Junge Leute und Wohnraum in der DDR

Alles über Wohnungsbau, Mieten, das eigene Häuschen u.s.w.

Junge Leute und Wohnraum in der DDR

Beitragvon Edelknabe » 10. April 2011, 08:37

Hallo zusammen und auch in der DDR musste man sich schlau machen, wollte man etwas vom Staat erhalten oder in Anspruch nehmen. Unser Weg zum Wohnraum war zwar ein etwas Anderer...aber dazu später.Den Weg zum Ehekredit zur Ausstattung unserer Wohnung sind wir aber ebenfalls gegangen. Vielleicht hatte der Eine oder Andere Erfahrungen mit nachstehenden Verordnungen gemacht und kann beitragen?

Verordnung über die Gewährung von Krediten zu vergünstigten Bedingungen an junge Eheleute vom 10.Mai 1972
§1
Grundsätze

(1)Diese Verordnung gilt für Arbeiter, Angestellte, Angehörige der bewaffneten Organe, Studenten, Genossenschaftsbauern sowie für Mitglieder gärtnerischer PGH und Produktionsgenossenschaften werktätiger Fischer, die nicht älter als 26 Jahre sind, ab 27.April 1972 eine Erst-Ehe geschlossen haben bzw. schließen und zum Zeitpunkt der Eheschließung ein gemeinsames Bruttoeinkommen bis zu 1400M monatlich erhalten( nachfolgend junge Eheleute genannt) Sie ist auch dann anzuwenden, wenn nur einer der beiden Ehepartner Arbeiter, Angestellter....siehe oben...zum Zeitpunkt der Eheschließung ist.
Anmerkung: Angestellte = Werktätige einschließlich der Intelligenz, die in einem Arbeitsverhältnis stehe und für ihre Tätigkeit Gehalt erhalten.

(2) Junge Eheleute erhalten ab 1.Juli 1972 zweckgebundene Kredite für
- die Entrichtung des Genossenschaftsanteils nach Eintritt in eine sozialistische Produktionsgenossenschaft.
- den Ankauf eines ständig bewohnbaren Fertighauses oder den Bau bzw. die Erweiterung eines Eigenheimes als Hauptwohnsitz.
- die Beschaffung der Ausstattung der Wohnung.

(3) Junge Eheleute, die bereit sind, in eigener Initiative den Ausbau bzw. die Modernisierung einer zugewiesenen oder von den Eltern übernommenen Wohnung in kommunalen, betrieblichen oder genossenschaftlichen Wohngebäuden durchzuführen, werden dadurch unterstützt. das die Rechtsträger bzw. genossenschaftlichen Eigentümer solcher Wohnungen dafür einen zweckgebundenen Kredit durch das zuständige Kreditinstitut erhalten.

Quelle, das Buch Schutz und Förderung von Ehe und Familie von Elisabeth Wenik/ Verlag Tribüne Berlin 1979

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Re: Junge Leute und Wohnraum in der DDR

Beitragvon Edelknabe » 11. April 2011, 04:20

Guten Morgen und es geht weiter mit den Gesetzblättern. Irgendwie fehlt mir der §2 aber den finde ich noch.

§3

Kredite für den Ankauf eines ständig bewohnbaren Fertighauses oder den Bau bzw. die Erweiterung eines Eigenheimes als Hauptwohnsitz.

(1) Junge Eheleute, die ein Eigenheim bauen, erweitern oder ein Fertighaus als Hauptwohnsitz errichten, erhalten zusätzlich zu den in der Verordnung vom 24.November 1971 über die Förderung des Baues von Eigenheimen ( GBI. II Nr. 80 S. 709) festgelegten Vergünstigungen einen zinslosen Anteil am Bauleistungskredit in Höhe von 5000 M. Der Tilgungsbeginn ist vertraglich zu vereinbaren. Mit der Tilgung des Kredites ist spätestens 3 Jahre nach Kreditaufnahme zu beginnen. Im übrigen richtet sich die Tilgung dieses Anteils nach den Bedingungen der vorgenannten Verordnung.

(2) Der Kredit in Höhe von 5000 M. gemäß Abs.1 bleibt zinslos, wenn das Eigentum an dem Eigenheim sowie die dafür gewährten Kredite auf andere Eheleute übergehen, die zu dem in §1 genannten Personenkreis gehören.

.Rainer-Maria und allen einen gute Tag ins Forum.
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Re: Junge Leute und Wohnraum in der DDR

Beitragvon Edelknabe » 12. April 2011, 05:53

Weiter im Text siehe meine vorherigen Beiträge hier im Thema.

§4

(1) Junge Eheleute können unabhängik von einem Kredit für die Wohnraumbeschaffung gemäß §2 bzw.§3 einen Kredit in Höhe von 5000 M bei der für ihren Wohnsitz zuständigen Sparkasse für die Beschaffung von Möbeln, hauswirtschaftlichen und haushaltstechnischen Gegenständen, Rundfunk-bzw. Fernsehgeräten, von Haushaltwäsche usw. aufnehmen.

(2) Dieser Kredit wird zinslos gewährt. Er ist innerhalb von 8 Jahren beginnend nach der Kreditaufnahme, in monatlichen Raten zu tilgen.

(3) Über die Kreditsumme stellt die Sparkasse einen Kreditbrief aus. Die Kreditkaufbriefabschnitte sind mit dem Stempel " Sonderkredit" zu versehen. Die K.....abschnitte berechtigen zum Einkauf in den Handelseinrichtungen der Deutschen Demokratischen Republik.

(4)An den gekauften Gegenständen erwirbt die Sparkasse das Eigentumsrecht. Dieses Eigentumsrecht geht mit der vollständigen Rückzahlung des Kredites auf die Kreditnehmer über. Die Sparkasse hat außerdem in Höhe des beantragten Kredites eine Kreditversicherung abzuschließen. Die einmalige Versicherungsgebühr in Höhe von 0,2% des Kreditbetrages ist vom Kreditnehmer zu tragen.

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Re: Junge Leute und Wohnraum in der DDR

Beitragvon Zicke » 12. April 2011, 13:22

Zitat Wiki.:
Um Anreize für (möglichst frühe) Eheschließungen und Geburten zu schaffen, beschloss die SED-Regierung 1972 die Einführung des zinslosen „Ehekredits“ in Höhe von 5000 M, der gewährt wurde, wenn die Paare bei der Eheschließung jünger als 26 Jahre alt waren und zum ersten Mal heirateten. Dieser Kredit konnte durch die Geburt von Kindern „abgekindert“ werden, das heißt, die zurückzuzahlende Summe reduzierte sich pro Kind und wurde mit der Geburt des dritten Kindes vollständig erlassen.
Auf Antrag erhielten sie einen zinslosen Kredit von erst 5000, später 7000 Mark.http://www.uwekaiser.com/ausweise/ehekredit.htm
Zitat Ende

Die 5000 klingen viel und war im Prinzip auch viel, nur wer von Grund auf sich einrichten musste, konnte sich max. das Wohnzimmer damit einrichten. (Restkredit bei Oma.)

Auslegware: m²= 120 - 200 Mark = 20m² = 2400 - 4000 Mark
Polstergarnitur = 1600 M
Schrankwand WiWena 3m 1340 Mark (wenn man sie denn bekam, wir nur durch Bekannte im Centrum Versandhaus)
Fernseher Luxomat schwarz weis 1400 Mark
Deckenlampe 3 flammig 75 Mark.
Tisch und 4 Stühle 480 Mark

Zahlen stammen aus 1973/74
monatl. Verdienst IG Metalltarif damals 789 Mark
J.S.

"Diejenigen, die ihre Schwerter zu Pflugscharen schmieden, werden
für jene pflügen die dies nicht getan haben".

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Re: Junge Leute und Wohnraum in der DDR

Beitragvon augenzeuge » 12. April 2011, 16:17

Zicke hat geschrieben:
Die 5000 klingen viel und war im Prinzip auch viel, nur wer von Grund auf sich einrichten musste, konnte sich max. das Wohnzimmer damit einrichten. (Restkredit bei Oma.)

Auslegware: m²= 120 - 200 Mark = 20m² = 2400 - 4000 Mark
Polstergarnitur = 1600 M
Schrankwand WiWena 3m 1340 Mark (wenn man sie denn bekam, wir nur durch Bekannte im Centrum Versandhaus)
Fernseher Luxomat schwarz weis 1400 Mark
Deckenlampe 3 flammig 75 Mark.
Tisch und 4 Stühle 480 Mark

Zahlen stammen aus 1973/74
monatl. Verdienst IG Metalltarif damals 789 Mark


Ja, so war es. Vergleiche mit Westberlin bring ich jetzt mal nicht, sind eh bekannt, oder?
AZ
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Re: Junge Leute und Wohnraum in der DDR

Beitragvon Edelknabe » 14. April 2011, 06:39

Guten Morgen zusammen auch hier und ich habe einmal einen Text aus meinem Fundus eingestellt, da ging es ein wenig auch ums Wohnen im weiteren Sinne.Denn man muss ja nun nicht wieder alles neu schhreiben, und das bei den vielen Themen auch hier im Forum.

Komm mal wieder runter, EK, ich habe 24 Jahre in einem Gründerzeithaus im Leipziger Osten. anschließend 18 Jahre in einem anderen im Norden der Stadt gewohnt.
In ersteren war mein Vater Hausmeister, in zweiteren meine Wenigkeit. Ja, kann ich nur sagen, man musste schon was tun, damit die Häuser nicht verfallen. Wer sich da auf den Staat DDR verließ, der war schon verlassen, zumal kein Geld, weder von KWV( oder nur sehr wenig)und Privater Hausverwaltung siehe das Haus im Norden der Stadt vorhanden war.
Ich spreche jetzt für die Großstadt Leipzig und nicht, entschuldige jetzt den Ausdruck " die Klitschen im Umland von Großstädten, so wie bei dir war es doch Umland Magdeburg?"
Kaputte Dächer?...es gab große Zinkwannen.
Eingefrorene Kaltwasserleitungen in den Außentoiletten...hat die KWV und auch der private Verwalter den Notdienst bezahlt...immer, ohne Einschränkung.
Notdienst kam nicht innerhalb der ersten Stunde, aber er kam im Laufe des Tages.
Vorsorge war schon von Nöten siehe offene Kellerfenster.
Das gab es bei meinem Vater und auch bei mir nicht.Die kaputten Fenster wurden mit Sperrholz und dicker Pappe gedämmt.
Haustür wurde grundsätzlich Abends ab 20.00Uhr abgeschlossen und stand nicht für jeden Dussel offen.
Sauberkeit im Haus und vor dem Haus war Pflicht, dafür gab es Hausmannsgeld und ich zum Beispiel wohnte am Ende auf fast 80qm für 25,00 Mark der DDR bei 1600,00 Mark Gesamtverdienst.Das hieß dann mit dem Restgeld" Zwei Wochen Ostsee im Sommer und zwei Wochen im Winter", Exquisit, Delikat usw.
Da hatte ich auch kein Problem damit, meinen VEB um etwas zu erleichtern, was ich dringend für das Haus, in dem ich wohnte, brauche. Das hieß dann " Eigeninitiative" und wer sollte mich dafür belangen? Einen IM habe ich nie zu Gesicht bekommen.
Bei Schnee im Winter im Dachboden da keine Unterspannbahn wie heute...haben sie alle, die ganze Hausgemeinschaft mit angefasst, geschippt, der schneite dann auf den Hof zum zweiten mal für die Kinder im Haus. Das war noch Gemeinschaft, nicht der Egoismus von heute.
Die Fluktuation, der Wechsel an Mietern in den Etagen bezeichne ich mal als gesund, alte Leute starben weg, und sofort waren junge Familien mit Kindern da und es wurde grob renoviert oder auch nicht, und dann eingezogen.
Über den Fall hatte ich schon einmal einen Text eingestellt.
Mein Arbeitskollege, kurz vor seiner Ausreise 1986 bekommt er noch eine fast 100qm große Wohnung im Süden der Stadt, hochherrschaftlich mit Stuckdecken und Kachelofenluftheizung.
Dieses Rindvieh, er wollte doch pardou in den Westen.
Dies noch für die Schüler, die auch du angesprochen hattest" Wie heißt das heutzutage, du musst den Finger ziehen, um etwas zu erreichen!"
Den, Jungen und Mädchen musstest du zu DDR-Zeiten auch schon aus dem Hin...ziehen, um mit dem Hintern an die Wand zu kommen.
Von alleine kam keine, nicht eine Wohnung geflogen.
Weder von der KWV ( Kommunale Wohnungsverwaltung) noch vom privaten Hausverwalter.

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Re: Junge Leute und Wohnraum in der DDR

Beitragvon Edelknabe » 8. November 2011, 19:38

Hallo zusammen. Karls Text/Behauptung stammt aus dem Carlosfred, ich habe ihn einmal hier herüber geholt, denn hier ist er auch besser aufgehoben.

"Freie Wahl des Wohnsitzes ist(war) nicht möglich?" In dieser DDR frage ich jetzt? Das muss geklärt werden Karl, obwohl ich auch gerne zugebe meine schöne Wohnung in Leipzig nicht irgendwann einmal gegen eine aus Rostock hätte tauschen zu wollen.
Wie geschrieben, deine heutige Behauptung, die B. eines Westdeutschen bedarf der genauen Klärung.

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Re: Junge Leute und Wohnraum in der DDR

Beitragvon Zicke » 8. November 2011, 19:53

das würde mich auch interessieren, auch wenn ich nicht immer mit Rainer konform denke, so weiß ich aber das ich in der DDR hinziehen konnte wohin ich wollte( außer auf einige Ostseeinseln)
J.S.

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Re: Junge Leute und Wohnraum in der DDR

Beitragvon augenzeuge » 8. November 2011, 20:12

Zicke hat geschrieben:das würde mich auch interessieren, auch wenn ich nicht immer mit Rainer konform denke, so weiß ich aber das ich in der DDR hinziehen konnte wohin ich wollte( außer auf einige Ostseeinseln)


Ich denk mal, das Problem war eher die Wohnung. Und die Pflicht der Arbeitsstelle. Aber ob man so einfach nach Ostberlin ziehen konnte....weiß ich nicht? [denken]
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Re: Junge Leute und Wohnraum in der DDR

Beitragvon Edelknabe » 8. November 2011, 20:28

Es geht schon weiter...so Jörgs Text mit "Pflicht der Arbeitsstelle?" Es besteht auch da Klärungsbedarf. Bei Pflicht zum Arbeiten gehe ich mit aber nicht zur "Pflicht zur Arbeitsstelle".
Ich belege das auch gerne, das ich kündigen konnte, wann immer ich wollte und anfangen konnte, wo immer ich wollte(außer beim MfS, die wollten mich nicht, aber darüber schrieb ich schonmal im AF).Diese meine Aussage gilt natürlich berufsbezogen, auf den gelernten Beruf.

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Re: Junge Leute und Wohnraum in der DDR

Beitragvon augenzeuge » 8. November 2011, 20:36

Edelknabe hat geschrieben:Es geht schon weiter...so Jörgs Text mit "Pflicht der Arbeitsstelle?" Es besteht auch da Klärungsbedarf. Bei Pflicht zum Arbeiten gehe ich mit aber nicht zur "Pflicht zur Arbeitsstelle".
Rainer-Maria


Ich meinte, die Pflicht eine Arbeitsstelle vorher zu haben. Wo auch immer. War das nicht Bedingung vor der Wohnung? [hallo]
AZ
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Re: Junge Leute und Wohnraum in der DDR

Beitragvon Zicke » 8. November 2011, 20:38

wechsel der Arbeitsstelle, war nur ein Prob ,wenn von VEB in eine PGH. Da musste man vorher erst ein Jahr zu eien Privatkrauter und dann eien Antrag auf PGH Mitgliedschaft stellenHier will ich mich aber nicht festlegen.
J.S.

"Diejenigen, die ihre Schwerter zu Pflugscharen schmieden, werden
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Re: Junge Leute und Wohnraum in der DDR

Beitragvon Nostalgiker » 8. November 2011, 20:47

Für Berlin gab es Zuzugsbeschränkungen. Ob die allerdings noch Ende der Achtziger galten weiß ich nicht.
Arbeitsstelle war keine Grundvoraussetzung zum umziehen. Eine Wohnung mußte man bekommen, das war mehr das Problem. Wenn ich erstmal ungezogen war dann war es auch kein Problem vor Ort Arbeit zu bekommen.
Arbeitsstelle war nicht Pflicht!
Rentner konnten doch auch umziehen, ebenso Studenten.
Nur zog damals eben nicht aus Jux mal eben Einer von Leipzig nach Rostock, wozu auch.

Ich habe in Berlin ohne Probleme Arbeit bekommen, mit der Wohnung sah es schlechter aus aber auch dieses Problem wurde gelöst. Kümmern hieß das Zauberwort.
Woher Karl diese Information das die "Freie Wahl des Wohnsitzes ist(war) nicht möglich" her hat wird wohl sein Geheimnis bleiben. er hat ja die DDR hautnah erlebt und weiß wovon er so den lieben langen Tag redet.

Gruß
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Re: Junge Leute und Wohnraum in der DDR

Beitragvon Dille » 8. November 2011, 20:54

Also ich weiß zumindest aus meiner Zeit (1970) noch, daß man als Absolvent der TU Dresden größte Probleme hatte, in Ost- Berlin Arbeit zu bekommen, sofern man nicht aus Ost- Berlin stammte. Und ich weiß auch noch, daß ich damals überlegt habe, evtl. doch in Dresden zu bleiben -- das aber dann verworfen habe mit einem ".. dann komm'ste ja nie wieder nach Berlin zurück..."
Dieses Problem war allerdings etwas überlagert von Ulbricht's Hobby mit der "Kybernetik" und dem Aufbau von Robotron in Dresden, die alle Absolventen aufzusaugen versuchten und da war es dann dreimal schwer, als nicht- Berliner etwa einen Job in Ost- Berlin zu bekommen.

Gruß, Dille
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Re: Junge Leute und Wohnraum in der DDR

Beitragvon Affi976 » 8. November 2011, 21:07

@all,
als ich mein Studium 1980 in Berlin beendete, bekam ich eine Stelle in Weimar.
In Berlin hatte ich eine Wohnung und in Weimar bekam ich noch eine Wohnung. Zuerst zwar mit Außenklo, dann aber richtig mit Bad und Innenklo und sogar in einem erträglichen Zustand ( DDR-Sanierung ).
Selbst während meiner NVA-Zeit hatte ich beide Wohnungen, allerdings wurde nur eine durch das Sozialamt bezahlt.
Die Berliner Wohnung hatte ich sogar noch bis 1993 und die Weimarer Wohnung bis 1995, dann übernahm die Tochter die Wohnung.
Hin- und herziehen war also nur eine Frage der Wohnung. Die Arbeit fand sich in aller Regel schnell.
Selbst, als meine Frau dann 1988 nach Weimar nachkam. Überhaupt kein Problem, weder Wohnung ( Altbau Berlin gegen Neubau in Weimar ) noch Arbeit ( Zentralklinik Bad Berka, Herzforschung ), selbst die Schule für die Kinder war kein Problem, die gabs auf der anderen Strassenseite.
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Zuletzt geändert von Affi976 am 8. November 2011, 21:12, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Junge Leute und Wohnraum in der DDR

Beitragvon ex-maja64 » 8. November 2011, 21:07

Zicke hat geschrieben:wechsel der Arbeitsstelle, war nur ein Prob ,wenn von VEB in eine PGH. Da musste man vorher erst ein Jahr zu eien Privatkrauter und dann eien Antrag auf PGH Mitgliedschaft stellenHier will ich mich aber nicht festlegen.



Kann ich so nicht bestätigen. Ich hatte in der Lehre einen Arbeitskollegen der war in der Freizeit Trompeter in einem Blasorchester, der Orchesterleiter verschaffte ihm einen Job im Trägerbetrieb des Orchesters, jetzt werden die Wessis wieder fragen was war denn das, Trägerbetrieb!!! [grins]. Aber auf dem Amt für Arbeit beim Rat des Kreises, lies man ihn nicht wechseln in die andere Firma, er legte es darauf an und war, wenn ich mich recht entsinne, mindestens ein halbes Jahr Arbeitslos.

Ein Unding in der DDR.

War schon etwas gewagt, da sich der Wohnort des ehem. Kollegen im Schutzstreifen (500m Gebiet) befand.

Ja auch das gabs in der DDR, entgegen mancher landläufiger Meinung hier. [wink]



Mario
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Re: Junge Leute und Wohnraum in der DDR

Beitragvon Nostalgiker » 8. November 2011, 21:28

@Dille, schriebst Du nicht das Du Berliner seist? Also dürfte es doch auch 1970 kein Problem gewesen sein Arbeit in Berlin zu bekommen.

Auch bei mir waren Stellen ganz offiziell in Berlin ausgeschrieben. Da konnte man sich auch darauf bewerben. Einziger "Hacken" bei der Sache war das da im Falle Berlin der Nachweis erbracht werden mußte das man Wohnraum hatte. Der Grund war unter anderem darin zu sehen das man dann als "Zuzügler" nicht der Wohnungskommission des Betriebes auf den Geist ging oder in der KVW sich die Beine in den Bauch stand.

Gruß
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Re: Junge Leute und Wohnraum in der DDR

Beitragvon Affi976 » 8. November 2011, 21:42

@all,
1988 hatte ich einen Westkollegen zu mir nach Weimar eingeladen. Mit einigen Tricks gelang dies auch.
Er kam mit seinem 300er Benz und seiner Frau. Beim Rundgang durch Weimar fiel mir auf, dass sich die Frau ständig umdrehte und nach links und rechts sah.Auf meine Frage was das denn soll, erklärte sie mir allen Ernstes, sie suche die Polizisten, die an jeder Strassenecke und in jedem Hausflur mit Maschinenpistolen bewaffnet stehen würden. [shocked]
So kommt mir diese Diskussion gerade vor.
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Re: Junge Leute und Wohnraum in der DDR

Beitragvon augenzeuge » 8. November 2011, 21:43

ex-maja64 hat geschrieben: Aber auf dem Amt für Arbeit beim Rat des Kreises, lies man ihn nicht wechseln in die andere Firma...
Mario


Das versteh ich jetzt nicht. Wieso musste das Amt dem Arbeitsplatzwechsel zustimmen?
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Re: Junge Leute und Wohnraum in der DDR

Beitragvon augenzeuge » 8. November 2011, 21:45

Affi976 hat geschrieben:@all,
1988 hatte ich einen Westkollegen zu mir nach Weimar eingeladen. Mit einigen Tricks gelang dies auch.
Er kam mit seinem 300er Benz und seiner Frau. Beim Rundgang durch Weimar fiel mir auf, dass sich die Frau ständig umdrehte und nach links und rechts sah.Auf meine Frage was das denn soll, erklärte sie mir allen Ernstes, sie suche die Polizisten, die an jeder Strassenecke und in jedem Hausflur mit Maschinenpistolen bewaffnet stehen würden. [shocked]
So kommt mir diese Diskussion gerade vor.
VG Affi


Affi, die hat nen Witz gemacht.....und du hast den nicht verstanden. [flash]
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Re: Junge Leute und Wohnraum in der DDR

Beitragvon ex-maja64 » 8. November 2011, 21:49

Na Jörg jetzt enttäuscht du mich, hast doch auch volle 21 Jahre in der DDR gelebt. [grins]
Aber irgendwann war wohl dein Drang nach "Freiheit" stärker wie die Wahrnahme was um dich herum geschieht. [frown]


Mario [wink]
Zuletzt geändert von ex-maja64 am 8. November 2011, 21:51, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Junge Leute und Wohnraum in der DDR

Beitragvon Affi976 » 8. November 2011, 21:50

Zitat AZ:...Affi, die hat nen Witz gemacht.....und du hast den nicht verstanden.

nee, nee, das war schon ernst gemeint. Für die Dame waren die Tage eine einzige Tortour. Sie war darüber hinaus auch das erste Mal im Osten ( gewußt hat sie glaube ich auch nicht viel!! )und mein Kollege war ein Flüchtling, der wohl 25 Jahre nicht im Osten war. Der hat`s aber locker gesehen.
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Re: Junge Leute und Wohnraum in der DDR

Beitragvon augenzeuge » 8. November 2011, 21:55

Sorry, ich habe den Job gewechselt, hatte aber nie mit dem Amt für Arbeit zu tun. Und ich kenne Menschen, die sind heut 70 Jahre und hatten das nie. Ich kann das zugeben, damit habe ich kein Problem. Aber ne Antwort war das trotzdem nicht...
AZ


@Affi
Die müssen ja dann richtig aufgeklärt nach Hause gefahren sein. Aber du bist mir schon ein Trickser. Als NSW-Kader nen ehem. Flüchtling mit nem 300er Benz einladen.....das gab sicher Minuspunkte....
[flash]
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Re: Junge Leute und Wohnraum in der DDR

Beitragvon ex-maja64 » 8. November 2011, 22:01

Was issen ein NRW-Kader???

Wohnt der im Bergischen??? [laugh]

Nee, im sauerländischen..... [super]

Mario


P.S. kenne nur NSW-Kader, aber wirst es sicher gleich ändern. Danke, tue ich.



Mario [grins]
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Re: Junge Leute und Wohnraum in der DDR

Beitragvon Dille » 8. November 2011, 22:44

Nostalgiker hat geschrieben:@Dille, schriebst Du nicht das Du Berliner seist? Also dürfte es doch auch 1970 kein Problem gewesen sein Arbeit in Berlin zu bekommen.


Hab' ich was anderes geschrieben ??? (aber ich nehme/ nahm auch die Welt um mich herum wahr.....)

Gruß, Dille
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Re: Junge Leute und Wohnraum in der DDR

Beitragvon Edelknabe » 9. November 2011, 06:12

Ostberlin war wohl ein anderes Kaliber zu der damaligen Zeit. Die Berliner waren auch nicht sehr beliebt, wenn ich so zurückdenke weil man meinte..."Die verdienen schon mehr wie der Rest der Republik, deren Versorgung allgemein wäre besser und, und und"
Ich war davon auch ein bißchen angesteckt, deswegen auch kaum einmal dort,hatte also enorme Vorurteile und Abneigung zugleich den Preußen gegenüber und ich glaube wenn überhaupt dann war ich zu den Weltfestspielen 1973 und danach noch 3-4 Mal dort? Und dann nur zum Einkaufen und einmal meine Cousine besuchen, denn die arbeitete beim MfS.
Sie wohnte nahe Alex in einem Neubau, wo auf der Etage sogar ein bewaffneter Posten...so eine Art Pförtner saß. Also wenn meine Cousine mal ne Nummer machen wollte, denn damals war sie noch nicht verheiratet dann klappte das wohl nur mit "Gehen wir wohl zu Dir und wenn der Freund auch keine Wohnung hatte...na Mensch Leute, da gabs Gebüsche oder Hauseingänge oder Parkbänke oder was weiß ich nicht noch alles?"
Aber ich schweife ab, wie immer wenn die Erotik ins Spiel kommt. Als ich vom sicheren VEB zum Privatkrauter wechselte meinten meine Arbeitskollegen anfangs ..."Ich hätte sie wohl nicht mehr alle" aber so im Nachhinein betrachtet lebte ich richtig auf, weil der Freiraum(auch auf Arbeit)noch besser wurde wie in der alten Arbeitswelt.
Und dann war alles Neuland unterm Pflug, das war wie eine junge Geliebte...zumindest am Anfang.Viele werden das nachvollziehen können die nicht nur 40 Jahre in einem Betrieb gearbeitet haben....in dieser DDR.

Rainer-Maria wieder OT also ne diese Preußen...
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