Bilder der DDR

Es gab zwischen beiden deutschen Staaten große Unterschiede in der Sozialpolitik (welche ja eine der Philosophien des DDR-Sozialismus war). Wo lagen die Unterschiede? Wie effektiv waren beide Sozialsysteme? Was war ungerecht, was war gerecht? Wie ist es im Vergleich zu heute?
Der Bereich für Diskussionen zu den Sozialen Systemen der beiden deutschen Staaten.

Re: Bilder der DDR

Beitragvon augenzeuge » 3. Mai 2017, 21:07

Ohne Kommentar für den "zickigen" Edelknaben.... [grins]

Google weiß es nicht besser?

Blick vom Turm der Thomaskirche zum Markt, vor 1960 Foto: Klaus Liebich, © Stadtgeschichtliches Museum Leipzig
https://www.leipzig.de/news/news/ausste ... n-um-1965/

AZ
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Re: Bilder der DDR

Beitragvon Nostalgiker » 4. Mai 2017, 09:25

Eine interessante Ausstellung über eine Strasse in Berlin, fotografiert 1987 .....

http://www.co-berlin.org/harf-zimmermann

Um die Ecke habe ich jahrelang gewohnt ......
Ich nehme zur Kenntnis, das ich einer Generation angehöre, deren Hoffnungen zusammengebrochen sind.
Aber damit sind diese Hoffnungen nicht erledigt. Stefan Hermlin

Neben den Menschen gibt es noch Sachsen und Amerikaner .... Kurt Tucholsky
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Re: Bilder der DDR

Beitragvon Zicke » 4. Mai 2017, 09:34

augenzeuge hat geschrieben:Das Jahr stimmt nicht.

AZ


stimmt denn 1965 stand schon das Messeamt und das Messehaus am Markt, zudem war 1965 auch die 800 Jahrfeier der Messe.
J.S.



Meine Rechtschreibfehler könnt Ihr Samstags ab 17 Uhr bei Rewe gegen eine lecker Senfgurke tauschen.
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Re: Bilder der DDR

Beitragvon pentium » 4. Mai 2017, 09:47

Zicke hat geschrieben:
augenzeuge hat geschrieben:Das Jahr stimmt nicht.

AZ


stimmt denn 1965 stand schon das Messeamt und das Messehaus am Markt, zudem war 1965 auch die 800 Jahrfeier der Messe.


Und dann sollte man sich mal die Flagge am Rathaus ansehen. Da fehlt etwas. Ja richtig. Man beachte dazu: Am 1. Oktober 1959 fügte die DDR ihr Staatswappen, „Hammer und Zirkel, umgeben von einem Ährenkranz“, in die Flagge ein, um so eine Unterscheidung zu der Flagge der Bundesrepublik zu schaffen. Ergo müsste die Aufnahme vor dem 1. Oktober 1959 stammen?

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Re: Bilder der DDR

Beitragvon augenzeuge » 4. Mai 2017, 15:55

Jo, sehr gut erkannt, Pentium.

AZ
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Bilder vom DDR-Alltag

Beitragvon Werner Thal » 7. Februar 2020, 21:25

DER SPIEGEL - Geschichte

Bilder vom DDR-Alltag

Der Panzer aus der Kiste

Als Fotograf musste er sich der Bilderästhetik der DDR anpassen. Auf den Auslöser aber drückte Jürgen Graetz,
wann es ihm passte. Erst 25 Jahre nach dem Mauerfall veröffentlicht er jene Bilder, für die er im SED-Staat
keine Abnehmer fand.

Sowjetische Panzerfahrer ließen sich nicht gern fotografieren. Jedenfalls dann nicht, wenn sie sich mit ihrem
tonnenschweren Gefährt im Ruppiner Land verfuhren. Der Lärm am Waldrand mobilisierte 1974 das ganze Dorf.
Und die Wut in Dalgow war groß, als sich sie Ketten des Fahrzeugs in die Dorfstraße frästen. Jürgen Graetz drückte
ab, auf der Kamera. "Doch das wollten die absolut nicht", erinnert sich der 70-jährige heute.

Seine Kleinbildkamera wurde beschlagnahmt, der Film herausgerissen. Ich hatte aber noch ´ne 6x6, und da habe
ich dann noch mal draufgedrückt." Die Jagd der Soldaten auf seinen zweiten Film gewann Graetz: Er warf die
Kamera einem Freund zu, der rannte mit ihr davon - und brachte die Bilder in Sicherheit.

...und weiter geht es hier:

https://www.spiegel.de/geschichte/ddr-a ... 83200.html

P. S. - Anmerkung zu Bild 6/20: es sind zwar Telefonkabel mit Abzweigdose zu sehen.
Das bedeutet aber noch lange nicht, dass auch ein Telefonapparat in der jeweiligen Wohnung vorhanden ist.
Das kenne ich aus eigener leidlicher Erfahrung: zwar technisch vorbereitet, aber.... kein Sprechapparat da!

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Re: Bilder der DDR

Beitragvon Volker Zottmann » 7. Februar 2020, 21:46

Als wir im August 1966 "meinen" Panzersoldaten Boris mit kaputtem Panzer bei der Diemitzer Schleuse im Wald fanden, war das Fotografieren auch tabu.
Damals hatte mein Vater schon eine etwas bessere Kamera für Diapositive. Als er am 2. oder 3. Tag von Boris samt Panzer ein Foto schießen wollte, war Boris ganz aufgeregt und so ließ mein Dad von ab.
Keine Ahnung, ob der Soldat Angst vor Sanktionen hatte. In den fast 50 Jahren Korrespondenz ist darüber nie wieder geschrieben worden.
Seit der Krimannektion ist der Kontakt schlagartig verstummt. Ich weiß nicht, ob Boris noch lebt. Seine einzige mir bekannte Nichte hat mir auf Fragen nie mehr geantwortet.

Gruß Volker
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Re: Bilder der DDR

Beitragvon Werner Thal » 7. Februar 2020, 21:48

DER SPIEGEL - Geschichte

DDR-Wohnungsnot

Glücklich in der Platte

Wer eine Wohnung bekam, entschied das SED-Regime: Zehn Jahre lang wurde Siegfried Wittenburg vertröstet,
dann bekam er 1983 endlich eine eigene Bleibe - mit Telefonanschluss! Auf einstiges zeigt er Fotos seines Wohn-
Panoramas der DDR.

https://www.spiegel.de/geschichte/platt ... 71320.html

W. T.
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Re: Bilder der DDR

Beitragvon Volker Zottmann » 7. Februar 2020, 22:11

Für alle Wohnungssuchenden, die in die Millionen gingen, war die Plattenbauwohnung das Erstrebenswerteste.
Anders als heute hieß es damals eben nicht, dass der Abstieg eingeleitet ist.
Ebenso gibt es bis heute noch gut funktionierende Mietergemeinschaften. So wie bei meinen Eltern die auch ihre Wohnung kauften...

Sozialer Abstieg ist es heute allerdings dort, wo Stagnation und Resignation wegen Arbeitslosigkeit wie ein Virus Einzug hielten. Das gab es eben früher nicht. Dadurch hat man solche Wohnungen oft als erstrebenswert empfunden. Und das waren sie damals auch für Menschen, die bisher Kohlen schleppen mussten und den Lokus auf dem Hof hatten.

Mich hat es es selbst niemals in solche Plattenbauten gezogen. Ich kann aber alle verstehen, die nichts Besseres kannten und möglicherweise noch dazu zwei linke Hände hatten.

Gruß Volker
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Re: Bilder der DDR

Beitragvon zonenhasser » 7. Februar 2020, 23:56

Bild
Aktuelle Aufnahme: Opernhaus Leipzig Mittlerer Seiteneingang Ostseite, Supraporte mit DDR-Plemplem
Die “Rote Fahne” schrieb noch “wir werden siegen”, da hatte ich mein Geld schon in der Schweiz.
Bert Brecht
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Re: Bilder der DDR

Beitragvon Interessierter » 30. August 2020, 13:58

Das fotografische Werk von Siegfried Wittenburg

Währungsunion in Wismar

Die Verkäuferin eines Fischgeschäftes in Wismar, das bisher vor allem „Bückware“ anbot, hat ihren Arbeitsplatz auf die Straße vor dem Geschäft verlegt. ( Foto im Link ) Es sind die Tage der Währungsunion im Sommer 1990, in denen die D-Mark über die noch bis zum 3. Oktober 1990 bestehende DDR hereinbricht. Die junge Frau sitzt auf einem Hocker oder einem Stuhl hinter einem aufgeklappten Campingtisch. Auf ihm bietet sie belegte Fischbrötchen an, die auf zwei Platten angerichtet sind. Direkt vor ihr hat sie eine Wechselkasse platziert. Alles wirkt improvisiert. Passanten sind nirgends zu sehen, auch keine potenziellen Käufer. Die erhoffte Käuferklientel aus dem Westen lässt auf sich warten. Die Situation wirkt skurril. Die Markt- und Marketinggesetze des kapitalistischen Westens scheinen noch nicht ganz angekommen zu sein. Die Verkäuferin wirkt verloren und ein wenig gelangweilt. Den Fotografen scheint sie nicht zu bemerken.

„Aufmerksamkeitsökonomie“ – das aktive Bewerben der angebotenen Ware – scheint für sie noch ein Fremdwort zu sein, so wie auch in der untergegangenen DDR aktive Warenwerbung die Ausnahme war. Von daher ist das Foto ein Bild des Übergangs. Die Szenerie atmet einen morbiden Charme. Von Wiedervereinigungseuphorie ist nichts zu erkennen. Wie die Verkäuferin warten auch das Haus auf der linken Seite, das fast die Hälfte des Bildes ausfüllt und an dem eine bescheidene, wenig einladende Leuchtreklame mit der Aufschrift „Club“ angebracht ist, sowie das Gebäude dahinter auf bessere Zeiten, die sich indes auf diesem Bild nicht einstellen wollen. Von der Fassade bröckelt noch immer der Putz.

Der Fotograf hat die Szene von einer leicht erhöhten Position – vielleicht einer Leiter – aus aufgenommen, wodurch die Frau noch deutlicher von den Pflastersteinen umgeben, gleichsam ummauert, erscheint. Im Zentrum des Bildes herrscht Leere. Gegenpol zur Verkäuferin in der unteren Bildhälfte ist der LKW der Marke L60 aus DDR-Produktion, der bedrohlich im oberen Bildhintergrund lauert. Das Bild ist zudem ein stilles Bild, so wie auch die DDR ein stilles Land und die unserem Bild vorangegangene Revolution eine stille Revolution war. In diesem Sinne ist die Momentaufnahme aus Wismar ein durchaus repräsentatives Bild, das die Stimmung adäquat einfängt.

Absurdität und Skurrilität, Straßensituationen und die Stille des öffentlichen Raumes in Ostdeutschland sind die großen Themen von Siegfried Wittenburg, dem Fotografen dieses Bildes. Das Foto aus Wismar steht an einem Punkt des neuerlichen Wandels der Motive Wittenburgs. Waren es kurz zuvor noch die Akteure der stillen Revolution, das agierende Volk, dem sein fotografisches Interesse galt, so ist es hier nun wieder der Einzelne, der ungeschützt und unvorbereitet von den neuen Verhältnissen – den Gesetzen des kapitalistischen Marktes – überrollt wird.


Wittenburg hat seinem Bild den Titel „Eine Billion für blühende Landschaften“ gegeben. Anders als die Verkäuferin auf seiner Aufnahme hat er gelernt, die Gesetze der Aufmerksamkeitsökonomie anzuwenden. „Mit diesem Titel möchte ich Aufmerksamkeit erregen“, schreibt er. „Provokation wäre das falsche Wort. Die gewählten Reizworte beruhen auf Legenden, wahrgenommen während zahlreicher Debatten.

Die deutsche Einheit hat weder eine Billion gekostet (westdeutsches Märchen) noch hat jemand in diesem Sinne blühende Landschaften versprochen (ostdeutsche Legende).“[1] „Eine Billion für blühende Landschaften“ heißt auch die u.a. von der Bundesstiftung Aufarbeitung geförderte Ausstellung in der Kirche St. Georgen in Wismar im Corona-Sommer 2020 mit Wittenburg-Fotografien aus der Nachwendezeit der Jahre 1990 bis 1996.

Diese hier eingangs näher beschriebene Fotografie ist eine historische Quelle – und dies gleich in mehrfachem Sinne. Sie hält den historischen Augenblick der Währungsunion vom Sommer 1990 ausschnitthaft und exemplarisch für Wismar fest. Durch die Wahl des konkreten Sujets, durch den Zeitpunkt der Aufnahme, durch den gewählten Ausschnitt und seine Perspektive ist das Bild hochgradig „komponiert“ und damit Quelle für eine besondere Art der Fotografie. Schließlich erhält die Aufnahme durch die Wahl zum Blickfang für das Plakat zur Ausstellung „Eine Billion für blühende Landschaften“ eine herausgehobene Bedeutung für die Erinnerungsgeschichte: Durch sie sehen wir, die wir an diesem Ereignis nicht teilgenommen haben, auf einen Ausschnitt der Vergangenheit.

Um den genauen Quellenwert der Fotografien Siegfried Wittenburgs zu bestimmen, erscheint es zunächst notwendig, einen Blick auf den Fotografen zu richten, auf die politisch-kulturellen Bedingungen seiner fotografischen Praxis und auf seinen besonderen fotografischen Stil.

Mehr erfährt man hier.
https://visual-history.de/2020/07/06/da ... wittenburg
Soll dein Wissen immer aktuell sein, schau einfach mal ins " Forum Deutsche Einheit " rein.
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