Zu Besuch in Fitzeks "Königreich Deutschland": Wie Reichsbürger einen Biohof bei Freiberg übernehmen
Halsbrücke.
Im Kanzleilehngut in Halsbrücke konnte man früher guten Hartkäse kaufen. Goldgelbe Farbe, kräftiger Geschmack, Bioqualität für 2,99 Euro je 100 Gramm. Hergestellt wurde er in einer eigenen Käserei aus hofeigener Rohmilch. Man bekam den Käse im Gutsherrenhaus, donnerstags war geöffnet. Der Hofladen ist jetzt zu. Ein Zettel mit der Hausordnung der neuen Bewohner hängt im Fenster: "Mit dem Betreten der Räumlichkeiten sind Sie temporär Staatszugehöriger des Königreichs Deutschland."
Sie glauben, in einem eigenen Staat zu leben
Die neuen Bewohner sind davon überzeugt, dass sie in einem eigenen Staat leben. Mit eigener Verfassung, Währung, Kranken- und Rentenkasse - ein "Gemeinwohlstaat", in dem niemand Steuern zahlt. Ihr "Staatsterritorium", das Kanzleilehngut und seine Weiden, 121 Hektar groß, mit Milchkühen und Wollschweinen, liegt am ältesten historisch verbrieften Ort, an dem sich Menschen in der Gegend des Dorfs Halsbrücke bei Freiberg in Mittelsachsen niederließen. Damals, im 14. Jahrhundert, herrschte hier Markgraf Friedrich III. von Meißen. Heute, so glauben seine "Untertanen", ist es "König Peter I." alias Peter Fitzek, ein 57-jähriger gelernter Koch und Esoterik-Trainer aus Sachsen-Anhalt.
Die Ställe des einstigen Biobauernhofs liegen abseits des Dorfs in einer Sackgasse. Einen Pressetermin dort lehnt Fitzek ab, "da die Mitarbeiter vor Ort keine ausreichend qualifizierten Antworten zu juristischen Fragen geben können", wie er über seine Lebensgefährtin ausrichten lässt. Damit bleiben nur die Erkenntnisse aus einer verdeckten Recherche der "Freien Presse".
https://www.freiepresse.de/nachrichten/ ... el12960764








