Suizidquote in der DDR

Es gab zwischen beiden deutschen Staaten große Unterschiede in der Sozialpolitik (welche ja eine der Philosophien des DDR-Sozialismus war). Wo lagen die Unterschiede? Wie effektiv waren beide Sozialsysteme? Was war ungerecht, was war gerecht? Wie ist es im Vergleich zu heute?
Der Bereich für Diskussionen zu den Sozialen Systemen der beiden deutschen Staaten.

Re: Suizidquote in der DDR

Beitragvon Wosch » 3. September 2015, 15:45

karnak hat geschrieben:
Volker Zottmann hat geschrieben:IMs aus Überzeugung und Freude sind gemeint und wenn die ihre peinliche Vergangenheit einholt.... Mein Problem ist es sicher nicht!

Gruß Volker

Die Dinge sind und waren nun mal leider fliesend und so ist es heute ziemlich unmöglich und auf Grund einer Aktenlage ein"gerechtes "Urteil zu fällen.wie viele Leute meinst Du sind zur Stasi gegangen um sich als IM zu bewerben?



Sag mal, @Karnak, hatte man dich eigentlich gezwungen zur Stasi zu gehen oder nicht?
Spielt im Grunde genommen auch keine Rolle, solange Du Deine Dir zugewiesene "Arbeit" auftragsgemäß ausgeführt hattest.
So ähnlich sehe ich das mit den "IM´s", es kommt wohl auch immer darauf an, was sie so "getrieben" hatten, oder nich??

Tut mir leid daß ich mich hier rein gehängt hatte, Tschuldigung.
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Re: Suizidquote in der DDR

Beitragvon Kumpel » 3. September 2015, 15:56

Nun ,das würde mich auch mal interessieren wie viele von den SED Parteimitgliedern nur eingetreten sind weil sie sich Vorteile für sonstwas erhofften.
In der Doppelzüngigkeit ihrer Insassen hatte die DDR ja ohnehin schon Weltniveau erreicht.
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Re: Suizidquote in der DDR

Beitragvon HPA » 3. September 2015, 15:56

Merkur hat geschrieben:
Volker Zottmann hat geschrieben:Ich rede ja nicht von den IMs, die durch Erpressung dahin getrieben wurden. Die will ich selbstverständlich nicht gemeint haben, die klammere ich aus.
IMs aus Überzeugung und Freude sind gemeint und wenn die ihre peinliche Vergangenheit einholt.... Mein Problem ist es sicher nicht!

Gruß Volker


Gerade Du Zottmann, Volker musst Dich hier zum Obermoralisten aufspielen. Hauptsache Du warst bei klarem Verstand, als Du Mitglied der Partei der Arbeiterklasse wurdest. Für mich sind die SED-Mitglieder, die sich aus Vorteilserwägungen und Opportunismus der Partei anschlossen, moralisch verkommener als die Menschen, die aus Überzeugung dem Staat dienten.



Wenn man Dich so liest muss man sich fragen warum Du 12 Jahre bei der Bundeswehr gedient hast.
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Re: Suizidquote in der DDR

Beitragvon Wosch » 3. September 2015, 16:09

Merkur hat geschrieben:
Gerade Du Zottmann, Volker musst Dich hier zum Obermoralisten aufspielen. Hauptsache Du warst bei klarem Verstand, als Du Mitglied der Partei der Arbeiterklasse wurdest. Für mich sind die SED-Mitglieder, die sich aus Vorteilserwägungen der Partei anschlossen, moralisch verkommener als die Menschen, die aus Überzeugung dem Staat dienten.



Was Du da gerade "abgesondert" hast ist doch nicht mehr und nicht weniger als Deine eigene Partei-Mitgliedschaft als das hin zu stellen zu versuchen, was sie nicht war. Als ehemaliges "überzeugtes" Mitglied einer solch kriminell ausgerichteten Partei hast Du bei weitem nicht das Recht ehemaligen, wenn auch aus gerade zwangsweise opportunistischen Gründen eingetretenen Mitgliedern, eine "moralische Verkommenheit" vor zu werfen.
Ihr "Überzeugten" hattet diese 2 Millionen doch selbst auf dem Gewissen in dem Ihr diese schändlichen Vorgaben geschaffen hattet.
Und tu mal ansonsten nicht so als ob Ihr "Überzeugten" die Euch gebotenen "Vorteile" nicht zu schätzen gewußt hattet.

Ich kannte genug die in die SED hinen marschiert wurden, obwohl sie eigentlich gar nicht wollten.
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Re: Suizidquote in der DDR

Beitragvon karnak » 3. September 2015, 16:10

Wosch hat geschrieben:

Sag mal, @Karnak, hatte man dich eigentlich gezwungen zur Stasi zu gehen oder nicht?
Spielt im Grunde genommen auch keine Rolle, solange Du Deine Dir zugewiesene "Arbeit" auftragsgemäß ausgeführt hattest.
So ähnlich sehe ich das mit den "IM´s", es kommt wohl auch immer darauf an, was sie so "getrieben" hatten, oder nich??

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Du verstehst die Dinge nicht,willst sie wahrscheinlich gar nicht verstehen,würde ja auch Deine Weltanschauung beschädigen die in ihren Grundfesten aus Vorurteilen besteht.
Die Anwerbung eines hauptamtlichen Mitarbeiters und eines IM waren doch ein paar völlig verschiedene Schuhe.Ein IM war in letzter Konsequenz immer auch Opfer,er wurde benutzt,abgeschöpft über Zusammenhänge im Unklarem gelassen,wenn nötig fallen gelassen,gehörte eigentlich nie wirklich dazu,war Werkzeug.
" Denn sie hassen am Andersdenkenden nicht nur die andere Meinung, zu der er sich bekennt,sondern auch die Vermessenheit, selbst urteilen zu wollen. Was sie ja doch selbst nie unternehmen und im Stillen sich dessen bewusst sind."
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Re: Suizidquote in der DDR

Beitragvon Wosch » 3. September 2015, 16:18

karnak hat geschrieben:
Wosch hat geschrieben:

Sag mal, @Karnak, hatte man dich eigentlich gezwungen zur Stasi zu gehen oder nicht?
Spielt im Grunde genommen auch keine Rolle, solange Du Deine Dir zugewiesene "Arbeit" auftragsgemäß ausgeführt hattest.
So ähnlich sehe ich das mit den "IM´s", es kommt wohl auch immer darauf an, was sie so "getrieben" hatten, oder nich??

Tut mir leid daß ich mich hier rein gehängt hatte, Tschuldigung.
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Du verstehst die Dinge nicht,willst sie wahrscheinlich gar nicht verstehen,würde ja auch Deine Weltanschauung beschädigen die in ihren Grundfesten aus Vorurteilen besteht.
Die Anwerbung eines hauptamtlichen Mitarbeiters und eines IM waren doch ein paar völlig verschiedene Schuhe.Ein IM war in letzter Konsequenz immer auch Opfer,er wurde benutzt,abgeschöpft über Zusammenhänge im Unklarem gelassen,wenn nötig fallen gelassen,gehörte eigentlich nie wirklich dazu,war Werkzeug.



Klar @Karnak, aber ich hatte nach Deiner Person gefragt und danach wie es bei Deiner "Anwerbung" so hergegangen war.
Mußt doch nicht drum rum reden.

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Re: Suizidquote in der DDR

Beitragvon karnak » 3. September 2015, 16:24

Wosch hat geschrieben:

Klar @Karnak, aber ich hatte nach Deiner Person gefragt und danach wie es bei Deiner "Anwerbung" so hergegangen war.
Mußt doch nicht drum rum reden.

Wosch. [hallo]

Wie soll das schon daher gegangen sein,letztlich wie ein normales Personalgespräch ,nur mit dem einen Unterschied,dass der Personalchef zu mir gekommen ist und nicht umgedreht.Was in dem Fall auch nachvollziehbar sein müsste.
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Re: Suizidquote in der DDR

Beitragvon Merkur » 3. September 2015, 16:26

HPA hat geschrieben:
Wenn man Dich so liest muss man sich fragen warum Du 12 Jahre bei der Bundeswehr gedient hast.


Du liegst leider daneben [grins]
Der Vorteil der Klugheit besteht darin, dass man sich dumm stellen kann. Das Gegenteil ist schon schwieriger.
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Re: Suizidquote in der DDR

Beitragvon Merkur » 3. September 2015, 16:33

Wosch hat geschrieben:

[b]Was Du da gerade "abgesondert" hast ist doch nicht mehr und nicht weniger als Deine eigene Partei-Mitgliedschaft als das hin zu stellen zu versuchen, was sie nicht war. Als ehemaliges "überzeugtes" Mitglied einer solch kriminell ausgerichteten Partei hast Du bei weitem nicht das Recht ehemaligen, wenn auch aus gerade zwangsweise opportunistischen Gründen eingetretenen Mitgliedern, eine "moralische Verkommenheit" vor zu werfen.


Auch Du liegst daneben [grins]
Der Vorteil der Klugheit besteht darin, dass man sich dumm stellen kann. Das Gegenteil ist schon schwieriger.
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Re: Suizidquote in der DDR

Beitragvon Kumpel » 3. September 2015, 16:33

Nur mal zur historischen Richtigstellung. Die SED war nie die Partei der deutschen Arbeiterklasse, sondern lediglich der verlängerte Arm Moskaus in Deutschland. Heute verhält es sich mit der Linken in Deutschland ähnlich.
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Re: Suizidquote in der DDR

Beitragvon Sirius » 3. September 2015, 23:27

karnak hat geschrieben:
HPA hat geschrieben:Fakten zeigen allerdings auch die Grafiken in der oben verlinkten PDF. Nämlich Zunahme von Suiziden bei bestimmten gesellschaftlichen Umwälzungen. So ja auch 1991.

Natürlich, dass hat aber dann eher was mit sozialen Unsicherheiten und oder der vermeintlichen Erkenntnis sein Leben in den Dienst einer falschen Sache gestellt zu haben zu tun, nicht mit dem unerträglichen Leben in dem System DDR an sich, dass gab es nämlich 91 nicht mehr.


Vor ein paar Jahren gab es einen Thread über die MfS-Bezirksverwaltung Neubrandenburg - dort wo @ Neun gearbeitet hatte. In dem Thread ging es um den Suizid des Chefs dieser Bezirksverwaltung im - wenn ich es richtig in Erinnerung habe - Mai 1990. Er saß bereits kurze Zeit zuvor in Untersuchungshaft. @Neun schrieb, dass er "Manns genug" gewesen sei, sich eine Kugel in den Kopf zu schießen. Ich weiß nicht, wie ich es genau ausdrücken soll, aber für mich wirkte diese Aussage ziemlich "radikal", "kompromisslos", ohne Anteilnahme. Aber wahrscheinlich ist eine solche Einstellung Voraussetzung um dort in der Funktion zu arbeiten, die er dort hatte. Es sollen sich ja einige Chefs dieser Bezirksverwaltungen das Leben genommen haben. Du weißt das vermutlich schon.
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Wer sich nicht an die Vergangenheit erinnern kann, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen.
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Re: Suizidquote in der DDR

Beitragvon tom-jericho » 4. September 2015, 23:48

Volker Zottmann hat geschrieben:So traurig jeder Suizid im Einzelnen ist,
so egal ist mir, wenn sich ein IM heute wegen seiner damaligen Vergangenheit das Leben nimmt. Wer bei klarem Verstand kein IM wurde, der braucht im Alter auch keine Angst vor seiner ihn einholenden Vergangenheit haben.

Gruß Volker


IM = Innen-Minister ?

IMK = Innen-Minister-Konferenz ?

Ach Herr Zottmann, sie reden mal wieder von verschütteter Milch!

Und sie kennen meine Liste der "geschwärzten Namen" seit der "Wende" nicht.
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Re: Suizidquote in der DDR

Beitragvon tom-jericho » 4. September 2015, 23:59

Kumpel hat geschrieben:Der Selbstmord von Jürgen Borchert ist schon eine tragische Sache , zumal er seinerzeit nun nicht der DDR konformste Schriftsteller war und ihm Menschen die er bespitzelt hatte das Gespräch angeboten hatten.
Zum anderen hatte er sich nicht nach den Bescheiden der Gauck Behörde das Leben genommen wie diese Altstalinisten vom ND das schreiben ,denn er wird schon gewußt haben was er getan hatte , sondern weil nach dem Bekanntwerden seiner Tätigkeiten für die Stasi sich Menschen aus seinem Umfeld von ihm abgewand hatten.
Der Stasi war es egal was sie menschlich anrichteten.
Heute werden von der Linken mit Personen wie Borchert Märtyrer geschaffen.


Q-Ton "Das Leben der Anderen": ----> "Was hat Selbstmord mit Mord zu tun?"

Darum schreibe bitte Suizid, wie es die Themenüberschrift vorgibt.
Du bist nicht der Scharfrichter, darum urteile nicht zu hart.

Wie schrieb damals die Schweriner Volkszeitung:

" ... er nahm sein Geheimnis mit in`s Grab ..."

Ich besasz milndenstens ein Buch von Jürgen.

"Mein Mäckelburger Zettelkasten"

Ein grünes Buch war es von ihm, und nicht das von Oberst Gadaffi.

Mittlerweile habe ich mir schon lange meinen eigenen Mäckelburger Zettelkasten zugelegt.
Er befaszt sich mit dem Leben meiner Vorfahren, den Slawen.
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Re: Suizidquote in der DDR

Beitragvon pentium » 5. September 2015, 19:52

Anmerkung der Moderation

Thema ist die Suizidquote in der DDR. Ich habe deshalb einige Beiträge zur SED Mitgliedschaft ausgelagert, ebenso einige Beiträge, welche mit o.g. Thema überhaupt nichts zu tun haben.
Diese OT-Beiträge sind unter OT Beiträge aus "Suizidquote in der DDR" im Mitgliederbereich unter Ausgelagerte Beiträge OT Beiträge aus "Suizidquote in der DDR" zu finden, falls jemand einen Vorschlag für ein oder zwei neue Themen aus diesem OT-Beiträgen hat? Jedenfalls kann dort auch so weiter geschrieben werden.
Beiträge zum Pastor Oskar Brüsewitz habe ich in den Thread "Das Fanal von Zeitz - Die Selbstverbrennung von Pastor Oskar Brüsewitz" Politische Systeme ‹ Kirche und Religion verschoben.

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Re: Suizidquote in der DDR

Beitragvon Interessierter » 10. Dezember 2017, 13:04

DDR-Psychotherapie: Anpassung, Widerstand und Stasi - Freud blieb bis zum Schluss verboten

"Angst" - das klingt zu negativ, befand der Zensor. Also verbot man den Psychotherapeuten der DDR, ihre Tagung 1987 unter dieses Thema zu stellen. Etwas positives, optimistisches müsse dazugestellt werden: Der Zensor schlug "Angst und Mut" vor. Man einigte sich auf "Angst und Angstbewältigung". Ein Kongressbericht konnte jedoch nirgends erscheinen. Psychotherapie in der DDR - "Das war immer eine Gratwanderung zwischen Anpassung und Widerspruch", meinte der Arzt und Psychologe Dieter Seefeldt auf dem 25. Potsdamer Psychotherapie-Symposium in der Heinrich Heine-Klinik Potsdam-Neu Fahrland. Seefeldt leitet dort die Psychosomatische Abteilung.

Suizid war kein Tabuthema

Manchmal gab es auch Überraschungen mit den Kontrolleuren. 1981 wurde das Tagungsthema Suizid erstaunlicherweise genehmigt, obwohl der Selbstmord im Sozialismus ein Tabu war und in der Todesursachen-Statistik nicht mehr vorkam.

Im Westen ist kaum bekannt, dass sich in der DDR eine Psychotherapie entwickelt hatte, die sich von der in der Bundesrepublik anerkannten wenig unterschied. Für Patienten wie Therapeuten war sie eine Art Freiraum. Wenn man bestimmte, oft rein formale Zugeständnisse machte, war erstaunlich viel möglich.

In einem Zeitzeugen Gespräch blickte die Avantgarde der ostdeutschen Psychotherapeuten zurück. Zum Beispiel Siegmar Scheerer, der dem Vorstand der regionalen Fachgesellschaft Frankfurt/Oder angehörte. Als er im Ambulatorium eine PsychotherapieAbteilung einrichten wollte, erhielt er zwar keine staatliche Unterstützung. Aber die Vorgesetzten, Kreis- wie Bezirksarzt, ließen ihn gewähren: "Herr Scheerer, Sie können machen, was Sie wollen, Hauptsache, der Laden läuft." Nur befördert wurde er nie. Und Reisen ins "kapitalistische Ausland", die Bundesrepublik eingeschlossen? Als Seefeld einmal von dort eine Einladung bekam, verweigerte man ihm die Reisegenehmigung und legte ihm nahe, sich mit Krankheit zu entschuldigen. "Das wirst Du doch nicht etwa tun?" fragte seine Tochter empört.

Er tat es nicht. Zwar passierte ihm nichts, aber Professor wurde er erst, als es die DDR nicht mehr gab. Und Michael Geyer, Direktor der Leipziger Universitätsklinik für Psychotherapie, fand in einer Stasi-Akte ein Papier von 1986 mit dem Titel "Vorbeugende Verhinderung einer eventuellen Berufung an die Medizinische Akademie Erfurt." Darin wird auf seine vielen Kontakte zu Ärzten und Wissenschaftlern hingewiesen, die die DDR verlassen hätten oder verlassen wollten "beziehungsweise bereits anderweitig operativ angefallen sind".

Mit dem interessaten Bericht geht es hier weiter:
http://www.tagesspiegel.de/weltspiegel/ ... 51434.html
Auch aus Steinen die einem in den Weg
gelegt werden,
kann man was schönes bauen
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