Die Beteuerungen der Hisbollah.... sind ein Signal, dass die Schiitenorganisation nicht vorsätzlich die ungeschriebenen Regeln verletzt hat, nach denen der Schlagabtausch bislang ablief. Es ist tatsächlich zweifelhaft, dass sie gezielt Drusen unter Feuer genommen hat, also eine arabische Minderheit, deren wichtigste Führungsfigur in Libanon fest an ihrer Seite steht. Aber es wäre nicht der erste Krieg, der durch einen unbeabsichtigten Fehltritt entfesselt würde...
FAZ
Doch je länger der Krieg gegen die Terrororganisation Hamas in Gaza andauert, je mehr die israelische Armee dort dauerhaft gebunden ist, desto größer die Versuchung für die Verbündeten des Irans, die israelische Verteidigungsfähigkeit zu testen. Das ist hochgefährlich, vor allem, wenn die eingesetzten Mittel so unpräzise sind wie die Rakete, die in Madschd al-Schams so viele unschuldige Opfer forderte.“
Märk. Oderzeitung
„Die Hisbollah dementiert diesmal, gegen ihre Gewohnheiten“, gibt DER STANDARD aus Österreich zu bedenken: „Übrig bleiben tote Kinder. Für die israelische Regierung ändert sich nichts dadurch, dass die ungelenkte Rakete in einem Gebiet einschlug, dessen Zugehörigkeit zu Israel die meisten Staaten der Welt nicht anerkennen. Israel hat diesen Teil des Golan, aus dem es immer wieder angegriffen wurde, 1967 erobert und besetzt und 1981 annektiert. Die Drusen und Drusinnen, die dort leben, haben im Gegensatz zu jenen im Norden des israelischen Kernlands jedoch teilweise keine Loyalitätsgefühle Israel gegenüber. Viele sehen sich weiter als syrisch. Das könnte das Dementi der Hisbollah erklären, für den verheerenden Angriff auf ein ziviles Ziel verantwortlich zu sein“, vermerkt DER STANDARD aus Wien.
Die Hisbollah ist eng mit dem iranischen Regime verbunden, und eine israelische Offensive im Libanon könnte eine iranische Reaktion provozieren. Damit droht eine Kettenreaktion, die den gesamten Nahen Osten in Brand setzen, den Ölpreis explodieren lassen und so zu wirtschaftlichen Schäden und Unruhen in der übrigen Welt führen könnte“, hält DE TIJD aus Brüssel fest.
Einen Raketenbeschuss mit dieser Intensität hat Israel noch nie erlebt. Bis Donnerstagmorgen haben die radikalislamische Hamas und der Islamische Jihad aus dem Gazastreifen mehr als 1600 Raketen auf israelische Ziele abgefeuert. Am Dienstag und am Mittwoch waren es innert weniger Minuten teilweise über 100 Raketen.
Während des letzten Gazakriegs 2014 hatten die Islamisten innerhalb von 50 Tagen insgesamt 4000 Raketen auf Israel abgefeuert. Täglich waren es einige Dutzend, meist über den ganzen Tag verteilt. Die meisten dieser Raketen erreichten damals nur den Süden Israels. Die Hamas verfügte zu diesem Zeitpunkt kaum über Raketen mit einer Reichweite von mehr als 75 Kilometern, die Tel Aviv oder Jerusalem hätten erreichen können.
Wie sich in den letzten Tagen gezeigt hat, verfügt die Hamas nun jedoch über deutlich mehr Waffen als damals. Zudem ist sie heute in der Lage, etliche Raketen gleichzeitig loszuschiessen. Und diese haben eine grössere Reichweite und werden häufiger über Tel Aviv oder gar Jerusalem abgefangen.
Offizielle Angaben zum Waffenarsenal der Hamas und des kleineren Islamischen Jihad gibt es keine. Beide Terrorgruppen haben ihr Waffenarsenal seit dem Ende des Gazakriegs 2014 laut Experten aber stark ausbauen können. Die israelische Armee ging bisher davon aus, dass die Hamas über etwa 7000 Raketen und Lenkflugkörper verfügte, von denen aber nur einige Hundert weiter als 75 Kilometer und nur ein paar Dutzend bis zu 150 Kilometer fliegen können. Der Islamische Jihad sollte demnach rund 6000 Raketen mit kürzerer Reichweite besitzen.
Die Angriffe der letzten Tage haben die Israeli jedoch aufgeschreckt. Sie fragen sich nun besorgt, ob das Arsenal der Extremisten im Gazastreifen nicht deutlich grösser sei, als Sicherheitsexperten angenommen hatten. Die Hamas versucht ganz offensichtlich, die israelische Raketenabwehr zu testen.
NZZ
AZ