Zwangsadoptionen in der DDR

Es gab zwischen beiden deutschen Staaten große Unterschiede in der Sozialpolitik (welche ja eine der Philosophien des DDR-Sozialismus war). Wo lagen die Unterschiede? Wie effektiv waren beide Sozialsysteme? Was war ungerecht, was war gerecht? Wie ist es im Vergleich zu heute?
Der Bereich für Diskussionen zu den Sozialen Systemen der beiden deutschen Staaten.

Re: Zwangsadoptionen in der DDR

Beitragvon vs1400 » 13. Januar 2014, 22:44

augenzeuge hat geschrieben:
Thoth hat geschrieben: gute 23 Jahre ideologische Bearbeitung in diese Richtung müssen doch Früchte tragen...
Thoth


Was ist diese ideologische Bearbeitung gegenüber jener der DDR? Wie teuer war die eigentlich? Den Staat hats gekostet, aber bei manchen blüht es immer wieder auf.... [flash]

AZ


ich wurde zwar nicht direkt gefragt Jörg,
doch man nähert sich sehr stark an, was natürlich auch ein produkt der massenmedien ist. jedes medium möchte leser gewinnen und im endeffekt doch eigentlich nur überleben. bestimmte themen gehen da immer, sind selbstläufer und werden auf teufel komm raus genutzt.
parteien nutzen derartige themen selbstverständlich auch und "zeitzeugen" findet man sehr oft in den jeweils angenehmeren.
was uns das heute wieder kostet und es ist traurig zu erwähnen, all diesen kram wollte man nicht und dafür sind die menschen 89zig nicht auf die straße gegangen.
die erhofften sich was ehrlicheres und sind im neuen altem gelandet.

doch zurück zum thema.
es sind demnach 6 fälle die erwähnt werden.
was kann man zu diesen fällen genauer erfahren?

gruß vom Torsten [hallo]
vs1400
 

Re: Zwangsadoptionen in der DDR

Beitragvon andr.k » 13. Januar 2014, 22:57

Meister im Weggucken

Aktenfunde bestätigen, was Ost wie West-Politiker jahrzehntelang geleugnet haben: Es gab in der DDR politisch motivierte Zwangsadoptionen.

Der Ost-Berliner Markus Zimmermann, 25, hat sich um die Republik verdient gemacht - wegen Verbreitung unliebsamer Wahrheiten.

Als der CDU-Bezirksstadtrat für Jugend und Familie über Pfingsten zu Hause ein paar in Zeitungspapier eingewickelte Aktenbündel aus dem Archivkeller seines Bezirksamtes Berlin-Mitte sichtete, stieß er auf Sensationelles: Er hielt Adoptionsakten in Händen, aus denen zweifelsfrei hervorging, daß das Bezirksamt Berlin-Mitte in den siebziger Jahren DDR-Kinder ihren Eltern wegen politischer Unzuverlässigkeit entrissen und linientreuen Genossen und Genossinnen zur Adoption übergeben hatte.

Noch kurz vor Bekanntwerden des Akteninhalts hatte Zimmermanns Dienstherr Thomas Krüger, 31, sozialdemokratischer Senator für Jugend und Familie, in einem Ausschuß des Berliner Abgeordnetenhauses erklärt, politisch motivierte Zwangsadoptionen seien in seinem Bereich nicht bekannt.

In dem Aktenbündel aus dem Archivkeller entdeckte Bezirksstadtrat Zimmermann auf Anhieb drei Fälle aus dem eigenen Amt; der größte Teil der aufgefundenen Akten wird erst diese Woche von einer Arbeitsgruppe West-Berliner Beamter geprüft. Weil die meisten anderen ostdeutschen Jugendhilfestellen in ihren Aktenkammern noch gar nicht nachgeschaut haben, ist vorerst ungewiß, wie viele Fälle von Zwangsadoptionen es in der DDR insgesamt gegeben hat.

Der Ost-Berliner Rechtsanwalt Wolfgang Vogel, der über drei Jahrzehnte lang im Auftrag der DDR mit der Abwicklung humanitärer Probleme zwischen den beiden deutschen Staaten betraut war, sagt, er selber kenne nur 3, allenfalls 4 politisch motivierte Zwangsadoptionen; etwa 20 weitere Fälle beträfen den Entzug des Erziehungsrechts, ebenfalls aus politischen Gründen. Die Berliner Orientalistin Gabriele Yonan, in den siebziger Jahren Sprecherin einer Gruppe von Eltern zwangsadoptierter Kinder, hat insgesamt 16 politisch motivierte Adoptionsfälle registriert.

Der Zufall wollte es, daß sich unter der Pfingstlektüre des Bezirksstadtrats Zimmermann ausgerechnet einer jener Fälle befand, mit denen der SPIEGEL die Zwangsadoptionen im Dezember 1975 erstmals publik gemacht hatte: der Fall Grübel - typisch für die perfide DDR-Praktik, in einzelnen Fällen den Versuch der Republikflucht mit einer Art staatlichem Kindesraub zu bestrafen.

Die Eltern, der Wohnraumgestalter Otto Grübel und Ehefrau Bärbel, waren im August 1973 bei dem Versuch, mit ihren beiden Kindern Ota, damals vier, und Jeannette, fast drei, über die Tschechoslowakei in die Bundesrepublik zu flüchten, gefaßt und später in der DDR zu je zwei Jahren und zehn Monaten Haft verurteilt worden. Sie waren vom Zeitpunkt der Verhaftung an von den Kindern getrennt. Alle Bemühungen, mit ihnen in Kontakt zu kommen, blieben erfolglos.

Im Mai 1975 wurden die Grübels von der Bundesrepublik freigekauft und in den Westen entlassen. Ihr Antrag, mit den Kindern zusammen ausgebürgert zu werden, war von der DDR verworfen worden. Das Erziehungsrecht hatte der Staat ihnen bereits während der Haft abgesprochen.

Was die Grübels bis zu Beginn des Jahres 1990 nicht genau wußten: Noch während ihrer Haft waren die Kinder an ein DDR-Ehepaar mit einwandfreiem politischen Leumund weitergereicht worden, das die beiden Kinder am 19. November 1975 dann auch tatsächlich adoptierte - allerdings, ohne die Vorgeschichte der Kinder und ihrer Eltern zu kennen.

Die SPIEGEL-Berichte in den Heften 51 und 52/1975 führten zu einem zwischendeutschen Eklat. Bayerns damaliger Ministerpräsident Alfons Goppel (CSU) lud den gerade in München zu einer Antrittsvisite eingetroffenen Bonner DDR-Vertreter Michael Kohl gleich wieder aus, weil der den SPIEGEL-Bericht über Zwangsadoptionen nicht dementieren mochte.

Nach ostdeutscher Lesart handelte es sich um "schmutzige Verleumdung des Staates der DDR durch ein Magazin" (DDR-Kohl), verfaßt von "Lügenlümmeln" (Leipziger Volkszeitung). Der damalige Ost-Berliner SPIEGEL-Korrespondent Jörg Mettke wurde wegen "Verleumdung der DDR" unverzüglich _(* Sohn Aristoteles als Baby, als ) _(Erwachsener. ) ausgewiesen, obwohl er den Bericht weder angeregt noch recherchiert oder geschrieben hatte.

Die SPD/FDP-Bundesregierung in Bonn führte einen Eiertanz eigener Art auf. Sie sprach zunächst von "sogenannten Adoptionen" in "zwei Fällen", dann von "wahrscheinlich fünf Fällen". Doch weil das Kinder-Thema das Klima der damaligen deutsch-deutschen Verhandlungen zu stören begann, übte sich der Minister für Innerdeutsches, Egon Franke, bereits Anfang 1976 bei einer Parlamentsdebatte als Meister im Weggucken: "Es gibt keinen Fall von Adoption oder der Übertragung des Sorgerechts auf andere und von Zwangsadoptionen als zusätzliche Strafe für Republikflucht oder für den Versuch der Republikflucht."

Dabei hätte Franke wissen müssen, daß das Gegenteil zutraf. Denn speziell das Innerdeutsche Ministerium war von betroffenen Eltern seit 1969 über diese Art Zwangsadoptionen detailliert und laufend informiert worden. So lag dem Franke-Ministerium das Urteil des Stadtbezirksgerichts Berlin-Mitte vor, mit dem den Grübels 1974 das Erziehungsrecht entzogen worden war:
" Schließlich waren die Eltern bereit - und das beweist "
" den hohen Grad der Gefährdung der Erziehung und "
" Entwicklung der beiden minderjährigen Kinder -, beide "
" Kinder aus einer bisher stabilen sozialen Sicherheit "
" einer ungewissen Zukunft auszusetzen. "

Mit anderen Worten: Das politische Delikt der versuchten Republikflucht gab die Begründung für den Entzug des Erziehungsrechts ab. Selbst dem Ost-Berliner Grübel-Anwalt Clemens de Maiziere, Vater des jetzigen CDU-Abgeordneten Lothar de Maiziere, erschien die Prozedur so bedenklich, daß er dem Obersten Gericht der DDR zu Protokoll gab: "Ein solches Verhalten ist mit den humanitären Grundsätzen unserer Verfassung unvereinbar. Ich stehe nicht an, es als unmenschlich zu bezeichnen."

Daß der DDR-Führung das negative Echo der Weltpresse unangenehm war, ließ sie sich nur intern anmerken. So autorisierte SED-Chef Erich Honecker um die Jahreswende 1975/76 einen seiner Spezis zu einer streng vertraulichen Absichtserklärung an die Bundesregierung unter Kanzler Helmut Schmidt: Die DDR-Regierung sei über politisch motivierte Fälle von Entzug des Erziehungsrechts und Übertragung "in Form von Adoption" nicht informiert gewesen. Sie mißbillige das Vorgehen "der mittleren Verwaltungsebene" und werde die politisch motivierten Fälle rückgängig machen - was in einem Fall tatsächlich umgehend geschah.

Alle anderen Fälle blieben trotz gegenteiliger Zusagen ungelöst. Lediglich drei der Eltern kamen mit ihren Kindern Jahre später wieder in Kontakt, nur zwei davon vor der Wende:
* Gabriele Yonan sah ihren 1972 zwangsadoptierten Sohn
Aristoteles nach zermürbenden Kämpfen mit Behörden in
Ost wie West 1988 wieder - als 22jährigen.
* Die Diplom-Chemikerin Gisela Mauritz kam mit ihrem 1974
zwangsadoptierten Sohn Alexander erst im Februar 1989
in der Kanzlei von Rechtsanwalt Vogel zusammen -
Alexander war mittlerweile 18.
* Otto und Bärbel Grübel trafen im Frühjahr 1990 mit dem
Adoptivvater Ulrich Klewin und ihren beiden Kindern
Ota, nunmehr 20, und Jeannette, 19, zusammen. Die
Kinder konnten sich an ihre leiblichen Eltern nicht
mehr erinnern.
_(* Im April 1990, als Kind. )

Warum der Fall Grübel nicht vor der Wende gelöst werden konnte, obgleich dies den Eltern 1976 von höchster politischer Ebene in Ost wie West definitiv zugesagt worden war, ist bis heute unklar. Anwalt Vogel ("Grübel ist einer meiner Mißerfolge") hält die extensive internationale Pressekampagne "speziell in diesem Fall" für den eigentlichen Grund: "Das hat die DDR-Führung in eine Art Verstocktheit hineingetrieben."

Der Fall Grübel zeigt überdies, daß alle politischen Instanzen bis zur obersten Ebene mit den politischen Zwangsadoptionen befaßt waren. Unklar ist nur, wer die Idee hatte. "Die Initiative ging immer vom örtlichen Referat Jugendhilfe aus", sagt Anwalt Vogel, "aber das wiederum war natürlich von der Stasi stets mit entsprechenden Informationen gefüttert worden."

Aus Zimmermanns Aktenfunden geht hervor, daß sich die Jugendhilfestellen in politischen Fällen häufig im Ministerium telefonisch rückversicherten - und dabei meist auf Zustimmung stießen. Von einer zentralen Weisung aus Margot Honeckers Volksbildungsministerium oder gar von ihr persönlich ist Anwalt Vogel allerdings "nie etwas zu Gesicht gekommen".

Aber auch ohne zentrale Weisung hätte die staatstrunkene SED-Ideologie eigentlich viel mehr politische Zwangsadoptionen produzieren müssen. Denn einem eingefleischten SED-Genossen mußte es durchaus konsequent erscheinen, republikflüchtige Eltern für asozial zu halten. SED-staatskonforme Kindererziehung war nach dem Familienrecht der DDR Elternpflicht.

Dies wird auch die Chancen des Bezirksstadtrates Zimmermann vermindern, die Verantwortlichen vor Gericht zu ziehen. Zimmermann: "Die werden sagen, das stand doch alles im Gesetz, für das wir leben und sterben sollten."

* Sohn Aristoteles als Baby, als Erwachsener. * Im April 1990, als Kind.

Extra für die, die bequem zum Suchen sind.

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Re: Zwangsadoptionen in der DDR

Beitragvon andr.k » 13. Januar 2014, 23:05

29.11.1976
Meine Eltern sind nicht meine Eltern

Der Fall Grübel: Bonn wiegelt ab, Ost-Berlin sperrt sich

Zu einer Affäre hat sich entwickelt, was vor Jahresfrist die Diskussion um "Zwangsadoptionen" in der DDR auslöste. Während mehrere Problemfälle über diskrete Kontakte erledigt wurden, hält die DDR Tochter und Sohn der in die Bundesrepublik abgeschobenen Eheleute Grübel zurück. Der SPIEGEL erfuhr, wo die Kinder sind.

Am Mittwoch vorletzter Woche fuhr der DDR-Korrespondent des SPIEGEL, Ulrich Schwarz, von Ost-Berlin nach Eisenhüttenstadt an der Oder. Gegen 17 Uhr klingelte er am Chopin-Ring Nr. 15 parterre rechts und fragte den Wohnungsinhaber, den Diplomingenieur für Vermessungswesen Ulrich Klewin, ob er ihm einige Fragen "zur Adoption Ihrer Kinder" stellen könne. Die Antwort: "Das muß ich verweigern. Dazu sage ich nichts."

Am darauffolgenden Tag wurde Schwarz im ostdeutschen Außenministerium vorstellig und ersuchte die -- für Anfragen westlicher Journalisten zuständige -- Behörde um Auskünfte in derselben Sache. Antwort bekam er eine knappe Woche später. am vergangenen Dienstag: "Dem Antrag, darüber etwas zu erfahren, ist nicht stattgegeben worden."

Worüber der DDR-Bürger Klewin in Eisenhüttenstadt und das Außenamt in Ost-Berlin nichts sagen wollen, ist ein zwischendeutsches Thema von der heiklen Art. Die Kinder, nach denen der SPIEGEL fragte, heißen Ota und Jeannette Klewin, der Junge sieben, das Mädchen sechs Jahre alt. Die Klewins sind nicht die leiblichen Eltern.

Früher hießen die Kinder Ota und Jeannette Grübel. Unter diesem Namen hatte sie der SPIEGEL Ende 1975 aufgeführt, als er zum ersten Mal über die Praktiken von DDR-Behörden berichtete, in einzelnen Fällen den Versuch der Republik-Flucht mit einer Art Familienstrafe zu ahnden: "Sie geben Kinder von Eltern, die bei der Flucht ertappt wurden, zur Adoption frei."

Die Eltern, der Wohnraumgestalter Otto Grübel, 40, und Ehefrau Bärbel, 27, waren im August 1973 bei dem Versuch, mit den beiden Kindern über die Tschechoslowakei in die Bundesrepublik zu flüchten, gefaßt und später in der DDR zu je zwei Jahren und zehn Monaten Haft verurteilt worden. Sie waren vom Zeitpunkt der Verhaftung an von den Kindern getrennt, und alle Bemühungen, mit ihnen in Kontakt zu kommen, blieben erfolglos.

Im Mai 1975 wurden die Grübels, von der Bundesrepublik freigekauft, in den Westen entlassen. Ihr Antrag, mit den Kindern zusammen ausgebürgert zu werden, wurde von der DDR verworfen. Wo Ota und Jeannette sich aufhielten, wußten sie nicht, als der SPIEGEL in Heft 51/1975 den Fall schilderte.

Dieser Bericht führte zu einem zwischendeutschen Eklat. Bayerns Ministerpräsident Alfons Goppel lud den gerade in München zu einer Antrittsvisite eingetroffenen Bonner DDR-Vertreter Michael Kohl gleich wieder aus: weil der die SPIEGEL-Nachricht nicht dementieren mochte.

Nach ostdeutscher Lesart handelte es sich um "schmutzige Verleumdung des Staates der DDR durch ein Magazin" (DDR-Kohl), verfaßt von "Lügenlümmeln" ("Leipziger Volkszeitung"), "frei erfunden" (Ost-Berliner Nachrichten-Agentur ADN). Der damalige Ost-Berliner SPIEGEL-Korrespondent Jörg Mettke wurde wegen "Verleumdung der DDR" unverzüglich ausgewiesen, obwohl er den Bericht weder angeregt noch recherchiert, noch geschrieben hatte.

Die Bundesregierung in Bonn zeigte sich von den im SPIEGEL mitgeteilten Erkenntnissen überrascht, sprach zunächst von "sogenannten Adoptionen" in "zwei Fällen", dann von "wahrscheinlich fünf Fällen". Doch am 29. Januar dieses Jahres, während der Parlamentsdebatte über den Bericht zur Lage der Nation, reduzierte der Minister für Innerdeutsches, Egon Franke, das Problem wieder auf Null: "Es gibt keinen Fall von Adoption oder der Übertragung des Sorgerechts auf andere und von Zwangsadoption als zusätzliche Strafe für Republikflucht oder für den Versuch der Republikflucht."

Es war nach der zuvor eindeutigen Reaktion (Kanzler Schmidt hatte am selben Tag von einer "Verletzung elementarer Menschenrechte" gesprochen) der späte Versuch, abzuwiegeln -- so etwas wie eine konzertierte deutschdeutsche Aktion, ein höchst unliebsames Thema aus dem öffentlichen Gespräch zu bringen: peinlich für die DDR, die einmal mehr in den Verdacht inhumaner Rechtspraxis geriet, unangenehm auch für die Bundesregierung in Bonn, die ihren innerdeutschen Dialog, Ausweis erfolgreicher Ost-Politik nicht gefährdet sehen wollte.

In Wirklichkeit wurde das "Problem Kinder" (so das Stichwort in einem internen Bericht) von dem Augenblick an Bestandteil deutsch-deutscher Kontaktnahmen, da es publik gemacht worden war. Das Thema, das laut Bundesminister Franke gar nicht existierte, beschäftigte seitdem immer wieder ostdeutsche und westdeutsche Stellen -- geradezu musterhaft jener Fall, der für Beteiligte schon zu einem "ost-westdeutschen Trauma" geworden ist und vom Ministerium Franke, wo immer es geht, verdeckt gehalten wird: der Fall Grübel.

Schon als der Minister vor dem Bundestag mitteilte, es gebe "keinen Fall von Adoption oder der Übertragung des Sorgerechts auf andere" als "zusätzliche Strafe für Republikflucht oder für den Versuch der Republikflucht", hätte er wissen müssen, daß das Gegenteil zutraf. Denn schon damals lagen dem Franke-Ministerium Akten aus einem Ost-Berliner Prozeß vor, der mit der Entziehung des Erziehungsrechts für die Grübeis geendet hatte. Während sie noch im DDR-Gefängnis saßen, urteilte das Stadtbezirksgericht Berlin-Mitte unter anderem:

Schließlich waren die Eltern bereit -- und das beweist den hohen Grad der Gefährdung der Erziehung und Entwicklung der beiden minderjährigen Kinder -, beide Kinder aus einer bisher stabilen sozialen Sicherheit einer ungewissen Zukunft auszusetzen. Die Verklagten hatten keinerlei Gewähr dafür, daß sich ihre beiden Kinder wie bisher in geordneten sozialen und gesellschaftlichen Verhältnissen entwickeln konnten, sondern beide ließen sich lediglich von ihren Vorstellungen leiten.

Mit anderen Worten: Das politische Delikt der versuchter Republikflucht gab die Begründung für den Entzug des Erziehungsrechts ab. Selbst dem Ost-Berliner Grübel-Anwalt Clemens de Maizière erschien die Prozedur damals so bedenklich, daß er dem Obersten Gericht der DDR zu Protokoll gab: "Ein solches Verhalten ist mit den humanitären Grundsätzen unserer Verfassung unvereinbar, ich stehe nicht an, es als unmenschlich zu bezeichnen."

Es war nicht nur de Maizière, der in Ost-Berlin Anstoß an solchen Vorkommnissen nahm. Daß es "hier oder da zu unrichtigen Entscheidungen" von DDR-Behörden gekommen sei, räumte auch der Ost-Anwalt Wolfgang Vogel, mit großer Wahrscheinlichkeit ranghoher Staatssicherheitsoffizier und häufig Unterhändler in politisch delikaten Ost-West-Fragen, ein -- etwa gegenüber dem evangelischen West-Berliner Bischof Kurt Scharf.

Insgesamt tat die DDR noch mehr. SED-Chef Honecker autorisierte sogar, wie der SPIEGEL inzwischen erfuhr, um die Jahreswende 75/76 einen seiner Vertrauten zu einer Absichtserklärung gegenüber der Bundesregierung. Die streng vertrauliche Notiz resümiert ein Aktenkundiger wie folgt:

Die DDR-Regierung sei über politisch motivierte Fälle von Entzug des Erziehungsrechts und Übertragung "in Form von Adoption" nicht informiert gewesen. Sie mißbillige das Vorgehen "der mittleren Verwaltungsebene" und werde die politisch motivierten Fälle rückgängig machen. Herr Honecker beauftrage den Anwalt Vogel mit der Abwicklung. Die Familien Grübel und Mubarak würden "ihre Kinder zurückbekommen". Andere Fälle würden noch geprüft.

In der Tat begann die DDR-Führung ohne viel Aufhebens, die im SPIEGEL 51 und 52/1975 beschriebenen Fälle zu regeln. Anfang dieses Jahres wurde das Adoptionsverfahren im Fall des zehnjährigen Andre Mubarak, der seinen Eltern nach mißglückter Westflucht (der gesamten Familie) genommen und in erster Gerichtsinstanz Adoptiveltern zugesprochen worden war, in zweiter Instanz gestoppt. Im Juli dieses Jahres übergab Rechtsanwalt Vogel den Jungen seiner Mutter in einer West-Berliner Seitenstraße.

Wenige Stunden nach der Annullierung des Adoptionsurteils erklärte Bonns Regierungssprecher Bolling in der ARD-Tagesschau: "Heute gibt es nun Anhaltspunkte dafür, daß dieses bedrückende Thema bald keines mehr sein wird und daß die DDR, soweit es Fälle erzwungener Adoptionen gegeben hat, diese Fälle in Ordnung zu bringen wünscht."

So kam es, entgegen anfänglichen Befürchtungen, in etlichen Fällen nicht zur Adoption -- etwa im Fall der Leipziger Arzt-Eheleute Mathias und Gabriele Kiefer, die bei einem Fluchtversuch mit ihren Kindern Markus und Alexander gefaßt worden waren. Die Kinder, damals ein und drei Jahre alt, sollten ursprünglich einer fremden Familie anvertraut werden; nun kamen sie für die Zeit des Gefängnisaufenthaltes der Eltern zur Großmutter.

Ein in die einschlägigen Vorgänge Eingeweihter weiß sogar zu berichten, die DDR-Führung habe personelle Konsequenzen gezogen und drei an Fehlentscheidungen beteiligte Genossen ihrer Posten enthoben. "Die Berichte über die Zwangsadoptionen", so dieser Informant, "haben in der DDR eine Entwicklung gestoppt --- es wird das Problem künftig nicht mehr geben."

Auch die Grübels, die im Mai 1975 von der DDR ohne Kinder ausgebürgert worden waren, machten sich in dieser Situation Hoffnungen. Daß ihre Kinder längst adoptiert seien, hatten sie von Carl Gustaf Swingel, einem in West-Berlin ansässigen Vertreter von Hilfsorganisationen der schwedischen Kirche, erfahren; Swingel pflegte hin und wieder den Ost-Berliner Anwalt Vogel zu treffen.

Den Kontakt zu den Grübels nahm DDR-Vogel seinerseits über den West-Berliner Rechtsanwalt Reymar von Wedel auf, einen Vertrauensmann der Berliner evangelischen Kirche; über ihn ließ Vogel wissen, mit der Rückgabe der Kinder könne im ersten Quartal 1976, vielleicht auch früher, gerechnet werden. Später wurde auch der West-Berliner Anwalt Jürgen Stange eingeschaltet, bewandert in delikaten politischen Ost-West-Geschäften.

Für den 14. Januar 1976 bestellte Ost-Anwalt Vogel die Grübels in sein Ost-Berliner Büro, Reiler Straße 4, und eröffnete ihnen eine neue Variante: Die Kinder seien zwar bei verschiedenen Eltern untergebracht, aber "wahrscheinlich" nicht adoptiert. Das Problem, die Rückgabe der Kinder, lasse sich jedenfalls auf ganz bestimmte Weise lösen:

Da nach ostdeutschem Recht nur DDR-Bürgern das Erziehungsrecht für DDR-Kinder übertragen werden könne, müsse das Erziehungsrecht für die Grübel-Kinder zunächst auf die in Ost-Berlin lebende Großmutter der Kinder, Meta Knaack, übertragen werden. Erst wenn dies geschehen sei und die Kinder ein paar Wochen oder Monate bei der Großmutter lebten, könne die Großmutter für sich und die Kinder einen Ausreiseantrag stellen, der dann so schnell wie möglich genehmigt werde.

Voraussetzung für die Transaktion sei, daß dieser Plan auf keinen Fall an die Öffentlichkeit dringen dürfe, andernfalls sähen die Eltern ihre Kinder nie wieder. Eltern und Großmutter willigten ein; die Großmutter nur zögernd, da sie eigentlich in Ost-Berlin wohnen bleiben wollte.

Die Grübels hielten sich wohl an ihr Schweigegebot, die DDR aber nicht an den Vogel-Plan. Auszüge aus Otto Grübels Tagebuch:

26.1. 1976: Rechtsanwalt Vogel: "In 14 Tagen erhalten Sie Bescheid, wann die Kinder kommen.

9. 2. Rechtsanwalt Vogel: "Es läuft alles sehr positiv."

12. 2. Klaus Plewa (aus dem Referat I/6 der West-Berliner "Abteilung Innerdeutsche Beziehungen", einer Außenstelle des

* In der Klewin-Wohnung, Chopin-Ring 15. Der Pfeil im unteren Bild weist ebenfalls auf die Wohnung hin.

Innerdeutschen Ministeriums): "Einen konkreten Termin für die Übergabe der Kinder gibt es nicht"

28. 2.: Rechtsanwalt von Wedel: "Mit einem positiven Ausgang ist zu rechnen." 2. 3. Rechtsanwalt Vogel: Die Kinder kommen "im Laufe des Jahres" zur Großmutter Meta Knaack.

8. 4. Rechtsanwalt von Wedel: "Dr. Vogel hat starke Schwierigkeiten ... -- Bis Ende April bekommen Sie eine verbindliche Auskunft."

29. 4.: Rechtsanwalt von Wedel: "Die Überlassung der Kinder an Ihre Mutter ist in Arbeit und wird in den nächsten Wochen vollzogen."

14. 5. Rechtsanwalt Vogel (zur Großmuter): "Es läuft alles positiv ... In den nächsten Tagen wird man sich an Sie wenden, um die Übergabe der Kinder zu besprechen."

25. 5. Rechtsanwalt von Wedel: "Dr. Vogel garantiert, daß die Kinder im Juni zu Ihrer Mutter (Großmutter) kommen."

24. 6. Rechtsanwalt von Wedel: "Dr. Vogel teilte mir mit, daß die Ausreise der Kinder intern endgültig genehmigt ist. Die Kinder werden bei der Großmutter nur ganz kurz bleiben, wahrscheinlich nur wenige Tage. Wahrscheinlich kommen die Kindes im Juli zu Ihnen."

Am 29. Juni erhielt Meta Knaack im Ost-Berliner Innenministerium die Ausreiseunterlagen, die sie so schnell wie möglich ausfüllen sollte. Dabei war wieder von einer neuen Variante die Rede. Die 58jährige erfuhr, daß sie nun doch nicht das Sorgerecht für die Kinder übertragen bekomme, sondern die Eltern direkt -- die Eltern Grübel sollten sofort einen Antrag auf Entlassung aus der Staatsbürgerschaft für ihre beiden Kinder stellen. Dennoch müsse auch Meta Knaack mit ausreisen; sie solle sofort bei ihrer Firma kündigen und alle sonstigen vertraglichen Bindungen innerhalb der DDR lösen.

Am 5. Juli kündigte Meta Knaack auftragsgemäß als Straßenbahn-Fahrerin bei den Berliner Verkehrsbetrieben, wo sie 20 Jahre lang beschäftigt gewesen war. Aber in den Westen kam sie ebensowenig wie wieder an ihren alten Arbeitsplatz. Sie bekam auch keine finanzielle Unterstützung -- eine von den vielen schlechten Nachrichten, die von nun an im Tagebuch des Otto Grübel auftauchen:

26. 8. Rechtsanwalt von Wedel: "Herr Vogel stößt auf innere Widerstände."

6. 9. Plewa: "Nach meinen Unterlagen ist der Ausreisetermin der 1. September gewesen. Ihr Fall ist der spektakulärste, Vogel steht auf Ihrer Seite."

13. 9. Rechtsanwalt Vogel: "Es gibt Leute in der DDR, die wollen nicht, daß Ihre Kinder rüberkommen. Wenn wir es bis zum 20. Oktober nicht schaffen, sehe en keine Hoffnung mehr."

Bis zum 20. Oktober war es nicht geschafft, wohl aber gab es um diese Zeit erstmals einen Hinweis auf den Verbleib der Grübel-Kinder. Er besagte, daß die Kinder, als die Eltern nach der gescheiterten Flucht verhaftet wurden, zunächst in ein Heim gekommen seien. später, im Herbst 1974, zu dem Ehepaar Ulrich und Anneliese Klewin nach Eisenhüttenstadt.

Ulrich Klewin ist als Diplomingenieur für Vermessungswesen beim "Kombinat Geodäsie und Kartographie" tätig. Ursprünglich hatten sich die Klewins nur um ein Adoptivkind beworben. Aber auf die dringenden Bitten der in der DDR zuständigen Jugendhilfe, das Geschwisterpaar zu übernehmen, willigten die kinderlosen Klewins ein.

Dafür besorgte die Jugendhilfe angeblich eine größere Wohnung und gab finanzielle Starthilfe. Was immer die Jugendhelfer den Klewins damals über die Herkunft der Kinder verrieten oder verschwiegen -- von den Kindern selber muß das Ehepaar bald erfahren haben, was geschehen war. Noch heute sagt der siebenjährige Ota, seit September dieses Jahres Erstkläßler in der "11. Oberschule Alfred Jung" zu Eisenhüttenstadt, schon mal zu Mitschülern: "Meine Eltern sind nicht meine Eltern. Meine richtigen Eltern haben sie verhaftet."

Daß die Kinder den Namen Klewin tragen, sich jedenfalls so nennen, wenn sie gefragt werden, läßt diverse Interpretationen zu: Die Kinder könnten nach Paragraph 41 des DDR-Personenstandsgesetzes aus "wichtigem Grund" umbenannt worden sein; als "wichtiger Grund" gilt danach beispielsweise, "wenn nach den Grundsätzen des Zusammenlebens in der sozialistischen Gesellschaft der Familienname nicht zumutbar ist",

Aber nicht vom Personenstandsgesetz ist die Rede, wenn informierte DDR-Leute auf den Fall angesprochen werden, sondern von den Adoptionsbestimmungen im Familienrecht und im Jugendhilferecht. Nach Lesart eines Kommentars des Ost-Berliner Justizministeriums gilt für diesen Bereich:

"Das Kind soll in seinen neuen Lebens- und Erziehungsverhältnissen fest verwurzelt werden, wofür -- insbesondere bei jüngeren Kindern -- die Annahme an Kindes Statt die besten Voraussetzungen bietet", wenn nötig auch. wie in Westdeutschland, ohne Einwilligung der leiblichen Eltern.

Mit der "Annahme an Kindes Statt" erlöschen, ebenfalls wie in der Bundesrepublik ab 1977, alle Rechte und Pflichten der leiblichen Eltern. In der Jugendhilfeverordnung ist festgelegt, daß die Behörden Dritten gegenüber keine Auskünfte erteilen dürfen. Nach Paragraph 8 unterliegen die an der Adoption beteiligten Stellen der Schweigepflicht.

So gesehen, handelte das DDR-Außenministerium nicht mehr als korrekt, als es das Ersuchen des SPIEGEL um Auskunft in Sachen Grübel-Adoption ausschlug**. Unerfindlich bleibt jedoch -- abgesehen davon, daß solche politischen Adoptionspraktiken mit rechtsstaatlichen Grundsätzen nicht ver-

* Am West-Berliner Übergabe-Ort in der Nähe des Grenzkontrollpunktes Invalidenstraße, zwei Monate nach der Rückkehr.

** Anfrage des SPIEGEL-Korrespondenten an das DDR-Außenministerium:

Dem SPIEGEL liegen Informationen vor, daß die beiden Grübel-Kinder Ota und Jeannette von dem Ehepaar Ulrich und Anneliese Klewin ... adoptiert worden sind. Der SPIEGEL möchte über den Fall berichten. Ich bitte daher die zuständigen Behörden um Stellungnahme,

Den SPIEGEI interessiert vor allem die Beantwortung folgender Fragen:

1. Was sind die Rechtsgrundlagen dieser Entscheidung?

2. Wann und auf wessen Antrag wurden die beiden Kinder adoptiert?

3. Welche rechtlichen und anderen Umstände stehen einer Zusammenführung mit den leiblichen Eltern entgegen?

einbar wären -, wieso die DDR durch ihre Mittelsleute erst die Rückgabe der Kinder signalisiert, dann wieder davon abrückt und warum die Bundesregierung den Fall auf sich beruhen läßt

Im Ministerium von Egon Franke, der gerne darauf hinweist, daß "wir uns Zentimeter um Zentimeter für ein Mehr an Menschlichkeit abplacken", geht man auf den Fall Grübel vornehmlich mit Bemerkungen darüber ein, daß "die Bundesregierung Veröffentlichungen in dieser Sache noch nie für richtig gehalten" habe. "Wenn das öffentlich behandelt wird, geht die Sache schief."

Womöglich ist die Sache längst schiefgelaufen, weil sie nicht

rechtzeitig öffentlich behandelt wurde. Im Oktober kursierte unter Hamburger SPD-Leuten Nachricht, wie Frankes Staatssekretär Karl Herold den Fall einschätzt: Die Grübel-Kinder seien in der DDR adoptiert, es gehe ihnen nach Aussage der DDR sehr gut, und die DDR beabsichtige nicht, die Kinder ihren leiblichen Eltern zurückzugeben.

Quelle: DER SPIEGEL

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Re: Zwangsadoptionen in der DDR

Beitragvon Volker Zottmann » 13. Januar 2014, 23:08

Wie viele Fälle es gibt, wird niemand genau sagen können. Aber es gibt derer viele.
Die Betroffenen Kinder wissen evtl. gar nicht, dass sie zwangsadoptiert sind. Betroffene Eltern aber sind machtlos!
Es sind mit Sicherheit nicht alles nur "Asoziale" die nun geläutert ihre Kinder verzweifelt in den diversen Portalen suchen. Vielleicht weiß ja der schlaue Thoth wirklich nicht, warum es keine Beweise für die vielen Adoptionen gibt….

Genauso wie die Kaderleitungen in den Betrieben mit den Akten der Arbeiter und Angestellten in den Wendewirren umgingen, (zumindest war es in meinem letzten VEB so), wird es bei den Referaten für Jugendhilfe und in den MfS-Diensstellen nicht zugegangen sein.
Da wurden solche belastenden Dinge doch garantiert zuerst entsorgt. Es war Wochen und teils Monate Zeit, Beweise verschwinden zu lassen.

Gruß Volker
http://baupionier.zottmann.org/
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Die Weite Deines Horizonts ist Frage Deiner Sicht.
Der Große sieht ihn breiter, der Kleine leider nicht.
(Volker Zottmann)
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Re: Zwangsadoptionen in der DDR

Beitragvon vs1400 » 13. Januar 2014, 23:15

Volker Zottmann hat geschrieben:Wie viele Fälle es gibt, wird niemand genau sagen können. Aber es gibt derer viele.
Die Betroffenen Kinder wissen evtl. gar nicht, dass sie zwangsadoptiert sind. Betroffene Eltern aber sind machtlos!
Es sind mit Sicherheit nicht alles nur "Asoziale" die nun geläutert ihre Kinder verzweifelt in den diversen Portalen suchen. Vielleicht weiß ja der schlaue Thoth wirklich nicht, warum es keine Beweise für die vielen Adoptionen gibt….

Genauso wie die Kaderleitungen in den Betrieben mit den Akten der Arbeiter und Angestellten in den Wendewirren umgingen, (zumindest war es in meinem letzten VEB so), wird es bei den Referaten für Jugendhilfe und in den MfS-Diensstellen nicht zugegangen sein.
Da wurden solche belastenden Dinge doch garantiert zuerst entsorgt. Es war Wochen und teils Monate Zeit, Beweise verschwinden zu lassen.

Gruß Volker


es gibt wohl er 6 und die scheinen nicht bekannt zu sein volker,
betroffene eltern sind seit der wende nicht mehr machtlos und noch weniger im jahre 2014!
die hatten schon echt gut zeit, doch es scheint sehr müßig zu sein, zu unterscheiden, zu können bzw. zu wollen.

hast du deine glaskugel beim größten versender erworben? ... . [smile]

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Zuletzt geändert von vs1400 am 13. Januar 2014, 23:26, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Zwangsadoptionen in der DDR

Beitragvon andr.k » 13. Januar 2014, 23:19

vs1400 hat geschrieben:
Volker Zottmann hat geschrieben:Wie viele Fälle es gibt, wird niemand genau sagen können. Aber es gibt derer viele.
Die Betroffenen Kinder wissen evtl. gar nicht, dass sie zwangsadoptiert sind. Betroffene Eltern aber sind machtlos!
Es sind mit Sicherheit nicht alles nur "Asoziale" die nun geläutert ihre Kinder verzweifelt in den diversen Portalen suchen. Vielleicht weiß ja der schlaue Thoth wirklich nicht, warum es keine Beweise für die vielen Adoptionen gibt….

Genauso wie die Kaderleitungen in den Betrieben mit den Akten der Arbeiter und Angestellten in den Wendewirren umgingen, (zumindest war es in meinem letzten VEB so), wird es bei den Referaten für Jugendhilfe und in den MfS-Diensstellen nicht zugegangen sein.
Da wurden solche belastenden Dinge doch garantiert zuerst entsorgt. Es war Wochen und teils Monate Zeit, Beweise verschwinden zu lassen.

Gruß Volker



@vs1400, was willst du uns sagen? [denken]

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Re: Zwangsadoptionen in der DDR

Beitragvon vs1400 » 13. Januar 2014, 23:30

andr 88-1 hat geschrieben:
vs1400 hat geschrieben:
Volker Zottmann hat geschrieben:Wie viele Fälle es gibt, wird niemand genau sagen können. Aber es gibt derer viele.
Die Betroffenen Kinder wissen evtl. gar nicht, dass sie zwangsadoptiert sind. Betroffene Eltern aber sind machtlos!
Es sind mit Sicherheit nicht alles nur "Asoziale" die nun geläutert ihre Kinder verzweifelt in den diversen Portalen suchen. Vielleicht weiß ja der schlaue Thoth wirklich nicht, warum es keine Beweise für die vielen Adoptionen gibt….

Genauso wie die Kaderleitungen in den Betrieben mit den Akten der Arbeiter und Angestellten in den Wendewirren umgingen, (zumindest war es in meinem letzten VEB so), wird es bei den Referaten für Jugendhilfe und in den MfS-Diensstellen nicht zugegangen sein.
Da wurden solche belastenden Dinge doch garantiert zuerst entsorgt. Es war Wochen und teils Monate Zeit, Beweise verschwinden zu lassen.

Gruß Volker



@vs1400, was willst du uns sagen? [denken]

AK


ich hab mir mal etwas zeit genommen Andreas,
sei doch nicht immer so ungestüm.
... passt irgendwie auch nicht zu dir ... [wink]

volker hat da irgendwie so ne glaskugel,
ist meine vermutung
und du hast schlichtweg nur mal eben etwas kopiert, ohne den link zu erwähnen.
du bist kein oder?

gruß vom Torsten [hallo]
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Re: Zwangsadoptionen in der DDR

Beitragvon vs1400 » 14. Januar 2014, 11:02

das thema scheint ja doch nen dauerläufer zu sein.

tochter gesucht (zwangsaddoptiert)

vermisse meine tochter seid 1980 . sie ist 1979 in Weißenfels geb. sie wurde mir von der stasi weggenommen . ...
quelle: klickmich

gruß vs [hallo]
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Re: Zwangsadoptionen in der DDR

Beitragvon Volker Zottmann » 14. Januar 2014, 11:21

vs1400 hat geschrieben:

@vs1400, was willst du uns sagen? [denken]

AK


ich hab mir mal etwas zeit genommen Andreas,
sei doch nicht immer so ungestüm.
... passt irgendwie auch nicht zu dir ... [wink]

volker hat da irgendwie so ne glaskugel,
ist meine vermutung
und du hast schlichtweg nur mal eben etwas kopiert, ohne den link zu erwähnen.
du bist kein oder?

gruß vom Torsten [hallo][/quote]





Falls einer den Text akustisch nicht versteht, hier in geschriebener Form:


DIE ÄRZTE – POSER, DU BIST EIN POSER

Heute fühl' ich mich so richtig knackig.
Ey Tussi, gib mal ein Bier her, aber zackig!
Und hast Du 'ne freie Nase,
sag' ich blase, Baby, blase,
mach Dich nackig!
P-O-S-E-R - Du bist ein Poser.
L-O-S-E-R - ein echter Loser.
An Dir gibt es nichts Echtes.
Ich seh' nur 'ne Menge Schlechtes.
Bist ein Poser. Du bist ein Poser.
Würdest Du Dich vielleicht verpissen (bitte, sei so lieb)?
Sonst werden wir wohl niemals wissen (wie's hier ohne Poser riecht).
Die Stimmung hier ist echt beschissen (an wem das wohl liegt?).
Glaub mir, man wird Dich nicht vermissen.
Also, hör auf Dein Gewissen,
und geh' uns nicht auf den Sack - zack!
Leute, mit mir habt ihr gute Karten.
Auf einen wie mich tut ihr gerade warten.
Leute, kommt wir machen Wichs.
Ich zeig' euch 'ne Menge Tricks.
Wann können wir starten?
Hin und wieder findst Du einen Dummen,
den bringen Deine Stories zum Verstummen.
Doch mich kannst Du nicht blenden.
Mit Dir wird es übel enden.
Bist ein Poser. Du bist ein Poser.
Würdest Du Dich vielleicht verpissen (bitte, sei so lieb)?
Sonst werden wir wohl niemals wissen (wie's hier ohne Poser riecht).
Die Stimmung hier ist echt beschissen (an wem das wohl liegt?).
Glaub mir, man wird Dich nicht vermissen.
Also, hör auf Dein Gewissen,
und geh' uns nicht auf den Sack -
zack, zack, zack, zack, zack, zack, zack!
Bibliothek!


??? [shocked]

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Der Große sieht ihn breiter, der Kleine leider nicht.
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Re: Zwangsadoptionen in der DDR

Beitragvon andr.k » 14. Januar 2014, 12:04

Volker Zottmann hat geschrieben:
vs1400 hat geschrieben:

@vs1400, was willst du uns sagen? [denken]

AK



ich hab mir mal etwas zeit genommen Andreas,
sei doch nicht immer so ungestüm.
... passt irgendwie auch nicht zu dir ... [wink]

volker hat da irgendwie so ne glaskugel,
ist meine vermutung
und du hast schlichtweg nur mal eben etwas kopiert, ohne den link zu erwähnen.
du bist kein oder?

gruß vom Torsten [hallo]
[/quote]


@vs1400, versuche es mal mit erst LESEN und ERFASSEN, weiter mit DENKEN und dann vielleicht mit SCHREIBEN, abschließend das von Dir GESCHRIEBENE noch einmal LESEN und dann bitte erst SENDEN…
Deine Buchstabenbastelei zeigt, dass du es selbst nicht merkst, wie du am Thema vorbeischießt. Ein paar Ärzte empfehle ich dir bei deinen Schwächen schon.

Schön Tach noch. [grins]

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Re: Zwangsadoptionen in der DDR

Beitragvon Spartacus » 14. Januar 2014, 19:08

Thoth hat geschrieben:
Thoth

@Interessierter, das wird die lupenreinen Assis welche in dem damaligen Mietshaus wohnten in dem ich auch eine Wohnung hatte bestimmt begeistern:" Der sogenannte „asoziale“ Paragraf 249 StGB der DDR wird heute ebenso als Unrechtsparagraf anerkannt und somit sind die Verurteilten nach dem o.g. Paragrafen als politische Opfer anerkannt.
Nur werden diese armen "Opfer" davon nichts mehr haben da sie sich sehr zielstrebig schon zu DDR Zeiten totgesoffen haben ......

Aber jetzt kann ich wenigsten aufatmen, ich wohnte mit Opfern der DDR Willkür Tür an Tür, na welch ein Glück für mich [laugh]


Wie immer null Ahnung, denn natürlich wären Deine Nachbarn nicht rehabilitiert worden. Unter denn folgenden Voraussetzungen aber schon:

In der Rechtsprechung haben sich noch aus der Zeit der deutschen Teilung stammende Entscheidungskriterien herausgebildet: Die Rehabilitierung ist abhängig von der Frage, ob der Antragsteller Unterhaltspflichten gegenüber Familienangehörigen verletzt hat (insbes. minderjährige Kinder; jedoch ist es bei entsprechender Vereinbarung zwischen beiden/allen Unterhaltspflichtigen durchaus zulässig, dass einer der Betreffenden seinen Unterhalt in Form der Betreuungsleis­tung als Sachleis­tung erbringt: "Hausfrauen-" bzw. "Hausmannmodell"), ob der Antragsteller zivilrechtliche Verpflichtungen verletzt hat (Mietschulden nicht beglichen, Energierechnung nicht bezahlt etc. und ob der Antragsteller Sozialleistungen in Anspruch genommen hat (bspw. "Arbeitsbummelei", d.h. der Lohn wurde weiter bezogen, ohne dass der Betreffende zur Arbeit erschien).


Im Klartext, wurde nicht in die Rechte dritter eingegriffen, dann wurde die Person rehabilitiert!

Es gab nicht wenige Menschen die in der DDR ganz bewusst die Arbeit regelrecht verweigerten, um damit dem System zu
schaden und an einer ihrer Achillesfersen zu treffen. So ein Handeln saß und tat richtig weh.

Sparta
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Re: Zwangsadoptionen in der DDR

Beitragvon Edelknabe » 14. Januar 2014, 19:24

Ich weiß nicht, ich weiß nicht Spartacus siehe dein:

"Es gab nicht wenige Menschen die in der DDR ganz bewusst die Arbeit regelrecht verweigerten, um damit dem System zu
schaden und an einer ihrer Achillesfersen zu treffen. So ein Handeln saß und tat richtig weh."

Was soll das denn aussagen? Das dies Helden im Widerstand waren und ne, ich erinnere mich einfach nicht solcher "Helden", gerade weil mir im Arbeitsleben vom Faulsten bis zum Fleißigsten mindestens etliche Dutzend über den Arbeitsalltagsweg gelaufen sind. Du träumst doch mein Freund, du träumst doch heute den Arbeitsverweigerungstraum über die längst verblichene DDR.

Zumal, du damaliges junges Kerlchen kamst doch gar nicht zum Arbeiten, halt Erfahrung mit Kollegen aller Coleur sammeln.

Rainer-Maria und ja, wenn du deine Zeiten im Strafvollzug meinst ok, da kann ich nun wieder nicht mitreden.Dann geht deine Verweigerung in Ordnung.
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Re: Zwangsadoptionen in der DDR

Beitragvon Spartacus » 14. Januar 2014, 19:40

Ach Rainer,

ich habe genauso gearbeitet wie Du auch, habe sogar in einem andern Thread geschrieben, das ich so um die
650 Mark verdiente. Haste schon vergessen?

LG

Sparta

P.S. in der BRD gibt es keinen Arbeitszwang. [smile]
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Re: Zwangsadoptionen in der DDR

Beitragvon Nostalgiker » 14. Januar 2014, 19:44

Klar, Arbeitsverweigerung Ausdruck des politischen Widerstandes ......
Sonst alles klar bei Dir?

Da meine Nachbarn nicht gearbeitet haben, jedenfalls nicht regulär, waren es wohl ganz besondere Widerständler gegen das Unterdrückungsregime ......

Thoth
Ich bin nicht auf der Welt, um so zu sein, wie andere mich gerne hätten.

Eindeutigkeit der Absicht wurde bei ihm zur Zweideutigkeit des Handelns
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Re: Zwangsadoptionen in der DDR

Beitragvon augenzeuge » 14. Januar 2014, 19:47

Thoth hat geschrieben: Da meine Nachbarn nicht gearbeitet haben, jedenfalls nicht regulär, waren es wohl ganz besondere Widerständler gegen das Unterdrückungsregime ......
Thoth


Genau, und wenn du es wusstest und nichts gesagt hast..... [angst]
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Re: Zwangsadoptionen in der DDR

Beitragvon Edelknabe » 14. Januar 2014, 20:06

Schrieb nicht mal Irgendeiner (somit wohl ein Weiser) sinngemäß: " Der gemeine Mensch wächst mit seiner Arbeit..." und ich sage Euch, da ist was wahres dran, ich kann das aus eigener Erfahrung aber auch sowas von bestätigen, auch heute noch.Ihr doch auch...ja, das möchte ich fast wetten?

Spartacus, und da kommt doch so ein Vollidiot auf die Idee(wer war das eigentlich?), das es in der BRD keinen "Arbeitszwang"....geben sollte?

Rainer-Maria der sich vorgenommen hat, so bis um 75 Jährchen herum noch Nachts den Zeitungsmann zu geben...ihn richtig auszuleben.....ne ne, nicht nur dem Kunden sondern auch der Gesundheit zuliebe.
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Re: Zwangsadoptionen in der DDR

Beitragvon Volker Zottmann » 14. Januar 2014, 23:01

Edelknabe:

Mit Rollator in der Nacht, da bin ich um den Schlaf gebracht. Junge, geh schlafen wenn Du 75 bist oder mal werden willst. Es sind schon ganz andere bei der Arbeit gestorben. Weißt Du eigentlich, wie schön das Leben sein kann?

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Re: Zwangsadoptionen in der DDR

Beitragvon pentium » 14. Januar 2014, 23:14

Stell ich mir aber sehr interessant vor, ein Zeitungszusteller mit Rollator, dann zwei Pflegekräfte und ein Sauerstoffzelt.

mfg
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Re: Zwangsadoptionen in der DDR

Beitragvon SkinnyTrucky » 14. Januar 2014, 23:18

Naja, solang die Hunde der Kunden nich in die Reifen beissen vom Rollator.... [laugh]


Mara.... [mundzu]
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Re: Zwangsadoptionen in der DDR

Beitragvon vs1400 » 14. Januar 2014, 23:20

wäre es nicht besser beim thema zu bleiben?

gruß vs [hallo]
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Re: Zwangsadoptionen in der DDR

Beitragvon SkinnyTrucky » 14. Januar 2014, 23:35

vs1400 hat geschrieben:wäre es nicht besser beim thema zu bleiben?


naja.... [wink]


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Re: Zwangsadoptionen in der DDR

Beitragvon augenzeuge » 2. August 2014, 21:18

Tausende Kinder wurden in der DDR ihren Eltern aus politischen Gründen weggenommen. Opfergruppen kritisieren, dass dieses Kapital unzureichend aufgearbeitet ist - und demonstrierten nun in Berlin.

Um auf Zwangsadoptionen aufmerksam zu machen, hingen sie Zettel mit Suchanzeigen nach vermissten Familienangehörigen auf.
https://www.google.de/url?sa=t&rct=j&q= ... 7243,d.bGQ

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Re: Zwangsadoptionen in der DDR

Beitragvon Interessierter » 5. August 2014, 09:29

Zahlreiche Fotos von dieser Veranstaltung findet man hier:

https://www.flickr.com/photos/101502199 ... 6117478501

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Re: Zwangsadoptionen in der DDR

Beitragvon Interessierter » 9. Mai 2016, 10:44

Nach Tod Margot Honeckers
Berliner Opfer der DDR-Zwangsadoption: „Kein Wort des Bedauerns für uns“


B.Z. AM SONNTAG-Reporter Tomas Kittan sprach mit zwei Berliner Opfern von Zwangsadoptionen in der DDR, für die Margot Honecker verantwortlich war.

„Endlich kann diese Frau nicht mehr Hohn und Spott über uns ausgießen!“ Katrin Behr (48) aus Mahlsdorf sagt das, was viele Opfer der Zwangsadoptionen in der DDR dachten, als sie aus dem Fernsehen vom Tod Margot Honeckers erfuhren. „Bis zuletzt hatte ich auf ein Wort des Bedauerns von ihr gewartet“, sagt Margot Rothert (63) aus Treptow, ebenfalls ein Opfer der Zwangsadoptionen. Hunderte sollen es gewesen sein, sagen Historiker.

„Jetzt kommt alles wieder hoch“, sagt Rentnerin Rothert, die sich immer wieder in psychologische Behandlung begeben musste, um das Erlebte zu verarbeiten.

„Unterschreiben Sie sofort oder Sie verlieren Ihre anderen Kinder auch noch!“ Ein Stasioffizier legt Margot Rothert (damals 19) am Wöchnerinnenbett ein Papier vor. Sie soll das Kind weggeben, das sie 1972 gerade geboren hatte. „Ich wusste keinen Ausweg und unterschrieb. Mir war so übel, ich musste immer wieder weinen“, erinnert sich Margot Rothert an die gespenstische Szene.

Die Chemiefacharbeiterin Margot Rothert sagt als junge Frau in der DDR unerschrocken ihre Meinung, wird verpfiffen, bekommt Arbeitsplatzzwang. Die Unfreiheit, die Gängelungen – Rothert fasst den Plan, mit ihren Kindern in den Westen zu fliehen. Demonstrativ zerreißt sie ihren Personalausweis. Da schlägt die Staatssicherheit zu. Sie wird verhaftet, verhört, geschlagen, wieder verhört und wegen „asozialen Verhaltens“ zu drei Jahren Gefängnis, u.a. im Zuchthaus Cottbus, verurteilt.

„Ich hatte mich sehr auf das Baby gefreut.“ Doch schon in der ersten Stunde nach der Geburt presst ihr die Stasi das Kind ab. Manuela (damals 2) und René (damals 3), will sie nicht auch noch verlieren. Margot Rothert beginnt beim Erzählen zu weinen: „Ich sah Verena 35 Jahre nicht wieder. Im Knast zwang man mich, Schuhe zu flechten. Dabei war ich gesundheitlich nach der Schwangerschaft und der Frühgeburt angeschlagen.“

Durch eine Amnestie kommt Rothert auf Bewährung frei. Die Überwachung durch die Stasi dauert aber bis zum Mauerfall an. „Jeden meiner Versuche, Verena zu finden, haben sie unterbunden.“

Verena kommt in eine linientreue Familie. Der Adoptivvater Forstwirt, die Adoptivmutter, die keine eigenen Kinder bekommen kann, Lehrerin. Den neuen Eltern erzählt man die Legende von einer „asozialen Mutter“, die Haft aus politischen Gründen verschweigt man.

„Mit vier Jahren erfuhr ich, dass ich nicht in Mamas Bauch war“, sagt Verena K. heute. „Und auch, wie schlimm meine leibliche Mutter gewesen sein soll.“ Sie verdrängt die Gedanken an die echte Mutter. Nach dem Mauerfall schöpft Margot Rothert neuen Mut, ihr Kind zu finden.

Es wird trotzdem ein schwieriges Unterfangen. Die Spuren sind verwischt, die Behörden störrisch. „Da das Landgericht Cottbus 1994 mein Urteil als rechtsstaatswidrig erklärte, war ich rehabilitiert.“

Trotzdem dauert es noch über zehn Jahre, bis sich Mutter und Tochter wiederfinden. Die beiden suchten sich auf allen Wegen: Telefonbuch, Internet, Einwohnerämter, Krankenakten, Medienaufrufe. Erst die Redaktion der Sendung „Escher“ schafft es.

Die Frauen telefonieren miteinander. Wenige Tage später klingelt Verena bei ihrer Mutter. Die Frauen umarmen sich lang und weinen. „Ich wusste sofort, das ist meine Mutter. Wie sie aussah, wie sie redete, wie sie lachte“, sagt Verena K. Margot Rothert geht es genauso. Sie erfahren, dass sie zwar 35 Jahre getrennt, aber nur 35 Kilometer voneinander entfernt gelebt haben.
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Re: Zwangsadoptionen in der DDR

Beitragvon Interessierter » 9. Mai 2016, 10:53

Katrin Behr wurde mit acht Jahren zwangsadoptiert

Katrin Behr war 1972 als vierjährige mit ihrem sechsjährigen Bruder Mirko dabei, als Stasi-Offiziere ihre alleinstehende Mutter verhafteten. Offiziell wurde ihr Arbeitsbummelei vorgeworfen. Tatsächlich war sie kritisch gegenüber dem SED-Staat.

Behr: „Wenige Tage vor der Verhaftung nahmen sie Mutter ohne Vorankündigung meinen Kindergartenplatz weg.“ Deshalb beschimpfte sie die Erzieher als „rote Schweine“ und fragte, wie sie sich Arbeit besorgen soll, wenn man ihr den Kindergartenplatz wegnimmt. Dann sagt sie in einem Café, dass sie abhauen würde, wenn das so weitergehe.

Kurz darauf wurde ihre Mutter verhaftet und dann verurteilt: ein Jahr Arbeitserziehungslager!

„Wir Kinder kamen zusammen in ein Kinderheim in Gera. Kurze Zeit später steckte man mich in eine Pflegefamilie. Dann kam ich wieder ins Heim. Plötzlich war mein Bruder Mirko verschwunden. Er kam in ein anderes Heim.“

Ein Jahr später musste sie in eine zweite Pflegefamilie, jetzt war sie bei einer alleinstehenden Kinder- und Jugendärztin. Drei Monate später steckte man das Mädchen wieder ins Heim.

Ihre leibliche Mutter wurde nach der Entlassung erneut verhaftet und bekam nun sogar fünf Jahre Gefängnis im „Roten Ochsen“ von Halle. Wieder wegen angeblicher Asozialität.

Unterdessen landete Katrin bei einer dritten Pflegefamilie, die sie dann adoptierte.


„Meine leibliche Mutter sah ich erstmals nach über 19 Jahren 1991 wieder. Mutter hätte nie einer Adoption zugestimmt. Die DDR nahm ihr das Erziehungsrecht für beide Kinder und konnte mich damit zur Adoption freigeben.“ In den Akten steht: „Auf die Einwilligung der Mutter wird verzichtet.“

Ihre leibliche Mutter wurde 2012 strafrechtlich rehabilitiert, 40 Jahre nach der ersten Verhaftung. Für ihr Leid bekam sie zwar 18.000 Euro, verlor aber ihre Gesundheit und zwei Kinder. 2013 starb die Mutter.

2007 begann Katrin Behr ihre persönliche Geschichte aufzuarbeiten, nahm Akteneinsicht, schrieb ihre Biografie. Jetzt engagiert sie sich im Verein „Hilfe für die Opfer von DDR-Zwangsadoptionen“. Auch Margot Rothert berät in der Gedenkstätte Zuchthaus Cottbus SED-Opfer.

http://www.bz-berlin.de/berlin/berliner ... s-fuer-uns

Ps. Die erste Geschichte eines Opfers von Zwangsadoption findet man einen Beitrag vor diesem
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Re: Zwangsadoptionen in der DDR

Beitragvon Interessierter » 28. September 2016, 10:51

Dazu passend auch die Geschichte von Rene Münch, seiner Mutter und seiner weiteren Geschwister.

Das Thema Zwangsadoption zu DDR Zeiten ist auch ein dunkles Kapitel, was bis Dato noch nicht aufgearbeitet wurde. Es suchen heute noch Eltern ihre Kinder und Kinder ihre leiblichen Eltern und Geschwister. Sicher gab es auch zu DDR Zeiten Eltern, die Ihre Kinder zur Adoption freigegeben haben, dass hat dann mit dem Thema Zwangsadoption in der DDR nichts zu tun. Zwangsadoptionen geschahen aus politisch motivierten Gründen, also wenn Eltern aus der DDR in Richtung Westen auswandern wollten bzw. Eltern sich den Gepflogenheiten der DDR nicht angepasst haben. Es wurden Familien auseinander gerissen, also man nahm den Eltern die Kinder weg um sie in Einrichtungen zu Stecken die der Umerziehung galten, auf keinen Fall durften die heranwachsenden so werden wie die Eltern, schon dieser Gedanke ist pervers wenn es um Umerziehung aus politischen Gründen in der DDR ging, gerade in einer Diktatur. Dann gab es noch die Geburten in den Haftkrankenhäusern, in dem Fall gingen die Kinder gleich in die Aufsicht des Referat Jugendhilfe Abteilung Volksbildung, waren diese Kinder gesund, wurden diese gleich zur Adoption freigegeben.

Dem DDR Regime war jedes Mittel recht, wenn es galt Regimegegner zu bestrafen. Neben einem drastischen Freiheitsentzug gab es eine ganze Liste von weiteren Maßregelungen, um den Machtanspruch des DDR Regime überall und immer zu verwirklichen.

Eine besondere grausame Bestrafung ihrer Gegner bestand darin, den politisch Inhaftierten, weiblichen Gefangenen ihre Kinder in fremde Familien zu verpflichten. Oft war diese Maßnahme mit einer Adoption der Kinder in diese neuen Familien verbunden. Die inhaftierten Mütter hatten keinerlei Möglichkeiten diese furchtbare Wegnahme ihrer leiblichen Kinder zu verhindern. Dieses Verbrechen geschah über 70.000 mal, wenn nicht sogar in viel größerem Ausmaß!

Diese ungesetzliche Wegnahme der Kinder aus ihrem Familienkreis, oder der Verwandtschaft, wie Großeltern, Tanten, Onkels wurde rigoros durchgesetzt. Maßgeblich für die Durchsetzung dieses Terrors gegen ihre politischen Gegner muss hier das MfS genannt werden. Doch nicht immer stand hinter diesem Verbrechen die verbrecherische Mielketruppe. Oft waren es die Parteigenossen der SED und politisch besonders aktive Täter aus den Reihen der Blockparteien. Besonders taten sich hier die Vertreter der Abteilung Inneres der Städte und Kreise hervor. Als fähigen Handlanger dieser Schandtaten zeichneten sich die Mitarbeiter der Jugendämter – Jugendhilfe aus. Vom Leiter/ Leiterin dieser Institutionen bis zum untergeordneten Mitarbeiter/ Mitarbeiterin zieht sich die Spur dieser verbrecherischen Täter.

https://de.wikipedia.org/wiki/Blockpartei

Mit allerlei fadenscheinigen Begründungen befürworteten diese Verantwortlichen des MfS diese Adoptionen. Trotzdem geschahen diese Verbrechen immer mit der Auflage, eine Geheimhaltung der Verbrechen zu sichern. Die betroffenen Opfer verpflichteten die Täter, absolutes Stillschweigen zu üben. Ansonsten drohen ihnen langjährige Haftstrafen, wegen Hetze gegen die staatlichen Organe der DDR.

Auf diesem Link arbeite ich auch für meine Mutter auf, was Sie persönlich nie konnte, ich habe Sie als psychisch zersetzte Frau kennen gelernt. Wichtig war für mich bei der Aufarbeitung zu erfahren, warum ich 18 Jahre in Einrichtungen aufwachsen musste, die der Umerziehung galten, dass gehört zu der persönlichen Aufarbeitung dazu. Mit diesem Link konnte ich für meine Mutter und mich als unmittelbaren Betroffenen aufarbeiten, alles was ich hier jetzt schreibe, hat meine Mutter über sich ergehen lassen müssen. Was ich erlebt habe schildere ich in zwei Büchern, was der Aufarbeitung dienlich ist. Ich werde sachlich und ehrlich aufarbeiten, ohne Verantwortliche zu beschimpfen und zu beleidigen. Geschehnisse und Verantwortliche nenne ich beim Namen, da es hier um richtige Gewalttaten geht, die ich auch belegen kann. Aufarbeitung von Geschehnissen werde ich kritisch betrachten und thematisieren.

Bevor ich mit dieser Aufarbeitung beginne, gehe ich auf die rechtliche Lage bei Verwaltungsrechtlicher Rehabilitierung (VwRehaG), Strafrechtliche Rehabilitierung, Berufliche Rehabilitierung und Opferrente ein. Sehen Sie dazu folgenden Link, dies gilt auch für Menschen, die aus poltischen Gründen in Einrichtungen aufwachsen mussten, die der Umerziehung galten.

https://www.lds.sachsen.de/soziales/ind ... _param=562

Meine Mutter gebar mit mir sechs Kinder, ich werde diese mit Geburtsdatum aufzählen und kurze Kommentar zu den Kindern geben, fünf Kinder wuchsen nicht bei meiner Mutter auf. Hierbei handelt es sich um Kindesraub und Zwangsadoptionen.

Als erstes den Registerauszug, dass meine Mutter sechs Kinder gebar, es handelt sich um die Kinder mit dem Nachnamen Münch und Meusel, Meine Mutter war bis 1958 in Max Münch verheiratet, nach der Scheidung behielt Sie den Namen Münch, bis Sie Mitte der 60er Jahre den Namen Meusel annahm.

/files/downloads/Scan_Pic0163.jpg

Ich beginne mit der erstgeboren Ro. Münch, geb. am 06.09.1954 in Holzminden, im kalten Krieg, befand sich der Ort in Westdeutschland/Niedersachsen

Und hier geht es mit dem sehr langen Beitrag und Auszügen aus Akten weiter:
http://renemuench.dipago.de/zwangsadoption.html

Erschütternd wenn man liest, was Mütter und Kinder durchmachen mußten.
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Re: Zwangsadoptionen in der DDR

Beitragvon Volker Zottmann » 28. September 2016, 12:40

Alle Achtung vor Rene Münch.
Doch was soll er Anderes auch tun, wenn er alle Zusammenhänge ergründen und seine Mutter zu Recht rehabilitieren will?

Interessant ist doch, dass in solche Zwangsadoptionen oder eben Kindesraube sogar die Familie des stellvertretenden Außenministers Peter Florin involviert ist. Dort unter Lügen ein Geschwisterkind, das älteste, aufwuchs, ohne seine wahre Herkunft zu kennen.
Es ist ein einziger Sumpf mit all den Zwangsadoptionen und Kindeswegnahmen in der DDR. Ebenso, dass die Mutter in Einzelhaft saß und schwanger wurde. Wie nur? Es gibt da nur eine Möglichkeit wer der Vater ist. Pfui!

Seien wir froh, dass zumindest dieses widerwärtige deutsche Kapitel abgeschlossen ist. Aufgearbeitet ist es aber noch lange nicht!

Gruß Volker
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Volker Zottmann
 
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Re: Zwangsadoptionen in der DDR

Beitragvon Interessierter » 7. März 2017, 11:16

Auch Gabriele Püschels Sohn wurde zwangsadoptiert

Auf bis zu 10.000 Opfer wird die Zahl der Kinder geschätzt, die in der DDR Familien „an Kindes statt“ übergeben wurden. In vielen Fällen wissen die Betroffenen noch nichts von ihrem Schicksal.

Im August 1968 gelang Gabriele Püschel über Polen, die Sowjetunion und Bulgarien die Flucht nach Istanbul. Ihren Sohn Aristoteles musste sie in Ost-Berlin zurücklassen, als sie sich überstürzt zu dem Wagnis entschloss. Der Vater des Kindes, ein griechischer Student, wurde bereits von der Staatssicherheit unter Spionageverdacht verhaftet. Aristoteles kam bei den Großeltern unter. Die zogen 1969 in den Westen. Alle Versuche, auch das Kind im Zuge einer Familienzusammenführung in den Westen zu holen, scheiterten.

1970 erhielt Gabriele Püschel Post vom Jugendamt Treptow aus Ost-Berlin. Darin wurde sie aufgefordert, ihre Einwilligung zur Adoptionsfreigabe ihres Sohnes zu geben. Sie lehnte ab. Zwei Jahre später entschied das Kreisgericht Treptow: Die Einwilligung zur Annahme an Kindes statt wird durch Urteil ersetzt. Das rechtskräftige Urteil wurde zwar nach West-Berlin geschickt, gelangte jedoch nicht in die Hände von Gabriele Püschel. Erst 1976 erfuhr sie, dass aus Aristoteles Püschel Arne Grahm geworden ist.

Für die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte steht der Fall von Aristoteles Püschel beispielhaft für Zwangsadoptionen in der DDR. Sei es, dass ihre Eltern damit unter Druck gesetzt wurden, sei es als Racheakt für eine „Republikflucht“ oder einen Ausreiseantrag.

Auf bis zu 10.000 Opfer schätzt Katrin Behr die Zahl der Kinder, die von den DDR-Behörden gegen den Willen der Eltern zur Adoption freigegeben wurden. Bereits der Vorwurf der „Gefährdung der öffentlichen Ordnung durch asoziales Verhalten“ gegenüber einer alleinerziehenden Mutter konnte wie im Fall von Katrin Behr ausreichen, um die DDR-Behörden zu mobilisieren.

Gesucht werden Eltern, Geschwister und Kinder

Behr ist Gründerin des Vereins Hilfe für die Opfer von DDR-Zwangsadoptionen. Sein Anliegen präsentiert er jetzt in einer neuen Dauerausstellung an der Auffahrt zum ehemaligen DDR-Gefängnis Zuchthaus Cottbus, heute Sitz des Menschenrechtszentrums Cottbus. Dort hängen rund 320 Suchanzeigen und Plakate. Auf weißen Schildern stehen Namen, Geburtsdaten und Geburtsorte.

Die Daten hat Katrin Behr von der Internetseite des Opfervereins zusammengetragen, der seinen Sitz im ehemaligen Stasi-Hauptquartier in der Berliner Ruschestraße hat. Über ein Formular können dort Suchanzeigen aufgegeben werden. Ob die Gesuchten noch leben, ist völlig unklar. „Wir wollen mit der Dauerausstellung zeigen, dass es sich bei Zwangsadoptionen um Schicksale handelt und nicht um irgendwelche Akteneinträge“, sagt Behr. Ihr eigenes Schicksal hat sie in dem Buch „Entrissen. Der Tag, als die DDR mir meine Mutter nahm“ (Droemer) beschrieben. „Viele Opfer wissen wahrscheinlich gar nichts von ihrem Schicksal“, sagt sie.

Aber nicht nur die Kinder sind Opfer. Gabriele Püschel, die nach ihrer Heirat Yonan heißt, hat 1975 mit anderen Eltern eine Initiative gegründet, die das Interesse der Medien gewinnen konnte. Seitdem gibt es ein Bewusstsein für dieses Kapitel des SED-Regimes. Eltern, die ein ähnliches Schicksal erfahren haben, meldeten sich.

Mehr hier:
https://www.welt.de/geschichte/article1 ... geben.html
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Re: Zwangsadoptionen in der DDR

Beitragvon augenzeuge » 7. Februar 2018, 19:45

TV-Detektiv fahndet nach geraubten Kindern der DDR

Tausende nicht systemkonforme oder angeblich asoziale Mütter wurden ihrer Babys und Kleinkinder beraubt. Noch heute, 28 Jahre nach dem Mauerfall, suchen Betroffene ihre wahren Angehörigen. Jetzt will ihnen TV-Detektiv Peter Escher (63) helfen.

„Die Berichte sind oft so unglaublich, dass die Öffentlichkeit lange zweifelte, ob es so was wie Zwangsadoption überhaupt gab“, sagt Frank Schumann (52) von der „Interessengemeinschaft gestohlene Kinder der DDR“ – einem Zusammenschluss von Eltern, deren Kinder zwangsadoptiert, für tot erklärt oder spurlos verschwunden sind.

Inzwischen sind rund 250 Fälle bewiesen. Die Opferverbände gehen von insgesamt 10 000 ungeklärten Adoptionsfällen aus.

Doch bei der Suche nach ihren Kindern klagen Betroffene noch heute über eine Mauer des Schweigens bei Jugendämtern, Krankenhäusern und Behörden. Denn vielfach waren die Mitarbeiter dort bereits vor der Wende im Amt.


Peter Escher lassen die Schicksale nicht los. „Ich habe sehr gute Detektive und Anwälte in meinem Team, die Opfer sollen nicht allein bleiben“, so der bekannte TV-Moderator. Bereits vor Jahren gelang es ihm, eine Mutter 25 Jahre nach der Trennung wieder mit ihrem Kind zu vereinen.
https://www.bild.de/regional/leipzig/ad ... .bild.html

AZ
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