DDR-Bürger als ahnungslose Versuchskaninchen der bundesdeutschen Pharmazie?

Es gab zwischen beiden deutschen Staaten große Unterschiede in der Sozialpolitik (welche ja eine der Philosophien des DDR-Sozialismus war). Wo lagen die Unterschiede? Wie effektiv waren beide Sozialsysteme? Was war ungerecht, was war gerecht? Wie ist es im Vergleich zu heute?
Der Bereich für Diskussionen zu den Sozialen Systemen der beiden deutschen Staaten.

Schweizer Firma testete illegal Medikamente in der DDR

Beitragvon augenzeuge » 23. Juli 2010, 08:07

Plauen – Es ist ein bisher vertuschter Pharma-Skandal, den das MDR Nachrichtenmagazin „Exakt“ nun aufgedeckt hat. Die Schweizer Firma Ciba Geigy soll 1989 in Plauen im damaligen Bezirkskrankenhaus ein Antidepressivum illegal an einer Patientin getestet haben. Ein weiterer Fall, der zeigt, dass es in der DDR viel mehr Bürger als bisher bekannt gab, an denen Westfirmen Medikamenten-Tests durchführten.

Die Angehörige Karin Forner wurde damals misstrauisch. Ihre Mutter litt unter Depressionen. Die Aufnahme im Krankenhaus sei schwierig gewesen, schildert die Frau bei „Exakt“. „Wir haben kein Bett frei. Aber bei uns läuft zur Zeit eine Studie. Wenn Ihre Mutter daran teilnimmt, dann kann ich sie aufnehmen“, zitiert Forner die Worte der Stationsärztin. Als ein Assistenzarzt wissen wollte, ob sie weiß, welche Medikamente ihre Mutter nehme, kam sie ins Zweifeln. Auf die Frage, ob ihre Mutter ein Versuchskaninchen sei, verstummte der Mann, sagte Forner im MDR. Der Mutter ging es nach der Einnahme des Medikaments Brofaromin zunehmend schlechter. Erst als Forner verlangte, das Medikament abzusetzen, und wieder das bewährte DDR-Medikament Amitriptelin zu verabreichen, besserte sich der Zustand. Wie das Nachrichtenmagazin weiter berichtet, habe es in der DDR auch Fälle gegeben, in denen ähnliche Tests tödlich endeten.

Aus Stasi-Unterlagen soll hervorgehen, dass sich die DDR die Medikamententests mit Valuta bezahlen ließ. Abgewickelt wurden die Geschäfte über den Devisenbeschaffer der DDR, Alexander Schalck-Golodkowski und dessen Unternehmen Koko, das damit betraut war, den stets klammen Staat mit Westgeld zu versorgen, um große Projekte realisieren zu können. Die mit den Tests beauftragten Kliniken, also auch die Plauener, sollen von dem Geld nichts gesehen haben.

Helios-Sprecher Johann Peter Prinz bekräftigte auf Anfrage unserer Zeitung, das Kapitel umfassend aufzuklären. Die Geschäftsführung des Helios Vogtland-Klinikums werde alles Nötige veranlassen. Vor allem müsse man nun erst mal sehen, was sich in den Archiven finde. Da stehe man ganz am Anfang. Der Sprecher zeigte sich von den Recherche-Ergebnissen persönlich betroffen, „auch wenn sie lange vor unserer Zeit geschehen sind“. Ob er einen Imageverlust für die Helios-Kette befürchte? Die Öffentlichkeit werde spüren, wie ernst Helios die Aufarbeitung der Geschehnisse betreibe, wenngleich sie weder direkt noch indirekt eine Schuld treffe.

Bei der Aktensuche wird sich wohl auch herausstellen, ob bestimmte Dinge und Abläufe damals absichtlich nicht dokumentiert wurden. Hinsichtlich etwaigen Konsequenzen für an den Tests beteiligte Ärzte, verwies Prinz auf den juristischen Aspekt der Angelegenheit. Dies betreffe auch mögliche Schadensersatzforderungen, machte er deutlich. „Da müssen die Rechts-Experten ran“, so Prinz. Außer den Medien, so der Sprecher abschließend, sei bisher noch keine Behörde an ihn herangetreten, auch die Birthler-Behörde nicht.
http://www.vogtland-anzeiger.de/Vogtland_Anzeiger/index.php?menuid=29&reporeid=3142

Eigene Anmerkung: War es nicht die selbst gestellte Aufgabe der DDR-Regierung, ihr Volk gegen die kapitalistischen Auswüchse zu schützen? Stattdessen verabreichte sie "ihrem" Volk Medikamente, heimlich, und ohne sie über mögliche Folgen aufzuklären. Nur um Devisen zu bekommen, welche vermutlich in eigenen Taschen verschwanden....Ein klares Verbrechen gegen eigene Grundsätze welches die Skrupellosigkeit von den Devisenbeschaffern ala Schalck offenbart. Wo war hier das MfS? Anstatt einzugreifen hiess deren Aufgabe vertuschen, oder?

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Re: Schweizer Firma testete illegal Medikamente in der DDR

Beitragvon augenzeuge » 23. Juli 2010, 14:18

Nachtrag:

"Die westlichen Hersteller testeten unter anderem Mittel gegen Angina, Depressionen, Diabetes und Bluthochdruck. Konzerne aus der BRD, Frankreich und der Schweiz sind in den Skandal verwickelt. Die schmutzigen Geschäfte regelte Devisenbeschaffer Alexander Schalck-Golodkowski.

Wie der an der Untersuchung beteiligte Experte Ulrich Moebius berichtet, lieferten die Firmen alle erdenklichen Medikamente zum test an die DDR.

DDR-Mediziner, die die Arzneien verabreichten, wurden mit Studienreisen in den Westen belohnt. Die Tests fanden im Zeitraum zwischen 1985 und 1989 statt.

Schon 1991 hatte der Spiegel erste Enthüllungen über diese Praktiken veröffentlicht. Das Blatt erntete damals heftige Kritik und den Beschuldigungen wurde widersprochen."
Der Bericht liegt dem MDR vor.
http://www.dnews.de/nachrichten/panorama/271247/ddr-verkaufte-burger-als-versuchskaninchen.html
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Re: Schweizer Firma testete illegal Medikamente in der DDR

Beitragvon Berliner » 23. Juli 2010, 16:28

Viel mehr DDR-Versuchskaninchen für West-Pharmafirmen

Viel mehr DDR-Bürger als bisher bekannt sind offenbar ohne ihr Wissen für Medikamententests westlicher Pharmafirmen benutzt worden. Das berichtet das MDR-Nachrichtenmagazins "Exakt" und beruft sich auf Akten des DDR-Gesundheitsministeriums. Demnach fanden die Versuchsreihen nicht nur an der Charité und einer weiteren Berliner Klinik statt, wie der "Spiegel" Anfang der 90er-Jahre berichtet hatte, sondern auch in anderen Krankenhäusern in den Bezirken der DDR.



Plauen: Studie mit Mittel gegen Depressionen

So wurde 1989 im Bezirkskrankenhaus Plauen das Antidepressivum Brofaromin der Schweizer Firma Ciba Geigy getestet. Bei "Exakt" schildert eine Angehörige: Auf der Suche nach einem Krankenhausbett für ihre schwer depressive Mutter sei sie damals erst erfolgreich gewesen, als sie einwilligte, dass die Mutter an einer Studie teilnahm. In deren Verlauf magerte die Mutter ab, reagierte nicht mehr auf die Außenwelt und schien dem Tode nah. Erst als die Tochter verlangte, das Medikament abzusetzen und wieder das bewährte DDR-Medikament Amitriptelin zu verabreichen, besserte sich der Zustand wieder. Aus Unterlagen des DDR-Gesundheitsministeriums lässt sich schließen, dass in anderen Fällen die Tests sogar tödlich ausgingen.


Devisen für die großen Aufgaben der DDR

Unterlagen der Stasi belegen, dass sich die DDR für die Medikamententests bezahlen ließ. Abgewickelt wurden die Geschäfte über den Devisenbeschaffer der DDR, Alexander Schalck-Golodkowski, und sein Imperium der Kommerziellen Koordinierung, kurz KOKO. Der KOKO-Experte der Birthler-Behörde für die Stasi-Unterlagen, Reinhold Buthmann, ist sich sicher, dass die Gelder zu einem Großteil an Golodkowski geflossen sind und nicht an die Kliniken. "Das Ziel war vollkommen klar: Devisen erwirtschaften für die großen Aufgaben der DDR", so Buthmann. Unterlagen des DDR-Gesundheitsministeriums lassen vermuten, dass für die Tests mehrere Millionen D-Mark geflossen sind.

Billiger und risikoarmer Test für die Westfirmen

Für die Pharmakonzerne aus dem Westen waren die Tests im kleineren Teil Deutschlands offensichtlich ein gutes Geschäft. Für wenig Geld konnten sie die Wirksamkeit neuer Medikamente mit zuverlässigen Ergebnissen überprüfen lassen. Bei etwaigen Fehlschlägen mussten sie weder ein Haftungsrisiko noch um ihr Image fürchten. Brofaromin-Hersteller Ciba Geigy ist heute nach einer Fusion Teil der Novartis AG in Basel. Dort sieht man sich nicht in der Lage, zu den Vorgängen heute noch etwas zu sagen. Nach Angaben des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte hat Ciba Geigy nie beantragt, das Medikment Brofaromin auf dem deutschen Markt zuzulassen. Wie sich die Schweizer Firma Medikamententests organisierte ist allerdings kein Einzellfall: Aus den Akten des Gesundheitsministeriums der DDR geht hervor, dass auch viele Medikamente westdeutscher Firmen in den 80er-Jahren in Ostdeutschland getestet wurden.

1.jpg

2.gif

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4.jpg

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6.jpg

7.jpg


Quelle: Viel mehr DDR-Versuchskaninchen für West-Pharmafirmen - mdr/Exakt
Du hast keine ausreichende Berechtigung, um die Dateianhänge dieses Beitrags anzusehen.
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Re: Schweizer Firma testete illegal Medikamente in der DDR

Beitragvon augenzeuge » 23. Juli 2010, 17:47

Auch wenn es ein schlimmes Kapitel der DDR darstellt, es ist wichtig, dass man heute erfährt, was damals wirklich gelaufen ist. Nur dann kann man ein wirklichkeitsnahes Bild jener Jahre darstellen- welches heute von den alten Vertretern gern verklärt wird.

Allerdings denke ich auch, dass oft auch die Verantwortlichen damals von diesen Machenschaften wenig mitbekommen haben.

Wer aber meint, dass diese Informationen nun ihr Denken beeinflussen könnten, dem unterläuft, zumindest bei vielen, ein Trugschluss. Am liebsten würden sie alle Akten der Birthler-Behörde auf den Grund der Meere versenken, denn was man nicht beweisen kann, läßt sich wunderbar in Zweifel ziehen. Es kann nicht sein, dass das, wofür sie einst marschiert sind, so falsch war....
Umso mehr muss man denjenigen Respekt zollen, die auf Basis neuer Erkenntnisse nicht nur einen neuen, klaren Standpunkt im eigenen Verständnis zulassen, sondern ihn auch gegen Unverbesserliche behaupten.
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Re: DDR-Bürger als ahnungslose Versuchskaninchen der bundesdeutschen Pharmazie?

Beitragvon icke46 » 19. November 2012, 15:52

Auf die Schnelle habe ich dieses gefunden:

http://www.mdr.de/damals/artikel64688.html

Es scheint also etwas dran zu sein.

Gruss

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Re: DDR-Bürger als ahnungslose Versuchskaninchen der bundesdeutschen Pharmazie?

Beitragvon augenzeuge » 19. November 2012, 16:38



Das die DDR-Oberen ihr Volk für Medikamententests der westl. Pharmabranche zur Verfügung stellen, dieses dabei unwissend lassen, das hätte ich eigentlich nicht für möglich gehalten. War die DDR so pleite?

Die Recherchen sind ja wohl kaum von der Hand zu weisen. Darüber gab es mal einen Film, dass sowas in Afrika gelaufen sein soll, selbst das ist unglaublich, aber in der DDR?

Vor welchen Gangstern sollte denn die Mauer und das MfS ihr Volk noch schützen, wenn die größten Verbrecher die Befehlsstrategen von SED und MfS waren?

Das ist ja noch absurder als die Bezahlung der Todesschüsse in Bulgarien, welche immer gern angezweifelt werden.

Selbst Neun müsste nun klar werden, dass er nur die kleinen "Fische" sah, die großen Gangster verteidigte er ja mit seinem Schild.....natürlich unwissend.

Welcher DDR-Minister trug dafür die Verantwortung?

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Re: DDR-Bürger als ahnungslose Versuchskaninchen der bundesdeutschen Pharmazie?

Beitragvon Affi976 » 19. November 2012, 16:40

@ABV,
da lief vor noch nicht langer Zeit eine Sendung im TV. Welcher Sender - keine Ahnung.
Dort wurde sogar von der Verabreichung sog. Placebomedikamente berichtet, bei Krebs-und Herzpatienten mit fatalen Folgen.
Also dran ganz sicher, wer allerdings den größeren Nutzen draus gezogen hat, dürfte noch zu ermitteln sein.
Oder im Umkehrschluß - wer ist der größere Halunke in diesem Geschäft gewesen?
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Re: DDR-Bürger als ahnungslose Versuchskaninchen der bundesdeutschen Pharmazie?

Beitragvon augenzeuge » 19. November 2012, 16:43

Affi976 hat geschrieben: wer ist der größere Halunke in diesem Geschäft gewesen?
VG Affi


Das die Pharmabranche von Gangstern regiert wird ist nichts neues. Es ist ja wohl mehr als eindeutig, wer das in der DDR zulassen konnte.....oder?
Der Begriff "Halunken" ist dafür noch schmeichelhaft...

AZ
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Re: DDR-Bürger als ahnungslose Versuchskaninchen der bundesdeutschen Pharmazie?

Beitragvon karnak » 19. November 2012, 17:29

Das Halunkentum war dann aber Grenzüberschreitend.Von Ost nach West und von West nach Ost.Und man weiß nicht mehr so genau,wer der größere Halunke und Heuchler war.
" Denn sie hassen am Andersdenkenden nicht nur die andere Meinung, zu der er sich bekennt,sondern auch die Vermessenheit, selbst urteilen zu wollen. Was sie ja doch selbst nie unternehmen und im Stillen sich dessen bewusst sind."
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Re: DDR-Bürger als ahnungslose Versuchskaninchen der bundesdeutschen Pharmazie?

Beitragvon augenzeuge » 19. November 2012, 17:35

karnak hat geschrieben:Das Halunkentum war dann aber Grenzüberschreitend.Von Ost nach West und von West nach Ost.Und man weiß nicht mehr so genau,wer der größere Halunke und Heuchler war.


Doch, das weiß man. Der "Größte" ist der, der verspricht und schwört, sein Volk vor dem bösen Imperialisten zu schützen, dieses aber dann an diese unwissend im eignen Land dem Gegner heimlich zur Verfügung stellt....

AZ
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Re: DDR-Bürger als ahnungslose Versuchskaninchen der bundesdeutschen Pharmazie?

Beitragvon karnak » 19. November 2012, 18:16

Magst Du recht haben.Aber der,der die armen Brüder und Schwestern in Osten immer so bedauert,weil sie so unterdrückt werden und dann mit den Unterdrückern heimlich Geschäfte macht, kommt in jedem Fall kurz danach.Auf den Gedanken,der Eine ist 10 Pfennig wert und der Andere einen Groschen,könnte man da schon kommen.
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Re: DDR-Bürger als ahnungslose Versuchskaninchen der bundesdeutschen Pharmazie?

Beitragvon Huf » 19. November 2012, 18:22

Aus meiner Erinnerung schöpfend halte ich solche Vorwürfe einfach für eine böse inszenierte Legende!

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Re: DDR-Bürger als ahnungslose Versuchskaninchen der bundesdeutschen Pharmazie?

Beitragvon augenzeuge » 19. November 2012, 18:51

Huf hat geschrieben:Aus meiner Erinnerung schöpfend halte ich solche Vorwürfe einfach für eine böse inszenierte Legende!

VG Huf [hallo]


Ich denke Huf, von diesen Praktiken erfuhr der normale Arzt sicher nichts. Jene, die damit zu tun hatten, mussten sicher schweigen.
AZ
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Re: DDR-Bürger als ahnungslose Versuchskaninchen der bundesdeutschen Pharmazie?

Beitragvon Affi976 » 19. November 2012, 19:12

Zitat AZ:...Doch, das weiß man. Der "Größte" ist der, der verspricht und schwört, sein Volk vor dem bösen Imperialisten zu schützen, dieses aber dann an diese unwissend im eignen Land dem Gegner heimlich zur Verfügung stellt....

@AZ,
ich denke mal, es muß wohl erstmal eine Anfrage gekommen sein, so nach dem Motto: Liebe Brüder und Schwestern im Osten, wäret ihr so gut und würdet uns vor den "Grünen" und "Tierschützern" bewahren, die uns ständig auf dem Sack treten, weil wir ihre Tierchen mit unseren Versuchen krank machen oder sogar töten, damit wir dieses Elend von geschundenen Tieren nicht mehr in der Bildzeitung sehen müssen und uns der Käufer West dann nichts mehr abkauft und wir unsere viele Milliardengewinne auf weniger Milliardengewinne herunterfahren müssen.....u.s.w.u.s.f.
Das war die eine Seite,
die andere Seite, dachte sich vielleicht: Mensch, wär doch garnicht so schlecht, Geld für teure Medikamentenversuche haben wir auch nicht, von den Rohstoffen ganz zu schweigen und die sind schon so weit, da können wir doch mit einem kleinen Aufwand mal schnell an "Westmedikamente" kommen, wenn dann mal einer über die Klinge springt, na was soll`s.....

Meine Meinung: Halunken sind beide Seiten und keiner ist auch nur ein bißchen besser bei diesem schmutzigen Geschäft und da nützt es auch nichts zu wissen,dass die eine Seite von Gangstern geführt wird und die andere Seite von......tja, was oder wie will man DIE betiteln? Schlimm genug, dass die Pharmamafia auch heute noch völlig ungehindert agieren kann und von gaaaanz oben gedeckt wird.
Wir waren eben die "Türken" hinter der Mauer und mit denen war gut Geld zu verdienen. Auf beiden Seiten. Ob nun Ikea und BASF oder der Staat DDR!
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Re: DDR-Bürger als ahnungslose Versuchskaninchen der bundesdeutschen Pharmazie?

Beitragvon augenzeuge » 19. November 2012, 19:19

Affi976 hat geschrieben: @AZ,
ich denke mal, es muß wohl erstmal eine Anfrage gekommen sein....
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Wenn es so wäre, Affi....die DDR war oft so clever, dass die genau wusste, was sie kann, und was der andere braucht. Deshalb kann ich mir gut vorstellen, dass man durch seine IM's wusste, dass man dort solche Leute sucht....und bot sich an, der Rest war verhandelbar.
AZ
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Re: DDR-Bürger als ahnungslose Versuchskaninchen der bundesdeutschen Pharmazie?

Beitragvon Volker Zottmann » 19. November 2012, 19:28

1971 gab es schon einen sogenannten "Großversuch"....
Der fand in Neiden/Torgau an etwa 450 Soldaten statt. Da war keine westdeutsche Pharmaindustrie beteiligt.
Da wurde ausgetestet, wie lange Soldaten fast nur von Hähnchen ernährt, überleben können.
Wir bekamen durch irgend welche Seuchen verursachte Notschlachtungen tonnenweise verabreicht. Morgens Hähnchen (Broiler, wie Ihr wollt).
Mittags Hähnchen. Abends Hähnchen.
Das etwa ein viertel Jahr lang. Sicher, hungern brauchte keiner.... Aber gekräht haben die Ersten schon nach wenigen Tagen.
Es war für uns GWLer fürchterlichstes Einerlei. Probiere doch jeder mal für sich, wie lange er das erträgt!
Und ob die toten Viecher eines fast natürlichen (Schlachtung) Todes starben, steht für mich auch in den Sternen.

Gruß Volker
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Re: DDR-Bürger als ahnungslose Versuchskaninchen der bundesdeutschen Pharmazie?

Beitragvon Huf » 19. November 2012, 19:49

Volker, das mag so gewesen sein, hat aber mit dem provozierenden Thema nüscht zu tun, und offenbar hast Du ja die Krähenplage gut überstanden (freundliche Zuwendeung!).
@AZ wenn ein Arzt die Einnahme eines Medikamentes verordnet, ist er für seine Handlung eigens verantwortlich! Zeige mir den Arzt in der DDR, der jemandem ein Medikament verordnet, dass sich sich nicht in der Arzneimittelliste der DDR, damals rechtskräftig bindend!, befand.
Wir können gerne den Schuh umdrehen! Wie oft hat ein Arzt in der DDR einem Patienten ein notwendiges gelistetes Medikament verordnet, was dieser aber nicht erhielt?
Frag mich mal! [sick]

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Re: DDR-Bürger als ahnungslose Versuchskaninchen der bundesdeutschen Pharmazie?

Beitragvon manudave » 19. November 2012, 19:54

Hatten wir auch schon einmal das Thema:

http://www.sz-online.de/Nachrichten/Pol ... id-2514842

..das war damals die Grundlage...
Wer für alles offen ist, kann nicht ganz dicht sein!
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Re: DDR-Bürger als ahnungslose Versuchskaninchen der bundesdeutschen Pharmazie?

Beitragvon Volker Zottmann » 19. November 2012, 19:57

Huf hat geschrieben:Volker, das mag so gewesen sein, hat aber mit dem provozierenden Thema nüscht zu tun, und offenbar hast Du ja die Krähenplage gut überstanden (freundliche Zuwendeung!).
@AZ wenn ein Arzt die Einnahme eines Medikamentes verordnet, ist er für seine Handlung eigens verantwortlich! Zeige mir den Arzt in der DDR, der jemandem ein Medikament verordnet, dass sich sich nicht in der Arzneimittelliste der DDR, damals rechtskräftig bindend!, befand.
Wir können gerne den Schuh umdrehen! Wie oft hat ein Arzt in der DDR einem Patienten ein notwendiges gelistetes Medikament verordnet, was dieser aber nicht erhielt?
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@Huf, ich denke doch. Was wissen wir denn, mittels welches chemischen Mistes die Hühner zuvor bis zum Schlachthof durchhielten. Die werden doch immer irgendwie "dosiert" vollgepumpt. Und das haben wir als Nahrung PUR erhalten.

Gruß Volker
Zuletzt geändert von Volker Zottmann am 19. November 2012, 20:01, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: DDR-Bürger als ahnungslose Versuchskaninchen der bundesdeutschen Pharmazie?

Beitragvon augenzeuge » 19. November 2012, 19:59

@Huf
Ich zweifle nichts an, aber hast du dir folgende Fotos des Links oben angesehen? Vielleicht kannst du ja sagen, ob das doch stimmen kann....

Fotos, Quelle:http://www.mdr.de/damals/artikel64688.html siehe 2. Beitrag.

AZ
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Re: DDR-Bürger als ahnungslose Versuchskaninchen der bundesdeutschen Pharmazie?

Beitragvon Huf » 19. November 2012, 20:00

Ja, Volker, ich weiß, was Du meinst.

Ich wollte Deinen Beitrag auch in keiner Weise schmählern.

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Re: DDR-Bürger als ahnungslose Versuchskaninchen der bundesdeutschen Pharmazie?

Beitragvon Interessierter » 19. November 2012, 20:05

Dieses Thema gab es schon sehr ausführlich im Jahr 2010 .

viewtopic.php?f=4&t=820

Vielleicht wäre es ja zweckmäßg beide Threads zusammenzulegen.
Auch aus Steinen die einem in den Weg
gelegt werden,
kann man was schönes bauen
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Re: DDR-Bürger als ahnungslose Versuchskaninchen der bundesdeutschen Pharmazie?

Beitragvon icke46 » 19. November 2012, 20:08

Vielleicht sollte man das Ganze ein wenig nüchterner betrachten.

Fakt ist doch, dass es auch heute in Deutschland Erprobungen neuer Medikamente am Menschen gibt. Es gibt für Informationen darüber
auch eine eigene Internetseite: http://www.probanden-online.de/

Der grösste Unterschied ist wohl der, dass hier die Leute freiwillig an solchen Studien teilnehmen und auch entsprechend honoriert werden,
während seinerzeit die Honorare wohl in den Staatshaushalt der DDR flossen.

Es ist ja nun nicht so (heute nicht und meiner Meinung nach auch damals nicht) dass diese Versuche ohne medizinische Begleitung stattfanden,
so nach dem Motto, wenn 50 Probanden an der Medikation sterben, schieben wir einfach nochmal 50 nach. Moralisch fragwürdig ist das Ganze
dennoch.

Gruss

icke
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Re: DDR-Bürger als ahnungslose Versuchskaninchen der bundesdeutschen Pharmazie?

Beitragvon Huf » 19. November 2012, 20:09

Hallo Jörg,

wie Du sicher zur Kenntnis genommen hast, bin ich kein medizinischer Experte der Pharma-Industrie!
Als "im Leben zu kurz gekommener Landarzt" (satirische Anwendung längst verdauter Auslassungen), sehe ich in den von Dir gezeigten Bildern Bemerkungen über mittlerweile weltweit erfolgreich angewendete Arzneimittel, bestes Beispiel: Ramipril!
Allerdings gebe ich zu, daraus zu erkennen, dass an ausgewählten Hochschul(?)-Einrichtungen der ehem. DDR derartige Studien mitbetrieben wurden? Wäre neu für mich
Weil nicht involviert, wohl auch nicht bekannt, das kann stimmen, dann aber ohne Kommentar von mir.

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Re: DDR-Bürger als ahnungslose Versuchskaninchen der bundesdeutschen Pharmazie?

Beitragvon augenzeuge » 19. November 2012, 20:10

Interessierter hat geschrieben:Dieses Thema gab es schon sehr ausführlich im Jahr 2010 .

Vielleicht wäre es ja zweckmäßg beide Threads zusammenzulegen.



Ist erfolgt.

AZ
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Re: DDR-Bürger als ahnungslose Versuchskaninchen der bundesdeutschen Pharmazie?

Beitragvon karnak » 19. November 2012, 20:11

Ich habe nun wirklich nicht viel Ahnung von diesen Dingen.Ich kann aber aus diesen Schreiben nicht erkennen,daß Medikamente in der DDR getestet werden sollten um sie dann ausschlieslich in der BRD am Patienten anzuwenden,nach erfolgreichen Test.Keine Ahnung ob die DDR an internationalen Studien teilgenommen hat.Die Schreiben scheinen ja auch von 89 zu stammen. Das neue Medikamente irgendwie getestet werden müssen,letztlich auch irgendwann am Mensch ist für mich logisch.
" Denn sie hassen am Andersdenkenden nicht nur die andere Meinung, zu der er sich bekennt,sondern auch die Vermessenheit, selbst urteilen zu wollen. Was sie ja doch selbst nie unternehmen und im Stillen sich dessen bewusst sind."
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Re: DDR-Bürger als ahnungslose Versuchskaninchen der bundesdeutschen Pharmazie?

Beitragvon Edelknabe » 19. November 2012, 20:26

Aus "Ganz Unten" vom Günter Wallraff aus dem Beitrag "Der Test...als Versuchsmensch unterwegs" Seite 164

"Stoppt Tierversuche-
nehmt Türken!"

Wandspruch auf einer Fassade in Duisburg-Wedau.

Rainer-Maria aus der 3. Auflage 1987/Aufbau-Verlag Berlin und Weimar, Ausgabe für die DDR mit Genehmigung des Verlages Kiepenheuer und Witsch GmbH Köln.

Das könnte man doch Dank der heutigen Erkenntnisse ergänzen auf ..."nehmt besser noch dazu die DDR-Bürger?" Oder was meint ihr?
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Re: DDR-Bürger als ahnungslose Versuchskaninchen der bundesdeutschen Pharmazie?

Beitragvon manudave » 19. November 2012, 20:34

Hatte mal einen Aufnäher auf meiner Eintracht-Fankutte: "Stoppt Tierversuche - nehmt Bayern" [super]
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Re: DDR-Bürger als ahnungslose Versuchskaninchen der bundesdeutschen Pharmazie?

Beitragvon Interessierter » 19. November 2012, 20:35

Zur Art der Patienteninformation dieses:

Frau Elfriede Schneider aus Plauen im sächsischen Vogtland muss im April 1989 stationär ins Krankenhaus. Diagnose: starke Depressionen. In der neurologischen Klinik ist kein Bett frei. Daran erinnert sich Karin Forner, sie ist die Tochter der Patientin. Und sie wird sich auf ein Angebot der Klinik einlassen, dessen Folgen sie nicht abschätzen kann. Die Ärzte schlagen ihr vor, ihre Mutter an einer Studie teilnehmen zu lassen: „Da habe ich halt zugesagt in meiner Not, ohne zu hinterfragen, was sich hinter dem Wort ‚Studie’ verbirgt“, sagt Karin Forner heute.

Schweizer Präparat für DDR-Bürger
„Brofaromin“ ist ein Antidepressivum – und wird im Auftrag des damaligen Schweizer Pharmakonzerns Sandoz in der DDR getestet. Akten, die im Jahr 2012 vorliegen, belegen die amtliche Zulassung der Tests an mehreren DDR-Kliniken. Das Präparat aus dem Test an Karin Forners Mutter wird nie als Medikament zugelassen. Hätten die Ärzte sie über den Zweck der klinischen Studie aufgeklärt, sie hätte dieser Art der Behandlung ihrer Mutter nie zugestimmt, sagt Karin Forner. Die DDR hat in den 1980ern eigentlich ein recht restriktives Arzneimittelrecht. Darin ist auch die schriftliche Zustimmung des Probanden für die Teilnahme an einer klinischen Studie vorgeschrieben. Die eigenhändige Unterschrift gilt dabei als Beleg für die bewusste Entscheidung und die freiwillige Teilnahme.

Fragwürdige Patientenaufklärung
Gesetzliche Vorschriften auf der einen, die Realität in den Krankenhäusern auf der anderen Seite: „Wir wissen aus einzelnen Beobachtungen oder Krankenakten, dass gesagt wurde: Wir führen hier einen Arzneimittelversuch durch. Und dann steht in der Krankenakte: ,Patient ist einverstanden‘“, sagt Medizinhistoriker Prof. Volker Hess von der Charité in Berlin.
Die Feststellung von Prof. Hess widerlegen auch die Beteiligten selbst bis heute nicht. Weder bei den Auftrag gebenden Pharma-Konzernen noch in den Archiven der Krankenhäuser finden sich schriftliche Einwilligungserklärungen von Patienten. Warum? Eine Antwort darauf findet sich im Kommentar zum DDR-Arzneimittelrecht. Dort besagt eine Sonderklausel: In der groß angelegten dritten Phase einer Studie könne auf die eigenhändige Unterschrift des Patienten verzichtet werden. Es reiche, seine Zustimmung durch einen Aktenvermerk unter Zeugen zu dokumentieren. Die Firmen testeten, Patienten wie Karin Forners Mutter blieb das unter Umständen vorenthalten.

Staat haftet & organisiert – Firmen hofiert
Ein weiteres fragwürdiges Detail: Die Haftung für mögliche Schäden der Probanden übernimmt die Staatliche Versicherung der DDR. Das geht aus Verträgen zu Medikamentenstudien der Firma Hoechst mit der DDR vor – ein weiteres Plus für das Westunternehmen. Statt teure Versicherungen abschließen zu müssen, garantiert das Testland selbst also dafür, für Schadensansprüche aufzukommen. Aber das ist noch nicht alles: Die DDR organisiert die Tests sogar. Zentralisierte Strukturen ermöglichen es, schnell geeignete Probanden und verfügbare Ärzte zusammenzubringen. Der einzelne Krankenhausarzt hat kaum eine Chance, sich der Teilnehme an einer Studie zu entziehen. Wer an welcher Klinik wie viele Patienten mit den Testmedikamenten zu behandeln hat, wird von staatlichen Institutionen geplant und entschieden. Das erlebt auch der Kardiologe Prof. Johannes Schweizer im Jahr 1989. Damals ist er ein junger Oberarzt am Bezirkskrankenhaus Dresden-Friedrichstadt.

System mit vielen Fehlern
Das Gesundheitssystem der DDR hat in den 1980ern international einen guten Ruf. Dagegen ist die pharmazeutische Industrie der DDR bereits in den siebziger Jahren von der Spitze der internationalen Forschung abgehängt. Veraltete Technik verhindert die Produktion innovativer Medikamente in erforderlichen Mengen. Ärzte können ihren Patienten nicht immer die benötigten Mittel verordnen.

Perfektes Testgebiet – Klamme DDR
Noch dazu arbeiten die Mediziner in der DDR oft am Rande des Möglichen. Es fehlt am Nötigsten: Verbandmaterialien, OP-Handschuhe, Skalpelle. Schon in den 1960ern gibt es modernes medizinisches Gerät häufig nur gegen Devisen im Westen zu kaufen. Es steht nur den großen Kliniken zur Verfügung. Ende der siebziger Jahre werden die Klagen der Ärzte unüberhörbar laut.

Test-Patienten gegen Westgeld
Das Perfide dabei: Das Geld sollte sich das Gesundheitsministerium quasi selbst verdienen. Auch mit sogenannten Auftragsstudien. Mit dabei ist auch das Institut für Arzneimittel und ein zentraler Gutachterausschuss. Dieser wird 1953 ursprünglich dafür gegründet, das Arzneimittelsortiment der DDR auf das unbedingt notwendige Maß zu reduzieren. Doch der Gutachter-ausschuss bekommt weitere Befugnisse: Er überwacht den Verlauf und die Ergebnisse von Medikamentenstudien. Kommerzielle Auftrags-Tests werden hier nur sehr selten abgelehnt. Es geht um Devisen. Die Verträge mit den West-Konzernen schließen spezielle Außenhandelsfirmen der DDR ab. In Verhandlungen wird um Fallpauschalen für jeden erfolgreich durchgeführten Test gerungen. Übliche Kopfprämien liegen damals je nach Aufwand bei bis zu 3800 D-Mark.Die Ware sind Menschen – kranke Probanden.

http://www.arte.tv/de/pharmalabor-ost/6 ... 74622.html
Auch aus Steinen die einem in den Weg
gelegt werden,
kann man was schönes bauen
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Re: DDR-Bürger als ahnungslose Versuchskaninchen der bundesdeutschen Pharmazie?

Beitragvon Huf » 19. November 2012, 20:58

Hallo Wilfried,

Deinem "wie immer eingelinkten" Beitrag ist offensichtlich nichts entgegen zu setzen und bleibt somit fragwürdig, wenn nicht auch strafrechtlich relevant.

Meine Nebenfrage ist nur folgende: Glaubst Du wirklich heute noch, dass sich alle Ärzte in der DDR derartigen Vorgängen stillschweigend unterworfen haben? Möglicherweise bis heute damit schuldig gemacht haben?
Demzufolge, sind alle Ärzte, die in der ehem. DDR aktiv waren, potentielle Verbrecher?
Diese auferlegte Last Deinerseits würde unser persönliches Kennenlernen in Goslar sehr arg belasten, und ich denke auch, per PN verzweigte User auf Deiner Seite wären unheilsam hiervon betroffen?

VG Huf [hallo]
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