Großteil der Amerikaner davon überzeugt, das es ihren Kindern einmal besser gehen
wird, als ihnen selbst. Heute glaubt fast keiner mehr daran, was ein sehr negatives Zeichen ist.

Und mal Hand auf´s Herz, wie sieht es denn bei uns aus?

Wer glaubt denn noch daran, das mal unsere Kinder in einer Firma 45 Jahre arbeiten werden?
Wer glaubt daran, das es unseren Kindern einmal besser gehen wird, als uns?

Ich persönlich tue sehr viel für meine Tochter, denn ihr fehlt ja einfach die Lebenserfahrung. Also weitblickend
eine Ausbildung, mit der sie auch in einem anderen Berufsfeld etwas anfangen kann. Wir haben auch gut für sie
vorgesorgt, sie wird mal anders in ihr eigenständiges Leben starten, als wir damals. Führerschein, erste
Wohnungseinrichtung, erstes Auto, wird alles von uns gesponsert und trotzdem habe ich kein gutes Gefühl, was
die Zukunft für meine Tochter angeht.

Daher müssen wir was tun, für unsere Kinder! [smile]

LG

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Re: Das Kapital im 21. Jahrhundert

Beitragvon augenzeuge » 22. September 2014, 18:05

Sparta, was du tust, tun alle Eltern, die es sich leisten können und wo eine intakte Beziehung besteht. Ich stimme dir in allen Punkten zu, ich seh es ähnlich.
Das Beste was du tun kannst, fördere ihre Erfahrungen, damit sie weiß, was sie will. Je früher man das weiß, umso besser kann man daraufhin arbeiten.

Viele haben heute ihr Abi gemacht und wissen nicht, was sie machen sollen. Ganz schlecht. Hier haben 40% der Abiturienten kein Studium machen können, weil sie mit ner Abinote von 3,... kaum was bekommen....Da gehen sie ein Jahr nach Australien, verdingen sich mit billigsten Jobs...na toll.

Bafög bekommt heute kaum einer, der nicht ein paar Kinder hat. Die Verdienstspanne ist so niedrig, dass man bei einem Kind so gut wie nie Anspruch hat.
Hohe Bildung ist ein Muss, um der Armutsfalle später zu entgehen. 500 EUR kostet dich ein Studium minimal, pro Monat, wenn du alles allein finanzieren musst. Das muss man wissen.

Führerschein 2500-3000,-......wobei allein die Gebühr für eine praktische Wiederholung der Prüfung (brauchen locker 60-70 Prozent) locker 150 beträgt.... [shocked]

AZ
"Wer nicht an Wunder glaubt, ist kein Realist."
„Wer A sagt, der muss nicht B sagen. Er kann auch erkennen, dass A falsch war“.
"Es ist manchmal gefährlich, Recht zu haben, wenn die Regierung Unrecht hat. (Voltaire)"
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Re: Das Kapital im 21. Jahrhundert

Beitragvon Spartacus » 22. September 2014, 18:22

Kenne ich alles AZ, habe ich auch schon alles durchgerechnet.

Beim Abi ist es ja der numerus clausus, der ihnen das Genick bricht, da bleibt dann nur noch BWL, oder für
die Mathegenies Informatik, da braucht man nicht mal den NC.

Die BWLer findeste dann im Taxi wieder. [flash]

Ist schon ein Graus.

LG

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